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Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten

 
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sandyts
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Anmeldungsdatum: 25.07.2012
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Alter: 29

BeitragVerfasst am: 26.07.2012, 19:12    Titel: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hey,

ich bin hier noch neu im Forum und ich muss hier mal Dampf ablassen...

Gerade hat mich meine Mutter angerufen. An ihrer Stimme hab ich hören können, dass sie wieder betrunken war (wie jeden Abend). Sie hat wieder geweint, wegen ihrer Beziehung. Es ist da einfach dauernd ein Hin und Her. Sie sind dann wieder auseinander und am nächsten Tag wieder zusammen. Ich kenn das ganze schon. Sie hatte das auch schon mit ihrem Ex. Ich sage ihr dauernd, dass sie einen Schlussstrich ziehen soll. Ich kann genauso gut mit einer Wand reden. Warum tue ich mir das an? Warum versuche ich ihr Ratschläge zu erteilen, die sie eh nicht annimmt? Und warum rege ich mich noch darüber auf?

Mein Mann sagt ich solle ihr das sagen, dass ich da keine Lust mehr drauf habe, dass sie ständig mir die Ohren vollheult. Das klingt iwie krass. Ich solle einfach auflegen und sagen, sie solle anrufen, wenn sie nüchtern ist. Aber das kann ich nicht. Ich kann noch nicht mal einfach auflegen. Noch nicht mal gar nichts sagen kann ich.

Ich bin nur froh, dass ich 100te km weiter weg wohne. Meine Schwester kann das besser. Sie wohnt noch bei meiner Mutter, aber sie sagt da einfach gar nichts zu. Sie hat sich von der Kummerkastenfunktion befreit.

Meine Mutter macht das auch immer so frech. Ruft hier an und tut so als wenn sie nur so anriefe. Als wenn sie nur wissen wolle, wie es mir ginge. Dann bin ich gezwungen zu fragen, wie es ihr ginge und dann gehts los mit dem Geweine.

Was kann ich denn tun? Kann ich meiner Mutter denn nicht helfen, dass sie den Alkohol mal weglässt?

Ich habe ihr schon geraten mal zu ner Psychologin zu gehen. Die könne ihr helfen. Da könne sie einfach mal reden und alles loswerden. Da wurde sie gleich aggressiv.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter Traurig
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sandyts hat zum Thema: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten geschrieben
Zimttee
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 19.05.2012
Beiträge: 1578

BeitragVerfasst am: 26.07.2012, 20:11    Titel: Re: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hey Sandy!
Meine Mutter trinkt auch.
sandyts hat Folgendes geschrieben:

Gerade hat mich meine Mutter angerufen. An ihrer Stimme hab ich hören können, dass sie wieder betrunken war (wie jeden Abend). Sie hat wieder geweint, wegen ihrer Beziehung. Es ist da einfach dauernd ein Hin und Her. Sie sind dann wieder auseinander und am nächsten Tag wieder zusammen. Ich kenn das ganze schon. Sie hatte das auch schon mit ihrem Ex. Ich sage ihr dauernd, dass sie einen Schlussstrich ziehen soll. Ich kann genauso gut mit einer Wand reden. Warum tue ich mir das an? Warum versuche ich ihr Ratschläge zu erteilen, die sie eh nicht annimmt? Und warum rege ich mich noch darüber auf?


Deine Mutter ist sowohl für den Alkoholkonsum als auch für ihre miserablen Beziehungen selbst verantwortlich. Du erkennst schon, dass es zwecklos ist, ihr diese Ratschläge zu geben. Es geht ihr wohl nur um's Ausheulen, als um einen konstruktiven Rat zu bekommen.
Du bist die Tochter, sie die Mutter. Es klingt ein wenig so, als wären die Rollen bei euch vertauscht?
Warum du dir das antust, musst du selbst überlegen. Aber vielleicht willst du deiner Mutter helfen (das wird einem ja schon als Kleinkind eingetrichtert in solchen Familien), hast diese Beschützerrolle übernommen oder willst wiedergutmachen, dass du weggezogen bist? Und meinst, ihr dann telefonisch beiseitestehen zu müssen?

sandyts hat Folgendes geschrieben:

Mein Mann sagt ich solle ihr das sagen, dass ich da keine Lust mehr drauf habe, dass sie ständig mir die Ohren vollheult. Das klingt iwie krass. Ich solle einfach auflegen und sagen, sie solle anrufen, wenn sie nüchtern ist. Aber das kann ich nicht. Ich kann noch nicht mal einfach auflegen. Noch nicht mal gar nichts sagen kann ich.

