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Tinaki
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 07.07.2006
Beiträge: 24
Wohnort: Wien

BeitragVerfasst am: 07.07.2006, 10:51    Titel: verwirrt und verzweifelt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,
ich bin hier neu im Forum, und wende mich an euch, weil ich nicht ein noch aus weiss!
Ich will euch meine 'Geschichte' erzählen.
Im Dezember lernte ich im Internet IHN kennen, er ist Deutscher, lebt aber schon lange in Griechenland. Es war ja auch ein griechischer Chatt, den ich öfter besuche, da ich mich dem Land sehr identifiziere und auch die Sprache spreche und in diesem Chat viel lernen kann.
Also gut, wir haben uns geschrieben, er wollte zu Weihnachten seine Mutter in Deutschland besuchen und wir haben uns ausgemacht, dass er auch mich besucht.
So kam er, ich war etwas irritiert, dass er für sein Alter - er ist 53 - eher alt aussah. Wir hatten einen netten, alkoholfreien Abend, sprachen über dies und das, auch über das Thema Trinken und er sagte, dass er seit 23 Jahren nichts mehr trinkt.
Es folgten dann Mails und viele Telefonate, in denen er manchmal eine etwas komische Stimme hatte, da meinte er aber, dass er von seiner Arbeit als Handwerker müde sei. Dann besuchte ich ihn, 5 Tage war ich dort, im ganzen Haus gab es keinen einzigen Hinweis auf Alkohol!
Was ich nur komisch fand, war, dass er manchmal wegen einer Kleinigkeit 'ausrastete'.
Beim nächsten Besuch das gleiche: Aus dem Nichts heraus war er plötzlich wütend, was so überhaupt nicht mit seiner anderen Art zusammenpasste. Und als ich bei ihm war, hat er mir oft Geschichten erzählt, die er mir auch schon am Telefon erzählt hatte.
Nach dem nächsten Besuch rief ich ihn am Abend an, das war ein ganz merkwürdiges Gespräch, (jetzt weiss ich, dass er stockbesoffen war), ich fragte ihn auch, ob er betrunken ist, was er verneinte.
Am nächsten Tag kamen ganz komische SMS, so quasi: ich habe Angst, dich zu verlieren', 'bleib bei mir' , ich hab mich nicht ausgekannt, da Trennung kein Thema war.
Dann schnitt er sich noch in den Finger, und schrieb mir, dass es ihm schlecht geht und er heute eine Flasche Ouzo trinken wird.
Ich war verzweifelt, nahm sofort ein Flugticket und fuhr am Wochenende runter. Er hatte rote Flecken im Gesicht, aber wieder war im Haus keine Spur von einem Alkohol zu finden. Sein Kommentar zu den roten Flecken: Der Helm seines Motorrads hat kein Vollvisier.
Unser nächstes Treffen fand in Nordgriechenland statt, 10 Tage waren wir dort bei Freunden. In den 10 Tagen trank er nichts, meinen Freunden erzählte er, dass er seit 8 Jahren nichts mehr trinkt, da er nach seiner Scheidung ziemliche Alkoholprobleme gehabt hätte, die hätte er nun im Griff. Er war aber die ganze Zeit über irrsinnig aggressiv, rastete wegen jeder Kleinigkeit aus. Am letzten Tag machte er dann Schluss, fuhr zurück in sein Dorf, ich blieb noch einen Tag bei den Freunden, und dachte, dass es besser ist, wenn ich einmal abwarte.
