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Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass

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Thalia1913
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 27.06.2014
Beiträge: 3763
Alter: 48

BeitragVerfasst am: 06.08.2017, 17:16    Titel: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Forum,

Angelehnt an das Gespräch im Thread von Stoffel
http://www.forum-alkoholiker.de/ftopic35468.html

würde ich gerne eure Erfahrungen und Einschätzungen hierzu lesen. Ist das Leben mit einem trockenen Alkoholiker ein Leben auf dem Pulverfass? Sitze ich als trockener Alkoholiker selber auf meinem eigenen Pulverfass? Wie gelingt es, wieder zu vertrauen - dem trockenen Partner oder sich selbst? Ist das überhaupt möglich?

Dies wäre ein Thema, bei dem sowohl Angehörige von trockenen Alkoholikern ihre Erfahrungen teilen könnten, als auch wir trockenen Alkoholiker selbst.

Mein Vertrauen zu mir selbst ist zutiefst erschüttert gewesen, aber langsam baue ich wieder welches auf. Ist das blauäugig? Verkenne ich damit das Wesen der Sucht? Oder geht es nur so, durch Wiederaufbau von Vertrauen.

Und wie ist das bei euch Angehörigen? Was hat euch geholfen, (hilft euch), wieder Vertrauen in den alkoholkranken Angehörigen aufzubauen?

Über Beiträge würde ich mich freuen.

Grüße
Thalia
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Thalia1913 hat zum Thema: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass geschrieben
Sunshine_33
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.07.2013
Beiträge: 3454
Alter: 56
Wohnort: Trocken seit 2001

BeitragVerfasst am: 06.08.2017, 20:40    Titel: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Thalia,

ich bin seit 15 Jahren trocken und habe ganz und gar nicht das Gefühl, auf einem Pulverfass zu sitzen.
Ich vertraue darauf, das ich mir in der Zeit eine stabile Trockenheit aufgebaut habe.
Und die hat ihre Festigkeit schon einige Male bewiesen, als mich nicht einfach zu verdauende Schicksalsschläge trafen.
Ich habe in diesen Situationen nicht mehr zur Flasche greifen müssen, es kamen nicht mal Gedanken daran.
Wieder zu saufen ist keine Option für mich und ich hoffe und denke, das es auch so bleibt.
Ich habe mir mein trockenes Leben selbst und auch mit Hilfe aufgebaut und ich habe keinen Bock, alles wieder kaputt zu machen.
Meine Entgiftung war außerdem sehr hart und ich möchte sowas nie wieder erleben müssen.

Ich könnte es mir auch gar nicht vorstellen, wie ich das hinbekommen sollte, wenn ich mich dauernd wie auf einem Pulverfass fühlen würde?
Das wäre für mich kein erstrebenswertes Leben gewesen, das wäre ja innerlicher Stress pur.
Nein, so habe ich das glücklicherweise noch nie empfunden.

Zwischen meinem damaligen Partner und heutigen Ehemann gabe es natürlich Gespräche über meine Alkoholkrankheit nach der Entgiftung.
Ich habe ihn auch unter anderen gefragt, ob er mir denn überhaupt verzeihen kann, denn ich war im Suff mehrmals verbal sehr aggressiv geworden.
Er sagte mir daraufhin "ich habe Dir an dem Tag schon alles verziehen, als Du in die Entgiftung gingst"
Diese Worte werde ich wohl nie vergessen.
Und es war dann auch wirklich so, es wurde von seiner Seite aus nie wieder über Vorfälle aus Saufzeiten gesprochen.
Er war aber immer ansprechbar, wenn ich darüber sprechen wollte.
Wir haben einige Jahre nach der Entgiftung dann geheiratet.
Ich denke nicht, das mein Mann das getan hätte, wenn er das Gefühl gehabt hätte, das er sich damit auf ein Pulverfass begibt.
Neee... war echt nich so, mein Mann hat mir im Grunde schon gleich nach der Entgiftung wieder zu einem großen Teil vertraut.
Vielleicht war er damit blauäugig, aber es war nun mal so.
Ich war natürlich froh darüber.
Und mit der Zeit hatte ich auch wieder sein vollstes Vertrauen.
Ich habe ihn mal gefragt, ob er denn nie Angst hatte, das ich wieder trinke?
Er verneinte das und meinte auch, das er nicht denke, das ich nochmal so eine Entgiftung haben möchte.
(Es stand damals auf Messers Schneide, ob ich die Entgiftung überhaupt überlebe).