Damit hat er wohl recht. Wenn du etwas nicht willst, musst du das kommunizieren. Ansonsten wird sie weiter so anrufen. Problem ist in der Tat, dass man in solchen Familien dazu erzogen wird, sich aufzuopfern, Mama zu helfen und bloß nicht traurig zu machen. Dabei wird vergessen, dass Mama das Kind auch nicht traurig machen darf. Kindern wird von Anfang an ein schlechtes Gewissen eingetrichtert. Warum fühlst du dich so schlecht? Die, die ein schlechtes Gewisseä haben sollte, ist deine Mutter. Das Problem ist auch, dass einem in der Familie eingetrichtert wird, diese armen kranken als Opfer zu sehen, als vom Schiksal geprägt und selbst nichts tun können. Aber man übersieht, dass sie durchaus auch Täter sind und ihre Situation und die Gutmütigkeit der anderen ausnutzen, um sich selbst nicht kümmern zu müssen.
Warum solltest du nicht sagen dürfen, wenn dir etwas nicht gut tut und für dich unerträglich ist? Normalerweise sollte deine Mutter auf deine Gesundheit bedacht sein. Vielleicht hilft es dir, das Gespräch vorm Spiegel oder mit deinem Mann zu üben? Sie ruft betrunken an und du sagst nein.
sandyts hat Folgendes geschrieben:

Meine Schwester kann das besser. Sie wohnt noch bei meiner Mutter, aber sie sagt da einfach gar nichts zu. Sie hat sich von der Kummerkastenfunktion befreit.

Sprich doch mal mit deiner Schwester dadrüber, was sie bewogen hat und wie du es schaffen könntest?

sandyts hat Folgendes geschrieben:

Meine Mutter macht das auch immer so frech. Ruft hier an und tut so als wenn sie nur so anriefe. Als wenn sie nur wissen wolle, wie es mir ginge. Dann bin ich gezwungen zu fragen, wie es ihr ginge und dann gehts los mit dem Geweine.

Deine Mutter erwartet es wohl, aber du bist nicht gezwungen, dich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Lass es doch einfach und guck, wie sie reagiert.

sandyts hat Folgendes geschrieben:

Was kann ich denn tun? Kann ich meiner Mutter denn nicht helfen, dass sie den Alkohol mal weglässt?

Nein, das kann nur deine Mutter selbst. Sie muss was ändern wollen. Bisher scheint sie sich aber so ganz wohlzufühlen. Helfen würdest du ihr eher durch Nichthilfe. Denn sie weiß bisher, dass sie nichts ändern braucht, alle Aufmerksamkeit bekommt und immer einen Ansprechpartner hat. Also gibt sie, wenn es ihr schlecht geht, die Verantwortung an dich weiter.

sandyts hat Folgendes geschrieben:

Ich habe ihr schon geraten mal zu ner Psychologin zu gehen. Die könne ihr helfen. Da könne sie einfach mal reden und alles loswerden. Da wurde sie gleich aggressiv.

Du hast Recht, ja. Aber für sie ist es bequemer, wenn sie bei der bekannten Tochter anruft, die den Mund nicht aufmacht und sie sich nicht mit der Sucht nicht auseinander setzen muss. Bei einer Therapeutin würde über die Probleme gesprochen, sie muss sich mit Dingen auseinander setzen, die sie von dir wahrscheinlich nicht hören würde. Bei dir weiß sie, wie du reagierst.. Eine Therapeutin hätte mehr Distanz- da kann sie die Spielchen nicht abziehen.


sandyts hat Folgendes geschrieben:

Ich weiß einfach nicht mehr weiter Traurig


Ja, ich weiß was du meinst. Ich hätte auch gerne mal eine Mutter, wie andere auch. Jemand, der sich wirklich für mich freut, sich für mich interessiert, der mein Leben kennt und mit dem man reden kann. Der an meinem Leben teilnimmt und nicht in seiner eigenen Welt lebt.
Aber so ist es leider nicht.