Einen Tag hörte ich nichts, dann rief er mich an, bat mich, ihm die Kamera zu schicken, die er bei den Freunden vergessen hat und die ich mitnahm. Am nächsten Tag kam dann ein Mail voller Beschimpfungen. Das ging nun jeden Tag so, ich hätte Magersucht, ich bin verrückt, so geht das nicht weiter, wenn ich mich nicht ändere, will er mit mir nicht zusammen sein. Und nach ein paar Tagen kam dann ein Mail, in dem er mir schrieb, dass er seit seiner Rückkehr jeden Tag eine Flasche Ouzo trinkt!
Dann kamen Freunde ihn besuchen, er sagte, dass er da wieder rauskommt...
Ja, und dann haben wir uns wieder versöhnt, er bat mich, zu ihm zu kommen. Und so fuhr ich wieder zu ihm. Und das war der Hammer: die ersten 4 Tage war er 'trocken', aber sehr aggressiv, und dann hat er irgendwann gesagt: ich brauch' jetzt einen Schluck Ouzo... Die letzten 4 Tage hat er nur getrunken, stand um 6 Uhr auf, nahm den ersten Schluck, wobei der Schluck aus einer halben Flasche Ouzo bestand. Die Körperpflege wurde vernachlässigt, hie und da stand er auf, fuhr mit dem Moped oder dem Motorrad um Nachschub zu besorgen, oder ging in die Wekstatt, wo er auch nur herumsass und sich volllaufen liess. Und den Ouzo hat er immer irgendwo versteckt gehabt, heimlich (obwohl nichts zu verheimlichen war) schlich er sich zum Versteck und nahm einen Schluck.
Ich fand keinen Zugang zu ihm, ich sagte ihm, dass er zum Trinken aufhören muss, das sei seine einzige Chance zu überleben, dass er krank sei. Darauf antwortete er nur, dass auch ich krank wäre... Zum Flughafen nach Athen fuhr ich mit dem Taxi und liess ihn in seinem Rausch liegen.
Ich habe mich in der Zeit, wo er betrunken herumgelegen ist, im Dorf erkundigt: er ist dort als Alkoholiker bekannt, und dass er keine Aufträge mehr bekommt, weil er als unzuverlässig gilt.
Nun bin ich wieder zu Hause, bin völlig geschockt von dem, was ich erlebt habe, wollte keinen Kontakt mehr. Das habe ich nicht durchgehalten, er beteuert nun, dass er aufgehört hat zu trinken, dass er dort einen Psychologen kennt, mit dem er redet...
Vor 3 Tagen rief er mich an, erzählte mir, was er alles tagsüber gemacht hat. Hat sich gut angehört und 'normal' angehört, am nächsten Tag in der Früh meldete er sich wieder und erzählte mir alles noch einmal!!! Teilweise mit dem gleichen Wortlaut!
Ist das schon Alkoholdemenz?
Ich habe mich in jemanden verliebt, den es gar nicht mehr gibt?
Wir haben von gemeinsamen Reisen geträumt, von einem Leben zu zweit. Und jetzt das?
Ich habe mich nun schon sehr eingehend mit Alkohol beschäftigt, finde aber für mich keine Lösung. Ich bin traurig, weil er - in meinen Augen ein hochintelligenter Mensch ist bzw. war, und dass der Alkohol ihn schon so zerstört hat!
Und ich mache mir auch Sorgen um ihn, denke mir, wie lange wird er das noch aushalten, schafft er es noch, dass er da rauskommt? Er hat es mir nun versprochen, aber aus den Mails der letzten Tage entnehme ich, dass er wieder zu Trinken begonnen hat. Einmal hat er mir geschrieben, dass ich für ihn die Motivation zum Aufhören war und bin.
Ich weiss nicht, was ich tun soll, was ich tun kann, weiss nicht mehr ein noch aus, einerseits will ich, dass er vom Alkohol loskommt, andererseits weiss ich, dass es ohne professionelle Hilfe bei ihm nicht mehr geht, die er aber ablehnt.
Hat hier jemand eine Lösung, einen Ratschlag? Bin für alles dankbar.

