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MähSchaf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.09.2014
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 26.09.2014, 10:54    Titel: Theorie ist leichter als Praxis... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo liebes Forum,

nachdem ich längere Zeit mitgelesen habe möchte ich mich nun auch aktiv am Forenleben hier beteiligen.

Ich bin Mitte 20, Studentin, und seit 5 Jahren mit meinem Freund, 30, ebenfalls Student, zusammen. Wir leben schon einige Zeit in einer gemeinsamen Wohnung.

Dass er Alkoholiker ist habe ich in der Anfangszeit recht erfolgreich verdrängt. Ich war jung, habe die Freiheiten in der ersten eigenen Wohnung genossen und war selbst nicht wenig feiern, natürlich mit Alkohol. Wir stammen aus einer ländlichen Gegend in der allgemein gerne getrunken wird. Dass es bei meinem Freund dann doch sehr viel und sehr regelmäßig war habe ich anfangs mit einer Phase abgetan, es gab so viel neues zu bewältigen, ich habe den Alkohol als Problem einfach nicht so im Vordergrund gesehen. Nach den ersten Semestern bin ich dann erwachsener und ruhiger geworden und begann dann langsam das Ausmaß des Problemes zu erkennen. Zur Info, es geht hier um literweise Bier am Tag, tage- bis wochenlang, bis dann eine komplett abstinente Phase folgt, ebenso lange.

Vor einem Jahr habe ich dieses Forum entdeckt und so viele Parallelen festgestellt, natürlich konnte ich auch einige co-typische Verhaltensweisen bei mir feststellen (kontrollieren, meckern, Vorwürfe machen...) die ich daraufhin größtenteils abgestellt habe, gefühlsmäßig lässt mich die ganze Situation aber jedoch alles andere als kalt.

Eine endgültige Trennung bringe ich noch nicht über mich, wenn er in seinen nüchternen Phasen er selbst ist liebe ich ihn über alles und wir sind uns menschlich so nahe, dass ich immer noch nicht an dem Punkt angelangt bin, an dem ich das endgültig aufgeben möchte. Es fuchst mich, dass in der Theorie alles so einfach ist. Einige hier sind jahrzehntelang verheiratet, es sind Kinder im Spiel, aber nicht so bei mir. Ich bin jung, ich habe das alles noch vor mir, also wieso mache ich mich nicht einfach aus dem Staub?

Wie gesagt lese ich hier seit einem Jahr mit. Seit diesem Jahr habe ich mit ihm auch einige ernste Gespräche geführt, es gab viel Einsicht seinerseits, letztendlich aber keine Änderung. Ich befinde mich also gerade in exakt der gleichen Situation wie vor einem Jahr und stelle fest, wenn ich selbst nichts tue wird sich auch in einem weiteren Jahr nichts geändert haben.

Aktuell habe ich mir als Ziel gesetzt die gemeinsame Wohnung aufzulösen. Da ich aus verschiedenen Gründen gerne alleine in unserer jetzigen Wohnung bleiben würde erfordert das allerdings Aktivität von ihm, er muss sich etwas neues suchen. Er sieht das ein und möchte das tun, die nächsten Wochen werden dann zeigen ob er es auch in die Praxis umsetzt.

Ich habe beschlossen hier zu schreiben um direkte Denkanstöße von Menschen zu erhalten, die das alles selbst kennen. Zur Zeit rudere ich eher im Kreis herum und fürchte genau das in einem weiteren Jahr immer noch zu tun, wenn ich nicht endlich aus meiner theoretischen Welt herauskomme um auch mal etwas in die Praxis umzusetzen.

Eure MähSchaf
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MähSchaf hat zum Thema: Theorie ist leichter als Praxis... geschrieben
MähSchaf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.09.2014
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 26.09.2014, 12:05    Titel: Re: Theorie ist leichter als Praxis... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Morgenrot fragte mich in meinem Vorstellungsthread wie es mir geht und was ich für mich tue, darauf möchte ich jetzt hier kurz eingehen.

Ich denke, mir geht es nicht schlecht genug. Insgesamt geht es mir immer noch gut, ich habe immer noch mein eigenes Leben, mein Studium macht mir Spaß, im nächsten Jahr werde ich in Regelstudienzeit fertig, dann heißt es das erste mal auf Vollzeitjobsuche gehen. Dass ich dann in eine andere Stadt ziehe (möchte dennoch grob in meiner Heimatumgebung bleiben) versteht sich für mich von selbst, vielleicht ist das auch ein Punkt der mich jetzt noch nicht konsequent handeln lässt. Ich weiß genau: Nächstes Jahr ändert sich für mich einiges, ich kann mir auf jeden Fall eine eigene Wohnung suchen, mir ein neues soziales Umfeld aufbauen und so weiter. Ich denke das ist ein Punkt, der mich aus Bequemlichkeit denken lässt "hey, vielleicht ändert sich bis dahin ja doch noch was, bis dahin hat er noch eine Chance - und wenn nicht, egal, dann geht es trotzdem für mich weiter, auch alleine". Ich weiß das ist doof, aber irgendwie kann ich das in meinem Kopf gerade nicht ändern.

Ansonsten achte ich auch in den kleinen Dingen auf mich. Ich bin mit wenig glücklich zu machen, das machen für mich eben die kleinen Dinge im Leben, Kaffe trinken, ein Spaziergang, eine Kleinigkeit vom Bäcker, ein Schnäppchen machen, kochen, soziale Kontakte, das müssen nicht einmal unzählig viele sein. Wenn ich gerade nicht aktiv mit meinem betrunkenen Freund konfrontiert bin würde ich mich also wirklich als glücklichen Menschen einschätzen. Trotzdem - im Hinterkopf kreisen immer die typischen Gedanken, "warum macht er das? warum kapiert er nicht was sein Verhalten für ihn und für mich bedeutet?...".

Eure MähSchaf
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MähSchaf hat zum Thema: Re: Theorie ist leichter als Praxis... geschrieben
kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 5524
Alter: 59
Wohnort: beiM

BeitragVerfasst am: 26.09.2014, 15:27    Titel: Re: Theorie ist leichter als Praxis... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo MähSchaf,

herzlich willkommen, einen guten Austausch und viele gute Erkenntnisse.

Stell Dir vor, Du wärst 15 Jahre weiter, ein bis drei Kinder sind Dein Lebensinhalt und ein weiteres Erwachsenes wird von Dir mitgeschleppt. Zum heutigen "immer noch gut" kämen Existenzängste, Ängste um die Kinder und Deine Batterien wären etwas leerer.

Viele Coabhängige die hier landen stecken genau da: Batterien leer, Ängste, Ratlosigkeit und nicht mehr fähig sich zu ändern.

Die Frage ist dann nicht mehr warum er, sondern warum "ich"- nur zu der Frage kommen wir nicht mehr, weil der Kopf was anderes macht als die Abhängigkeit. Nicht trinken wollen und trotzdem trinken müssen, ist also garnicht so weit weg vom sich keine Gedanken um den anderen machen wollen und ihn trotzdem immer im Kopf zu haben. Über die Warums in einem anderen Kopf zu grübeln ist ganz schön anstrengend und führt selten zu etwas.

Klasse, dass Du Dein eigenes Leben und gute Zukunftsaussichten hast, behalte das gut im Auge.

LG kaltblut
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kaltblut hat zum Thema: Re: Theorie ist leichter als Praxis... geschrieben

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