Hilfe bei Alkohol : Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum : Das Alkoholikerforum

Neu hier - Alkohol: Herzlich Willkommen im Alkoholikerforum.
Du suchst einen Erfahrungsaustausch, der Dir bei Deiner Alkoholabhängigkeit hilft? Das Alkoholiker Forum bietet Dir Hilfe durch die Selbsthilfe in der Alkoholkrankheit, Alkoholismus und Alkoholsucht. Natürlich auch für Angehörige von Alkoholikern.




Alkoholiker

Neu hier

 
   Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum Foren-Übersicht -> Alkoholsucht bzw. Alkoholabhängigkeit im Alkoholiker Forum -> Seite 43
Entzugsbeginn in schwerer Lebensphase?   •    Unruhe  
Autor Nachricht
mark10
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 20.07.2006, 09:54    Titel: Neu hier Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo erstmal an alle!

Ich habe in den letzten Tagen hier so viel gelesen, was mir auf der einen Seite Mut, auf der anderen Seite aber auch Angst macht.

Aber zuerst mal vielleicht ein paar Worte zu mir: Ich bin jetzt 35 und Alkoholiker. Ich habe relativ spät zu trinken begonnen, so mit 18. Bier fand ich vorher immer eklig und von süßem Wein bekam ich Kopfschmerzen. Also hab ich gleich richtig angefangen mit Whisky-Cola oder auch mal Whisky pur.

Recht schnell wurden dann auch mal die Samstage exzessiv durchgefeiert und da ich beruflich mit 22 Jahren schon ziemlich erfolgreich war, hatte ich auch enorm viele "Freunde".

Dann kam ein beruflicher Einbruch und ich ging dazu über, nicht mehr auf Alkohol zu feiern, sondern mich damit zu betäuben. Da war ich 23 und die wenigen echten Freunde sprachen mich damals schon auf meinen Umgang mit dem Alkohol an und entfernten sich deshalb auch zum Teil von mir (was ich heute absolut nachvollziehen kann).

Irgendwann hab ich mich dann beruflich wieder berappelt und nach Entschuldung und Angestelltenverhältnis wieder einen eigenen Laden gegründet.

Die Firma läuft bis heute bestens und nach außen bin ich stets gut gelaunt, erfolgreich und überhaupt. Die letzten Jahre ging das auch alles ganz gut. Ich bin regelmäßig zum Sport gegangen, Rad gefahren, hab mir Ausstellungen angesehen, habe geschrieben oder war auch mal im Theater.

Dann kam letztes Jahr ein Projekt, welches über Monate Arbeitszeiten von 16 Stunden täglich inkl. der Wochenenden mit sich brachte. Also war nix mehr mit Sport & Co. Jeden Abend war ich so aufgekratzt, dass ich mir erstmal ne Flasche Rotwein reingestellt habe, um wieder halbwegs runter zu kommen.

Dann war das Projekt vorbei und ich hatte meinen Konsum inzwischen auf zwei Flaschen Rotwein gesteigert. Und obwohl das Ding durch war und ich eigentlich wieder Zeit für mich gehabt hätte, kam ich einfach nicht mehr hoch. Keine Lust auf gar nix. Stattdessen ganze Wochenenden auf der Couch. Vormittag aufgestanden, Kaffee getrunken, Kippe angezündet, Flasche Sekt aufgemacht und rumgehangen.

Die einzige Aktivität, die ich über die Jahre konstant entfalten konnte, waren Parties oder Konzertbesuche, die nicht selten mit Filmriss oder zumindest doch Vollrausch endeten.

Natürlich bekam mein Umfeld das mit und gute Freunde sprachen mich auch darauf an. Aber wie das bei Akoholikern so ist, sagt man, ich hab das im Griff und lasst mir doch mal das bisschen Spaß.

Kürzlich kam dann aber das Unvermeidliche. Nein, ich habe nicht meinen Führerschein verloren (das hab ich schon zweimal hinter mir). Mir wurde bei einem Projekt ein schwerer Fehler angelastet, der auf meine Trunkenheit zurückgeführt wurde. Das war zwar objektiv nicht der Fall, weil die Sache auch so passiert wäre und ich nicht direkt beteiligt war, aber genau das hat mich so angefressen, dass ich nicht einmal wirklich widersprechen konnte, weil ich ja augenscheinlich nicht ganz bei mir war.

Nun ja, lierum larum, lange Rede kurzer Sinn: Ich hab seit drei Tagen nichts getrunken, aber auch nicht geschlafen. Hier lese ich überall, dass man, will man langfristig Erfolg haben, sein Leben komplett umkrempeln muss. Das würde für mich bedeuten: Keine Konzerte mehr, viele Leute aus dem Adressbuch streichen und eigentlich auch das Arbeitsgebiet verlagern, da ich in einer Branche unterwegs bin, die man getrost als Alkoholikersammelbecken bezeichnen kann. Das macht mir enorme Angst, da die Perspektive, ein nüchternes Leben zu führen gleichzeitig für mich eine gewisse Perspektivlosigkeit impliziert.
Nach oben
mark10 hat zum Thema: Neu hier geschrieben
Yorkie
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 27.06.2006
Beiträge: 498

BeitragVerfasst am: 20.07.2006, 10:29    Titel: Selbständigen Problem Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo mark10!

Herzlich willkommen im Forum!

Ich kann Deine Angst komplett nachvollziehen, denn ich bin auch seit mehr als 20 Jahren selbständig.

Keine Angestellten können sich manchmal vorstellen, unter welchem Druck gerade wir "in diesen Zeiten" stehen.