Liebe Grüße
Tinaki
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Tinaki hat zum Thema: verwirrt und verzweifelt geschrieben
chiara
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.03.2006
Beiträge: 362
Wohnort: UK

BeitragVerfasst am: 07.07.2006, 11:16    Titel: Re: verwirrt und verzweifelt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo und Willkommen Tinaki,
ich schreibe Dir nur ganz kurz, es melden sich bestimmt noch viele bei Dir, die ausführlich auf Deine Problematik eingehen. Deine Geschichte hat mich sehr traurig gemacht aber vor allem der Satz, dass Du für ihn der Grund sein wirst das Trinken zu lassen hat mich sehr getroffen.
Es erinnert mich sehr an das, was ich vielen Menschen in Beziehungen aufgehalst habe. Sowas ist schlimm. Ich habe auch immer wieder Menschen, die mich liebhaben auf diese Art missbraucht. "Wenn nur Du in meinem Leben bist, werde ich nicht mehr trinken..." War, was mich anbetrifft, immer eine fürchterliche Lüge.
Wirkliche Hilfe kann er nur von anderen Kranken, anderen Betroffenen bekommen. Wenn er das denn will. Von Dir? Das wird langfristig (so sehe ich das aus meiner Erfahrung) nur Dein Leben auch noch mitzerstören.
Ich würde Dir gerne etwas erfreulicheres sagen; aber da müsste ich schwindeln. Wenn Du Ihn wirklich wirklich liebst, kannst Du natürlich, das verstehe ich ja auch, nicht sagen, naja dann aus schluss. Aber dann hilft eben nur beinhartes Handeln. Wenn er trinkt, dann raus aus seinem Leben. Wenn er nüchtern ist...dann kannst Du, glaube ich, jetzt aus meiner persönlichen Erfahrung, natürlich schon für ihn dasein. Aber als Alkoholiker ist man so "gebaut", dass man eben Beides will. Die Beziehung und den "ouzo". Gemein, aber es wird immer so sein. Ausser Du haust wirklich auf en Tisch und sagst entweder der ouzo oder ich. Auch da gibts keine Garantie, das es klappt. Aber das findest Du dann eh ganz schnell raus. So gut sind wir ja auch nicht im "verbergen".
Sollte er sich eben nicht entscheiden können bin ich ganz sicher, dass ein anderer lieber Mensch in Dein Leben treten wird. Eine Beziehung zu einem Alkoholiker kostet soviel Kraft...und dann reicht eben manchmal auch alle Kraft der Welt nicht und plötzlich geht Dein leben den Bach runter. Denke bitte darüber nach, wie gesagt, ich habe das so oft an mir selbst erlebt. Der Partner hat gegen den Alkohol nur dann eine Chance, wenn der Trinkende wirklich werklich schon am Ende angelangt ist und eh nicht mehr weitertrinken will. Hilfe annehmen will. (Ein befreundeter Psychologe wird da kaum genug sein...)
Ich wünsche Dir sehr, dass Du noch ganz ganz viele andere und verschiedene Meinungen dazu hörst und auch viel Mut und Kraft.
Alles Liebe
chiara
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chiara hat zum Thema: Re: verwirrt und verzweifelt geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.11.2004
Beiträge: 32810
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 07.07.2006, 11:29    Titel: Re: verwirrt und verzweifelt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo und Willkommen Tinaki,

eigentlich hat chiara alles gesagt.

Ich weiß aus meiner eigener Trinkzeit, dass ich viel erzählt habe, obwohl ich wußte, es stimmt nicht.
Die Wiederholungen der immer gleichen Geschichten, haben nicht unbedingt was mit Vergessllichkeit oder sogar krankhafter Alkoholdemenz zu tun. Wenn sich sich selbst lange und oft genug selbst immer wieder was einredet, nimmt man es als Alkoholiker als Wahrheit an und hat so für sich selbst eine Rechtfertigung.

