Notyetaname neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 26.01.2012 Beiträge: 217 Alter: 53 Wohnort: BaWü
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Verfasst am: 29.01.2012, 12:54 Titel: Re: Nach 25 Jahren runterkommen |
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Gut, Danke für die Klärung! (Man will sich ja nicht gleich daneben benehmen
Dann also hir mal mein Vorstellungsbeitrag (Dienstag, 24. Jan.)
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Hallo zusammen!
Wie Ihr aus dem Titel ersehen könnt, bin ich seit 35 Jahren nass. Seit 25 Jahren bin ich mir bewusst, dass das kein Zustand bleiben kann, aber der Schritt als reale Person über die Schwelle einer Selbsthilfegruppe oder Drogenberatung war mir nicht möglich (Stichwort:Vertuschung).
Auch habe ich meinen Konsum von durchschnittlich vier - fünf Bier allabendlich, manchmal Wein, kurz-phasenweise Schnaps (die Alk-menge dabei größer) als nicht sooo problematisch angesehen, obwohl auch der Bierkonsum zeitweise bis auf sieben ansteigen konnte, sporadisch noch mehr (Stichwort:In die eigene Tasche lügen).
Zwischendurch senkte ich den Konsum quasi gewaltsam geringfügig, indem ich statt zweimal die Woche einen Kasten jeden Tag drei Einzelflaschen kaufte, aber das ging immer nur höchstens ein paar Wochen gut, dann wurde es lästig (jeden Tag einkaufen).
Hierzu muss ich was erklären: Ich wohne in einem sehr kleinen Dorf ohne Laden, auch in der näheren Umgebung kein Laden mit langen Öffnungszeiten. Es gibt zwar eine Kneipe, aber Kneipengänger war ich eigentlich nie, habe meist + lieber zuhause vor mich hin gesoffen (billiger + privater).
Ihr könnt Euch denken, dass das oft nicht wirklich eine strikte Begrenzung war, denn irgendwo im Haus stand immer noch was rum, eine Flasche Wein oder das Kirschwasser zum Kuchen backen in der Küche... Nur schnell nochmal einkaufen ging nicht und es war immer ein Notnagel, weil ich durcheinandersaufen nicht vertrage und ein komplett verschädelter nächster Tag mir nie egal war.
Ich hatte bis jetzt großes Glück in vielfacher Hinsicht:
- noch nie Führerschein weg (natürlich Zufall)
- noch nie einen Job verloren wegen Alk
- Ehe noch intakt
Ohne die soziale Kontrolle durch die Familie wäre ich aber, ich muss das so krass sagen, wahrscheinlich längst tot (ich kenne mich), sicher aber nur noch ein Wrack mit zerstörten Organen und längst ohne einen Rest von Hirn. (Wo war das die letzten 25 Jahre???)
Meine Liebste hält zu mir (noch...), hat sie mir heute erst nochmal versichert. Aber nicht, wenn ich auch noch den Job verlieren sollte. Sie hat schon genug Erfahrung mit Alkis in ihrer Familie und von Berufs wegen und wieviel Sorgen und Kummer ihr die Situation bereitet, kann ich nur erahnen, sie ist eher der still leidende Typ
Die Kids haben sich trotz der Umstände prächtig entwickelt.
Alles in allem also unverschämtes Glück gehabt bis jetzt, aber ich darf unseren Schutzengel nicht überstrapazieren.
Dass ich jetzt hier bin, hat folgende Bewandtnis: Vor paar Wochen Knochenbruch, Krankenhaus, OP.
Schon wegen der Narkose habe ich bzgl Alk nichts (gelogen: 'nicht alles' stimmt eher) verheimlicht, bekam dann auch pro Abend zwei kleine Bier ('bevor uns hier jemand ins Delirium kippt...') Konnte aber trotz dem und zusätzlicher Schlaftablette kaum schlafen.
Anschließend Reha. Hier fragt mich der Arzt bei der Aufnahmeuntersuchung, ob ich ein Gespräch mit dem Psychologen wünsche? - 'Nein' Im nächsten Augenblick ein A... (von mir? Unserem Schutzengel??) - 'Doch, warum eigentlich nicht'
Termin bekam ich auf eine Woche später.
Weil ich auf Alkoholverbot eingestellt gewesen war, hatte ich mich mit einer Flasche Schnaps eingedeckt (die vielen Bierflaschen hätten zu große logistische Probleme bereitet!), um wenigstens den Nachtschlaf zu sichern. Die Flasche war am dritten Morgen leer.
Also einkaufen...
Am dritten Tag stellte ich fest, dass es hier doch Alk in der Cafeteria gibt (zwei Bier pro Abend - 'wir bitten um Verständnis') - ich also mit Schnaps in der Birne abends noch die zwei Bier, die zweite Flasche hat deswegen trotzdem nicht länger gehalten.
Also wieder einkaufen... Als ich am nächsten Morgen aufwache, steht schon wieder eine halb geleerte Flasche auf dem Tisch, ich kann mich nicht erinnern, wie ich ins Bett gekommen bin.
Noch ein Abend auf dieselbe Tour. Drei Flaschen Schnaps in weniger als einer Woche, so schlimm war es noch nie gewesen.
Dann das Gespräch beim Psychlogen.
Furchtbar nervös, habe ich dann aber doch die ganze Wahrheit auf den Tisch gelegt. Das war das erste mal in meinem Leben, dass ich mit jemandem offen und unverblümt über meine Sauferei gesprochen habe.
