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Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man?

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dacoucou
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.09.2015
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BeitragVerfasst am: 11.09.2015, 10:56    Titel: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo liebe Forenmitglieder,
ich möchte mich hier erst einmal vorstellen und versuchen, von meiner Situation zu berichten. Es ist sicher nicht so schlimm wie andere Schicksale, aber ich kann auch schon gar nicht mehr einschätzen, was noch "akzeptabel, oder erträglich ist" und was nicht... vieles wirkt ja irgendwann auf einen normal, weil man es nur so lebt... fallt ihr versteht, was ich damit meine.
Es ärgert mich, dass mich der Alkoholismus meines Vaters immer wieder emotional mit reinzieht und mich und meine Familie belastet.

Ich muss das hier einfach mal loswerden und vielleicht mag mir der/die eine oder andere ja Antworten bzw. darauf reagieren. Ich würde mich sehr freuen.

Ich bin ein erwachsenes Kind eines alkoholkranken Vaters. Ich selbst trinke nicht, mein Mann auch nicht und wir haben zwei wunderbare noch sehr kleine Kinder, Haus und Garten, beide Arbeit und keine finanziellen Sorgen. Ich war wohl so etwas wie der Held und das stille Kind, als ich noch zu Hause war (Einzelkind). Irgendwie habe ich mein Leben ganz gut selbst organisiert, meine Eltern haben mich immer unterstützt, bei Umzügen und auch finanziell, aber das emotionale blieb irgendwie etwas auf der Strecke.

Mein Vater begann für mich ersichtlich an zu trinken, als ich ca. 12 Jahre alt war. Hierfür gibt es den einen oder anderen "Auslöser", Grund mag ich das nicht nennen.
Natürlich konnte ich zu dem Zeitpunkt dem Ganzen keinen Namen geben, habe Flaschen versteckt, oder weggekippt, es irgendwann auch meiner Mutter gesagt, die riecht den Alkohol nicht, dann war ich die "Petze" bei meinem Vater, wer ist das schon gerne?
Es ging gefühlsmäßig immer auf und hab, zwischen Haß und Liebe.
Zwischen meinen Eltern gab es immer wieder Streit, oft habe ich geschlichtet, weinende Eltern getröstet... Meine Mutter tat mir leid, aber ich war auch auf sie sauer, dass sie dem nicht ein Ende setzte.
Mein Vater hat wohl regelmäßig getrunken, war aber nie betrunken, hat wahrscheinlich nur seinen Pegel gehalten, man hat es so nicht gemerkt, im Urlaub kam er auch gut ohne aus. Er hat nie geschlagen, war aber zu mir dann oft sehr unfreundlich, agressiv, beleidigend... die Reaktion meiner Mutter war oft nur zu sagen, dass wir uns mehr zusammenreißen sollten (als wäre ich mitschuldig an den Streitereien). In Schutz genommen hat sie mich nicht, höchstens dann wieder mit meinem Vater gestritten, weil er getrunken hatte.
Nach außen hin waren wir eine nette Familie, mein Vater immer gern gesehen und sooo freundlich, so ist es oft immer noch, nur mit mir und meinem Mann kann er soooo unfreundlich, angreifend, verletzend sein., wenn er "trocken" ist, ist er aber auch sehr nett und ein toller Opa.
Als ich jung war, konnte ich mit niemandem darüber sprechen, ich fühlte mich von allen "beobachtet", komisch angeschaut, wußte ja nie, wer es vielleicht weiß, wer ihn beim Einkaufen sieht (Kleinstadt).
Inzwischen ist mir der Gedanke, dass er sich irgendwo was holt und dann betrunken wo sitzt, immer noch mehr als unangenehm, aber ich weiß, dass es nicht meine Schuld ist und kann auch offen zu Leuten sagen, ja, er ist Alkoholiker, ich will mich nicht verstecken, ich kann nichts dafür - aber Stolz ist man darauf auch nicht.