So wie Du Deinen Freund beschreibst, hast Du einen sehr langen Weg vor Dir, der keine Garantie auf Erfolg hat.
Er ist noch nicht mal am Anfang einer Einsicht. Wenn irgendwann mal die Einsicht beginnt, dauert es weitere lange Zeit, bis das Handeln ernsthaft beginnt.
Auch die Gespräche mit der Psychologin, sind in meiner Sicht nur ein Alibi, wen sie denn überhaupt stattfinden.

Dir sollte Dein Leben mehr wert sein.
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Karsten hat zum Thema: Re: verwirrt und verzweifelt geschrieben
Tinaki
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 07.07.2006
Beiträge: 24
Wohnort: Wien

BeitragVerfasst am: 07.07.2006, 11:34    Titel: Re: verwirrt und verzweifelt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Chiara,
danke für deine offenen Worte.
Natürlich habe ich mit ihm darüber geredet: einmal hat er mich in seinem 'Bsuff' gefragt, ob ich mit einem Alkoholiker zusammen sein will, worauf ich mit 'nein' antwortete. Und ich hab ihm, als ich wegging, ein Schreiben auf seinem Schriebtisch hinterlassen, in dem ich das noch einmal betonte. Ich will mit ihm zusammen sein, so wie ich ihn kennengelernt (also: nüchtern) habe. In den folgenden Mails hat er dann wahnsinnig aggressiv reagiert, wenn ich das Thema Alkohol zur Sprache brachte.
Momentan bin ich ja ziemlich weit weg von ihm, ich schaffe es auch psychisch nicht, zu ihm zu fahren, habe nicht die Kraft dazu.
Ich denke mir aber, dass ich mit dem Mailkontakt, mit SMS und mit Anrufen ihm eine Stütze sein kann?
Hab noch eine Frage: Wie ist das eigentlich mit der Aggression bei Alkoholikern? Sind nur von vornherein aggressive Menschen, wenn sie trinken, noch aggressiver, oder macht der Alkohol auch einen friedvollen Menschen aggressiv? Warum war er so aggressiv, als er nichts trank? Entzugserscheinungen?
Du siehst bzw. ihr seht, ich bin mit meinen Gedanken momentan nur 'dort', kann ganz schlecht einchlafen, die Gedanken drehen sich im Kreis...
Liebe Grüße
Tinaki
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Tinaki hat zum Thema: Re: verwirrt und verzweifelt geschrieben
chiara
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 23.03.2006
Beiträge: 362
Wohnort: UK

