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Katharsis
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.01.2013
Beiträge: 639

BeitragVerfasst am: 05.04.2016, 10:42    Titel: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Thalia,

ich bin doch etwas beschämt wegen der Herzlichkeit, mit der Ihr mich ohne Vorwürfe wieder auf- und angenommen habt und ich danke Dir sehr dafür und auch für Deine Wünsche.
Da spüre ich sofort, dass das Töpfchen mit Geduld, Energie und Kraft doch nicht ganz so leergeschöpft ist, wie ich kürzlich noch vermutete.

Bislang habe ich ja wegen der mir eigenen Emotionalität immer direkt und ohne Umschweife rausgehauen, was gerade so bei mir anlag. Deine Worte über den Austausch im offenen Bereich treffen jetzt natürlich voll den Nerv bei mir Winken, da ich so lange überlegen musste, was ich hier öffentlich schreiben darf und was nicht. Antworten wollte ich in jedem Fall, aber je länger ich zögerte, desto schwieriger wurde es.
Nun habe ich eine Entscheidung getroffen und war erleichtert darüber. Mir liegt es ja nicht, zu filtern und an jedem Wort zu feilen, obwohl ich vorsichtig bin, wenn ich Anderen schreibe, weil viele Menschen gerade zu Anfang so verunsichert sind und dann schnell Missverständnisse entstehen. Den Holzhammer spare ich mir deshalb auf für Leute, die absolut klar im Schädel sind und dann ihre bösartigen Talente ausüben.

Bei mir dreht sich immer das Karussell:
So berühmt biste nun auch nicht, dass Dich da draußen jeder gleich erkennen könnte Winken.
Gefilterte Worte sind so ähnlich wie ein halbes Magengeschwür, da bleibt ein Rest, der in mir herumknorzt.
Niemand wird sich aus lauter Langeweile in einem Alkoholikerforum herumtreiben, dazu muss er/sie schon selbst direkt oder indirekt betroffen sein. Wer mich also erkennen sollte, sitzt mit mir in einem Boot und schon sind wir wieder Viele.

Dein letzter Satz beschäftigt mich sehr und gibt mir die Idee ein: Lass es uns zusammen üben,
nicht zu detailliert und doch relevant zu schreiben. Hier.
Relevant in der Selbsthilfe scheint es zumindest vordergründig nicht zu sein, wenn ich mich von einem Sichtschutz in den Lorbeerbusch katapultieren lasse, andererseits hätte ich keinen Finger an den Sichtschutz gelegt im nassen Zustand. Da hätte ich nicht die Energie aufbringen können und auch nicht den Mut, mich einer solchen Arbeit zu stellen. Kraft lassen wir jetzt mal gepflegt beiseite Winken.
Ich hätte nicht mal den Wunsch verspürt nach einer Veränderung, die außerhalb dessen lag, was unbedingt erledigt werden musste.
Solche Kapriolen kann ich weglassen, denn hier bekomme ich ja auch ständig neue Denkanstöße: Ich war z.B. immer total davon überzeugt, dass jeder meiner 127 Versuche, mit dem Trinken aufzuhören, vollkommen ernsthaft war. Jeden Montag habe ich mich von neuem wieder ans Werk gemacht.
Dann lese ich von einem neuen Mitglied, dass sie offensichtlich dasselbe hinter sich hat, nur in dem Bewusstsein, dass sie jedes Mal nur ein paar Tage aufgehört hat, damit sie wieder trinken konnte!
Das hat mich umgehauen und ich kam schwer ins Klinken: War es bei mir in Wirklichkeit nicht genauso? Sobald ich wieder Morgenluft witterte und eine Gabel halten konnte, ging´s wieder los.
Bis dato dachte ich, dass ich das typische Mo-Do-Programm durchspulte, das ich nicht durchbrechen konnte und/oder mehr noch, dass sich zum Wochenende hin die Probs in meiner katastrophalen Beziehung damals naturgemäß wieder türmten. „Schuld“ eher Andere also, aber habe ich mir da nicht etwas vorgemacht?! Ich tendiere nun eher zum letzteren. Tut auch nicht weh, aber ich kann andere Verhaltensweisen daraufhin abklopfen.
Das wäre z.B. eines von vielen Themen, die relevant und manchmal nicht ohne Schmerz abzuhandeln sind, ohne dass wir dafür unseren persönlichen Umkreis im Detail schildern müssen. Es wäre jedenfalls auch etwas, was ich mal dringend lernen sollte.