Als ich 20 (ich war inzwischen aus- und weggezogen) war machte er eine Therapie, da er sonst seine Stelle verloren hätte. Danach ging es wohl eine zeitlang "gut". Mit dem Beginn der Rente wurde er noch depressiv und trank auch wieder mehr. Wir versuchten, ihn zu motivieren, sich und seinem Leben einen Sinn zu geben, zu reisen... aber meine Eltern sind da sehr auf sich bezogen, sehen nur "Ihre Arbeit" an Haus und Garten, es ist ja soo viel zu tun.

Nun sind wir vor ein paar Jahren wieder in die gleiche Stadt gezogen, auch für die "Enkel", wussten aber auch nicht, wie "schlimm" es um ihn stand...
Er war oft agressiv, unfreundlich, ungenießbar mit uns..... nach vielen Jahre hat er nun die Depression "akzeptiert" und nimmt Tabletten, so sind die Stimmungsschwankungen und Weinerlichkeit weniger geworden. Zwischendurch hatte er eine kurze Gesprächstherapie, die aber auslief und seitdem läuft es so vor sich hin - Aber er trinkt immer wieder.
Inzwischen ist es in den letzten drei Jahren schlimmer geworden, selbst seit unsere Kinder da sind, was ich umso schlimmer empfinde, da ich hoffte, dass er wenigstens für die Enkel aufhört. Ich hatte mir so gewünscht, dass er für sie eine Therapie macht.
Ich habe ihn betrunken auf der Straße erlebt und musste die Polizei rufen, was er mir sehr übel nahm. Er ist bei unserem Sport vor unseren "Bekannten" betrunken aufgetaucht.
Wir haben ihn mit Baby im Auto einen Tag lang gesucht, weil er nach einem Streit abgehauen war und erst am nächsten Tag wieder kam.
Mehrmals ist er wohl betrunken gestürzt, kommt dann erst nachts nach Hause, wenn er wieder gehen kann. - wenn ich mir das nur vorstelle, wir mir schon ganz anders.
Kurz vor der Geburt unseres zweiten Kindes wurde er nachts von jemandem mit 2,8 pro Mille auf einer Bank gefunden, Krankenwagen und Polizei wurden gerufen. Er wollte nicht nach Hause und so kam die Polizei bei uns vorbei, verstand aber, dass ich einen angetrunkenen Vater nicht ins Haus wollte. Er hätte uns nur etwas vorgeheult und wäre evt. noch agressiv geworden, wir haben das durchaus schon mal versucht...
Dennoch fühlte ich mich danach so schlecht, ihn "abgewiesen" zu haben und war zugleich sauer auf ihn, wie er erwarten kann, dass ich ihn so aufnehme, nur weil er sich nicht zu seiner Frau nach Hause traut.
Meine Mutter leidet mit, ich habe ihr Adressen von Therapeuten, für sie und ihn, für Selbsthilfegruppen etc. gegeben... doch sobald er wieder da ist und alles gut läuft, ist für sie die Welt wieder in Ordnung und alles Geheule wieder vergessen, als wäre nichts gewesen. Er wollte endlich eine Therapie machen, dann wurde das Programm wohl in der Klinik beendet und dann war doch wieder alles "gut".

Das letzte Mal hat er sich einen Tag nach einer Familienfeier (auf dem er ein toller Opa war) betrunken, kam erst nachts verletzt (durch Sturz) nach Hause und ist nach einem Streit zwischen meinen Eltern danach drei Tage und Nächte verschwunden...Ich habe dies erst zwei Tage nach seinem Verschwinden erfahren, als meine Mutter nicht mehr wusste, wo sie noch suchen soll und sich bei uns ausgeheult hat, bis sie endlich bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgab... er war die ganze Zeit draußen, hatte keine Jacke dabei... und wir wussten nicht, ob wir ihn lebend wieder sehen, oder er schon irgendwo liegt, sein Handy hatte er ausgestellt, ich habe auf trotzdem immer versucht, anzurufen, auf AB gesprochen, eine Nachricht geschickt...... - bis er am nächsten Tag (nach 3 Tagen und Nächten) lebend aufgefunden wurde.

