Hilfe bei Alkohol : Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum : Das Alkoholikerforum

Kann man von Schuld sprechen? - Alkohol: Herzlich Willkommen im Alkoholikerforum.
Du suchst einen Erfahrungsaustausch, der Dir bei Deiner Alkoholabhängigkeit hilft? Das Alkoholiker Forum bietet Dir Hilfe durch die Selbsthilfe in der Alkoholkrankheit, Alkoholismus und Alkoholsucht. Natürlich auch für Angehörige von Alkoholikern.




Alkoholiker

Kann man von Schuld sprechen?

Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4  Weiter  
   Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum Foren-Übersicht -> Alkoholsucht bzw. Alkoholabhängigkeit im Alkoholiker Forum -> Seite 2
alkohol in der zahnpasta   •    Will ich gerettet werden?....  
Autor Nachricht
Leopold79
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 09.09.2011
Beiträge: 106
Alter: 32

BeitragVerfasst am: 08.12.2011, 12:33    Titel: Kann man von Schuld sprechen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen liebe Forenianer?

Ich bin vor 2 Wochen von einem Arzt gefragt worden, ob ich meiner Mutter (trockene Alkoholikerin)
eine Schuld an meiner Alkoholabhängigkeit geben würde.

Ich sagte ihm.. Nein!.. kann man bei einer Krankheit von Schuld sprechen?
Jezt habe ich noch einen weiteren Aspekt, der mich zum nachdenken gebracht hat.

Der Rückfall gehört als Symptom der Krankheit zum Krankheitsbild....
Darf also ein Alkoholiker gemaßregelt werden, wenn er einen Rückfall hat?
Hat er selber also irgendwo schuldhaft gehandelt?


Ich bin auf eure Meinungen gespannt...

LG Leo
Nach oben
Leopold79 hat zum Thema: Kann man von Schuld sprechen? geschrieben
Bernd G
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 24.11.2006
Beiträge: 827
Alter: 51
Wohnort: Waldbronn

BeitragVerfasst am: 08.12.2011, 13:19    Titel: Re: Kann man von Schuld sprechen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Leo !

Bei einer psychischen Krankheit von Schuld zu sprechen halte ich für sehr müssig.
ausserdem wem bringt es etwas einen anderen zu beschuldigen ?

gruss Bernd G
Nach oben
Bernd G hat zum Thema: Re: Kann man von Schuld sprechen? geschrieben
uwe.rothaemel
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 26.05.2010
Beiträge: 392
Wohnort: Lauf a.d. Pegnitz

BeitragVerfasst am: 08.12.2011, 14:41    Titel: Re: Kann man von Schuld sprechen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Leo
Ich habe durch meine Verhaltensweisen maßgeblich zur Sucht beigetragen, sie auch gepflegt. Doch meiner Meinung nach, entstanden eben diese Verhaltensweisen aus Prägungen meines Umfeldes (nicht ausschließlich der, der Eltern) und den jeweiligen Umständen. Kann ich von Schuld sprechen, wenn ich und andere es nicht (besser) wussten? Wessen Schuld soll es sein, wenn ich mich in einer Phase, wo ich keinen anderen Lösungsansatz für meine Konflikte hatte, mich in die Sucht geflüchtet habe?
Ich finde es wie Bernd müßig und auch unnötig, gerade zu Beginn der Abstinenz, sich der Frage der Schuld stellen zu wollen. Es suggeriert: ich hätte anders handeln können. Um zu überleben, war es aber wahrscheinlich die einzige verfügbare Wahl. Jetzt, wieder nüchtern und um einige Lebenserfahrungen reicher, stehen mir andere Alternativen zur Verfügung.
Es bleibt nunmehr für mich darauf zu achten, dass ich im Sinne der Eigenverantwortung, die „alten“ Art und Weisen, die gelegentlich als einfacher und verlässlich – weil bekannt – eingestuft werden, zu hinterfragen.
Ist der „Rückfällige“ deswegen schuldig? Ich meine, er ist lediglich nicht bereit gewesen, zum Zeitpunkt seiner Entscheidung, den Weg des größeren Risikos zu gehen. Kann ich ihn deswegen verurteilen? Ich denke nicht.
Gruß Uwe.
Nach oben
uwe.rothaemel hat zum Thema: Re: Kann man von Schuld sprechen? geschrieben
schnuffig
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 17.07.2011
Beiträge: 211
Alter: 35

BeitragVerfasst am: 08.12.2011, 15:25    Titel: Re: Kann man von Schuld sprechen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi!