BeitragVerfasst am: 07.07.2006, 12:11    Titel: Re: verwirrt und verzweifelt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Tinaki,
Agressivität geht nach meiner Erfahrung leider auch mit Alkoholismus einher. Ich zB bin wirklich ein friedvoller Mensch, der nüchtern kein agressives Verhalten an den Tag legt. Aber wehe ich trinke. Ich kann mich dann innerhalb von Sekunden (da reichen schon 2 Gläser Wein) in einen Menschen verwandeln, den dann keiner mehr wiedererkennt. Bösartig und ungerecht, ich kann mich gut erinnern, dass ich im betrunkenen Zustand meine eigene Mutter und meinen eigenen Papa so massiv und gedankenlos angegeriffen habe, dass die beiden noch bis heute nichts mehr mit mir zu tun haben wollen.
Manche Menschen sagen ja "Betrunkene und Kinder sagen die Warheit", ich kann das nicht bestätigen, mein Wahrheitsbild verzerrt sich schon nach den ersten Schlucken so sehr, dass ich denke, ich bin superintelligent und weiss alles; alle anderen sind dumm.
Ich könnt dann am nächsten Tag, wenn ich darüber nachdenke schreien...weil ich mich dann, falls das überhaupt noch möglich ist, erinnern muss was ich für einen unglaublichen Unsinn von mir gegeben habe. Natürlich gibt es für dieses Verhalten einen Grund. Bei mir ist es meistens auch damit verbunden, dass ich eine "Veteidigungshaltung" einnehme. Weil ich ja unbewusst weiss, der andere kriegt mit, dass ich schwer am trinken bin. Das macht mich unsicher und beschämt und dann werde ich eben immer lauter und gemeiner. Wie gesagt, ich kann nur für mich sprechen, aber selbst mein Mann, der nüchtern eine Seele von einem Menschen ist, ist früher, bevor er den Alkohol ganz aus seinem Leben gestrichen hat (um mir das Leben in einer alkoholfreien Umgebung zu ermöglichen), nach 2-3 Bieren schon mal agrresiv geworden.
Bei Alkoholikern wird das dann vielleicht auch irgendwann mal chronisch. Dann kommt auch das von Dir angesprochene Phänomen dazu, dass man schliesslich sogar nüchtern agressiv wird. Der Alkohol "fehlt", die rosarote Brille oder auch nur das gewohnte Gefühl der Betäubung ist weg und das macht dann agressive Grundstimmung. Erst nach relativ langer Abstinenz vom Alkohol fällt das meiner Erfahrung nach dann weg.
Es tut mir ausgesprochen leid, dass Du jetzt so leidest. Für mich hört sich das ja schon fast nach Coabhängigkeit an, denn Deine Gedanken scheinen ja ständig "um ihn" zu kreisen.
Hast Du schon einmal darüber nachgedacht Dich einer Selbsthilfegruppe anzuschliessen? Natürlich ist das hier im Forum ja auch eine, eine sehr gute sogar, aber der direkte Kontakt zu anderen Menschen, die das gleiche durchmachen wie Du wäre doch vielleicht eine ganz gute Idee?
Hier gibt es aber auch ganz liebe Mitglieder, die genau das Gleiche wie Du erleben oder erlebt haben. ich habe schon sehr viele Beiträge in dieser Richtung gefunden; Du bist NICHT ALLEINE!!!!!
Sei Umarmt und schreibe weiter, schreib Dir einfach Alles von der Seele.
Manchmal hilft das um diese krankhaften kreisenden Gedanken abzuschalten und sich selbst über seine Situation klar zu werden.
Bis bald
chiara
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chiara hat zum Thema: Re: verwirrt und verzweifelt geschrieben
Tinaki
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 07.07.2006
Beiträge: 24
Wohnort: Wien

