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Alkoholiker

Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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kamarasow
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 20.10.2016
Beiträge: 62
Alter: 37

BeitragVerfasst am: 27.10.2016, 10:09    Titel: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

.. so ähnlich ist es wohl. Das mit dem Trinken. Jeder hatte seine kleinen Maulwurfshügel. Mal größere, mal kleinere. Die Gründe fürs Stolpern sind zahlreich, mal traurig, mal erschütternd, aber oft auch stink langweilig. Die Gründe fürs Stolpern sind aber auch nur der Einstieg für die Alkohohlkrankheit. Die Krankheit selbst wird durch die Droge Alkohol erzeugt. Nicht durch die Maulwurfshügel. Das zu erkennen dauert ab und an.
Konfuzius meint noch etwas schönes: "Wenn du die Absicht hast, dich zu erneuern, tu es jeden Tag.". Nun, das habe ich vor. Ob man es schafft wird die Zeit zeigen.
Zu mir: Eigentlich ziemlich langweilig. Im Gegensatz zu den anderen hier stehenden Lebensgeschichten, spießig. Studiert, Familie und Kinder, Mitte 30, seit Ende 20 regelmäßig getrunken. Am Ende war es eine Flasche Wein täglich. Ich habe keinen absoluten Tiefpunkt erleben müssen. Die Grundbausteine halte ich weitestgehend ein.
Abstinent, per kaltem Entzug, seit 13 Tagen. Die körperlichen Entzugserscheinungen waren geringfügig (Unruhe, Schlafstörungen). Die Leberwerte und die sonstigen physischen Konditionen sind gut. Die größten Schwierigkeiten bereitet mir das von der Droge beeinflusste Suchtzentrum. Am Anfang des Entzugs war es am schlimmsten. Nun wird es von Tag zu Tag besser, aber der Druck ist nach wie vor da.
Mehrere, vom Suchtzentrum beflügelte Gedanken kreiseln derzeit durch den Kopf:
- Wenn es so leicht war, sich auf Abstinenz zu setzen, dann kann doch weiteres Trinken nicht schaden. Hey, die Leberwerte sind gut.
- Nur ein kleines Gläschen Wein wird irgendwann später doch nicht schaden
- Lebenslang kein Alkohol mehr, puh

Ich weiß, dass das keine klaren Gedanken sind. Denn bis 28 Jahre war ich Alkoholverweigerer, lebte prima damit und hatte mächtig Spaß zusammen mit den besoffenen Leuten um mich herum. Jeder aktzeptierte meine damalige Entscheidung. Darauf hoffend, dass die kreiselnden Gedanken weniger werden, durchkämpfe ich den nächsten Tag.

In diesem Sinne und Danke fürs Lesen.
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kamarasow hat zum Thema: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel geschrieben
Hans im Glück
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 16.10.2014
Beiträge: 2111
Alter: 56
Wohnort: Berlin, trocken seit 08.10.13

BeitragVerfasst am: 27.10.2016, 10:54    Titel: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen Kamarasow,

Herzlich willkommen hier im Forum und Danke für deine Geschichte.

Ich wünsche dir einen hilfreichen Austausch hier.

Die diversen Masken, die das Suchtgedächtnis trägt, um sich zu verbergen sind faszinierend.
So z.B.: weil es mir so leicht gefallen ist, aufzuhören, kann ich kein Alkoholiker sein. Kenne ich gut. Hör ich öfter in meinem inneren Dialog.

Ich arbeite dann immer an dem Gedanken: ich will nicht nur keinen Alkohol mehr trinken, ich muss es nicht mehr.
Dafür wird mir Lebenszeit und Lebensqualität geschenkt, jede Menge.

Dafür lass ich gerne das 'gute Glas Rotwein' stehen.


Lass von dir hören, ich freue mich, von dir zu lesen.

Liebe Grüße
Hans
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Hans im Glück hat zum Thema: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel geschrieben
Motek
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 11.02.2016
Beiträge: 361
Alter: 36
Wohnort: Tag 1: 11.02.2016

BeitragVerfasst am: 02.11.2016, 12:30    Titel: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Kamarasow,

wie gehts dir heute?

