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franz_1982
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 04.08.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 04.08.2006, 21:17    Titel: sehe keinen Ausweg Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich bin gerade mal wieder soweit, dass es mir wg. meiner Mutter besch**** geht. Also ich hol einfach mal aus und beschreibe die Situation.

Angefangen hat alles vor ca. 15 Jahren. Die genauen Anfänge kann ich aber nicht schildern weil ich damals erst 9 war und natürlich nicht viel mitbekommen habe. Ich weiss nur aus Erzählungen dass Sie damals angefangen hatte mal ne Flasche Sekt oder einen Cuba Libre zu trinken... im Alter von 11/12 (also vor ca. 12 Jahren) hat es dann richtig begonnen. Sie war schätzungsweise 1x pro Woche betrunken. Mein Vater war bis spät Abends berufstätig und konnte zu der Zeit nicht viel mitbekommen und wohl auch keinen entscheidenden Einfluss nehmen.

Anschliessend wurde es Jahr für Jahr schlimmer. Wenn ich zurückblicke kann ich mich daran erinnern das wir (vater, mein bruder = 2 jahre jünger + ich) immer wieder die Hoffnung hatten das alles besser wird. Mein Vater ist dann vor 8 Jahren in Pension gegangen und hat sich seitdem mit Renovierungsarbeiten, Häuslebau etc. abgelenkt. Es gab auch manchmal Zeiten (1-2 Wochen) in denen meine Mutter dann nichts getrunken hatte. Aber dann wiederrum gab es Zeiten in denen Sie fast jeden Tag besoffen war. Mein Vater hat anfangs noch versucht auf Sie einzureden, wir Kinder haben auf Sie eingeredet und auch Ihre Mutter. Aber letztlich hat all das null gebracht.

Seit ungefähr 4 Jahren eskalieren bei uns regelmäßig die Situationen. Mal wird mein Vater handgreiflich, mal reisst meine Mutter wieder von zu Hause aus und wir suchen Sie im Wald oder haben öfters die Polizei bei uns. Vor 3 Monaten ist Sie z.B. einfach mit dem Taxi zum Flughafen und ein paar Tage durch halb Deutschland gereist. Letzten Sonntag hatten wir 2 Personenschützer im Haus, die Sie beauftragt hatte um Sie vor meinem Vater zu schützen, der Sie angeblich schlagen wollte. Ich bin um halb zwei aus dem Bett geholt worden und sollte Sie doch beruhigen und auf Sie einreden weil mein Vater auch nicht mehr weiter wusste. Anschließend ist Sie abgehauen. Am nächsten Tag war ich wie öfter total abgelenkt in der Arbeit, konnte mich nicht konzentrieren und war total fertig. Hab geheult und mir zum ersten mal die Telefonnummer eines Psychologen besorgt. Angerufen hab ich aber dann nicht. Ich bin dann früher nach Hause und stelle fest dass plötzlich wieder alles in "Butter" ist. Meine Eltern haben zusammen Kaffee getrunken!

Seit Montag war jetzt eigentlich wieder Frieden - bis Sie heute wieder getrunken hat. Jetzt ist mein Vater fortgefahren (nächste Kneipe) und ich sitz wieder mal zu Hause und mach mir ewig nur Gedanken wie es weitergeht.

Vor 3 Monaten hat meine Freundin mit mir Schluss gemacht. Ich meine ich kann schon kein normales Leben mehr führen.

Nich weil ich mein Leben nicht im Griff hab. Ich hab in den letzten Jahren nebenbei studiert und arbeite sehr lange und auch gerne. Bin nicht faul. Aber durch die Erfahrungen der letzten Jahre bin ich sehr negativ eingestellt und mach mir eben dauernd Sorgen was die Zukunft anbetrifft. Kann mit Problemen die andere haben nix anfangen weil das meistens Probleme sind die man selber lösen kann oder die finanziellen Hintergrund haben. Aber ich hab eigentlich nur Probleme die mir andere machen.

Ich bin davon überzeugt das die Sucht meiner Mutter die Familie längst zerstört hat. Mein Bruder zieht sich völlig zurück und mein Vater lenkt sich ständig mit irgendwelchen Arbeiten ab. Ein gemeinsames Essen oder Reden gibt es bei uns seit Jahren nicht mehr. Und wenn wir reden dann über belangloses oder berufliche Dinge.