Und in dem Metier, indem wir uns bewegen, gehört "saufen" zur Tagesordnung. Das ist glaube ich nicht branchenspezifisch, sondern eher gruppenspezifisch.


Meine Erfahrungen von früher beruhen darauf, daß ich immer von 01. Januar eine Trinkpause(jetzt bewußt) eingelegt habe, dann 3 Monate geknüppelt habe, und zur Belohnung dann Ostern mir die Glocke vollgehauen habe.

Das Gefährliche für mich war, daß ich das Gefühl hatte, nach einer Trinkpause durch Alkhol noch leistungsfähiger zu sein. Und damit war ich dann wieder dran. Erst langsam kontrolliert und zu Weihnachten war ich wieder auf meinen vollen Level.

Das hat bis 40 Jahre gut geklappt. Der Alkoholkonsum war nicht übermäßig, aber doch regelmäßig.
Mit 41 Jahren habe ich dann festgestellt, das die Methode nicht funktioniert, weil mein Körper diesen Belastungen nicht mehr gewachsen war, und dann kam das Aufarbeiten.

Die Einsicht ist erst vor 3 Jahren gekommen, etwas zu ändern und hat bis 01.06.2006 gedauert, um etwas zu ändern.

Ich wünsche Dir richtig viel Kraft

Gruß
Yorkie
Nach oben
Yorkie hat zum Thema: Selbständigen Problem geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.11.2004
Beiträge: 32810
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 20.07.2006, 10:54    Titel: Re: Neu hier Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo und Willkommen mark10,

auch wen ich diese Ängste und Sorgen nachvollziehen kann, weil ich früher selbst so gedacht habe, es gibt keinen Grund zum trinken.

Der Druck der Selbsständigkeit ist sehr hoch, dass weiß ich auch, aber auch jeder Angestellte oder Arbeitnehmer hat diesen Druck der Leistung, weil er seinen Arbeitsplatz sichern will.
Die Veränderungen, die man für seine Nüchternheit macht, dürfen im Kopf keine Verlust, sondern ein Gewinn sein.
Ich brauch nicht mehr zu Konzerten und mich volllaufen lassen, sondern ich kann die Musik ohne Alkohol genießen.

Wenn man seinen Tiefpunkt erreicht hat, spielt es keine Rolle, was ich alles scheinbar aufgeben muß, ich mache es dann gerne, weil ich erkannt habe, so kann ich nicht mehr leben.
Ein Festhalten an alte Dinge, birgt das Risiko eines Rückfalls und wid die Sucht nur verlängern.
Nach oben
Karsten hat zum Thema: Re: Neu hier geschrieben
mark10
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 20.07.2006, 11:32    Titel: Re: Neu hier Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hey Yorki,

danke für die Worte. Und ja, das ist bei mir auch so. Bis vor einem Jahr habe ich das körperlich alles weggesteckt, getreu dem Motto "Wer saufen kann, der kann auch arbeiten." saß ich auch nach durchzechten Nächten relativ frisch am Schreibtisch und wurde immer für meine Kondition bewundert. Die ist aber inzwischen zum Teufel und ich merke es auch körperlich, was einer der wesentlichen Gründe war, endlich aufzuhören.

Hi Karsten,

auch dir Dank für die Antwort. Die Ängste rühren einfach daher, dass ich hier die nahezu einhellige Erfahrung lese, dass man allen und allem aus dem Wege gehen sollte, das mit den früheren Trinksituationen zu tun hat. Und das würde bedeuten, dass ich mich natürlich von vielen Menschen trennen müsste, die mir im Leben doch recht viel gegeben haben, die jedoch auch einen ziemlichen Hang zum Alkohol haben.

Viel Arbeit halte ich dagegen nur für einen vorgeschobenen Grund für die Sauferei, das ist mir inzwischen auch klar.
Nach oben
mark10 hat zum Thema: Re: Neu hier geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.11.2004
Beiträge: 32810
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 20.07.2006, 11:38    Titel: Re: Neu hier Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

mark10 hat Folgendes geschrieben:


Hi Karsten,

auch dir Dank für die Antwort. Die Ängste rühren einfach daher, dass ich hier die nahezu einhellige Erfahrung lese, dass man allen und allem aus dem Wege gehen sollte, das mit den früheren Trinksituationen zu tun hat. Und das würde bedeuten, dass ich mich natürlich von vielen Menschen trennen müsste, die mir im Leben doch recht viel gegeben haben, die jedoch auch einen ziemlichen Hang zum Alkohol haben.



Da Du erkannt hast, dass es die Erfahrungen von vielen hier schon länger trocken lebenden Alkoholikern ist, brauchst Du nur daraus zu lernen und es umzusetzen.
Ja, der Kontakt zu Menschen, denen der Alkohol wichtig ist, ist gefährlich und sollte sofort beendet werden.
Nach oben
Karsten hat zum Thema: Re: Neu hier geschrieben

   Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum Foren-Übersicht -> Alkoholsucht bzw. Alkoholabhängigkeit im Alkoholiker Forum Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1


Ähnliche Beiträge
Thema Forum

Informative Bücher für Alkoholiker und Angehörige bei amazon.de:
.
Rückfallprävention
Rückfallprävention
Umgang mit Abhängigen
Umgang mit Abhängigen
Alkoholismus
Alkoholismus
Alkoholdiagnostik
Alkoholdiagnostik
Risikoverhalten
Risikoverhalten


Werben im Alkoholikerforum - Spenden





Impressum : Sitemap
1 2 3 4 5 6 7 8 9 Weihnachtsgeschenke

Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de