Es ist schön, dass du einen Ehemann hast, der dir zur Seite steht.
Es klingt für mich, als würdest du ziemlich in der Co-Abhängigkeit stecken? Nun.. Kommt vielleicht eine Therapie oder ein Termin bei einer Suchtberatungsstelle für dich in betracht? Ich fand es immer gut, von anderen, unabhängigen Menschen zu hören, was ich erwarten kann und was nicht, dass sie mir sagten, dass ich zu Recht sauer auf sie bin und dass meine Wahrnehmung okay ist. Denn das ist mir durch meine Mutter immer ausgeredet worden. Bei ihr war ich immer die schlechte.

Vielleicht reicht es auch erstmal, dass du nicht ans Telefon gehst, wenn du siehst, dass sie anruft?
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Zimttee hat zum Thema: Re: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten geschrieben
sandyts
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.07.2012
Beiträge: 5
Alter: 29

BeitragVerfasst am: 26.07.2012, 20:52    Titel: Re: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Zimttee,

vielen Dank für deine ausführlich Antwort. Ich war... ja wie kann ich das am Besten ausdrücken? Vor dem Kopf gestossen? Überrascht? Deine Antworten waren so logisch und doch habe ich an solche Dinge nicht gedacht. Nein, sie kamen einfach nicht in meinem Kopf vor.

[/quote]Du bist die Tochter, sie die Mutter. Es klingt ein wenig so, als wären die Rollen bei euch vertauscht?
Zitat:


Ja, das scheint so zu sein. Ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht, wann meine Mutter mit dem Alkohol angefangen hat. Aber ich weiß, dass als meine Schwester noch in der Pubertät war, da hat sie mich auch ständig angerufen und mich um Rat gefragt. Wenn meine Schwester bockig im Zimmer saß, so bekam ich den Anruf, was sie denn jetzt tun soll. Das war immer so. Sie wollte ständig Erziehungsratschläge von einer Tochter, die damals noch selbst ein Teenager war (also noch unter 20). Allerdings war sie da nie betrunken, darum weiß ich nicht, ob das zur Sache beiträgt oder nicht.

Aber vielleicht willst du deiner Mutter helfen (das wird einem ja schon als Kleinkind eingetrichtert in solchen Familien), hast diese Beschützerrolle übernommen oder willst wiedergutmachen, dass du weggezogen bist? Und meinst, ihr dann telefonisch beiseitestehen zu müssen? [quote]

Du schreibst "in solchen Familien"? Was meinst du damit?

Ist es denn nicht natürlich der Mutter helfen zu wollen? Die Beschützerrolle habe ich tatsächlich. Ich habe das Gefühl für Menschen, die mir nahe sind, verantwortlich zu sein. Sei es mein Ehemann, mein Kind, meine Mutter, mein Vater oder meine Schwester. Ich glaube, dass es bei einer Beerdigung angefagen hat, dort ist mein Vater zusammengebrochen und ich habe ihn bis zum Sarg gestützt und begleitet. Vielleicht hat es da angefangen. Ich war damals 13 oder 14. Vielleicht ist mir auch diese Situation am Besten in Erinnerung geblieben. Ich glaube, dass damals der Alkohol bzgl meiner Mutter noch keine oder auch wenig ausgeprägte Rolle gespielt hat. Hat das denn alles damit zu tun? Auch wenn damals der Alkohol noch gar nicht da war? Also ich habe kein schlechtes Gewissen weggezogen zu sein. Im Gegenteil. Ich wohne gerne hier wo ich wohne und will auch nicht wieder zurück. Ich bin auch schon sehr früh mit 17 oder 18 zu den Eltern meines Freundes (jetzt Ehemann) gezogen, weil ich es zuhause nicht ausgehalten habe. Meine Mutter wurde von ihrem Ex geschlagen und war oft betrunken und hat sich bei mir ausgeweint. Das war einfach iwann zuviel.