wie es mir dabei und danach ging kann sich vielleicht der eine oder andere vorstellen... ich war sauer auf ihn, dass er sich nicht meldet und zugleich besorgt - es war, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen, ich konnte seinen guten Zustand auf der Feier und dieses Verhalten nicht zusammenbringen.. und hatte mehr als eine Woche etwas davon (emotional) - eigentlich ist mein Vater ein "armes Sch...", dass nicht den Mumm hat, "nein" zum Alkohol zu sagen und dann noch vor Angst tagelang durch die Gegend irrt, aber es macht mich auch sauer, dass er nur "an sich denkt", sich nicht mal bei mir meldet um zu sagen, "ich lebe noch, muss aber mal nachdenken". Ob er sich überhaupt vorstellen kann, welche Sorgen ich mir dabei mache und wie besch... es mir dabei geht?
Wir hatten zu der Zeit Urlaub, waren aber zu Hause, die ganze Erholung und Lebensfreude war tagelang futsch... ich musste mich und mein Seelengerüst wieder vom Boden aufkratzen, mein Mann war schlecht gelaunt, weil wir meinen Vater suchen waren und uns Sorgen machten anstatt zum Badesee zu fahren.
Als er gefunden wurde, war er wohl angetrunken und wollte nicht nach Hause, ich sollte mit meiner Mutter zur Polizei kommen, um ihn nach Hause zu bringen. Das hätte ich auch getan, aber mein Mann war vehement dagegen, womit er wohl auch recht hatte. Aber ich aber enorme Schwierigkeiten, mich emotional von ihnen abzugrenzen und sie ich habe das Gefühl dass sie mich da auch nicht einfach raus lassen - sondern sie sich immer wieder aufdrängen. Meine Mutter war schon etwas sauer, dass ich nicht mitkam (auch wenn ich das von meinem Kind nie erwarten würde, das habe ich ihr hinterher am Telefon auch gesagt) und ich fühle mich da so zwiegespalten, will ihnen helfen, weiß, dass es nicht viel bringt und mir nicht gut tut, und meiner Familie auch nicht, aber auch, dass sie dann sauer sind.
Es fiel mir schon sehr schwer, endlich auf ihre regelmäßigen Spontanbesuche zu familienunfreundlichen Zeiten zu reagieren und eine vorherige Absprache zu wünschen - aber selbst das haben sie kaum respektiert, sie fanden es nahezu unverschämt, nur auf "Termin" kommen zu dürfen oder es wird mir vorgeworfen "wir wissen ja gar nicht mehr, wann wir noch kommen dürfen" und sie "fühlten sich nicht willkommen" (was leider auch etwas stimmt, da meistens unser Haus und Garten dann kritisch beäugt werden und fast nie ein Kompliment zu hören ist, sondern eher " Wir könnten ja helfen", das läuft aber wenn überhaupt nur einen Tag gut, dann muss mein Vater zwischendurch nach Hause trinken und wird wieder "unausstehlich") Anstatt mit den Enkeln zu spielen, würden sie am liebsten bei uns Unkraut jäten. Und bei meinem Vater weiß ich ja nie, wie seine Stimmung gerade ist, auch wenn die Kinder sie lieben. Unsere Kinder überlassen wir ihnen auch nicht alleine, so hart es scheinen mag, aber leider habe ich da kein Vertrauen mehr, mein Mann noch weniger - auch wenn meine Mutter dies als Vertrauensbruch in ihre Person und ihre großmütterlichen Fähigkeiten sieht.

Nun ja, diese letzte "Aktion" meines Vater ist nun zwei Wochen her.
Ich hatte meine Mutter nochmal angerufen, nachdem sie ihn abgeholt hatte, eigentlich wollte sie ihn bei diesem Mal vor die Tür setzen - sie wird es nie tun. Sie hat ja nur ihn und ihr ist es lieber, er ist da und trinkt ab und zu, als ohne ihn weiterzuleben - das hat sie mir so gesagt, als er verschwunden war.
Ich durfte mir bei diesem Gespräch sogar noch anhören, dass es wohl auch an uns liegt (nicht zum ersten Mal), weil mein Mann und mein Vater sich nicht so viel unterhalten (wie auch, die Gesprächsthemen meines Vaters sind beschränkt, er sich gibt sich da auch nicht wirklich Mühe, mein Mann ist nach solchen Aktionen auf ihn nicht gut zu sprechen - was man wohl auch verstehen kann, oder wie reagieren Eure Partner darauf?, dennoch gibt er sich immer noch Mühe mit meinen Vater / meine Eltern sollen nicht mehr bei uns helfen und nicht ständig vorbeikommen, sie bekommen die Enkel nicht alleine überlassen - aber dies ist erst aus den Streitereien und der Kritik der letzten Jahre als Reaktion von uns entstanden, unser Selbstschutz sozusagen. Wir hatten auch gehofft, von der Nähe der Großeltern zu "profitieren", stattdessen ist es eine zusätzliche Last geworden.

