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Nicht verwandt, aber befreundet

 
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allab2003
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 07.08.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 07.08.2006, 22:30    Titel: Nicht verwandt, aber befreundet Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen, ich lese hier seit einigen Tagen mit, da in unserem Freundeskreis das Thema alkoholkrank leider sehr akut geworden ist, und wir gerne helfen möchte, aber leider gar keine Ahnung habe, wie wir das machen können.

Falls ich das im falschen Forum poste, bitte ins richtige Forum verschieben.

Es geht um den Ehemann der Freundin meiner Frau. Wir sind mit den beiden seit etwas mehr als 2 Jahren befreundet und aufgrund der Tatsache, dass wir recht nah beineinander wohnen, sieht man sich sehr oft.
Das er sehr gern trinkt und auch sehr viel verträgt, war uns schon nach dem ersten Abend klar, welche Mengen, aber wirklich dahinter stecken, haben wir erst vor kurzem erfahren. Seine Frau weiss um das Problem, macht aber nicht den Eindruck den Ernst der Lage erkannt zu haben.
Sie hat erzählt, dass sie ihn nur so kennt (sie kennen sich seit 20 Jahren), früher hat er nur am Wochenende getrunken, dann aber immer bis zum Vollrausch und seit ca. 10 Jahren trinkt er täglich. Mittlerweile ist er bei 5-6 Kästen Bier pro Woche, plus Schnaps (2 Flaschen je nachdem was verfügbar ist Grappa, Williams-Birne, Ouzo usw) angekommen.
Seit ca. 9 Monaten war es regelmässig der Fall, dass er gegenüber anderen äussert aggressiv wird, ohne dass eigentlich ein Grund vorhanden war. Auch ich hatte schon körperliche Auseinandersetzungen mit ihm, die ich dann dadurch beendete, dass ich einfach gegangen bin.
Nach einem seiner Ausbrüche kam er am nächsten Tag zu mir und entschuldigte sich für sein Auftreten. Ich habe ihm dann auf den Kopf zu gesagt, dass er alkoholkrank ist, ich mit ihm nicht mehr trinken werde und dass ich für ihn da bin und ihm gerne helfen möchte. Meine Frau hat ihm das gleiche gesagt. Dies stiess bei ihm nur auf Unverständnis und er verwies alles ins Reich der Fabel und war der festen Überzeugung kein Problem zu haben. Ich wies ihn daraufhin, dass er eine kleine Tochter habe, die er mit der Bierflasche in der Hand mit dem Auto von der Schule abholt und dass er angetrunken Auto fährt (Er ist LKW-Fahrer). Dies alles stritt er ab und beendete das Gespräch damit, dass er nach Hause müsse.
Als wir das nächste Mal bei ihnen waren, tranken meine Frau und ich nur Cola und Apfelschorle, worüber er den ganzen Abend Witze machte, wir darauf aber nicht eingingen. An seinem Geburtstag im vergangenen März brach das ganze Dilemma aus seiner Frau heraus und sie sagte ihm vor seiner Familie und Freunden, dass er alkoholkrank ist und sie schon anfängt mitzutrinken, aber keine Kraft mehr für diese Co-Abhängigkeit habe.
Gebracht hat das aber auch nix. Im Gegenteil, er trank noch mehr.
Kurze Zeit später, sprachen wir sie auf das Problem ab, wobei sie
sofort alles abschwächte und meinte sie hätte überreagiert und
er trinkt ja jetzt sowieso weniger und es ist alles ok.
Sprach meine Frau oder ich sie in der darauffolgenden Zeit auf das Alkoholproblem an, wurde sofort das Thema gewechselt.
Auch sein Bruder und seine Eltern streiten massiv ab, dass er alkoholkrank ist.
Zugespitzt hat sich die Situation letzte Woche. Sein ganzer Körper war total gelb, er hatte starke Bauchschmerzen und seine Frau schleifte ihn zum Hausarzt, der ein Blutbild anfertigte. Einen Tag später wurde er angerufen, er solle sich sofort ins Krankenhaus begeben, seine Leberwerte sind so hoch, dass ein Kollaps zu befürchten ist. Der Hausarzt versuchte in einem Gespräch der Frau und uns klar zu machen, dass er sofort aufhören muss zu trinken, oder er wird das nächste Jahr nicht überleben.
Im Krankenhaus hat man nun zwar erkannt, dass "durch diese Leber schon etliche Bier geflossen sind", aber die Leber kann wohl nicht der alleinige Verursacher für die Beschwerden sein und ausserdem hätte man "schon Schlimmeres gesehen".
Er sieht zwar, dass seine Beschwerden vom Trinken kommen, und er nimmt sich fest vor, weniger zu trinken und den Schnaps wegzulassen.
Ein Alkoholproblem hat er seiner Ansicht nach nicht und auch seine Frau
erzählt ganz stolz, dass er wenn sie ihn im Krankenhaus besucht nichts trinkt.

