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Der gerade Weg...

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BlueCloud
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.07.2011
Beiträge: 737

BeitragVerfasst am: 18.12.2011, 10:24    Titel: Der gerade Weg... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo alle miteinander,

ich hadere schon länger mit mir, ob ich nicht mein eigenes kleines Fädchen eröffnen soll.

Hin und her überlegt, was ich denn alles so schreiben kann im offenen Bereich, damit es nicht allzu persönlich im www wird.

Naja, ich kann von meinem geraden Weg schreiben, wie ich dazu kam und was er mit mir macht.

Der gerade Weg - mein gerader Weg.

Am Anfang dieses Weges stand erst einmal die Trennung. Ohne Loslösung von meinem Suchtmittel, alten Mustern und Menschen, die mir nicht gut taten, konnte nichts Neues entstehen. Natürlich taten sich für mich zuerst unendliche Löcher auf. Aber nicht das Loslassen tat weh - das krampfhafte Festhalten schmerzte. Das Wissen, wenn ich an meinem Suchtmittel und alten Leben festhalte, es mich früher oder später zerstören wird. Als ich dies Begriff, konnte ich loslassen und das Ergebnis war: ich fiel nicht. Denn mit der unbändigen Kraft, mit der ich mich an meinem Suchtmittel festhalten konnte, mit genau dieser Kraft konnte ich die ersten Schritte für meinen geraden Weg finden. Anfangs noch sehr holprig, aber mit der Zeit fand ich immer mehr Selbstvertrauen.

Das spannende daran - ich wachse, ich lerne, mache Fehler und Rückschritte. Aber alles mit klarem Geist.

Eine wichtige Erfahrung für mich war die Kapitualtion. Ich stand vor einer riesen Mauer und es gab mal kein Hintertürchen oder Umweg - ich war in meiner Sackgasse angekommen. Je mehr ich konsumierte, desto mehr rannte ich mit dem Kopf vor diese Mauer. Immer wieder und wieder, bis ich nicht mehr konnte und merkte, dass die Mauer keinen Kratzer hatte, ich aber bereits viele Verletzungen davon getragen hatte. Das war der Tag, an dem ich trocken werden konnte.


Gruß

BC
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BlueCloud hat zum Thema: Der gerade Weg... geschrieben
Melinak
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.12.2008
Beiträge: 5012
Alter: 40

BeitragVerfasst am: 18.12.2011, 12:41    Titel: Re: Der gerade Weg... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo BC,

das ist ne gute idee ein fädchen aufzumachen nur für dich. kannst es ja so sehen das ist hier dein fädchen und kein diskussionstread wie die anderen die du eröffnetest. hier kannst du deine persönlichen empfindungen erfahrungen ablegen. das find ich ist sehr wichtig zu tun.es ist für mich dann immer ein "nach hause zu mir kommen" wenn ich bei mir schreibe.

du musst da ja nichts reinschreiben was für andere auf dich als person schliessen lässt. dann bleibt es auch annonüm.

meine erfahrung ist es gibt keinen geraden weg. es gibt immer wieder kurven, berge oder hindernisse die zu überwinden sind. das ziel einen geraden weg zu gehen der einfach nach vorne geht habe ich inzwischen nicht mehr. denn das leben ist nicht so, für keinen menschen, egal ob der angehöriger, coabhängiger oder trockener alkoholiker oder aus einem ganz normalem umfeld kommt.es gibt einen klaren weg zu gehen und nicht mehr in den nebel rein in dem ich mich nicht mehr orientieren kann. das ist mir wichtig. und wenn, dann such ich ganz schnell wieder den weg aus dem nebel raus um wieder klar zu sein.

einen schönen tag wünsch ich dir
lieben gruß melanie
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Melinak hat zum Thema: Re: Der gerade Weg... geschrieben
uwe.rothaemel
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 26.05.2010
Beiträge: 392
Wohnort: Lauf a.d. Pegnitz

BeitragVerfasst am: 19.12.2011, 12:21    Titel: Re: Der gerade Weg... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo BC, willkommen im eigenen Faden.
Dein Bild mi der Mauer hat was. Auf mich bezogen beginne ich nunmehr gezielt Stein für Stein abzutragen, ohne der blinden Wut und der selbstzerstörerischen Gewalt aus „alten Tagen“.
Wie Melanie, bin ich der Meinung: hier zu schreiben, ist wie ankommen. Das geschriebene Wort hat noch mal eine andere Qualität, als lediglich der Gedanke. Ich nehme einiges, was mich hier beschäftigt (sozusagen vorgekaut), mit in die reale SHG. Ausgesprochen haben die Gedanken, in der direkten Interaktion (sozusagen nachverdaut), noch mal eine bedeutsamere Beschaffenheit. Das hilft mir auf meinem geradem, im Sinne von aufrechtem, Weg.
Gruß – Uwe.
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uwe.rothaemel hat zum Thema: Re: Der gerade Weg... geschrieben
BlueCloud
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.07.2011
Beiträge: 737

BeitragVerfasst am: 19.12.2011, 13:15    Titel: Re: Der gerade Weg... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Melanie, hallo Uwe,

danke für Eure Antworten.

ich sehe den geraden Weg für mich auch als aufrechten bzw. klaren Weg. Vorbei sind die Zeiten der faulen Kompromisse. Dieses Jahr habe ich einiges für mich gerade rücken können und es macht mich durchaus zufrieden zu sehen, dass es weniger Aufwand ist, einfach das Richtige zu tun. Auch ist es schön zu sehen, dass ich gemachte Fehler auch wieder korrigieren kann.