Ich bekam auch noch zu hören, dass mein Mann ja auch mal eine Therapie machen sollte, da er sich mit seinen Eltern nicht so gut versteht - worauf ich dann doch entrüstet sagen musste, dass meine Eltern wohl erst einmal eine Therapie nötig hätten.
Und schließlich meinte sie noch, dass es für meinen Vater ja ganz schrecklich sein muss, dieser Drang so stark, dass er nicht gegen ankommt - aber er muss ja gegen die Scham ankommen, das Zeug erst einmal zu kaufen...
und dass wir diese "Krankheit" (auch wenn Alkoholismus so eingestuft wird) ja vielleicht auch irgendwann bekommen könnten... fand ich schon dreist, darauf fehlten mir dann auch die Worte.

Zwei Tage später haben wir sie vor Freude strahlend auf einem Stadtfest getroffen. Ich war wie versteinert, mein Vater hat mich wie eine entfernt Bekannte kopfnickend begrüßt und wir sind dann schnell weiter... ich hatte tagelang einen dicken Stein im Magen...
seitdem habe ich nichts mehr von ihnen gehört und mag da auch ehrlich gesagt nicht anrufen oder vorbeifahren (wohnen nur ein paar Minuten entfernt). Bisher war ich es immer, die wieder den Kontakt aufnahm aber ich finde auch, dass sich mein Vater wirklich mal entschuldigen könnte, oder wie sehr ihr das?
Und danach werden sie irgendwann wieder sagen, aber die Kinder könnten ja auch mal bei uns schlafen und eingeschnappt sein, wenn wir nein sagen?

Es wäre so schön, ein normales Familienverhältnis zu haben und ein gutes Enkel-Großeltern-Verhältnis zu leben, das zw. mir und meinen Eltern wird sicher irgendwie immer gestört bleiben... aber wenn sich nicht radikal etwas ändert, wird das vielleicht nie etwas.
Das Schlimme ist für mich dann noch, dass meine Mutter sagt, "wenn ihr euch für uns schämt, dass müsst ihr es sagen und weg bleiben". Damit fühle ich mich dann wieder schuldig und habe das Gefühl, die ganze Verantwortung wird auf mich abgeladen - sie wollen uns ja so gerne helfen und auf die Enkel aufpassen, alles andere sehen sie dann nicht.

Das ist jetzt sehr viel geworden, aber allein das in Worte fassen hilft schon ein bisschen. Wie einen so etwas beschäftigen kann...

Wie seht ihr das von "Außen"? Ich stecke da ja mitten drin und kann mein Verhalten und meine Reaktionen meinen Eltern gegenüber nicht objektiv bewerten.
Sagt einfach, was ihr denkt, auch mit Kritik kann ich inzwischen umgehen - wenn sie konstruktiv ist.

Liebe Grüße, Dacoucou
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dacoucou hat zum Thema: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? geschrieben
dacoucou
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.09.2015
Beiträge: 58
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 13.09.2015, 20:14    Titel: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Es ist wohl doch zu banal um hier jemanden zum Antworten zu bewegen...
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dacoucou hat zum Thema: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? geschrieben
Thalia1913
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 27.06.2014
Beiträge: 3362
Alter: 47

BeitragVerfasst am: 13.09.2015, 21:07    Titel: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo dacoucou,

zu banal ist es ganz bestimmt nicht!

Ich habe gesehen, dass du noch keine Antwort bekommen hast, und das tut mir leid. Ich selbst fühle mich manchmal überfordert, zu antworten, wo mir die eigenen Erfahrungen fehlen. Schnell ist etwas geschrieben, das vielleicht gut gemeint ist, der Betroffenen aber womöglich mehr schadet als nützt.

