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Ich durfte hineinsehen...

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Hallo zusammen   •    Am Anfang eines langen Weges  
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Friedrichson
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 30.11.2016
Beiträge: 14
Alter: 47
Wohnort: in der Mitte

BeitragVerfasst am: 02.12.2016, 00:03    Titel: Ich durfte hineinsehen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

...in ein dunkles, abgrundtiefes Loch. Doch dazu später.
Die Sauferei fing bei mir, wie bei vielen Anderen auch, am Tag der Jugendweihe an. Natürlich mit elterlicher Erlaubnis, der Junge ist ja jetzt in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen worden... . Bei diversen Festen, Feten, Disco usw. war Alkohol völlig normal und selbstverständlich, damals allerdings noch kein täglicher Begleiter. Es gingen ungefähr 15-20 Jahre ins Land, die Entwicklung vollzog sich sehr langsam und hinterhältig unspektakulär, und auf einmal standen Bier, Wein und am WE auch mal Schnaps auf dem täglichen Speisezettel. Steigende Toleranzgrenze, steigender Konsum, es war meistens halt erst genug, wenn es genug war. Ich meine damit keine täglichen Totalabschüsse, die gab es zum Glück sehr selten (berufstätig in 3 Schichten, und nie besoffen auf Arbeit), sondern das Erreichen der nötigen Bettschwere, war zum Schluss so nach 4-6 Bier und einer Flasche Wein (oder wahlweise einer drittel Flasche Schnaps, oder was gerade greifbar war) geschafft.
So ging das viele Jahre weiter. Ein stabiles soziales Umfeld, Familie, zwei Kinder, sicherer Job, und ein vielleicht doch noch ganz gut funktionierender Selbsterhaltungstrieb verhinderten vielleicht Schlimmeres. Dennoch wuchsen in der hinteren Abteilung des Oberstübchens die Zweifel. Ich war im an-, betrunkenen Zustand immer der friedliche defensive Typ, dachte ich zumindest. Bis mir meine Frau eines Tages zu verstehen gab, dass sie regelrecht Angst hat, wenn ich zu viel getrunken hatte, ich wäre dann immer so aggressiv. Ostermontag 2015 war es dann soweit. Am Vorabend, zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, genug gesoffen, um am nächsten Morgen nicht mehr zu wissen, wann und wie ich im Bett gelandet war.
Plötzlich war die Erkenntnis da: ich habe ein richtig fettes Alkoholproblem! Nach eingehender Lektüre im Netz, unter anderem auch schon in diesem Forum, Absolvieren diverser Onlinetests, stand fest, ich bin Alkoholiker.
Besuch beim Hausarzt gleich am nächsten Morgen, anschließend zur Suchtberatungsstelle, die zuständige Mitarbeiterin verabschiedete sich gerade für drei Wochen in den Urlaub, also erst mal aufschieben. Drei Tage später die Laborergebnisse, riesiges Glück gehabt, alle Werte in bester Ordnung. Die körperlichen Entzugserscheinungen waren nach drei bis vier Tagen weitgehend verschwunden (ja, ich weiß...). Die folgenden Tage waren einfach nur herrlich, die Konditionskurve zeigte steil nach oben, ich sprang morgens fit wie ein Turnschuh aus dem Bett, am Wochenende sogar schon frühs ne straffe Walking-Runde, und ich hatte wieder Lust auf Frühstück, war vorher meist ausgefallen, wegen noch leicht komatös, nicht aus dem Bett kommen, keine Lust zum Aufstehen... .
Nach gut drei Monaten dann der Klassiker, ich kam auf die Idee, ich hätte die Sache im Griff.
Jetzt befinden wir uns im November 2016.
Über ein Jahr weiter gemacht wie so lange eingeübt. Die Kondition wieder ziemlich hinüber. Diesmal allerdings kam noch eine psychische Komponente hinzu, und die machte mir jetzt doch richtig Angst. An freien Tagen kein Bock aufzustehen, allgemeine Antriebslosigkeit, das kannte ich ja schon, das legte sich ja spätestens nachmittags, und der Bier (Wein, Schnaps) -durst erwachte. Aber an diesem Morgen des 20. November war es doch anders, es schlichen sich Gedanken an, die mir bis dato völlig fremd waren. Was wäre, wenn einem jetzt einfach so das Lichtlein ausgeblasen würde, wäre das wirklich so schlimm...?
Da war es also, das verdammt tiefe, dunkle Loch, und ich stand genau am Rand. Ich weiß jetzt, es gibt kein vielleicht doch, kein ein bisschen, kein mal sehen. Es gibt nur zwei Optionen, entweder weitersaufen und in dieses Loch rutschen, oder Abstinenz und leben. Ich habe mich für letzteres entschieden.
Meine Frau unterstützt mich auf diesem Weg, unser Haus ist alkoholfrei, ein halber Kasten Bier und eine halbe Flasche 54%er Rum (Mein Gott, ich hab dieses ekelhafte Zeug wirklich pur gesoffen) sind in die Kanalisation gewandert. Heute ist der elfte trockene Tag, körperlich und psychisch geht`s mir richtig gut, ich freue mich jeden Tag über die Erkenntnis, dass man auch nüchtern ins Bett gehen und sogar einschlafen kann. Dass man früh glücklich aufstehen kann, einfach, dass die Lebensgeister zurückkehren.
Risikominimierung steht auf dem Plan, Weihnachtsmarkt etc. fällt zumindest in diesem Jahr aus. Glühwein fand ich schon immer eklig, nicht, dass ich keinen getrunken hätte, wenn verfügbar, aber heißer Sanddornsaft mit `nem Klecks Sahne schmeckt tausendmal besser!

