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Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter

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karaoke5
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 07.01.2017
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 09.01.2017, 20:12    Titel: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Falsches Forum gepostet, daher hier noch einmal:

Hallo und entschuldigt den etwas reißerischen Titel, ich werde gleich ausführen warum ich ihn gewählt habe. Ich bin Jan, 26 Jahre alt, habe ein Studium erfolgreich abgeschlossen und lebe (noch bzw. wieder) bei meiner Mutter, die Alkoholikerin ist. Ich glaube gerade in der jetzigen Zeit gibt es so viele Menschen mit Herausforderungen, die noch viel härter sind, als mit einer alkoholkranken Mutter aufzuwachsen, aber trotzdem will ich von mir erzählen.

Falls möglich, hätte ich gerne euere Meinung zu meiner Geschichte und vielleicht einen Ratschlag, falls ihr schon älter oder weiter seid als ich, oder auch nur ein Wort für mich. Aber ich will mit meiner Geschichte nicht nur nehmen, sondern auch geben. Vielleicht findet sich der eine oder die andere in meiner Geschichte wieder und es hilft euch.

Wie jede Geschichte, die hier wohl gepostet wird, beginnt meine Geschichte auch mit der ersten Erinnerung daran, wie Mama getrunken hat. Ich war 9 oder 10, es war der Geburtstag meines Opas im Gasthaus, und Mama hat noch schnell drei Bier runtergekippt, bevor wir ins Gasthaus gingen. Warum oder weshalb verstand ich damals nicht, schließlich hat doch auch Opa oder Papa auf der Feier ein Bier getrunken - ist doch völlig normal.

Auch verstand ich nicht, warum Mama und Papa immer gestritten hatten. Ich habe nur den Lärm, Blut, das Geräusch zerbrochener Gegenstände oder das forsche "Grüß Gott" von Polizisten, die wieder einmal in die Wohnung kamen, wahrgenommen und hatte keine Ahnung, warum sich meine Eltern nicht verstanden hatten. Ich wusste nur, dass ich Angst hatte. Irgendwann war ich groß genug, so um die 14 Jahre, um auf alle Regale in der Küche zu gelangen. Ohne wirklichen Grund habe ich mal gesehen, welche Geräte die Eltern denn so haben. Normalerweise ist das nun der Part, an dem sich ein Kind verbrüht oder irgendwie schneidet un es blutig wird, aber ich habe bloß ein Regal voller leerer Alkoholflaschen entdeckt.

Um die 14 war mir auch klar, dass Mama unterschiedliche Launen hat. So kam es auch dazu, dass ich einen Zusammenhang zwischen den leeren, stinkenden Flaschen und der Charakterveränderung meiner Mutter festgestellt habe. Der Alkohol war schuld daran, dass Mama mal wieder durchdreht und mit einem Messer auf meinen Vater losgeht. Die Lösung war eigentlich sonnenklar - ich musste sie daran hindern, zu trinken.

Daher habe ich einfach immer wieder krank gespielt, um nicht in die Schule zu müssen. So konnte ich kontrollieren, prüfen und verhindern, dass Mama nicht trinkt und es einen der seltenen friedlichen Tage gibt. Im Nachhinein habe ich natürlich nichts verhindert, meiner Mama war einfach manchmal zu schlecht oder zu übel, um aufzustehen und zu trinken - oder es war Sonntags und sie konnte sich nichts kaufen. Ich erinnere mich aber gut an einen Streit, bei dem ich meine Mutter zum ersten mal damit konfrontierte, dass die zu viel sauft. Sie meinte daraufhin nur "Kein Wunder, wenn ich ein schlechtes Kind habe, dass ständig Schule schwänzt und ich mir Sorgen um das Kind machen muss". Vielleicht versteht sie im Himmel dann, dass ich eigentlich wegen ihr zu Hause blieb - ein kläglicher Versuch eines 14 Jährigen, der noch keine Ahnung von der Welt hatte.