Zitat:
Sie ruft betrunken an und du sagst nein.

Das kann ich nicht. Ich habe jetzt lange überlegt, warum ich das nicht kann, aber ich kann keine Antwort finden. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich es nicht kann.

Zitat:
Sprich doch mal mit deiner Schwester dadrüber, was sie bewogen hat und wie du es schaffen könntest?


Meine Schwester ist anders. Sie hat damals auch den Ex meiner Mutter deutlich widersprochen und sich von ihm nichts sagen lassen, während ich einfach Ja und Amen gesagt habe, um bloß kein Streit heraufzubeschwören. Auch in meiner Beziehung versuche ich Streit aus dem Weg zu gehen. Meine Schwester ist einfach anders gestrickt als ich.

Zitat:
Deine Mutter erwartet es wohl, aber du bist nicht gezwungen, dich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Lass es doch einfach und guck, wie sie reagiert.


Das versuche ich das nächste Mal. Aber ich denke, sie erzählt es dann einfach.

Zitat:
Ja, ich weiß was du meinst. Ich hätte auch gerne mal eine Mutter, wie andere auch. Jemand, der sich wirklich für mich freut, sich für mich interessiert, der mein Leben kennt und mit dem man reden kann. Der an meinem Leben teilnimmt und nicht in seiner eigenen Welt lebt.
Aber so ist es leider nicht.

Es ist schön, dass du einen Ehemann hast, der dir zur Seite steht.
Es klingt für mich, als würdest du ziemlich in der Co-Abhängigkeit stecken? Nun.. Kommt vielleicht eine Therapie oder ein Termin bei einer Suchtberatungsstelle für dich in betracht? Ich fand es immer gut, von anderen, unabhängigen Menschen zu hören, was ich erwarten kann und was nicht, dass sie mir sagten, dass ich zu Recht sauer auf sie bin und dass meine Wahrnehmung okay ist. Denn das ist mir durch meine Mutter immer ausgeredet worden. Bei ihr war ich immer die schlechte.


Diese normale Mutter habe ich gott sei Dank. Es ist meine Schwiegermutter. Sie ist eine sehr liebe Frau. Und ich bin echt froh, dass ich sie habe. Aber ich weiß, was du meinst. Ich sag meiner Mutter seit gut zwei Jahren, dass ich mein Abitur nachhole und ständig erzählt sie, ich würde studieren. Ich bin mal gespannt was sie sagt, wenn ich dann am studieren bin. Sie interessiert sich auch nicht dafür, wie es mir geht. Das fragt sie nur am Anfang, aber man merkt es einfach, dass es sie nicht interessiert.

Stecke ich tatsächlich in einer Co-Abhängigkeit? Trotz der Entfernung und trotz der wenigen Telefonate (vllt ein bis zweimal in der Woche)? Ich habe meinem Mann von Co-Abhängigkeit erzählt, kurz bevor deine Antwort kam. Ich hätte mich nicht als co-abhängig bezeichnet. Allerdings was weiß ich schon davon? Eigentlich nicht viel. Ich habe schon das Gefühl meiner Mutter helfen zu müssen, helfen zu wollen. Aber das größte Problem ist mein Sohn. Ich will, dass mein Sohn eine normale Oma mütterlicherseits hat. Wie soll ich meinem Sohn erklären, warum wir nie bei seiner Oma übernachten? Was soll ich ihm sagen, wenn er fragt, warum er nie allein mit ihr sein darf? Er ist erst 1, aber es wird so kommen, denke ich.

Zitat:
Vielleicht reicht es auch erstmal, dass du nicht ans Telefon gehst, wenn du siehst, dass sie anruft?