Sowas hatte es hier noch nicht gegeben. Da niemand wusste, wie die Ärzte reagieren würden (Reha abbrechen und erst mal auf Entzug?), bekam ich den Rat, mich jetzt irgendwie hier über die Reha zu retten und dann zum Hausarzt, Drogenberatung oder so zu gehen. Ausserdem musste ich versprechen, mich sofort im Internet umzusehen (wieso bin ich da nie selber draufgekommen???).
Für den Abend hatte ich mir diesmal ein Bier gekauft, weil mir ob des Schnapses Angst geworden war. + die zwei offiziellen
Das Versprechen habe ich sofot in die Tat umgesetzt, und so stieß ich hier schnell auf Silberkralles Thread und las. Es ging nur ein paar Minuten, dann brauchte ich erstmal ein Taschentuch.
Am nächsten Vormittag gleich weiter gelesen. Taschentuch weiterhin.
Nicht einkaufen gegangen.
Heut morgen nassgeschwitztes Erwachen, aber egal. Das muss jetzt so reichen bis Reha rum... Über kalten Entzug hatte ich im besagten Thread schon genug gelesen. Auch über kT (Zitat von weiss jetzt nicht mehr: 'Die Hälfte hat sich totgesoffen, die andere Hälfte arbeitet dran').
Nach der Reha gleich zum Arzt. Mir ist klar, dass das so jetzt nicht ideal ist, aber ich habe momentan keine andere Lösung.
Meine Gefühlslage: Chaos, das sich allmählich ordnet.
Heut nachmittag Besuch von meiner Liebsten und das erste Mal ein offenes Gespräch über dieses Thema. Erster Beschluss: Der Verwandtenkreis wird sogleich eingeweiht. Freitag kann ich das schon mal üben, dann kommt meine Mutter auf Besuch. Mulmig ist mir schon.
ABER: Das offene drüber reden hat mir jetzt schon gut getan, drum hab ich mich jetzt auch gleich hier angemeldet, ist für mich ein erstes öffentliches Outing, auch wenn natürlich nicht mein Realname dran steht.
Ich hoffe, Ihr verzeiht mir die epische Breite...
Ich danke euch allen für Eure öffentliche Offenheit und
wünsche Euch jetzt erstmal eine
frohe und trockene Zukunft
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Soweit mein Vorstellungsbeitrag
Gleich noch eine Klärung: Die 35 Jahre waren ein Rechenfehler meines benebelten Hirns: es waren 25 Jahre, aber ich ich denke nicht, dass das einen wesentlichen Unterschied macht. Vergeudete Zeit, beschädigte Gesundheit, körperlich wie psychisch (die Zeit wird zeigen, was da überwiegt) war es allemal.
Jetzt mal knapp die darauffolgende Entwicklung:
Für den Montag abend hatte ich mir (vor dem PT-Gespräch) noch ein Bier gekauft - erst hatte ich zwei im Einkaufswagen, hab dann doch eins zurückgestellt. Vor dem Schnapsregal hatte ich gestanden, aber es konnte nicht so weitergehen wie die Woche vorher.
Am Abend Silberkralles erschütternde Geschichte gelesen, am Dienstag weitergelesen - Taschentuch immer in Reichweite. Für diesen Tag hatte ich nicht eingekauft, also nur die zwei offiziellen Bier hier.
Drei erfahrene Forumsmitglieder nahmen mich an der Hand (dafür hier nochmal mein ganz großer Dank!), gaben mir wichtige Links und 'drängelten, schoben, zogen' bis Donnerstag, möglichst schnell ('den Schwung mitnehmen'), aber auf alle Fälle mit ärztlicher Begleitung die Entgiftung zu beginnen. Entzugserscheinungen hatte ich schon, weil ich am Tag der Vorstellung die 'übliche' Dosis um die Hälfte reduziert hatte.
Zufällig begab es sich, dass der Stationsarzt Urlaub hatte, der Vertretungsarzt war ein Typ, zu dem ich irgendwie Vertrauen gefasst hatte. Bei dem hatte ich Donnerstag Zwischenuntersuchung bzgl Reha, und er fragte, warum ich beim PT sei. Ich sagte nichts (wusste nicht, ob ihn das was angeht), aber als erfahrener Arzt sprach er mich auf Alk an. Ich sagte da nur 'ja, genau deswegen'. Dabei beließ er es auch.
Die drei aus dem Forum beknieten mich weiter, und mir wurde auch langsam mulmig bei dem Gedanken, zu warten (also weiter zu saufen) bis Reha rum.
Nach dem Mittagessen kam ich auf Station zurück, da saß der Arzt im Schwesternzimmer, und da gab ich mir spontan einen Ruck, bat nochmal um ein Gespräch, was ich auch sofort bekam. Knapp, aber unbeschönigt schilderte ich die Situation, und er sagte sofort zu, mir die medikamentöse Begleitbehandlung für die Entgiftung zu geben (natürlich nur gegen das hochheilige Versprechen, wirklich nichts mehr zu trinken).
In dem Moment packte mich eine Erleichterung, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Das Beste an der überraschenden Wendung war, so en passant um den 'Abschiedssuff' herumgekommen zu sein, davor hatte ich richtig Angst gehabt.
So, jetzt muss ich erst mal zum Mittagessen, nachher kommt meine Familie, also bis heut abend!
Liebe Grüße an alle
Notyetaname |
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