Mein Impuls beim Lesen deiner Situation war, dass Abgrenzung nötig ist. Du kannst am Verhalten deiner Eltern nicht ändern. Aber du kannst deine Abhängigkeit davon aufheben.

Ich wünsche dir, dass du noch mehr und fundierte Antworten von selbst Betroffenen bekommst. Hast du hier schon bei anderen gelesen? Auch in Threads von anderen sind ähnliche Konstellationen anzutreffen, und vielleicht kannst du auch dort etwas herausziehen.

Alles Gute dir!
Thalia
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Thalia1913 hat zum Thema: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? geschrieben
dacoucou
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.09.2015
Beiträge: 58
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 14.09.2015, 08:25    Titel: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Thalia,

vielen Dank für Deine Reaktion Smilie.
Es tut schon gut zu wissen, dass sich überhaupt jemand dafür interessiert. Ich komme mir im Moment sehr allein damit vor. Es geht immer in meinem Kopf rum und ich weiß nicht, was ich tun soll.

Ja, Abgrenzung ist nötig, da stimme ich dir zu. Nur wie komme ich aus dieser Abhängigkeit raus?
In so einer "Funkstille" wie im Moment zwischen meinen Eltern und mir, geht es mir erst einmal wieder besser. Dennoch denke ich immer wieder an sie und ich bekomme sie nicht aus meinem Kopf raus.... - das ärgert mich.
Für sie scheint wahrscheinlich wieder alles gut zu sein und sie sind wahrscheinlich sauer, dass ich mich nicht melde und sie die Kinder nicht sehen...
Ob sie überhaupt einen Gedanken daran verschwenden, wie es mir geht? In den Schwangerschaften war ihnen das auch nicht wirklich wichtig, was mir auch weh tat.

Ich habe schon in einiges hier reingelesen... komme mit zwei Kleinen Kindern leider nicht so oft dazu.
Falls jemand mit ähnlichen Erfahrungen berichten kann, was ihm/ihr geholfen hat, würde ich mich freuen.

Nochmals vielen Dank!
Dacoucou
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dacoucou hat zum Thema: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? geschrieben
Morgenrot
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 29.02.2008
Beiträge: 14284
Alter: 57
Wohnort: Hessen

BeitragVerfasst am: 14.09.2015, 09:43    Titel: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

liebe dacoucou,

herzlich Willkommen bei uns im Forum.
Deine Sorgen sind auf keinen Fall banal, manchmal braucht es eine Zeit, bis genatwortet wird.
Ich hatte deinen Beitrag schon mehrmals gelesen, er hat mich sehr berührt, denn ich habe auch eine Tochter, die nur wenige Jahre jünger ist.

Du bist nicht schuld, das dein Vater trinkt, und brauchst dich auch nicht zu schämen, wenn er auffällig wird.
Das ist einfacher geschrieben als getan, das weiß ich, aber es ist der einzige Weg in die Abgrenzung.
Das geht nicht von heute auf morgen, aber wenn du spürst, das dich die Funkstille entlastet, dann setze sie, wenn möglich fort.
Deine Mutter ist in das Alkoholismussystem deines Vaters, welches aus tricksen, vertuschen und manipulieren besteht, fest eingebunden, und kann deine Not ( noch ) nicht sehen.
Ich habe es auch erst sehr viel später erkannt, als ich etwas für mich getan habe, erst ab diesem Zeitpunkt konnte ich auch mit meinen Kindern über den Alkoholismus des Vaters reden.
Vorher habe ich mit geholfen zu vertuschen, und einen auf heile Welt zu machen.
Meine Kinder sind erwachsen, leben weiter weg, der Sohn sogar im Ausland.
Meine Tochter hat den Kontakt zum Vater weitestgehend abgebrochen, er war nicht einmal bei der Einschulung seines Enkelkindes dabei.
Das hätte ich mir nie vorstellen wollen und können, das es mal soweit geht.
Ich akzeptiere und respektiere ihre Entscheidung, aber das kann deine Mutter noch nicht, für sie bist du momentan diejenige, die ausschert, und etwas sichtbar macht, nämlich die Familienkrankheit Alkoholismus.


lg Morgenrot
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Morgenrot hat zum Thema: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? geschrieben
viola
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.01.2010
Beiträge: 15560
Alter: 52
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 14.09.2015, 10:29    Titel: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Dacoucou,

gut, dass du das alles mal hierlassen konntest. Es musste ja mal raus, und hier ist es gut aufgehoben.