Das wäre das Beste, aber dann denke ich wieder, was ist, wenn das meine Schwester ist? Was ist wenn was passiert ist? Ich weiß, dass mir sowas denn keine Ruhe lassen wird.
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sandyts hat zum Thema: Re: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten geschrieben
Zimttee
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 19.05.2012
Beiträge: 1578

BeitragVerfasst am: 26.07.2012, 22:13    Titel: Re: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Du könntest ein Zeichen mit deiner Schwester vereinbaren:
Dass sie ihren Anruf mit Uhrzeit per SMS ankündigt oder vorher einmal kurz anschellen lässt und 1 Minute später erneut oder so. Dann weißt du, dass du rangehen kannst.

Dass sie selbst in Erziehungsdingen bei dir angerufen hat, ist heftig. Scheint, als wäre es ihre Art, Probleme nicht selbst zu lösen.

Ich habe bei AlAnon gelernt, dass die Familienstruktur in Familien mit Alkoholiker/n nicht ok ist. Dass sich alles um den Alkoholiker dreht und der Familienzusammenhalt drauf geht, die einzelnen Menschen sich zurückziehen. In meiner Familie ist es krass ausgeprägt, da sich diese Krankheit durch die Generationen zieht. Das meinte ich mit solchen. Es sollte nicht abwertend klingen, aber das Familienleben in einer von Alkoholsucht betroffenen Familie ist anders als das in Gesunden.

Die Familie meines Partners ist anders. Dort werde ich nach meiner Meinung, meinen Interessen und Erlebnissen gefragt und bin jedesmal nach 2 Stunden schon total platt, dass ich am liebsten nicht mehr reden mag. Es ist soo anstrengend, das bin ich gar nicht gewöhnt.. Immer auf Leute reagieren zu müssen und eine Frage nach der anderen zu bekommen. Ich merke auch, dass mein Freund manchmal mit meiner Art nicht klar kommt- dass ich manchmal Abstand brauche, abends mal 2 Stunden nicht reden mag und alleine bin. Sonst wird mir das miteinander zu viel. Früher lebte jeder bei uns zu Hause alleine. Die Kinder in ihrem Zimmer, Eltern im Wohnzimmer. Es wurde nicht unbedingt zusammen gegessen. Abendbrot hab ich sogar nie gegessen, weil ich meiner betrunkenen Mutter nicht gegenübersitzen wollte- das ist nun ein Kulturschock für mich ^^ Irgendwie muss ich meinem Freund noch verklickern, dass es nicht von Desinteresse zeugt, wenn ich ihn nicht frage, wie sein Tag oder sonstwas war. Ich denke zwar darüber nach- aber ich frage ihn dann nicht. Aber es ist keine Absicht. Ich muss es echt lernen.

Ich denke, dieses sich verantwortlich fühlen und helfen wollen ist charakteristisch für Co-Abhängige. Auch wenn es total irrational ist, helfen zu können, setzen sich Co-Abhängige weiter dem aus, wollen helfen, wo ihre Hilfe nicht helfen kann und ziehen keine Grenze, sagen nicht nein und denken nicht ans eigene Wohl.. Denken nicht an sich, sondern lassen die Gedanken um das Wohl des Süchtigen kreisen- obwohl dieser selbst dafür verantwortlich ist und sich eben frei dazu entscheidet, sein Wohl zu gefährden. Das sieht man schon bei dir, finde ich. So richtig von dir hast du nicht geschrieben. Außer, dass du wütend bist.

Ein Problem ist auch, dass man so nicht lernt, was normal ist. Du lernst nur die Wahrheit, die deine Eltern meinen zu kennen. Kinder helfen Erwachsenen, wenn Eltern die Kinder anschreien oder aggressiv ihnen gegenüber werden, ist es normal, nicht nein zu sagen.. Sondern dann wird das schon so stimmen.. etc. Da sind der Phantasie leider keine Grenzen gesetzt. Die Wahrheit eines Alkoholikers ist manchmal total verquer- und wenn du das nicht hinterfragst, kann dein Partner auch sturzbetrunken vor dir stehen, und du glaubst nach 20 Jahren immer noch nicht zu wissen, ob er wirklich süchtig ist.. Weil er es ja immer unter Kontrolle hat und abstreitet. Mutter verkauft Papa echt ein X für ein U- und Papa glaubt es gern.