Man kann nicht von Schuld sprechen. Weil das ein Begriff ist, der zu nichts führt.
Was aber nicht heißt, dass man nur, weil man das nicht kann, deswegen gleich das Gegenteil davon ist - nämlich unschuldig.
Ich weiß schon was ich getan habe. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich mich richte und verurteile , wenn ich mich weiterhin taub, blöd und stumm stelle.
Wenn ich mir weiterhin gnadenlos alles verzeihe, und auch einen Bogen um die so unangenehme eigene Schuld mache, dann habe ich die Strafe die ich mir dafür zukommen lasse auch verdient - fürs Blöd sein und für das mich selbst Anlügen.
Unschuldig an all den Dingen, die ich gemacht habe, bin ich persönlich nämlich sicher nicht.
Jeder Mensch der das behauptet lügt, aber nicht alle können so gut lügen wie wir.
Eigentlich, wenn ich so weiter überlege, bin ich schon schuld. An dem Tag, an dem ich mich vor meiner Tochter betrunken habe, an meinem Tiefpunkt, habe ich mich ihr gegenüber schuldig gemacht.
Das ist das was ich fühle.
Nur bürde ich ihr nicht auch noch auf, dass sie mir verzeihen muss, dass sie mein Verhalten ent-schuldigen muss.
Ich bessere mich und werde alles in meiner Macht stehende tun, dass sie mich so nie wieder sieht.
Das bedeutet für mich Mensch sein. Versuchen sich zu bessern. Es wirklich versuchen und nicht nur so tun.
Gerne auch abseits von Begriffen wie Schuld und Unschuld. Was zählt ist in dem Fall das, was man sieht.

Liebe Grüße!
Nach oben
schnuffig hat zum Thema: Re: Kann man von Schuld sprechen? geschrieben
BlueCloud
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.07.2011
Beiträge: 737

BeitragVerfasst am: 09.12.2011, 20:08    Titel: Re: Kann man von Schuld sprechen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Leopold,

wenn ich halbnackt durch die eisige Kälte renne und daraufhin eine Erkältung bekomme - bin ich dann Schuld, dass ich krank geworden bin? Oder war ich einfach nur naiv, dass ich dachte, mir könnte die Kälte nichts ausmachen? Oder habe ich einfach nur keine Erfahrung darin, wie ich mich schützend anziehen soll? Ist das Schuld? Wohl kaum.

Ein anderer läuft auch halbnackt durch die Kälte und wird nicht krank - ist er jetzt unschuldig? Vielleicht hatte er ein besseres Immunsystem, ist abgehärtet oder trainert oder hatte einfach nur Glück.

Ich denke, die Ursache einer Erkrankung an einem Begriff wie Schuld auszumachen ist fast unmöglich, weil soviele unberechnbare Faktoren eine Rolle spielen. Wer läuft schon durch die Gegend und schaut überall hin, wo Krankheiten auf ihn lauern können - soviel Vorstellungskraft traue ich nur wenigen Menschen zu. Es gibt keine Formel, die Psyche eines Menschen zu berechnen. Wir müssen nun einmal negative (und auch positive) Erfahrungen machen, um daraus zu lernen - so sind die Menschen gestrickt, dass steckt in unseren Genen. Wenn sich daraus eine Krankheit entwickelt, dann ist es einfach so. Jede Zeit hatte ihre Krankheiten. Da wo Krankheiten ausgerottet wurden, entstanden neue Krankheiten auf ganz verschiedenen Ebenen - da kann man auch nicht von Schuld reden. Das ist die Natur des Lebens, was durch eine Vielzahl von äußeren Faktoren geprägt wird und auch weiter gegeben wird.

Die Krux ist: wir konnten es uns noch nichtmals aussuchen - wir sind aus einem Zufall entstanden und versuchen, das Beste daraus zu machen, mit guten und schlechten Erfahrungen - mit guten und schlechten Jahren.


Gruß

BC
Nach oben
BlueCloud hat zum Thema: Re: Kann man von Schuld sprechen? geschrieben
ratzefatz
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 28.11.2011
Beiträge: 29
Alter: 45

BeitragVerfasst am: 09.12.2011, 21:29    Titel: Re: Kann man von Schuld sprechen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Benny,
ich habe es schon im Vorstellungsbereich geschrieben und schreibe es dir hier auch noch rein. Zu meiner Vorstellung komme ich dann später noch hin.

Meine Sichtweise:

Das ist mal wieder typisch deutsch: Schuld!

Jeder hat seine eigene Definition von dem Wort Schuld! Also kannst NUR DU dir diese Frage beantworten!
Die meisten, die das Wort Schuld in den Mund nehmen, die wissen, da muss dann auch irgendwo ein Richter sein. Der bewertet den Sachverhalt, sagt dann was zu tun ist und schon ist die Schuld geahndet, man sitzt quasi seine Strafe ab und passt, vergessen! Deswegen kann Schuld sein und einem Schuld geben soooo einfach sein! Irgendwo wird sich dann schon ein Richter finden, der richtet!