Ich finde deinen Wunsch nach einem "normalen" Eltern- und Großelternverhalten sehr verständlich. Überall in deinem Zeilen schimmert es durch, was du dir so sehr wünscht.
Wichtig ist jetzt, dass du Realität als das anerkennst, was sie ist. Dass du nichts beschönigst, nichts dramatisierst (beides kriegst du ja gut hin!), und dass du deine Erwartungen und Wünsche als das siehst, was sie sind - DEINE Dinge, die mit dem Verhalten und mit der Haltung deines Vaters und deiner Eltern nicht viel gemein haben.

Zitat:
da ich hoffte, dass er wenigstens für die Enkel aufhört. Ich hatte mir so gewünscht, dass er für sie eine Therapie macht.

Wenn du so denkst, dann wirst du immer wieder jeden Strohhalm umklammern. Es ist ein "wenn-dann"-Denken.
Die Realität ist aber, dass ein alkoholkranker Mensch nicht so einfach aufhören kann, nur weil er zum Beispiel jetzt Enkelkinder hat oder weil seine Tochter es sich wünscht oder weil er allgemein den Druck der anderen auf sich spürt. Das alles nützt nichts, denn die Sucht ist immer stärker.
Das heißt nicht, dass es keinen Ausweg gibt, aber der Wunsch aufzuhören muss von ihm selber kommen, aus ihm selber heraus. Sonst wird das nix. Sein Leidensdruck muss hoch genug sein, er braucht den festen Willen, ohne Alkohol durchs Leben gehen zu wollen, und außerdem muss er sich (selber!) dafür professionelle Hilfe und Begleitung suchen.

Meine Mutter konnte erst aufhören, als sie sich in die Demenz gesoffen hat. Alles, was du berichtest, kommt mir sehr bekannt vor. Ich wünsche dir, dass dein Vater es eher schafft.

Was kannst nun du tun?
Ich finde es richtig, dass du den Kontakt begrenzt. Außerdem könntest du so konsequent sein und deine Kinder nicht mehr zu ihm lassen, wenn er getrunken hat. Ein angetrunkener oder betrunkener Großvater kann sich nicht so kümmern, wie du es sicher verlangst, und zwar zu Recht. Daher gehören die Kids dann nicht dahin, meiner Meinung nach.

LG viola
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viola hat zum Thema: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? geschrieben
dacoucou
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.09.2015
Beiträge: 58
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 14.09.2015, 10:57    Titel: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Morgenrot,

vielen Dank für deine Antwort aus deiner Sicht. Das hilft mir ein wenig, mich nicht so als Sündenbock in den Augen meiner Mutter zu sehen.
Aber wie kann ich ihr helfen? Wir reden über den Alkoholismus meines Vaters, aber manches kommt nicht bei ihr an, z.B. mein Leiden dabei und wie gesagt, sobald die Eskapade vorbei ist, ist ja wieder alles gut und die angestrebte Therapie doch nicht mehr so notwendig...
Wir feiern schon Geburtstage mit ihnen oft ein paar Tage nach dem eigentlichen Geburtstag, heilig abend bleiben wir unter uns, Muttertag ist auch ein ganz schwieriges Thema... weil er einfach mit seiner schlechten Laune, Art, brummeligen Verhalten (nicht angetrunken, aber auch so dann unausstehlich) schon so viele Feiern vers... hat. Verstehen und akzeptieren können sie das natürlich nicht.


Und sie schafft es kaum, mal alleine zu uns zu kommen, sondern "schleppt" ihn dann mit an, auch wenn er schlecht gelaunt es, sei es aufgrund des Alkohols oder der Depression.