Mir liegt immer noch so viel am offenen Bereich, weil ich kaum etwas vergessen habe: Wie schwer es war, zuzugestehen, dass ich Alkoholikerin bin, dass ich Hilfe benötige. Wie ich mich gekrümmt habe, weil ich mir vorkam, wie ein Totalausfall. Wie ich vermeiden wollte, dass Außenstehende davon erfahren, als hätten die das alle nicht schon längst gerafft. Mit einer Fahne durch Hörnertee und Pfefferminzbonbons kannst Du gleichzeitig 20 Arbeitskollegen ins Koma hauchen und wenn Du weitermachst, dringt der Alk durch alle Poren, sodass Du riechst wie Moder in einer Kompostkiste am Südhang.
Aber nee, man rennt ja weiter und denkt, es würde niemand bemerken. Den Job macht man noch, klar. Wie oft musste ich dann ausbügeln, was ich in diesem Zustand abgerissen habe.
Auto fahren, der Klassiker: Nachts von der Tanke runter, anschnallen, Tempo korrekt, blinken… und dann vergessen, das Licht einzuschalten…
Was für eine Erleichterung, wenn man nicht mehr dagegen ankämpfen muss. Sich fallen lassen, kapitulieren, sich ausruhen und für sich besser sorgen. Menschen um Dich herum, die das Gleiche mitgemacht haben und Du musst dich nicht mehr verstellen. So viele Dinge, die vorher Dein Leben bestimmt haben – einfach nicht wichtig in diesem Moment, nur noch Genesung.
Die ersten geraden Schritte und dann – wie ein leiser Windhauch – plötzlich wieder das Interesse am Leben.
Ich sag ja immer: Wenn ich ganz am Boden war, habe ich mich hinterher jedes Mal gefragt, wie zum Teufel ich dort hingelangen konnte. Doch eines habe ich auch gerafft: Ich kann immer nur mit dem arbeiten, was ist und nicht mit dem, was ich gern hätte.

Klingt blöd, aber ich denke auch, dass es einen Unterschied macht, ob man (nahezu) ohne eigenes Zutun auf der Intensivstation landet oder sich aus eigenem Antrieb abmacht in die Entzugsklinik.
Ersteres erscheint mir eher wie ein schwerer Unfall und man muss kapitulieren und sich in die Hilfe pflegender Hände begeben.
Bei letzterem klammert man sich vielleicht doch an den letzten Rest Menschenwürde, Stolz – natürlich völlig unangebracht – und an die eigenen Ansprüche.
Den Unterschied sehe ich aber bei den meisten Menschen und bei mir selbst eher darin, dass wir – weil wir sind wie wir nun mal sind – uns bei einer eigenen Einweisung noch unnötig alles so schwer machen, indem wir aus dem Schuld- und Pflichtgefühl versuchen, die letzten, dringend benötigten Kräfte noch dafür einzusetzen, „alles“ zu regeln und für Ordnung zu sorgen und uns damit völlig überfordern, weil wir gar nicht begreifen können, dass es für uns tatsächlich um Leben und Tod geht. Mir kam der Gedanke immer so überflüssig dramatisch vor und doch hätte jeder Absturz der letzte sein können. Ich habe mit meinem Leben gespielt und hatte das doch eigentlich gar nicht vor…

Ich glaube einfach, dass sich im geschlossenen Bereich genügend Menschen umeinander kümmern. Ich würde deshalb am liebsten jeder Nassnase, die sich hier in den offenen Bereich hereintraut, signalisieren: Du bist nicht allein und wenn Du meinst, Dein Leben wäre nicht zu reparieren, dann komm´ näher und beguck Dir die Chose hier und Du wirst feststellen, dass nichts unmöglich ist, auch wenn es sich in Dir gerade so anfühlen mag, so verzweifelt, kraftlos und ohne Hoffnung.