So krochen die Jahre dahin und dank des Internets kann man sich - wie ja auch hier im Forum - schnell und mit Gleichgsinnten austauschen. Im echten Leben war es mir zu peinlich, mit Freunden darüber zu reden. Vielmehr versuchte ich wie so viele, das Verhalten meiner Mutter zu vertuschen oder zu verstecken. Schließlich will ich nicht das Kind einer Schnapsdrossel sein - wer will das schon? Friedliche Tage wechselten sich so mit Geschrei, Angst und Krankenhausaufenthalte ab - bis es meinem Vater reichte und er ging, ich war damals 17 Jahre alt.

Ich hatte aber nie das Gefühl, zurückgelassen zu werden. Im Gegenteil, ich war heilfroh, endlich keine Streiterei mehr, keine Angst - und meine Mutter hört zum saufen auf, schließlich sei ja mein Vater Schuld daran, dass sie trinkt. Doch weit gefehlt, sie suchte sich immer neue Gründe zum trinken, eine Reihe von Erlebnissen diente hier als Grund, die Scheidung, der Tod meines Opas, ich (Einzelkind übrigens) oder ihre Arbeitskollegen. Der Hintergrund ist wohl, dass meine Mum in ihrer Kindheit von meiner Oma mütterlicherseits misshandelt wurde, geschlagen, getreten, missbraucht und meine Mama das nie verarbeitet hat. Hinzu kommt, dass meine Mama eine Nervenkrankheit hat (soetwas wie Parkinson) und Alkohol natürlich nervenberuhigend wirkt.

In einen der wenigen Augenblicke, in denen sie sich ihre Sucht eingesteht, hat sie erzählt, sie hätte mit dem Trinken deswegen begonnen, weil sie zu Besuch bei den Schwiegereltern eingeladen war und es Suppe gab. Sie konnte die Suppe wegen des Zitterns (Parkinson) jedoch nicht essen, und hätte sich deswegen einfach einen Schnaps vorher reingezogen. Ich verstehe und respektiere, weshalb sie in dieses Loch gefallen ist, jeder Mensch hat seine Gründe und niemand will etwas Böses. Hier geht es auch um kein Werturteil, ich habe Verständnis dafür, dass meiner Mama Böses widerfahren ist und das alles eigentlich ein verzweifelter Versuch ist, mit ihrer Vergangenheit fertig zu werden.

Doch nun zu meiner Gegenwart. Ich wohne noch bei meiner Mutter (ich bin zwischenzeitlich zu meiner Freundin gezogen, habe mich jedoch getrennt und bin zu meiner Mama zurück). Ich fühle mich in gewisser Weise verbunden, denn wenn ich ausziehe und das alles hinter mich lasse, landet sie objektiv gesehen auf der Straße. Es hat sich damals ergeben, dass ich über mein Bank Konto die Rechnungen für Haus, Strom und Internet bezahle und meine Mum mir das Geld dafür gibt. Hintergrund war, dass sie kein Online Banking hat und sie bei ihrer Bank 4 Euro pro Überweisung zahlt, also habe nichts ahnend gesagt, ich überweise es einfach.

Ein Fehler, denn Jahre später stelle ich fest, sie hat keine Ahnungen von Finanzen, ist nicht in der Lage ihre Rechnungen zu bezahlen, wenn ich nicht dahinter stehe, würde sie also delongiert werden und landet auf der Straße. Ich habe genug Kraft und den Willen von ihr wegzuziehen und zwar im Frieden, ich will kein Drama machen und sagen "So jetzt reichts", gar nicht.

Aber ich weiß genau, dass sie ihr Leben nicht in den Griff bekommt. Sie ist natürlich arbeitslos und hat 5 mal den Job gewechselt in wenigen Jahren, hat ohnehin wenig Geld und würde auf der Straße landen. Ich weiß aber leider genau, dass sie dann zu mir kommen würde, in meine neue Wohnung und trotz der ganzen Geschichte weiß ich, dass ich nicht genug Kraft habe zu sagen "Nein, bei mir kannst du nicht wohnen". Denn trotz allem hat sie sehr wohl ihre nüchternen Stunden und Tage und da erkenne ich die Ansätze von meiner Mama, wie sie eigentlich ohne Alkohol als Person wäre und es bricht mir das Herz, sie so dahin bröckeln zu sehen. Ich verstehe, dass es kein Gut und Böse gibt, sondern nur eine schlimme Krankheit, und dieses Forum dazu, um sich auszutauschen.