Ich muss noch ergänzend dazu erwähnen, weder meinem Mann noch mir war zum damaligen Zeitpunkt die hohe Rückfallquote bekannt.
Und vielleicht war das für uns auch ganz gut so.

Zitat:
Mein Vertrauen zu mir selbst ist zutiefst erschüttert gewesen, aber langsam baue ich wieder welches auf.
Ist das blauäugig? Verkenne ich damit das Wesen der Sucht?
Oder geht es nur so, durch Wiederaufbau von Vertrauen.


Ich persönlich halte das nicht für blauäugig, sondern für notwendig.
Wie soll ich ein trockenes Leben führen, wenn ich mir selbst nicht mal übern Weg traue?
Ich erlaube mir, mir selbst wieder ganz zu vertrauen.
Ich WEISS, das ich alkoholkrank bin und das auch immer bleiben werde.
(Und um 15 Jahre lang ein zufriedenes, trockenes Leben führen zu können, kann ich wohl nicht alles ganz verkehrt gemacht haben Winken )
Ich bin alkoholkrank, aber ich bin auch noch ein ganz normaler MENSCH !
Ich definiere mich nicht über meine Krankheit. Sie ist "nur" ein Teil von mir.

LG Sunshine
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Sunshine_33 hat zum Thema: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass geschrieben
Katrienchen
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 11.03.2017
Beiträge: 115
Wohnort: nrw

BeitragVerfasst am: 06.08.2017, 21:22    Titel: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

ich habe ihm bevor mir klar wurde, dass alles nur "alkoholisiertes Gelaber" war tausendprozentig vertraut... Er weiß Dinge von mir, die sonst niemand weiss. Mein Innerstes, meine geheimsten Gedanken.

Ob ich ihm heute nochmal vertrauen würde?

Ich würde es versuchen, aber denke nein Traurig
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Katrienchen hat zum Thema: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass geschrieben
NNGNeo
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 27.09.2012
Beiträge: 1479
Alter: 35
Wohnort: nrw

BeitragVerfasst am: 06.08.2017, 22:24    Titel: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo thalia

ich sehe es ähnlich wie sunshine, ich denke nicht das ich auf einem pulverfass sitze. wenn ich mir vorstellen müsste das ich quasi immer auf einer bombe sitze die jederzeit hochgehen kann, dann würde ich mich damit wohl ziemlich mies fühlen.

selbstverständlich bin ich mir darüber klar das jeder von uns nicht vor einem rückfall zu hunder prozent sicher ist, aber ich lebe nicht in ständiger angst vor einem rückfall. würde ich das tun dann würde mein leben immer noch vom alkohol bestimmt werden, auch wenn ich ihn gar nicht mehr trinke.
ich will keine angst haben, sondern mein leben selbst bestimmen, was ich auch tue. ich habe mir ein alkoholfreies leben aufgebaut, dafür habe ich hart gekämpft und das will ich nie wieder hergeben.
ich hoffe und denke das dies auch so bleiben wird, auch wenn man sich nicht zu hundert prozent sicher sein kann, aber ich bin stabil und werde auch alles dafür tun das dies so bleibt.

mein selbstwertgefühl war auch kaputt, als ich aufhörte zu trinken hatte ich auch oft genug zweifel ob ich es auch weiterhin schaffe trocken zu bleiben.
nach und nach habe ich wieder zu mir vertrauen gefunden, und somit meine trockenheit weiter stabelisieren können. ich glaube auch das man nicht zufrieden trocken sein kann wenn man sich selbst nicht über den weg traut wie sunshine es schon gesagt hat. das kam alles erst mit einer gewissen zeit.

heute kann ich sagen das ich wieder ein ganz normales leben habe, als alkoholiker. das geht aber nur wenn man trocken ist, sich selbst vertraut und akzeptiert.
grüße
NNGNeo
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NNGNeo hat zum Thema: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass geschrieben
stoffel50
Gast