Ich habe mich hier in diesem Forum angemeldet, weil ich es als eine ziemlich geniale Form einer Selbsthilfegruppe sehe, alleine schon wegen des Umfangs! Wo hat man sonst die Möglichkeit, sich mit so vielen Leidensgenossen auszutauschen.
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Friedrichson hat zum Thema: Ich durfte hineinsehen... geschrieben
Slowly
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 28.02.2014
Beiträge: 1421

BeitragVerfasst am: 02.12.2016, 08:18    Titel: Re: Ich durfte hineinsehen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Friedrichson,

Zitat:
....sich mit so vielen Leidensgenossen auszutauschen.

ich will jetzt keine Paragraphen reiten aber leiden "tu" ich nicht, zumindest nicht, weil ich seit längerer Zeit keinen Alkohol mehr trinke Smilie .

Herzlich Willkommen, hast du schon Überlegungen angestellt was du tun kannst, sollte dich der Suchtdruck überfallen ?

Dazu gibt es hier einen Notfallkoffer. ( Kann den link bitte jemand hier einsetzten ? )

Warst du schon beim Arzt und bei der Suchtberatung ?

Hast du schon die wichtigsten Menschen in deinem Leben eingeweiht, dass du nichts mehr trinken willst oder hast du es vor in naher Zukunft zu tun ?

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol, (hier gibt es auch eine Bücherliste zum Thema ) ( kann die bitte jemand verlinken ) mit dir selbst, deinem Umfeld und später den Gründen, warum du so viel Alkohol getrunken hast sind förderlich für deine anhaltende Abstinenz und können irgenwann zur stabilen Trockenheit werden.

Depressionen können eine Auswirkung von Alkohol sein, andererseits greifen auch Menschen zu Alkohol, weil sie unbehandelte Depressionen haben.

Ich wünsche dir einen guten Start in ein alkoholfreies Leben.

Sanddornsaft hört sich toll an. Den werde ich probieren.

Ich mag auch sehr gern Kinderpunsch, den ich selbst herstelle.

Apfel ( naturtrüb) - und Kirschsaft mischen, erwärmen ohne zu kochen, Wintergewürze ( im Teebeutel) zufügen, ziehen lassen, nach Geschmack mit Honig würzen.....lecker.

LG Slowly
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Slowly hat zum Thema: Re: Ich durfte hineinsehen... geschrieben
Calida78
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.07.2015
Beiträge: 1822
Alter: 39

BeitragVerfasst am: 02.12.2016, 17:25    Titel: Re: Ich durfte hineinsehen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Friedrichson!
Herzlich wilkommen!
vieles, was Du schreibst, kommt mir bekannt vor.
Ich hatte auch mehrere Versuche, nicht zu trinken. Mir war lange nicht klar, dass ich dies für mein ganzes Leben entscheiden muss. Es hat gedauert. Auch anfangs noch hier imForum habe ich noch etwas gehadert mit der Vorstellung. Heute will ich nie mehr trinken und es geht mir gut! Also bin ich eine Genossin, aber keine, die leidet;-) Das kannst Du auch schaffen.
Ich finde es klingt gut, dass Deine Frau Dich unterstützt und Du Risiken meidest.
Hast Du denn für Dich einen Ausgleich? Etwas, das Du tun möchtest und das Dir gut tut?
Manche trinkenden Menschen haben alles, was schön sein könnte, vernachlässigt. Ich auch. Hat eine Weile gedauert, aber ich habe gelernt, lesen, laufen, schwimmen wieder richtig zu genießen.
Viele Grüße
Calida
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Calida78 hat zum Thema: Re: Ich durfte hineinsehen... geschrieben
Gauguin
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.08.2016
Beiträge: 80
Alter: 46

BeitragVerfasst am: 02.12.2016, 23:06    Titel: Re: Ich durfte hineinsehen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Friedrichson,

freut mich zu lesen, dass es Dir gut geht. 11 Tage, dazu möchte ich Dir gratulieren.

Für mich fällt mit dem Alkohol auch ein Stimmungsaufheller weg.
Ich fühle mich nicht zu schlecht, aber das System von Belohnung und Schlummertrunk ect. ist durchbrochen. Deswegen ist hier das Essen von Süßigkeiten sehr verbreitet;-)

Gutes Gelingen wünscht Dir

Gauguin
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Gauguin hat zum Thema: Re: Ich durfte hineinsehen... geschrieben
Hans im Glück
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 16.10.2014
Beiträge: 2197
Alter: 57
Wohnort: Berlin, trocken seit 08.10.13

BeitragVerfasst am: 03.12.2016, 00:11    Titel: Re: Ich durfte hineinsehen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Friedrichson,

Herzlich willkommen.
Das dunkle Loch kenne ich gut.