Heute hat sie Leute angerufen und beschimpft. Daraufhin ist sie total ausgerastet und hat mich beschuldigt, warum ich ihr nicht helfe und diese Leute beschimpfe, ich bin ihr Sohn und müsse sie beschützen. Weil ich diese Leute natürlich nicht angerufen und beschimpft habe, so wie sie wollte, hat sie lauter Gegenstände durch die Wohnung geworfen.

Trotz meiner Geschichte bin ich sehr positiv und dankbar für alles. Meine Mama hat viel für mich getan, das erwähnt sie auch immer wieder, wenn ich ihr wieder hoffnungslos den Alkohol ausreden möchte. Sie versteht nicht, dass meine Worte kein Vorwurf sind, sondern ein Versuch, sie zu retten. Ich weiß nun, dass dies eine Entscheidung ist, die sie selber treffen muss und ich mein eigenes Leben weiter bringen muss. Ich habe ein Unternehmen, tolle Freunde, gehe regelmäßig zum Sport, der mir auch viel Kraft und Mut gegeben hat - sich physisch auszupowern, hat mir ungemein geholfen. Ich bete zu Gott, dass ich niemals Alkoholiker werde und habe Angst davor, einer zu werden. Ich trinke sehr selten, zu Silvester etwa nur drei Corona, gott sei Dank schmeckt es mir auch eher nicht so und ich bekomme Magenweh davon.

Nun, ich nehme das ganze auch mit einer Prise Humor, anders kann ich das ganze nicht bewältigen. Dann stehe ich ab und zu da und denke mir "Warum kann Mama bloß keine Bauchschmerzen vom Bier bekommen, so wie ich?" und muss grinsen. Trotzdem ist die Sache ernst und ich weiß, dass sich etwas ändern muss. Gestern habe ich meiner Mutter den Tod gewünscht, eine schlimme Sache, die mich selber sehr schockiert hat. Wie kann ich diesen Gedanken nur wagen? Aber es würde so vieles einfacher machen, keine Sorgen, sie quält sich nicht mehr - sie sagt ja selber, sie will sterben.

Auf jeden Fall Danke, der Post ist viel länger geworden als ich vor hatte aber trotzdem habe ich nur an der Oberfläche gekratzt, um meine Geschichte zu erzählen. Winken
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karaoke5 hat zum Thema: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter geschrieben
B.Nyborg
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 15.08.2008
Beiträge: 2989

BeitragVerfasst am: 10.01.2017, 00:45    Titel: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karaoke5,

herzlich Willkommen in unserem Forum.

Ich bin eine (nun langjährige) Ex-Partnerin eines Alkoholikers. Als ich dich gelesen habe, habe ich gedacht, dass es wirklich so schade ist, wie Kinder von alkoholkranken Eltern einer Kindheit und Jugend beraubt werden, die ihnen zugestanden hätte. Ich kann verstehen, dass du dich unendlich am Ende angekommen fühlst. Es gibt auch in diesen heutigen Zeiten in meinen Augen nicht eine einzige Herausforderung, die deine weniger hart sein lässt.

Ist gut, dass du nun hier bist. Ich wünsche dir einen guten Austausch und einen guten Weg in dein eigenes und selbstbestimmtes Leben. Ich hoffe, du findest den Mut dazu.

Ich grüße dich, B.Nyborg
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B.Nyborg hat zum Thema: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter geschrieben
karaoke5
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 07.01.2017
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 10.01.2017, 09:25    Titel: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo und vielen Dank.

Naja, ich habe gelernt, dass mir Demut und dankbar sein viel hilft. Statt in der Opfer Rolle zu sein, versuche ich die positiven Dinge zu sehen und auch die meiner Mutter. Deshalb habe ich auch immer gesagt im Text oben, dass es kein Werturteil ist und ich Verständnis habe. Ich habe jetzt zwei Studien abgeschlossen und stehe für mein Alter mal am richtigen Weg. Es ist also nicht so als wäre mein Leben verkorkst, ich hatte auch sehr viele schöne Momente und will nicht alles so darstellen, als ob ich nur gelitten hätte.