Viele Grüße
Motek
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Motek hat zum Thema: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel geschrieben
Iowa
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 01.12.2008
Beiträge: 1467
Alter: 54

BeitragVerfasst am: 02.11.2016, 16:51    Titel: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Kamarasow,

habe deine Geschichte im Vorstellungsbereich gelesen. Es gefällt mir, wie liebevoll du über deine Familie geschrieben hast.

Und finde es gut, was du schreibst über das sich erneuern. Irgendwann hat sich das Erneuern verinnerlicht. Wenn der normale trockene Alltag kommt, kommen auch Gefühle dazu, die vorher nicht dagewesen zu sein schienen, die der Alkohol so gut überdeckt hat. So habe ich es empfunden. Heute bin ich beinahe 10 Jahre trocken.

Manche Gefühle sind immer noch unangenehm und schmerzhaft, selbst wenn es um "langweilige" Angelegenheiten geht.

Aber es gibt auch die, die ich um keinen Preis der Welt mehr missen möchte. Wenn ich ein liebes Wort oder eine Geste oder eine Umarmung nicht nur hören und sehen sondern auch wieder im Bauch spüren kann.

Einen guten Austausch wünsche ich dir hier.

Liebe Grüße

Iowa
(ich habe meinen Thread im geschlossenen Bereich).
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Iowa hat zum Thema: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel geschrieben
Calida78
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.07.2015
Beiträge: 1744
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 02.11.2016, 17:09    Titel: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Kamarasow!

Zitat:
Mehrere, vom Suchtzentrum beflügelte Gedanken kreiseln derzeit durch den Kopf:
- Wenn es so leicht war, sich auf Abstinenz zu setzen, dann kann doch weiteres Trinken nicht schaden. Hey, die Leberwerte sind gut.
- Nur ein kleines Gläschen Wein wird irgendwann später doch nicht schaden
- Lebenslang kein Alkohol mehr, puh


Das genau gehört zur Krankheit. Das Ziel ist, dass du weitertrinken sollst.
Und dieses Ziel der Krankheit kann erreicht werden, indem Du Dir beweist, dass Du aufhören konntest. Denn dann kannst Du dir einreden, dass Du weitertrinken kannst und ka wieder aufhören kannst. Nat+rlich kannst du das irgendwann nicht mehr. Und das Ziel wäre erreicht. Du säufst di unglücklich und kaputt!

Wie gehts dir denn? Willst Du nicht öfter hier schreiben?
Mir hillft es sehr!

Viele Grüße
Calida
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Calida78 hat zum Thema: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel geschrieben
kamarasow
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 20.10.2016
Beiträge: 62
Alter: 37

BeitragVerfasst am: 03.11.2016, 16:27    Titel: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ihr Lieben,
Danke für eure Worte und eure Teilnahme. Mir geht es gut. Mittlerweile sind es 19 Tage Abstinenz, jedoch treibt mich die Krankheit in warme, süße Gedanken. Im Moment bin ich standhaft. Die Vorstellungen, die Weihnachtsgans ohne ein schönes Glas Rotwein genießen zu müssen oder den lauen Sommerabend ohne ein gutes Glas Weißwein zu verbringen, fühlen sich aktuell sehr hart an. Nachwievor kreiseln Gedanken wie: "Ach, so ein Glas wird doch nicht schlimm sein! Danach kann ich ja wieder abstinent sein. Das muss doch zu schaffen sein.". Diese Gedanken kommen aktuell in regelmäßigen Abständen immer wieder. Beruhigend wirkt in diesen Situationen der hier zu lesende Trick: "In 10 Minuten ist es vorbei.". Das hilft. Bis zum nächsten Gedankenschub.

In den vergangenen Tagen gab es positive und negative Erlebnisse. Das negativste Erlebnis hatte ich mit meinem Vater, der mir trotz des Wissens meiner Absichten, mehrfach Wein anbot. Gemessen am Konsum des Vaters ist er selbst alkoholkrank. Das wird jedoch totgeschwiegen. Irgendwie glaube ich, dass seine nassen Gedanken Enttäuschung sehen, weil er einen Trinkpartner verliert. Die Weinangebote ärgerten mich mehrere Tage. Allein die vergleichende Vorstellung, dem eigenen Sohn mehrfach Zucker trotz Zuckerkrankheit anzubieten, macht mich sehr ärgerlich. Komischerweise wiegt eine Zuckerkrankheit schwerer als eine Alkoholkrankheit. Den Kontakt werde ich auf ein Minimum zurückfahren müssen.

