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Carpenter
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BeitragVerfasst am: 11.02.2017, 09:47    Titel: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

kamarasow hat Folgendes geschrieben:


17 Wochen sind es nun. 1/3 Jahr. Hm. Für diejenigen, die gerade erst anfangen abstinent zu sein: Ja, der Suchtdruck wird weniger. Auch der Gedanke, dass man sein ganzes Leben keinen Alkohol mehr trinken will, relativiert sich in ein Schulterzucken. Die Gedanken an das Nervengift rücken einfach in den Hintergrund und werden mit anderen Sachen aufgefüllt. Man verändert sich. Man holt viele innere stillgelegte Gedankengänge nach und findet auf einmal Lösungen, die im nassen Zustand nicht für möglich gehalten wurden. Logik, die im nassen Zustand bestand, ist abstinent unlogisch. Die ganze Krankheit ist unlogisch und hinterfotzig. Man entschied früher Dinge anhand von "gibts da Alkohol?". Nach außen hin wollte man mal einen guten Freund besuchen, aber eigentlich nur trinken. Man verliert Freunde und Bekanntschaften, weil das verbindende Element die gemeinsame Sauferei war. Darauf sollte man vorbereitet sein, da man die Menschen im Inneren dennoch mochte und lieb gewonnen hatte. Scheiden tut weh. Man machte Sport, weils danach was zu trinken gab. Man ging einkaufen, nur um Alkohol zu kaufen. Damit es nicht so blöd aussah, legte man noch 2-3 "nützliche" Sachen dazu. Jetzt geht man frei einkaufen, ohne Zwänge. Jetzt sieht man die armen, von der Droge gezwungenen Menschen, die mit schlechtem Gewissen vor dir in der Schlange stehen und die Flaschen aufs Förderband legen. Arme, leidgeplagte Menschen, die vielleicht noch den letzten Cent für die Droge aufgeben. Die vielleicht sogar ihre engsten Freunde belügen, nur um an die Droge zu kommen. In solchen Momenten bin ich auch säuerlich auf die Industrie. Die natürlich schön ihre Suchtprodukte im Kassenbereich aufbaut. Herrlich verkaufsfördernd, mich verstörend, denn ich glaube, dass die Süchtigen geschützt werden müssten. Wobei? Wollen die Süchtigen das wirklich? Macht ein Verbot nicht alles nur viel schlimmer (in der Beschaffung)? Viele haben ein Drecksleben oder harte Schicksalsschläge, welches nur mit Drogen zu ertragen ist. Sollte man die Menschen schützen? Ich weiß nicht.

Rückblickend betrachtet ist für mich die wichtigste Antriebsfeder der innere gedankliche Prozess. Es war ein Prozess den Alkohol ernsthaft nicht mehr zu wollen und es nicht bloß zu sagen. Ich weiß nicht mehr wie lange der andauerte, aber ein Jahr Sauferei wird es schon gewesen sein. Ich hasste es irgendwann, ständig verkatert zu sein. Ferngesteuert einkaufen zu gehen. Nie Zeit zu haben. Kein Buch mehr Abends lesen zu können. Ich mochte meinen Bauch nicht mehr, wobei meine Kolleginnen immer meinten: Welcher Bauch? Kurzum: Es waren viele kleine Dinge, die den Prozess förderten. Am Ende des Prozesses stand eine Entscheidung. Die daraus bestand, "einfach" nichts mehr zu trinken. Der Rest wird sich entwickeln.


Moin Kamarasow,

Dieser oben zitierte Absatz ist so ziemlich das Beste, was ich hier in den letzten Wochen und Monaten gelesen habe...es bringt vieles auf den Punkt, deckt sich zum größten Teil mit meiner Erfahrung und kommt ohne diese von Dir als übereuphorisch beschriebenen Ausssagen aus.

Ich habe keine Ahnung, in welcher der von Dir oben aufgemachten Schubladen ich stecke, aber bzgl. Märchenbuch vielleicht eine kleine Geschichte:

Als ich mich hier im Forum angemeldet habe, hatte ich vermutlich noch Restalkohol im Blut und sah mich zunächst selbst als jemanden mit Alkoholproblemen, aber definitiv nicht als Alkoholiker.

Beim Lesen stieß ich irgendwo auf einen Thread, in dem eine Userin beschrieb, wie sehr sie sich auf ihren Tee und nen Keks = Glücksmoment freue und ich dachte mir: Alter Verwalter, das soll ab jetzt Dein Leben sein ? Nie mehr Alkohol und Spaß, nur noch Tee und Kekse ?

Einige Wochen später bin ich ausgeschlafen an einem Samstag morgen um halb sechs aufgewacht, hatte Lust auf frische Brötchen und bin ins Auto gestiegen, um zum Bäcker zu fahren. Draußen ging die Sonne grad auf, ich hatte feine Musik laufen und als ich so drüber nachdachte, die Musik mitsummend, kam mir in den Sinn, daß ich in meinem alten Leben jetzt noch ziemlich angeschimmelt im Bett liegen und meinen Rausch ausschlafen würde - plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, wußte ich, was besagte Userin bei Tee und Keks empfunden hatte. Es ging nicht um den Tee, es ging nicht um den Keks, es ging darum, wieder mehr zu empfinden als Zufriedenheit...es ging um das Gefühl, glücklich zu sein.

Nun hast Du völlig recht, das Leben ohne Alkohol ist nicht zwangsläufig eine spaßige Veranstaltung, aber es ist ehrlich und real. Und wir haben durch die Trockenheit wieder mehr Einfluß darauf, wie wir diesen Leben gestalten - wir müssen es nur wollen.

Plakativ gesprochen haben wir den Kasten Bier gegen nen Werkzeugkasten eingetauscht. Das bedeutet nicht, daß wir jetzt nur noch wunderschöne Möbel bauen...manche werden schnuckelig aussehen, manche werden immer noch krumm und buckelig daherkommen. Aber was solls ? Es liegt wieder an uns, was am Ende dabei rauskommt...

Schönen Gruß und schöne Zeit

Andreas
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Carpenter hat zum Thema: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel geschrieben

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