Ich hab einfach Angst dass ich durch diese Erfahrungen schon einen zu argen Knacks in der Psyche bekommen habe und stelle fest das ich das Leben eigentlich nicht mehr geniessen kann.

Bin ratlos.

So! Das war jetzt lange aber ich hoffe ich konnte damit die Situation einigermaßen beschreiben.

Vielen Dank für jeglichen Rat oder Meinung!
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franz_1982 hat zum Thema: sehe keinen Ausweg geschrieben
Diandra
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.03.2006
Beiträge: 2177
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: 04.08.2006, 22:30    Titel: Re: sehe keinen Ausweg Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Franz,

es tut mir sehr leid, dass Du unter dieser Situation so leidest.

Was Du für Dich tun kannst ? Am besten wäre eine räumliche Trennung. Du machst Dir soviele Sorgen um Deine Familie, dass Du selber dabei untergehst. Und Deinem Bruder wird es nicht viel anders gehen.

Kannst Du nicht ausziehen ? Wenn Du so weitermachst, leidet sicher auch Deine Arbeit darunter und schlimmstenfalls wirkt sich das so negativ aus, dass Du sie verlierst. Wenn Du eine eigene kleine Wohnung hättest, dann hätte auch Dein Bruder eine Anlaufstelle, wenn es wieder arg schlimm wäre. Du musst erst mal Ruhe bekommen, dir die Last von Schultern nehmen, die du dir aufgebürdet hast.
Wenn man es geschafft hat Konsequent zu sein wirst Du sehen, dass man erleichtert ist. Evtl. solltest Du tatsächlich mal mit einem Therapeuten sprechen.

Wer weiß, wenn Du den ersten Schritt machst und gehst, vielleicht wird dann auch Deinem Vater klar, dass es so nicht weitergehen kann.
Ihr habt ja versucht Eurer Mutter zu helfen - aber wie Du all die Jahre siehst - es wird höchstens extremer als besser. Ihr könnt ihr nicht helfen. Sie selber muss den eigenen Willen haben endlich was gegen ihre Alkoholsucht zu tun.

LG
Diandra
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Diandra hat zum Thema: Re: sehe keinen Ausweg geschrieben
franz_1982
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 04.08.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 04.08.2006, 22:37    Titel: Re: sehe keinen Ausweg Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Diandra,

vielen Dank für Deine Antwort.

Das mit der räumlichen Trennung habe ich schon versucht. Und die Situation hatte sich nicht im geringsten geändert. Im Gegenteil. Sie nahm dann meinen Auszug als Anlass noch mehr zu trinken.

Im Prinzip haben wir auch eine räumliche Trennung, da wir in unterschiedlichen Häusern leben. Aber die Häuser sind nur 200m voneinander getrennt. Also bekomm ich doch alles mit.

Ich möchte mir gerne Last von den Schultern nehmen. Doch dann hab ich immer ein schlechtes Gewissen meinem Vater und meinem Bruder gegenüber.

Ausserdem wäre es doch blödsinn, wenn ich mir eine Wohnung miete und aus dem Haus ausziehe.

Wenn ich nur eine Idee hätte wie man Sie zur Einsicht bringt...
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franz_1982 hat zum Thema: Re: sehe keinen Ausweg geschrieben
Diandra
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.03.2006
Beiträge: 2177
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: 04.08.2006, 23:23    Titel: Re: sehe keinen Ausweg Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Lieber Franz,

damit hat sie dich schlicht und einfach erpresst und Du hast es zugelassen. Ich weiß, dass man Angst hat es noch schlimmer damit zu machen, aber glaube mir - auch wenn Du dableibst und keine klare Trennung konsequent durchführst, auch dann wird es schlimmer.

Du kannst ihr doch sagen, dass Du sie lieb hast, aber nur noch dann Kontakt zu ihr haben willst, wenn sie nüchtern ist.

Dein Vater ist erwachsen. Er muss selber wissen was er tut. Wenn niemand von Euch den ersten Schritt macht, dann kann es noch Jahre dauern und ihr werdet daran auch kaputtgehen.

Du fühlst Dich jetzt schon so, als wenn Du einen Knacks fürs Leben bekommen hast - also solltest Du ganz schnell was für Dich tun.
Ein Haus nutzt Dir gar nichts, wenn du dich darin nicht wohl und zufrieden fühlen kannst. Freust Du Dich aufs zu Hause wenn Du von harter Arbeit nach Hause kommst ? Oder grübelst Du schon Std. vorher darüber, womit Du heute wieder rechnen musst ?