Tja, das wäre mir ein echtes Anliegen, aber dazu brauche ich mehr Beständigkeit. Nach vier Monaten mal nachzufragen: Hey, wie geht’s Dir denn grad? ist wohl wenig hilfreich. Ich kann nur versuchen, es besser zu machen als bisher.

Bin gespannt auf Deine Meinung dazu.
Ganz liebe Grüße und einen fluffigen Tag
Katha
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Katharsis hat zum Thema: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) geschrieben
Katharsis
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.01.2013
Beiträge: 639

BeitragVerfasst am: 05.04.2016, 11:05    Titel: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Huhu Matthias,

ganz lieben Dank Verlegen
Wenn ich Dich und Correns so anschaue, dann wächst in mir der Wunsch, meine Beiträge auf ein erträgliches Maß zu kürzen und dafür öfter zu schreiben.
Dass dies nicht unmöglich ist, beweist Ihr doch täglich.
Der Frühling macht gerade alles neu – ich versuche mal, mich da einzuklinken Winken.

Ganz liebe Grüße und auch Dir weiterhin eine schöne Zeit.
Katha
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Katharsis hat zum Thema: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) geschrieben
viola
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 04.01.2010
Beiträge: 15562
Alter: 53
Wohnort: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 05.04.2016, 15:37    Titel: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Katha,

Wir haben mit dem Leben gespielt und es nicht mal gemerkt. Da sprichst du mir aus der Seele.
Nun aber nehmen wir es ernst, dieses Leben, und wer würde uns verbieten, es spielerisch anzugehen? Du mir jedenfalls nicht. Winken

Schön, dich wieder zu lesen,
LG viola
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viola hat zum Thema: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) geschrieben
Thalia1913
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 27.06.2014
Beiträge: 3551
Alter: 48

BeitragVerfasst am: 06.04.2016, 08:21    Titel: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Katha,

als ich vor knapp zwei Jahren hierher kam, warst du eine von denen, die mich hier begrüßten, und eins, das du mir schriebst, hat sich sofort den Weg in meine tieferen Schichten gebahnt, und zwar "schwere Fälle so wie ich" - das machte mir etwas Wichtiges über mich deutlich und wirkt immer noch nach.

Ich will dir noch mehr antworten, aber dazu brauch ich noch was länger.

Viele Grüße
Thalia
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Thalia1913 hat zum Thema: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.12.2009
Beiträge: 7364
Alter: 66
Wohnort: Wilkau-Haßlau

BeitragVerfasst am: 06.04.2016, 09:11    Titel: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf katha

meine "kurzen beiträge" sind gut, um wichtiges hervorzuheben bzw. zu betonen und um auf "ungereimtheiten" aufmerksam zu machen.
deine "ausführlichen beiträge" helfen besser zu verstehn, wie s dir geht, zusammenhänge zu erkennen und am ende draus zu lernen.

- umärmelung -

schöne zeit

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) geschrieben
Katharsis
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.01.2013
Beiträge: 639

BeitragVerfasst am: 06.04.2016, 13:20    Titel: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Viola,

lieben Dank für Deinen Besuch, ich habe mich sehr darüber gefreut.
Wie immer schaffst Du es, die Sache mit einigen wenigen Worten auf den Punkt zu bringen und dabei auch noch wundervolle Formulierungen zu finden. Danke dafür.
Ich vergaloppiere mich ja auch schon mal ganz gern, vor allem, wenn ich mir wegen einer nahestehenden Person entsetzliche Sorgen mache, aber generell neige ich schon eher zu einem lächelnden und ermutigenden „natürlich darfst Du“. Böse oder irritierte Blicke hinterher und auch ein bisschen verbale Kloppe von Außenstehenden stecke ich gern weg, wenn ich dafür zugucken darf, wie jemand sich traut, wieder eine persönliche Hemmschwelle zu übertreten und dabei so viel Spaß und vor allem Freude daran hat.
Den eventuell folgenden bestürzten Ausruf der Erkenntnis von der soeben noch erleichterten und nahezu glücklichen Person „Och nee, das hätte ich ja schon viel früher haben können!“ muss ich dann aber leider mit einem fröhlichen Grinsen abschmettern: „Es ist wie es ist und hätten ham wa nich“. Ich bin nur ein Mensch und brauche keine überflüssigen Krisen wegen verpasster Möglichkeiten. Alles hat seine Zeit.