Wenn ich ehrlich im Umgang mit mir bin, dann ist es wie eine Welle, die vom inneren Umfeld ins äußere Umfeld geht. Früher konnte ich wenig mit dem Spruch anfangen, dass man das anzieht, was man selber ausstrahlt. Jetzt weiß ich, was damit gemeint ist.


Gruß

BC
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BlueCloud hat zum Thema: Re: Der gerade Weg... geschrieben
BlueCloud
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.07.2011
Beiträge: 737

BeitragVerfasst am: 20.12.2011, 12:01    Titel: Re: Der gerade Weg... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten morgen,

na, dann will ich mein kleines Fädchen mal füllen.

Gestern war ich lange draußen im Schnee. Meine Arbeitsstätte ist nur 4 km weit weg und ich mußte dort nur eine Kleinigkeit erledigen - also schnappte ich mir meine Hunde und wir machten einen ausgedehnten Spaziergang ins Nachbardorf. Ich mußte mich richtig durch Schneewehen kämpfen, die bald hüfthoch waren und kam ziemlich aus der Puste - obwohl es bergab ging. Für den Großen war es eine wahre Freude und er glitt nur so durch den Schnee, die Kleine tapste in meinen Fußstapfen hinterher. Obwohl beschwerlich, war es auch schön. Zwischendurch setzte ich mich auf eine Bank (da ich immer wie ein Polarbär eingepackt bin, fror ich auch nicht) und ließ die weiße glizernde Landschaft auf mich wirken. Zurück fuhren wir drei mit dem hiesigen Bummelzug.

Eigentlich war es ein gutes Jahr, nicht mehr so beschwerlich wie das Jahr davor. Meine Prioritäten haben sich eindeutig verschoben und ich habe einige Holpersteine beseitigen können. An erster Stelle steht meine Trockenheit und ich versuche achtsam mit mir umzugehen, so dass sie nicht ins Wanken kommt. Therapie mache in in unregelmäßigen Abständen, wenn ich es für mich brauche. Ich lebe das Gelernte, dafür muß auch mal Zeit sein. Zuviel Input ist auch nicht gut, auch mal zurücklehnen und alles Revue passieren lassen.

Vor fast genau einem Jahr habe ich meinen Führerschein nach bestandener MPU wieder bekommen, habe fast gleichzeitig eine neue Stelle angefangen und seit März diesen Jahres bin ich wieder stolzer Besitzer eines Autos.

Mein gerader Weg hat eigentlich mit der Vorbereitung auf die MPU angefangen. Ich wußte instinktiv, dass ich den Prüfern da nichts vormachen kann. Es gab mal keine Hintertürchen, keine Trickserei. Ich stufte mich dort selber als Alkoholikern ein, gab meine Schuld zu und hoffte einfach nur darauf, dass man meinen Willen, auch in Zukunft trocken bleiben zu wollen, sieht. Und man sah ihn - ich flutschte mit Ehrlichkeit und Offenheit nur so durch die Untersuchung und hatte am 23.12.2010 mein Leben in Form meines Führerscheines wieder. Ja, der FS-Entzug war mein absoluter Tiefpunkt. Für einige hier wahrscheinlich keine große Sache, für mich aber schon. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und die Einschränkungen, die so ein FS-Entzug hatte, waren für mich die absolute Hölle. Ich hatte es in Form eines Urteils schriftlich vor mir liegen, dass mir aufgrund meines Alkoholkonsums nicht mehr zugetraut wird, ein Auto zu fahren und ich andere Menschen gefährdet habe. Dies war eigentlich so die schlimmste Erkenntnis für mich und soweit darf es nie wieder kommen.

Gruß

BC
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BlueCloud hat zum Thema: Re: Der gerade Weg... geschrieben
BlueCloud
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.07.2011
Beiträge: 737

BeitragVerfasst am: 21.12.2011, 10:55    Titel: Re: Der gerade Weg... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten morgen,

das Wetter läßt mich momentan gar nicht mehr los. Schnee! So schön er ja aussieht, ich habe einen heiden Respekt davor.

Zur Zeit habe ich das Gefühl, der Winter holt alles nach - ich komme kaum aus der Haustüre. Kein Wunder, ich wohne ja 1000 m üN - da ist der Schnee ja Garantie.