Wie kann man den beiden helfen, schliesslich leidet ja auch die kleine Tochter (9 Jahre) unter der Situation, da ja zum einen, durch die Trinkerei kein Familienleben mehr stattfindet (die Wohnung sieht, mit Verlaub, aus wie ein Schweinestall) und sich die beiden in keinster Weise um das Kind kümmern und es ständig zu uns oder zu den Grosseltern abgeschoben wird.
Welche Möglichkeiten haben wir als Freunde, um hier zu helfen, oder die beiden zu unterstützen, um die Kurve zu kriegen?
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allab2003 hat zum Thema: Nicht verwandt, aber befreundet geschrieben
henri
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 1618

BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 01:05    Titel: Re: Nicht verwandt, aber befreundet Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo allab und herzlich willkommen

Gelbe Hautfarbe deutet immer darauf hin, dass die Leber nicht mehr oder nicht mehr richtig arbeitet. Der Hausarzt hat vollkommen Recht, wenn er nicht mit trinken aufhört, dann spielt er mit seinem Leben. Eine Leberzirrhose kann zwar durch völlige Alkoholabstinenz zum Stillstand gebracht werden, aber die Teile der Leber, die bereits vernarbt sind, können sich nicht mehr regenerieren. Im Krankenhaus hat man erkannt, dass nicht nur die Leber angegriffen ist, sondern vermutlich auch andere Organe, aber ein Alkoholproblem hat er nicht, na prima. Ich vermute allerdings, dass er das so interpretiert hat, aber von den Ärzten doch nicht so gesagt wurde.

Für ihn gibt es nur noch eine Lösung, er muss mit trinken aufhören. Da er das aber nicht so ohne weiteres schaffen wird, ist eine Therapie zu empfehlen. Das größte Problem besteht allerdings darin, dass er nicht einsieht, dass er zuviel trinkt. Solange er aber nicht überzeugt ist, dass sein Trinken ein Problem für ihn ist, wird er auch nichts dagegen tun. Ihr könnt ihm also nur helfen, indem ihr ihn überzeugt, dass er absolut keinen Alkohol mehr trinken kann. Nur, wenn seine Familie dabei nicht mitzieht und alles beschönigt und vertuscht, dann werdet ihr das nicht schaffen.

Ihr habt bis jetzt alles getan, was in eurer Macht stand und habt gesehen welchen Erfolg ihr hattet. Wenn er also nicht bereit ist, Hilfe anzunehmen und weder er noch jemand aus der Familie auf eure guten Ratschläge hört, dann habt ihr weiter keine Möglichkeit ihm zu helfen. Ihr könntet zwar eine Meldung an das Jugendamt machen, aber ob die etwas erreichen können, ist mehr als fraglich.

Viele Grüße
Henri
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henri hat zum Thema: Re: Nicht verwandt, aber befreundet geschrieben
allab2003
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 07.08.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 02:15    Titel: Re: Nicht verwandt, aber befreundet Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Dass er aufhören muss zu trinken, hat ihm der Hausarzt gesagt und auch die Ärzte im Krankenhaus. Allerdings ist er der Meinung, dass es für ihn kein Problem ist, weniger zu trinken. Und ich seh genau hier den Fehler, da er körperlich bereits so geschädigt ist, dass er ganz auf Alkohol verzichten muss.

Ein weiteres Problem das ich bei den Ärzten im Krankenhaus sehe, ist, dass sie merken, dass er nicht ernsthaft bei einer Therapie mitarbeiten will und auch nicht einsieht, dass er ein Problem hat. Das merken natürlich dann auch die Ärzte und richten ihren Fokus lieber auf Patienten, die Hilfe annehmen und mitarbeiten.
Wir haben versucht ihn zu überzeugen, was alles auf dem Spiel steht, Job (er arbeitet als Kurierfahrer), Familie, sein Leben. Wir reden gegen Wände und auch seine Frau will davon nichts hören.
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allab2003 hat zum Thema: Re: Nicht verwandt, aber befreundet geschrieben
henri
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 08.03.2005
Beiträge: 1618

BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 18:50    Titel: Re: Nicht verwandt, aber befreundet Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Da werdet ihr nichts mehr machen können. Wenn ein Abhängiger nicht einsieht, dass er ganz mit trinken aufhören muss, kann ich das noch halbwegs verstehen, aber dass seine Frau sein Problem nicht sehen will, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Das liest sich doch fast so an, als ob sie nichts dagegen hat, wenn er sich tot trinkt. Wie bereits geschrieben, wenn er sein Problem nicht einsieht und nichts dagegen tun will, dann ist ihm nicht mehr zu helfen, denn mehr als mit ihm reden könnt ihr nicht tun.
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henri hat zum Thema: Re: Nicht verwandt, aber befreundet geschrieben
Kira67
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 09.08.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 09.08.2006, 18:29    Titel: Ihr könnt nur dem Kind helfen Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Bei mangelnder Einsicht könnt Ihr für die Eltern nichts tun. Aber Ihr solltet den Kontakt zur Tochter halten und ihr vermitteln, dass sie sich mit jedem Problem an euch wenden kann. Vielleicht hat sie Lust, ab und zu bei Euch zu sein? Sprecht mit der Mutter - ihr könnt ja argumentieren, dass es Euch Freude macht, mit der Tochter zusammen zu sein oder etwas mit ihr zu unternehmen. Dem Kind hilft das auf jeden Fall. Es erhält Freiräume und kann sich zumindest ab und zu aus der ungesunden Umgebung entfernen. Das Kind braucht Euer Mitgefühl und da könnt Ihr auch was erreichen.
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Kira67 hat zum Thema: Ihr könnt nur dem Kind helfen geschrieben

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