Ich fürchte, dass die Distanz keine große Rolle spielt. Die habe ich bei meiner Mutter auch. Wenn sie anruft, gehe ich nicht ans Tele. Wenn, rufe ich an- zu Zeiten, von denen ich weiß, dass sie wohl nüchtern ist. Aber das auch nur 1 Mal pro Woche. Ich besuche sie max. alle 2 Wochen, manchmal auch alle 3 oder 4. So kann ich emotionale Distanz halten und merke auch, dass es mich wieder runter zieht, wenn ich doch dort war.
Ich habe sogar neulich gemerkt, dass ich dabei war, bei einer dauer-depressiven Freundin, die sich seit 3 Jahren gegen eine Therapie wehrt, in die Co-Abhängigkeit zu rutschen. Auf der einen Seite rennt sie hinter mir her, will sich ausheulen, schmiert Honig ums Maul- auf der anderen Seite ist sie gemein, aggressiv, lästert und sobald man nicht springt, wie man will oder mal nein sagen muss, da es zeitlich nicht geht, ist man die böse und wird angeschrien. Auch dass habe ich mir bieten lassen, bin wie auf Eierschalen umhergelaufen, um bloß keinen Fehler zu machen und immer die beste Freundin zu sein. Bis mir auch da die Augen aufgingen- man gelangt in die Co-Abhängigkeit, trotz großer Distanz, geringem Kontakt.

Leider wird dein Sohn keine gesunde Oma mütterlicherseits haben.
Es ist schade, aber so ist es nunmal. Mein Opa war auch Alkoholiker. Aus der Erfahrung kann ich sagen, dass man als Kind merkt, dass da was nicht stimmt und dass es gut wäre, wenn du ihm dann kindgerecht die Wahrheit sagst, sodass er keine falschen Schlüsse zieht. Mein Opa war mir immer unangenehm, ich habe ihn gemieden, konnte ihn nicht einschätzen. Ich hätte nicht gefragt, ob ich alleine bei ihm bleiben könnte ^^ Ich war froh, es nicht zu müssen.
Für den Anfang kannst du ihm sagen, dass Oma krank ist.. Oder vielleicht, dass sie sich deswegen nicht so wie andere verhalten kann und du dann gerne dabei bist, um auf ihn aufzupassen. Für Kinder ist das okay, sie fragen so weit, wie sie es verkraften können. Wir Kinder wussten recht früh aus Papas Kommentaren, dass Opa Alkoholiker ist und zu viel Bier trinkt. Und es war okay. Vielleicht sogar ganz gut, dass wir keine Schuld bei uns suchten.

Hm, meine Mutter wusste, dass ich studiere.. Welche Fächer, konnte sie sich nie merken. Eigentlich ganz simpel, als wenn ich sagen würde Mathe, Englisch und Politik. Wenn andere sie danach fragten, hat sie einfach x-beliebige Fächer aufgezählt und jeder wusste, dass sie keine Ahnung hat, weil die Kombination so nicht möglich war. Und auch nicht in der Anzahl.
Ich finde es toll, dass du dein Abi nachmachst. Was möchtest du denn studieren? Etwas soziales?
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Zimttee hat zum Thema: Re: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten geschrieben
Immergrün
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.03.2011
Beiträge: 194
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 27.07.2012, 13:04    Titel: Re: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo sandyts,

du schreibst, du fühlst dich für alle verantwortlich. Aber du bist nur für dich und dein Kind verantwortlich. Deine Eltern sind erwachsen, sie können ihre Probleme selber lösen. Du bist doch erst Mitte 20, hast ein kleines Kind zuhause und machst grad Schule nach. Ich finde, das ist genug Verantwortung und genug Aufgaben.