Aber ich ziehe im Moment ein Unternehmen auf und habe gemerkt, dass das so viel Kraft und Aufmerksamkeit kostet, dass ich mich dieser Co-Abhängigkeit einfach nicht mehr widmen kann und will. Bis ich hier im Forum mitgelesen habe, habe ich auch gar nicht gewusst was Co-abhängig heißt. Eigentlich war mein erster Gedanke "hä, ich bin doch nicht abhängig". Aber das bin ich. Um ehrlich zu sein bin ich auch für das Internet sehr dankbar, es desozialisiert zwar sehr viele Bereiche des Lebens, dafür vereinfacht es zum Beispiel ungemein anonym Hilfe zu bekommen und sich auszutauschen. Daher auch danke an alle, die dieses Forum hier aufgebaut haben oder hier mitmachen!
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karaoke5 hat zum Thema: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter geschrieben
B.Nyborg
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 15.08.2008
Beiträge: 2989

BeitragVerfasst am: 10.01.2017, 23:40    Titel: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo karaoke,

ich habe es auch nicht so aufgefasst, dass du nur gelitten hast. Keine Sorge. Ich finde es nur nicht richtig, dass die Rollen verschoben sind und Kindern, ob der großen Verantwortung, die sie für ihre Eltern übernehmen, eben ihre Kindheit nicht sorglos haben verbringen dürfen. Ich weiß auch, dass es sehr schwierig ist, nichts auf seine Mama kommen zu lassen. Das geht mir neben all der Aufarbeitungsarbeit bezüglich meiner Kindheit (in der nicht die Mutter sondern der Großvater und Onkel Alkoholiker waren) auch heute noch so... Deswegen stell ich es mir umso schwieriger vor, wenn die eigene Mutter im nassen Zustand ist. Den Partner kann frau (auch total schwierig) jedenfalls besser verlassen, als dass ein kind es bei Mutter tun kann. So jedenfalls ist mein Gefühl dazu. Hast du denn einen Plan, wo du "hinwillst" und wie du das bewerkstelligen willst? Wobei können wir dir hier helfen?

Ich finde es jedenfalls gut, dass du den Weg her gefunden hast. EKAs, also erwachsene Kinder von Alkoholikern, schreiben oft auch in noch einem anderen Forenteil: http://www.forum-alkoholiker.de/selbsthilfe-forum-43.html Vielleicht findest du dort noch mehr Input speziell auf deine Situation.

Viele Grüße, B.Nyborg
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B.Nyborg hat zum Thema: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter geschrieben
karaoke5
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 07.01.2017
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 11.01.2017, 20:53    Titel: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo und vielen Dank an dich. Ich werde dort auf jeden Fall reinschauen.

Hm, also eine konkrete Frage habe ich:

Ich werde bald ausziehen, mit bald meine ich die nächsten 2-3 Monate sind ins Auge gefasst, sobald ich eine gute Wohnung finde. Es ist also entschieden, mittelfristig auszuziehen. Hat natürlich auch andere Gründe und nicht nur den Alkohol - ich muss unabhängig ob meine Mama trinkt oder nicht ins eigene Leben.

Wie ziehe ich am besten aus? Kann ich sie darauf vorbeteiten? Sie wird bestimmt sehr viel trinken in der ersten Zeit, wo ich nicht mehr hier bin.

Sollte ich, auch wenn ich ausgezogen bin, ihr anbieten, weiterhin ihre Finanzen zu managen? Das wäre nicht viel Arbeit für mich? Oder würde das ihre Sucht "bestätigen", weil sie weiß, dass ich hier bin und sie weiter trinken kann?