Wenn ich ihr sage, dass mein Vater weiter trinkt (weil ich es immer gleich rieche), vertuscht sie es vor allem vor sich selbst und meint, nein, im Moment kommt er gut ohne aus, oder sie will uns nicht damit belasten... das sind doch eher Selbstlügen, oder?

Sie macht sich aber selbst kaputt damit und natürlich macht ihr das schlechte Verhältnis zu uns auch zu schaffen. Sie wünscht sich eigentlich wohl so wie ich, das alles "gut" wäre, ist es aber nicht.

Kann ich ihr irgendwie helfen -auch um uns zu helfen?

Grüße, Dacoucou
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dacoucou hat zum Thema: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? geschrieben
dacoucou
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.09.2015
Beiträge: 58
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 14.09.2015, 11:32    Titel: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Viola,

habe gerade die Antwort an dich gelöscht... so ein Mist... also nochmal...

Ja, ich weiß schon im Kopf, dass es ein WUNSCHdenken ist und bleibt. Mit anderen Wünschen wie dem nach einem normalen Vater, auf den man Stolz sein kann und nach Anerkennung, Komplimenten für das was wir hier tun, für unsere Kinder habe ich schon ganz gut abgeschlossen, das andere ist noch in Arbeit...

Ich weiß auch, das meine Gefühlswelt viel dramatisiert und das ich das nicht will wie beim letzten Verschwinden meines Vaters. Es war für mich wie ein Weltuntergang- dabei rannte er nur durch die Gegend ohne an seine Familie und deren Sorge zu denken.
So ging es mir schon beim Mal davor: ich mache mir schreckliche Sorgen, schäme mich, dass er bei der Polizei sitzt und denke, wenn es mein Kind wäre, das Mist gebaut hätte - ok, das wäre meine Aufgabe, es da rauszuholen, aber doch nicht meinen erwachsenen Vater! Die Welt ist zu verdreht.

Und keine Sorgen:
unsere Kinder gehen nicht mehr alleine zu den Großeltern, wir wissen ja nie, wie die Lage ist, depressiv, gut gelaunt, angetrunken oder nicht... und falls ich schwach werde und wieder allen nur einen Gefallen tun will, hält zumindest mein Mann mit seinen klaren, sicherlich gesünderen Standpunkten hart dagegen. Er würde meine Eltern inzwischen am liebsten gar nicht mehr sehen.
Vorallem nach dem letzten Vertrauensbruch:
Ich war mit dem jüngsten (Baby) nochmal im Krankenhaus und wir hatten sie gebeten bei uns auf den 3-Jährigen aufzupassen, weil mein Mann arbeiten musste. Sie haben ihn dann aber gleich mit zu sich nach Hause genommen und genau zu der Uhrzeit, als mein Mann ihn abholen und ins Krankenhaus fahren wollte, war mein Vater alleine, ohne Handy mit dem Kleinen mit dem Laufrad zum nächsten Spielplatz gegangen (obwohl meine Mutter wußte, dass er nicht alleine mit ihm los darf, weil er auch körperlich viel zu wackelig ist, um im Notfall mit Kleinkind wieder nach Hause zu kommen). Natürlich waren wir da s..sauer, und ernteten nur Unverständnnis und mussten uns noch rechtfertigen.
Das macht es dann noch zusätzlich anstrengend.

Er hat geistig schon sehr abgebaut... im Gespräch bzw. nach einem Rückfall meint er, er habe daraus gelernt und wolle aufhöre, hatte auch eine Gesprächstherapie... aber das scheint wohl noch nicht zu reichen.
Kann man denn von außen gar nichts tun? Muss man einfach zusehen?
Meine Mutter sagte, es mache ihm auch zu schaffen, dass er nichts helfen kommen darf und er den "Großen" nicht oft bei sich hat... aber trinkt man deshalb wieder????
Es ist ja so, weil er immer wieder trinkt.

Ich weiß, ich muss da noch an mir arbeiten, aber eure Reaktionen helfen mir sehr dabei! Vielen Dank!
Dacoucou
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dacoucou hat zum Thema: Re: Vater trinkt weiter - es macht mich krank, wie reagiert man? geschrieben

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