BeitragVerfasst am: 07.08.2017, 04:30    Titel: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo an Alle,

die Formulierung mit dem Pulverfass stammt von mir.
Man sollte aber den Zusammenhang in dem sie gebraucht wurde kennen, darauf hat Thalia auch ganz richtig hingewiesen.
Wenn sich eine Alkoholabhängigkeit herausgebildet hat lebt es sich halt wie auf einem Pulverfass.
Das soll nicht bedeuten dass ich ständig mit der Angst lebe es könnte zu einem Rückfall (bei mir oder beim Partner) kommen.
Es soll den großen Respekt ausdrücken, den ich vor der Krankheit habe. Eben dieser Respekt und mein Wissen um die Tücken der Sucht gibt mir Vertrauen.
Der Zitronen Bauer in Sizilien, am Berghang des Äthna zittert auch nicht davor, dass der Vulkan jederzeit ausbrechen kann,
er hat sich mit der Situation arrangiert, aber er weiß um die ständig vorhandene Gefahr.
Ich habe im Laufe der Jahre Betroffene erlebt, die trotz zurück erkämpfter Sicherheit im Umgang mit Alkohol und Zufriedenheit mit sich,
nach sehr langer Abstinenz einen Rückfall hatten. Das ist Mahnung für mich.
Mein Pulverfass, Vulkan oder ... nennt es wie ihr wollt, ist und bleibt in meinem Bewusstsein, aber o h n e mir deshalb Angst zu bereiten.
Ich lebe Heute, was mir das Morgen bringt das weiß ich nicht, ich weis nur dass auch Morgen die Sonne wieder aufgehen wird.

Euer Stoffel50
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stoffel50 hat zum Thema: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass geschrieben
Carl Friedrich
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 06.07.2015
Beiträge: 1101

BeitragVerfasst am: 07.08.2017, 16:30    Titel: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo!

Ich lebe weder auf einem Pulverfass, noch hocke ich auf einer Bombe, die jederzeit hochgehen kann.

Ich weiß um meine Krankheit, wie viele Menschen mit ihren Krankheiten und Wehwehchen auch. Ich verhalte mich halt entsprechend. Und glaube mir thalia, ich möchte nicht mit Leuten tauschen, die gegen ihre Krankheit Chemikalien schlucken oder sich bestrahlen lassen müssen. Dagegen habe ich geradezu eine Luxuskrankheit. Ich muss nur etwas unterlassen, nämlich Alkohol zu trinken. Das ist schon alles. Und je länger ich trocken bin, um so leichter fällt es mir, bei gleichzeitiger Bewahrung der Demut vor der Krankheit und ihren Tücken.

Was das Vertrauen anbelangt: Das wurde mir von meiner Familie schon in dem Augenblick entgegengebracht, als ich die Suchthilfe aufsuchte und begann, mich mit unserer Krankheit intensiv auseinander zu setzen.

Ansonsten gilt: Vertrauen kann man sich schlicht und ergreifend erarbeiten. Das dauert halt ein Weilchen. Und? Haben wir keine Zeit? Doch alle Zeit der Welt, die wir für uns benötigen und uns auch geben.

Gruß
Carl Friedrich
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Carl Friedrich hat zum Thema: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass geschrieben
Barthell
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 24.04.2016
Beiträge: 873
Alter: 35
Wohnort: Nüchtern seit 07.04.2017

BeitragVerfasst am: 08.08.2017, 10:12    Titel: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich sehe das ählich wie Carl Friedrich, Ich sehe ein Risiko in der Krankheit, ja aber dsa ist wie mnit vielen Risiken im Leben.


Vertrauen? muss/kann man sich erarbeiten, dauert evtl etwas länger weil man vorher viel kaputt gemacht hat, aber es geht.
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Barthell hat zum Thema: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass geschrieben
Slowly
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 28.02.2014
Beiträge: 1448

BeitragVerfasst am: 09.08.2017, 08:47    Titel: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen,

mir selbst als trockene Alkoholikerin vertraue ich sehr, dass ich meine
bekommene Chance weiterhin nutzen werde, um trocken zu bleiben.

Stünde ich vor der Entscheidung eine Beziehung mit einem seit kurzer Zeit trockenen Alkoholiker einzugehen, dann würde ich mir selbst davon abraten.

Ich würde in mich gehen und mich fragen wie es kommt, dass ich gerade wieder auf einen Menschen anspringe, der ein Suchtproblem hat.

In diesem Fall würde ich Vertrauen als gefährlich und nicht der Situation entsprechend betrachten.

Würde ich vor der Entscheidung stehen mit einem Mensch eine Beziehung einzugehen, der schon lange trocken ist, dann würde ich die Sache sehr langsam angehen und das Reden an erste Stelle setzen.

Würde es sich um meine Kinder handeln, denen ich vertrauen möchte, wo Vertrauen gar keinen ernst zu nehmenden Platz hat, dann wäre ich am Ende meines Lateins........

Das sehe ich gerade an einer Freundin.

LG Slowly
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Slowly hat zum Thema: Re: Diskussionsthema: Vertrauen oder Pulverfass geschrieben

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