Nun zu den positiven Erlebnissen. Selbige überwiegten in den vergangenen Tagen. Hier nur ein paar Beispiele: Der schöne Moment am frühen Morgen, wenn die Kleinste noch völlig verschlafen ins Bett unter die warme Decke vom Papa gekrabbelt kommt ist nun viel intensiver. Früher war man oft verkatert bzw. hatte noch Restalkohol drin. Da störte die Kleine eher. Nun ist es einfach nur hell und warm im Herz. So geht der Tag auch gleich prima los. Am Abend ist man nun auch mal mit klareren Gedanken gegenüber der Frau fähig. Gefühlt habe ich seit Monaten nicht mehr so "wach" mit ihr gesprochen. Im alkoholisierten Alltag funktionierte man ganz einfach, man war eingespielt und musste nicht viel reden. Ohne Alkohol ist es wieder eine ganz andere Stufe. Für sie würde ich gar nicht so anders sein, aber für mich fühlt es sich völlig anders, irgendwie befreiter, an.

In diesem Sinne. Auf weitere standhafte Tage.

Viele Grüße
Kamarasow
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kamarasow hat zum Thema: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel geschrieben
Grethe
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.09.2016
Beiträge: 53
Wohnort: Meck-Pomm

BeitragVerfasst am: 03.11.2016, 21:25    Titel: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Kamarasow,
ich schreibe hier im Forum als Parnternin eines Alkoholikers. Ich kann nicht ermessen, wie schwer es sein muss, der Sucht zu widerstehen und täglich damit zu leben. Da ich dir jedoch altersmäßig ziemlich nah bin, und deine Situation mir für einen kurzen Augenblick wie ein Ausblick in meine Zukunft vorkam, fühle ich sehr mit dir. Ich wünsche dir viel Kraft für die kommende Zeit und es wäre schön, auch weiterhin von dir zu lesen!
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Grethe hat zum Thema: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel geschrieben
Slowly
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 28.02.2014
Beiträge: 1399

BeitragVerfasst am: 04.11.2016, 09:01    Titel: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Kamarasow,

deine offenen Worte haben mich sehr betroffen gemacht.

Sie erinnerten mich an mein Leben, bevor ich vor einigen Jahren trocken wurde.

Zitat:
.....aber für mich fühlt es sich völlig anders, irgendwie befreiter, an.



Das ist für mich, aus allem was du geschreiben hast, der Kernsatz.

Diese innerliche ( und zum Teil auch darauf basierende äußerliche ) Freiheit
hat sich vom Tag X an immer weiter bei mir etabliert und ich möchte sie auf keinen Fall mehr missen.

Was deinen Vater betrifft..... da hast du doch ein abschreckenes Beispiel, für das empathielose und schlussendlich auch lieblose Verhalten, das er in Verbindung mit Alkohol zeigt.

Es könnte unter Umständen sein, ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass wenn du dich weiterhin dem Alkohol zuwendest, dein Verhalten sich deinen Kindern gegenüber, über die Jahre, ähnlich entwickelt.


Mich amüsiert immmer der ganze Hype um ein "gutes Glas Rotwein", oder "das Spezialitätenbier", oder eine ganz "besondere Limomarke" mit ganz "besonderen Spirituosen" gemischt.

Bei den meisten dieser "Gourmets" die ich so kenne, steht der Alkoholkonsum im Vordergrund, der eben nicht nach dem einen guten Glas endet, sondern, so würde ich mal schätzen, beim Tetrapack Kochwein, wenn sonst nix anderes mehr da ist.

Ich drücke dir die Daumen, dass du stärker sein wirst als dein Suchtgedächtnis.

Vielleicht findest du ja etwas, das dir ein ähnlich gutes Gefühl gibt, wie das erste Glas guten Weins.

Liebe Grüße und ich freue mich darauf, wieder von dir zu hören.

Hast du noch eine eine andere Selbsthilfegruppe außer uns ?
Eine wo du den Menschen direkt gegnüber sitzt, sie kann auch sehr helfen.

LG Slowly
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Slowly hat zum Thema: Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel geschrieben

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