Es ist ganz sicher besser erst mal eine klare räumliche Trennung beizubehalten. Und ein schlechtes Gewissen brauchst Du nicht zu haben - Du kannst Deinem Bruder helfen, indem er sehen wird, dass es Dir damit bald besser gehen wird. Du kannst ihn ermutigen, auch was für sich zu tun. Er hat dann eine Zuflucht, wenn er es nicht aushält - und er hat ein Vorbild, dass man aus dem Teufelskreis doch rauskommen kann.

Du wirst sie nicht zur Einsicht bringen, indem Du tagtäglich Wogen glättest, Dir die Nächte um die Ohren schlagen musst, oder die ganzen peinlichen Situationen vertuschst.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft dafür, dass Du Deinen eigenen guten Weg bald finden wird. Wenn Du Dich hier im Forum umschaust und die Beiträge liest, dann hoffe ich doch sehr, dass der eine oder andere Beitrag Dir bei Deinen Entscheidungen hilfreich sein kann.

LG
Diandra
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Diandra hat zum Thema: Re: sehe keinen Ausweg geschrieben
lavendel
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.05.2006
Beiträge: 2869

BeitragVerfasst am: 05.08.2006, 08:15    Titel: Re: sehe keinen Ausweg Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo franz,

ich kann mich diandra nur anschließen: sieh zu, dass du eine räumliche trennung hinbekommst! ich bin mit 18 bei meinen alkoholiker-eltern ausgezogen. gut, es war zum studium, damit war nicht so klar, dass ich nur weg wollte. aber ich hätte natürlich auch in der nachbarstadt studieren können und zuhause beiben. aber ich wollte nicht, ich habe einfach gespürt, dass ich raus muss, weil ich das sonst nicht überstanden hätte. und ich kann dir nur sagen: ich habe nach über 13 jahren des lebens und leidens als kind bei alkoholikereltern einen knacks weg, da bin ich ich mir ganz sicher! wenn du das also bei dir befürchtst, und ja auch schon feststellt, das die situation dein lene beeintrchtigt bei der arbeit und in der beziehung: dann tu was für dich! sei im besten sinne egoistisch. denk an DICH! deine mutter tut auch nichts anderes. sie denkt nur an sich und ihren stoff. ihr ist es in ihrer situation völlig egal, wie es dir geht, deinem bruder und deinem vater.und do willst dein leben opfern? das würd ich mir überlegen!
ich halte es so, dass ich meiner mutter nach jahrelangem leiden (da war ich schon lange weg von zuhause) gesagt habe "mit mir nur noch nüchtern kontakt). bisher klappt es. und noch was: alles heule, vorwürfe, gut zureden, notarzt holen, krankenhauseinweisungen haben sie nicht vom trinken abgebracht. auch mein auszug nicht, auch der erste selbstmordversuch meines bruders nicht (wo er ihr nen zettel hingelegt hat "trink ruhig weiter"). nichts. sie wollte nicht, und dann hat sie eben nicht. irgendwann, viel später,als alles in ihrem leben kaputt war, sie in der psychiatrie gelandet ist, dann irgendwann erst war ihr persönlicher tiefpunkt erreicht, der sie zum aufhören gebracht hat.

ich weiß, dass sich dar brutal anhört. ich will dir nur aufzeigen, dass DU NICHTS, aber auch GARNICHTS zum trockenwerden einer mutter tun kannst. du kannst ihr nur sagen, dass du fr sie dabist, wenn sie trocken werden will, ansonsten eben nicht

wünsche dir viel kraft.

lavendel

p.s. als ich irgendwann mal im seelsorgegespräch bei meinem pastor war und ihm gesagt habe, dass in der bibel doch steht "du sollst deine eltern lieben" und ich mich so sch**** fühle, weil ich das nicht kann, hat er buchstäblich gebrüllt "sch*** liebesgebot". ich solle auch mal daran denken, dass ich als kind in solch einer situation opfer sei und alles recht der welt habe, diese eltern so nicht zu lieben. und dass ich mich erst einmal selbst lieben müsste.
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lavendel hat zum Thema: Re: sehe keinen Ausweg geschrieben

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