Danke und LG
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karaoke5 hat zum Thema: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter geschrieben
B.Nyborg
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 15.08.2008
Beiträge: 2989

BeitragVerfasst am: 12.01.2017, 02:15    Titel: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karaoke,

ich hab ein bisschen überlegt, was ich dir antworte. Zunächst mal, dass du das Gefühl hast, in dein eigenes Leben zu müssen, finde ich sehr gesund von dir. Du kennst ja deine Mutter sicherlich sehr gut und wirst vermutlich mit deinen Einschätzungen, was wann passiert, recht "richtig" liegen, wenn du z.B. vermutest, dass sie mehr trinkt, wenn du nicht zu Hause bist oder wenn du vermutest, dass sie es nicht hinkriegen wird, selbst Verantwortung für ihre Finanzen zu übernehmen. Die Krux an der Sache ist, so lange man einem Alkoholiker seine Verantwortung abnimmt, hat dieser keinen Grund etwas zu ändern. Und soll er seine Verantwortung allein übernehmen, geht das zu großer Wahrscheinlichkeit erst mal schief, weil da ja Kompetenzen etwas eingeschlafen sind bzw. der Alkoholkonsum eben in die Tiefe zieht und nicht zum Wachstum anregt. Dass sie trinkt, wirst du vermutlich nicht ändern können (hast du ja auch schon oft genug probiert), das kann nur sie ändern. Ob sie sie mit dem Trinken aufhört, wenn du weg bist, vermutlich nicht. Aber so hart das klingen mag, das liegt in ihrer und nicht in deiner Verantwortung. Mein Ex hat sich, als ich dann weg war, andere Menschen gesucht, die ihn in seiner Sucht und Unselbstständigkeit unterstützt haben. Auch das ist eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit ist auch, dass alles gut wird. Aber das liegt alles nicht in deiner Verantwortung. Auch jetzt nicht, wo du noch bei ihr wohnst. In deiner Verantwortung liegt heute, dass du ein gesundes und gutes Leben führst. Das ist bitter, ich weiß. Einen Menschen der Alkoholkrank ist, kann man nur helfen, wenn er sich wirklich helfen lassen will. Und auch dann geht es immer um Hilfe zur Selbsthilfe. Ich als Kind hätte jetzt den Impuls zu sagen, ich muss das doch wenigstens mit den Finanzen regeln, bevor ich weg bin, damit meine Mutti nicht untergeht. Aber ich finde, das sollte von einem Kind nicht verlangt werden, es sei denn die Mutti hat z.B. eine geistige Behinderung und bräuchte einen Betreuer, um das zu regeln. Und in dieser Richtung könntest du vielleicht sogar Hilfe bekommen, aber da kenn ich mich tatsächlich nicht so aus..

Schau mal hier hat Thalia einen Link zu einem Artikel gepostet. Da geht es zwar um Partner, aber der Artikel zeigt noch mal ganz gut auf, dass es sich bei Alkoholkrankheit eben um eine Familienkrankheit handelt. http://www.forum-alkoholiker.de/ftopic35046.html Und echt, lies mal etwas bei den anderen EKAs. Ich kann dir ja nur von der Partner-Seite erzählen. Das ist vielleicht einfach noch mal eine andere Hausnummer.

Viele Grüße, B.Nyborg
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B.Nyborg hat zum Thema: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter geschrieben
karaoke5
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 07.01.2017
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 12.01.2017, 12:51    Titel: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo vielen Dank für deinen Beitrag, bevor ich nochmal ausführlicher Antworte eine kurze Zwischenfrage: Wie sage ich am besten, dass ich nun weg bin? Gibt es hier etwas was zu beachten ist, oder sollte man es einfach direkt und schonungslos ansprechen?
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karaoke5 hat zum Thema: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter geschrieben
Morgenrot
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 29.02.2008
Beiträge: 14676
Alter: 57
Wohnort: Hessen

BeitragVerfasst am: 12.01.2017, 23:13    Titel: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo karaoke,

herzlich willkommen bei uns im Forum.

Zitat:
Gibt es hier etwas was zu beachten ist,

ich finde es sehr wichtig, nur das anzukündigen was du auch durchziehen kannst.
Sonst worst du schnell unglaubwürdig, und das widerum wird oft ausgenutzt.


lg Morgenrot
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Morgenrot hat zum Thema: Re: Am Ende. Ich weiß nicht mehr weiter geschrieben

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