Dir wünsche ich eine magische Zeit mit dem Wunder Frühling.
Liebe Grüße
Katha
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Katharsis hat zum Thema: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) geschrieben
Katharsis
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.01.2013
Beiträge: 639

BeitragVerfasst am: 06.04.2016, 15:18    Titel: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Thalia,

als „schweren Fall“ betrachte ich mich immer noch, doch besteht kein Grund mehr zum Verzweifeln.
Ich habe mir vieles nicht aussuchen können und mir fehlen Dinge, die für Andere selbstverständlich sind. Andererseits wurde mir dafür – vielleicht als Ausgleich Winken – die Fähigkeit mitgegeben, für fast alles eine Lösung zu finden.
Manchmal macht es mich z.B. traurig zu lesen, wie Mitbetroffene in ihrer Kindheit um ein Haustier trauern konnten/durften. Das gab es bei uns nicht. Da wurde voll durchgezogen und weitergemacht, aber kann ich es einem Menschen verübeln, der durch Krieg gezwungen wurde, sich auf das Lebensnotwendige zu beschränken und Gefühle nicht zulassen durfte, weil er sonst nicht hätte weitermachen können? Natürlich ist es traurig, dass wir sehr wohl Gefühle hatten, uns diese Haltung aber übergestülpt wurde. Da mutierst Du zu Deinem eigenen Käfig.
Dagegen kann ich nichts mehr tun, aber ich kann sehr wohl heute verhindern, dass Menschen, die trauern und deshalb weinen, glauben, sich dafür entschuldigen zu müssen in dieser seltsamsten aller Welten.

Wenn ich nicht nachdenke, bin ich mutig, flexibel und spontan. Denke ich nach, bin ich oft verunsichert, hölzern, ängstlich und schüchtern, glücklicherweise aber auch manchmal einfach nur sachlich oder logisch. Dagegen ist wohl auch kein Kraut gewachsen, also muss ich für mich versuchen, jeden einzelnen Zustand zu nutzen, so wie er gerade anfällt. Gelingt natürlich nicht immer, aber immer öfter Winken.
Und ich habe eine Entscheidung getroffen: Ich will nichts und niemandem hinterherhecheln, ich will mich nicht völlig verausgaben, so dass ich ununterbrochen genervt und schlecht gelaunt bin und dann in ein Wellness-Wochenende fliehen muss, ich will nichts Aufgesetztes und möglichst anderen Menschen nicht gegens Knie treten. Ich glaube, dass meine Ansprüche relativ genügsam und eher vernünftig sind und so würde ich mich jederzeit auch dafür einsetzen. Ich muss nicht mehr das letzte Wort haben und so drehe ich mich manchmal einfach um und denke: Schade reden.

Mir ist wirklich nix zu doof, um es auszuprobieren, wenn es hilfreich sein könnte.
Bei meinem Projekt: „Netter zu mir selbst zu sein“ stieß ich dann aber fast an meine Grenzen. Fast Winken.
Und so redete ich nicht mehr nur mit Gegenständen, sondern auch mit mir selbst Smilie. Ich war ja ziemlich oft und viel allein. Ich frage mein anderes Ich bei Niedergeschlagenheit, woran es denn liegen könnte, koche ihm heißen Kakao, puschele es in eine weiche Decke und gebe ihm ein schönes Buch und vor allem die Erlaubnis, sich auszuruhen, wenn ich es nicht überzeugen kann, vielleicht doch noch durch die Botanik zu hopsen. Da fühlen sich alle Beteiligten umsorgt und schon viel besser.
Nun wohne ich nicht mehr allein und höre ab und zu eine Stimme, die irritiert fragt: „Was hast Du gesagt?“ Dann nuschle ich: „Nöx“, höre leises Lachen und ein selbstverständliches: „Ogäi“.
Erleichtert mein Leben ungemein und ich wiederum bin bei den Macken Anderer tolerant.
Ich muss natürlich aufmerksam sein und mich im Visier haben, aber nicht gestresst und analysierwütig, sondern eher liebevoll.