Was ich damit sagen möchte, wir Kinder müssen doch erst selbst im Leben "ankommen". Wir sind nicht dafür zuständig die Probleme unserer Eltern zu lösen. Wir sind natürlich auch nicht ihr Kummerkasten. Ich war ganz überrascht, als mich eine Freundin mal fragte, warum meine Mutter mich solche Sachen erzählt. Ob sie keine Freundinnen hat, mit der sie ihre Probleme besprechen könnte. Als ich meinte, ich gehe doch mit meinen Problemen auch zu meiner Mutter, antwortete sie, ja du bist ja auch ihr Kind.

Mein Vater ist Alkoholiker und meine Mutter hat schon früh sich bei mir über ihn ausgeheult. Er mochte ihre Freundinnen nicht, darum hatte sie irgendwann keine mehr. Also haben wir Töchter alles mitbekommen. Ich habe meinen Vater dafür gehasst, dass er meine Mutter so schlecht behandelt hat. Heute weiß ich, dass meine Mutter sich das so ausgesucht hat. Sicher ist sie da irgendwie reingerutscht, aber sie war erwachsen, sie hätte gehen können. Sie ist nur geblieben, weil sie dachte, wir Kinder würden eine Scheidung nicht unbeschadet überstehen. Aber wir haben auch eine Kindheit und Teenagerzeit mit einem alkoholkranken Vater nicht unbeschadet überstanden. Wir Kinder hatten nicht die Wahl. Wir sind damit aufgewachsen, dass Alkohol ok ist. Das der Vater so hart arbeitet, und er dann sein Bier abends trinken darf und seine Ruhe braucht.

Und glaube nicht, nur weil deine Schwester damit anders umgeht als du, dass es ihr gut geht. Mein Bruder hat sich unserem Vater immer die Meinung gesagt. Dennoch ist er nicht annähert so stark, wie er nach Außen hin wirkt.

liebe Grüße
Laura
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Immergrün hat zum Thema: Re: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten geschrieben
Zimttee
sehr aktiver Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 19.05.2012
Beiträge: 1578

BeitragVerfasst am: 27.07.2012, 17:56    Titel: Re: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Immergrün hat Folgendes geschrieben:

Sie ist nur geblieben, weil sie dachte, wir Kinder würden eine Scheidung nicht unbeschadet überstehen.


Ja, die Kinder werden immer vorgeschoben, wenn sich der Elternteil eigentlich nicht trennen will. Ist bei uns leider genau so.

Was ich jetzt grad erst sehe, Sandy.

sandyts hat Folgendes geschrieben:

Ich habe das Gefühl für Menschen, die mir nahe sind, verantwortlich zu sein. Sei es mein Ehemann, mein Kind, meine Mutter, mein Vater oder meine Schwester.


Das meine ich damit, dass das Leben in einer gesunden Familie anders ist als in einer Familie, in der es Alkoholiker gibt.
In einer gesunden Familie ist das Kind Kind und wird von den Erwachsenen umsorgt. In einer ungesunden Familienstruktur bekommt das Kind die Verantwortung für alle um sich herum aufgedrückt und kann dann auch als Erwachsener nicht davon ab. So wird es quasi zum Co-Abhängigen herangezogen, wie der Alkoholiker es braucht. Und das ist nicht okay. Mein Coach nannte das Kindesmissbrauch, als ich von den Erwartungen meiner Eltern, mich um sie zu kümmern, berichtete. Verrückt- schon als 4-Jährige wusste ich die Telefonnummer von der Feuerwehr, mit der ich hätte Hilfe holen können. Als es damals, als ich 4 war, dann notwendig wurde, hat es meine Mutter mir mit letzter Kraft (sie hatte eine Alkoholvergiftung), dann auch noch verboten.

Deine Schwester ist erwachsen und für sich selbst verantwortlich. Ebenso dein Mann, deine Mutter und dein Vater auch. Einzig für dein Kind hast du die Verantwortung- und für dich selbst. Dein Kind braucht eine glückliche zufriedene Mutter, um zu dir eine gesunde Beziehung aufzubauen- nicht dass es auch irgendwann denkt, für Mama zuständig zu sein, Mama trösten zu müssen und so einen Kram.
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Zimttee hat zum Thema: Re: Meine Mutter und der Alkohol und ich als Kummerkasten geschrieben

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