BeitragVerfasst am: 07.07.2006, 14:26    Titel: Re: verwirrt und verzweifelt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo meine Lieben,
zuerst einmal einen ganz lieben Dank für eure Antworten!
Da ich mit der Situation im Moment so überhaupt nicht klarkomme, will ich hier einfach so ein paar Eindrücke aufschreiben.
Karsten, du sagst, du glaubst nicht, dass es Alkoholdemenz ist, und dass er sich nur Geschichten zurecht legt. Warum glaubt er aber dann, dass das wunderschöne Foto auf seinem Desktop er mit seiner Digitalkamera aufgenommen hat, obwohl die Aufnahme von mir stammt????
Bei anderen Gesprächen bzw. Erzählungen bin ich mir nun schon bewusst, dass das reine selbsterfundene Geschichten sind, wohl um sich selbst zu schützen, damit keiner merkt, wie viel er trinkt.
Leider hat er dort im Dorf nicht viel Kontakt ausser zu einer Frau, ebenfalls keine Griechin, die auch von in der Früh bis zum Abend trinkt. Zumindest hat er mir das so erzählt, und im Dorf wird auch darüber getratscht! Es dürften auch schon schlimme Dinge passiert sein, ebenfalls unter Einwirkung von Alkohol, in die er scheinbar verstrickt ist.
Ach ja, ich wollte mit seiner Mutter reden, dachte, vielleicht weiss die einen Rat, sie hat mich aber gar nicht zu Wort kommen lassen, als ich anrief sondern hat das Gespräch sofort mit den Worten beendet: 'Sie tun mir leid und er tut mir leid'....
Wie kann ich ihn dazu bringen, dass er ernsthaft eine Therapie macht und von dem Zeug loskommt? Oder bin ich da die falsche Person?
In Gr ist es ja nicht gerade einfach mit Entziehungskuren, ich weiss nicht einmal ob es so etwas gibt. Die ganze Gesundheitsversorgung ist dort chaotisch. Dafür geht die Dorfgemeinschaft mit Alkoholikern liebevoller um, da er ja nicht viel Geld hat, bekommt er viel von den Nachbarn, die bringen ihm Eier, Gemüse, Obst...
Warum meine Gedanken so sehr um ihn kreisen?
Ich habe ihn kennegelernt und bei jedem Gespräch haben wir mehr und mehr Gemeinsamkeiten festgestellt: die selben Bücher gelesen, die gleichen Filme gesehen, die gleichen Vorstellungen vom Leben, die Träume! Das passiert einem nach knapp einem halben Jahrhundert auf der Welt sein nicht jeden Tag!
Aber auch das andere ist mir noch nie passiert!
Ich kann die Bilder in meinem Kopf nicht ausradieren, als ich ihn in diesen 4 Tagen gesehen habe! Lallen, torkeln, mich anschreien, trinken, im Halbschlaf rauchen... Er hatte keine Ähnlichkeit mit dem Mann, den ich kennen- und lieben gelernt habe!
Verzeiht, dass ich da so viel schreibe, es muss einfach raus!!! Ich bin manchmal am Durchdrehen!
Liebe Grüße
Christine
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Tinaki hat zum Thema: Re: verwirrt und verzweifelt geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.11.2004
Beiträge: 32810
Alter: 49
Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 07.07.2006, 14:40    Titel: Re: verwirrt und verzweifelt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo,

das was seine Mutter Dir gesagt hat, trifft es mit kurzen Worten.
Du opferst Dein Leben und willst jemanden Helfen, der keine Hilfe will.
Du hast die Schwelle zur Coabhängigkeit aus meiner Sicht längst überschritten.

Leider kann man in solchen Momenten reden bzw. schreiben, was man möchte. Cobahängigkeit ist auch eine Krankheit und so wie Deine Beiträge geschrieben sind, suchst Du nach Wegen, wie Du Deine Scheinwelt ( auch wenn es die mal für ein paar Tage gegeben hat ) aufrechterhalten kannst.
Hätte jetzt fast den Satz wiederholt, den seine Mutter Dir gesagt hat.

Was muß noch geschehen, bis Du aufwachst und erkennst, dass es so nicht funktioniert. So wie Du jetzt denkst, wirst Du noch viele Jahre Deines Lebens opfern, bis Du oder Dein Freund zur Einsicht kommen.
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Karsten hat zum Thema: Re: verwirrt und verzweifelt geschrieben
marie_on45
Gast






BeitragVerfasst am: 07.07.2006, 15:06    Titel: Re: verwirrt und verzweifelt Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Tinaki

Du schreibst an einer stelle.das du den mann wiederhaben möchtest, den du kennengelernt hast -

Ich glaube, du hast den trinkenden alkoholiker kennengelernt, denn er hat dich doch offensichtlich schon belogen als er sagte er trinkt seit 23 Jahren nicht - an anderer stelle behauptet er seit 8 jahren nicht zu trinken.

Er hat also von beginn an gelogen und wird das weiter tun und du mußt dich entscheiden, ob du so leben willst.

Solange er trinken will und keine einsicht hat und etwas tut wird er lügen, verheimlichen und vertuschen -
bist du stark genug dafür, oder bist du dir selbst mehr wert?

ich wünsche dir eine entscheidung, mit der du gut leben kannst.

liebe grüße
Marie
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marie_on45 hat zum Thema: Re: verwirrt und verzweifelt geschrieben

   Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum Foren-Übersicht -> Co-Abhängige und Angehörige von Alkoholikern Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
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