Ich freue mich, dass du nicht hineingefallen bist, sondern hier bist.

Bleib bei dem Entschluss, denn das Leben hinschmeissen ist keine Option, auch wenn sie einem als solche erscheinen mag. Das erscheint mir aber als die dunkle Stimme einer möglichen Depression, lass sich beraten.


Das Leben ohne Alkohol entwickelt sich zu einem ziemlichen Abenteuer, wenn du dich darauf einlässt.

Einfach ist es nicht, aber du hast ja schon ein wenig verstanden, dass Alkohol keine Hilfe ist.

Ich freue mich, weiter von dir zu lesen.
Die 'Mühe', die du dir machst, hier oder im geschlossenen Forum zu schreiben, lohnt sich, ist nämlich Arbeit, die du für dich machst, nur für dich.

Und das es in Arbeit ausartet, dass kann ich dir versprechen.

Sei dir wichtig.
Und nimm jede Hilfe, die du kriegen kannst.


Hans
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Hans im Glück hat zum Thema: Re: Ich durfte hineinsehen... geschrieben
Friedrichson
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 30.11.2016
Beiträge: 14
Alter: 47
Wohnort: in der Mitte

BeitragVerfasst am: 03.12.2016, 00:26    Titel: Re: Ich durfte hineinsehen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Schönen Guten Abend!

@Slowly
Das mit den "Leidensgenossen" war wohl ein bisschen unglücklich ausgedrückt, ich leide auch nicht, im Gegenteil.
Arzt, hatte ich geschrieben, war mein erster Gang, zum Glück alle Blutwerte in Ordnung.
Anschließend zur Suchtberatung, der Rat der Dame: "Sehen Sie es einfach so, alles was Ihnen für Ihr Leben an Alkohol zugestanden wurde, haben Sie bereits ausgetrunken." Da war sie schon fertig mit mir und verabschiedete sich in den Urlaub, ich war auch bis jetzt nicht wieder dort.
Allerdings hat dieser Satz viel Wahres und Positives in sich, gefällt mir irgendwie!
Depressionen hab ich nie gekannt, seid ich nicht mehr trinke auch wie weggeblasen, kam also eindeutig von der Sauferei.

Bücher sind immer in allen Lebenslagen hilfreich, zu diesem Thema hab ich auch schon etliche durch, Simon(e) Borowiak ist einfach herrlich, auch zu empfehlen: "Sucht".

Was das Outing angeht, der engste Kreis weiß Bescheid, aber ich werde den Personenkreis gerade jetzt kurz vor Weihnachten wohl noch etwas erweitern.

@Calida78, Ausgleich hab ich eigentlich genug, Lesen regelmäßige Theaterbesuche, Musik, Wandern, Sport, kann man aber immer noch etwas intensivieren.

@Gaugin, als Schlummertrunk hab ich für mich einen uralten Klassiker entdeckt: warme Milch mit ordentlich Honig drin!
Dazu gemütlich auf der Couch Vanille oder Karamell-Liquid gedampft (hab vor zwei Monaten mit dem Rauchen aufgehört), unschlagbar!

Liebe Grüße
Friedrichson
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Friedrichson hat zum Thema: Re: Ich durfte hineinsehen... geschrieben
Carl Friedrich
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 06.07.2015
Beiträge: 1073

BeitragVerfasst am: 03.12.2016, 11:24    Titel: Re: Ich durfte hineinsehen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Friedrichson hat Folgendes geschrieben:


Was das Outing angeht, der engste Kreis weiß Bescheid, aber ich werde den Personenkreis gerade jetzt kurz vor Weihnachten wohl noch etwas erweitern.


Hallo!

Dieses Thema wird hier sehr unterschiedlich diskutiert und gehandhabt. Ich bin mit meinem sehr restriktiven Kurs bislang gut gefahren. Es wissen nur diejenigen, die es ernsthaft was angeht. Der Kreis ist überschaubar. Es sind diejenigen, die ich auch von anderen ernsten Erkrankungen in Kenntnis setzen würde.

"Auf der Arbeit" habe ich niemand informiert. Anders sieht es natürlich aus, wenn man dort als Trinker aufgefallen ist und die Leute eh schon Bescheid wissen. Das war bei mir nie der Fall.

Aber das soll bitte schön jeder so handhaben, wie er es für richtig hält.

Gruß Carl Friedrich
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Carl Friedrich hat zum Thema: Re: Ich durfte hineinsehen... geschrieben
Friedrichson
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 30.11.2016
Beiträge: 14
Alter: 47
Wohnort: in der Mitte

BeitragVerfasst am: 03.12.2016, 19:25    Titel: Re: Ich durfte hineinsehen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

So sehe ich das auch, nur die engsten Verwandten und Freunde, auf Arbeit geht das niemanden was an.

Gruß
Friedrichson
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Friedrichson hat zum Thema: Re: Ich durfte hineinsehen... geschrieben

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