Ich mag das Gefühl nicht, das Auto nicht mehr kontrollieren zu können und male mir Scenarien aus, wo ich z. B. einen Berg runterfahre, ins Rutschen komme, mich überschlage oder endlos drehe oder in ein anderes Auto reinrutsche oder ich fahre einen steilen Berg hoch und komme auf der Hälfte nicht weiter und rutsche ihn wieder runter und stecke fest. Ergebnis: Panikattacken.

Damit muß ich erst einmal klar kommen, dass ich überhaupt Panik habe. In der Form kannte ich ANGST gar nicht. Ich versuche mir mit dem Verstand zu erklären, dass ich ja auch ganz langsam fahren kann, aber irgendwie nimmt das Gefühl dann kurzfristig immer wieder Überhand und dann beginnt das Kopfkino wieder.


Gruß

BC
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BlueCloud hat zum Thema: Re: Der gerade Weg... geschrieben
Krabbe
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 24.10.2009
Beiträge: 4202
Alter: 50
Wohnort: Schleswig-Holstein

BeitragVerfasst am: 21.12.2011, 15:52    Titel: Re: Der gerade Weg... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo BC,

schön, Dich in Deinem eigenen Fädchen zu lesen.

Zu Deiner neuen Erfahrung mit Panikattacken mag ich Dir gern etwas schreiben.
Du hast ja selbst schon erkannt,dass es schwer ist das Kopfkino abzustellen. Aus eigener Erfahrung Winken weiss ich, es ist wirklich nicht einfach, wenn die Gedanken immer wieder um ein bestimmtes Thema kreisen und um so wichtiger, Strategien zu entwickeln da auszusteigen.
Die Gedanken die Du hast nennen sich Katastrophisierung. Du malst Dir den allerschlimmsten Fall aus, was Dir passieren könnte.
Ganz realistisch gesehen kann es natürlich eintreffen, weil die Wetterverhältnisse bei euch gerade extrem sind. Nur die übersteigerte Angst tut Dir dabei nicht gut. Vielleicht auch noch ein ganz sensibler Punkt,der bei Dir durch alles ,was mit Führerscheinverlust zu tun hat mit reinspielen könnte gedanklich. Wieder auf ein Auto verzichten müssen, wieder abhängig sein durch Bus, Bahn oder Dritte. Muss alles nicht zutreffen, aber das Unterbewusstsein spielt bei Ängten eine große Rolle. So meine lange Angsterfahrung.

Natürlich auch die Angst, Dir selbst kann etwas passieren. Oder anderen Personen. Erinnert Dich das vielleicht auch an den besagten Abend? Da warst Du auch in einer völligen Ausnahmesituation als es passierte.
Wie gesagt, sind nur so meine Gedanken dazu und es muss nicht zutreffen.

Wichtig finde ich, Du solltest Dir vor Augen halten das es nichts mit früher zu tun hat,denn Du bist ein ganz großes Stück an Dir selbst gewachsen.
Es sind extreme Wetterbedingungen, bei dem sicher Jeder Angst vorm fahren hat. Mir hilft in solchen Momenten Ablenkung, um aus dem Gedankenstrudel auszusteigen. Oder ein Chillibonbon Lachen
Ausserdem hast Du doch die Option, wenn es Dir wirklich zu gefährlich wird, mal mit der Bahn zu fahren. Ist ja nur für den Extremfall. Winken

Beneiden tue ich Dich aber um den Schnee. Sehr glücklich Hier ist es gerade wie beginnender Frühling. Mit den Augen rollen

Liebe Grüße
Krabbe
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Krabbe hat zum Thema: Re: Der gerade Weg... geschrieben
BlueCloud
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.07.2011
Beiträge: 737

BeitragVerfasst am: 21.12.2011, 17:10    Titel: Re: Der gerade Weg... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Krabbe,

danke für Deine Antwort und die vorzügliche Analyse.

Alles was Du aufgezählt hast, trifft auf den Punkt zu, besser hätte ich es nicht in Worte fassen können.

Die Situation vom besagten Abend ist mir erst letztens dazu eingefallen - da hatte ich auf einmal das Bild/Szene ganz ganz klar vor Augen (erstaunlich nach fast 2,5 Jahren) und es spielt alles irgendwie in diese Angst hinein. Auch, dass ich das fast schon heilige Auto kaputt fahren könnte und dann wieder ohne wäre, ist natürlich auch ein Grund.

Jetzt heißt es: raus kommen aus der Angst. Ich habe ja hier im Örtchen schön einwenig geübt und stellte auch fest, dass hier wirklich jeder sehr vorsichtig fährt (hat vielleicht mit dem hohen Anteil an Rentnern zu tun?)
Morgen früh wird es aber ernst - da muß ich mit dem Auto zur Arbeit, weil ich noch Getränkekisten kaufen muß.

Statt Chilibonbon nehme ich aber scharfe Ingwerbonbons Smilie


Gruß

BC
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BlueCloud hat zum Thema: Re: Der gerade Weg... geschrieben

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