Es gibt allerdings Tage wie heute, da sprechen alle anderen Menschen eine andere Sprache als ich und ich vergeude Stunden und bekomme keine Antworten. Niemandem sind Versäumnisse zumindest ein wenig unangenehm, aber ignorieren ist ja auch so viel einfacher. Eine spricht dann Patzig, aber die Sprache kenne ich und nach einer entsprechenden Replik hüpfe ich wieder in den Bus, lass es nach hinten rutschen und bestaune stattdessen Zierkirschen, Forsythien, Meere von Osterglocken und Krokanten, da letztes Wochenende hier die Natur explodiert ist. Die reden nicht, die nerven nicht, die sind einfach nur da, um Freude zu machen. Steig ich aus dem Bus und bin so gut wie neu Smilie

Liebe Thalia, ich hoffe wirklich, dass mein Satzfetzen vom „schweren Fall“ bei Dir nicht langfristig eine Schwere ausgelöst hat. Ich denke, manchmal ist es wichtig, sich Dinge zu begucken, aber man darf sich davon nicht anketten oder ausbremsen lassen. So viel mehr ist möglich, auch in eben dieser seltsamsten aller Welten.

Ich wünsche Dir Leichtigkeit, so wie auch eine leichte Frühlingsbrise einen Kirschblütenregen zaubern kann.
Liebe Grüße
Katha
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Katharsis hat zum Thema: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) geschrieben
Thalia1913
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 27.06.2014
Beiträge: 3551
Alter: 48

BeitragVerfasst am: 11.04.2016, 22:25    Titel: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Katha,

ich kenne die Straße mit den Kirschbäumen, die Blüten schneien, die ist hier gleich um die Ecke. Smilie

Nein, dein "schwerer Fall" ließ im Gegenteil vieles für mich leichter werden. Leichter zu akzeptieren, dass auch ein Mensch wie ich (und du?), der noch eine und noch eine Gedankenrunde dreht, um der "Wahrheit" aber ganz auf den Grund zu gehen, dass so jemand in seiner Sucht schlimmer gefangen sein kann und vielleicht sogar härter (oder anders hart) dafür arbeiten muss, sich da raus zu wurschteln (um mal deine Bildsprache zu verwenden), als jemand anders, der es vermeintlich, oberflächlich betrachtet, "schwerer" getroffen hat, weil er vielleicht schon im sozialen freien Fall begriffen ist.

Es hat mir geholfen zu verstehen, dass meine Alkoholsucht keine Sache ist, die ich durch Denken in den Griff kriegen kann. So wie ich immer versuche, mein Leben durch Denken zu beherrschen. (Ha!) Es hat mir auch deutlich gemacht, (durch deinen Hinweis, vielleicht sogar zwei Selbsthilfegruppen zu besuchen), dass es nötig ist, über den Tellerrand meines eigenen Hirns hinauszuschauen. Und vor allem auch anderes hineinzulassen.

Ich weiß momentan gar nicht, ob ich hier draußen schon mal was über mein Glücklichsein schrieb, wenn nicht, hole ich das demnächst mal nach. Also keine Sorge, dass deine Worte zuviel Schwere auslösten. Smilie

Und immer noch bin ich nicht fertig mit dem, was ich dir schreiben will. Aber für heute. Smilie

Viele Grüße
Thalia
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Thalia1913 hat zum Thema: Re: Überübermorgenland - Postfach :-) geschrieben

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