Ich sehe solche Dinge anders. Es obliegt mir nicht, weder jemanden schuldig zu sprechen noch über jemanden zu richten! Ich kann für mich analysieren, was ich wann wie gemacht habe.
Nehmen wir einmal den Alkoholismus. Niemand wird damit geboren und niemand kennt eigentlich den Geschmack des Alkohols und wirklich lecker schmeckt reiner Alkohol auch nicht. Im Laufe der Zeit sieht man, wie andere damit umgehen und entscheidet sich entweder dafür, oder dagegen.
Entscheidet man sich dagegen, braucht man nicht weiter ausholen.
Entscheidet man sich dafür, so muß man abgrenzen, inwieweit man damit umgehen kann. Denn nur vom einmaligen Trinken wird man nicht süchtig! Erst, wenn man sich das saufen immer und immer wieder antrainiert, dann wird es zur Sucht und es wird immer schwerer, damit aufzuhören. Die einen schaffen es sofort, die anderen nach mehreren anläufen! Aber grundsätzlich, so meine Meinung, schafft es jeder, wieder davon weg zu kommen, sofern er sein Training umstellt und sein Training danach ausrichtet nichts mehr zu trinken.

So und wo ist bei dieser Sichtweise die Schuld geblieben? Richtig nirgends, denn nüchtern betrachtet gibt es keine Schuld, keine Sühne, keinen Schulterklopfer (ach du armer es wird schon wieder) keinen Richter (dududu,das darfst du aber nicht, sonst..) keinen Pfarre der sagt 3 mal Vaterunser und gut ist!!! Wäre ja auch zu schön, oder? Ich glaube man hat Schuld nur erfunden, um sich schlecht zu fühlen, um Buße zu tun und sich dann wieder besser zu fühlen.

Nein bei Uns Alks gibt es nur 3 Fragen:
Frage 1: Kann ich etwas ändern? Wenn nein, ist es hier schon vorbei, wenn ja
Frage 2: Will ich etwas ändern? Wenn nein, ist es hier schon vorbei, wenn ja
Frage 3: Wie kann ich es ändern? Und dann muss ich loslegen, sonst lande ich wieder bei Frage 1!

(Übrigens, diese Fragen stelle ich mir auch, wenn mich etwas aufregt und sokomme ich schnell auf die Antwort!)

Schuld!

Ich definiere Schuld folgendermaßen:
Zu der Zeit, als ich mich "schuldig" verhalten/gefühlt/gemacht habe, das war ein Lebensabschnitt an dem ich es nicht besser gewusst habe, deswegen habe is es so getan.
Wenn ich es besser weiss und es trotzdem nicht tue, dann bin ich einfach noch nicht bereit, etwas zu ändern. Oder auch zu bequem. Der Grund dafür, warum ich noch nicht bereit bin, wird sich mir später einmal erschliessen.
Insofern gibt es Schuld für mich gar nicht! Nur ein Teil meines Lebensabschnittes!


Gruss, chi
Nach oben
ratzefatz hat zum Thema: Re: Kann man von Schuld sprechen? geschrieben
drybabe
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 06.04.2010
Beiträge: 2600
Alter: 39
Wohnort: Hamburg trocken seit 18.08.2009

BeitragVerfasst am: 09.12.2011, 21:58    Titel: Re: Kann man von Schuld sprechen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Moin Leo!
Am Anfang, als ich noch Trinkpausen machte, habe ich viel Schuld meinem Vater (Alkoholiker) und auch meiner Mutter (Co) gegeben. Weil ich mich damals selber nicht gesehen habe. Dann während der Therapiezeit, kam ich so langsam zur Ruhe, was die Schuld angeht. Ich habe mir viele Vorwürfe gemacht, was ich im besoffenen Kopf alles angestellt habe. Und an vielen Sachen bin ich schuld, die ich verbockt habe. Weil ich in dem Moment meine Alkoholkrankheit noch nicht einsah.
Mit der zeit hat sich dieses Damoklesschwert der Schuld gelegt.
Ich kann nicht sagen, ich bin an nix schuld, weil ich ja krank bin. Gesoffen habe ich selber, daher finde ich auch immer die Einwände "Es ist ja eine Krankheit" teilweise als Ausrede. Natürlich ist Alkoholismus eine Krankheit, und zwar eine tödliche.
Ich wuchs in einem Umfeld auf, wo Alk normal war, wo Besoffensein fast alltäglich war. Das nenne ich auch lernen am Modell. Doch dass ich selber gesoffen habe, daran ist niemand schuld. Weder ich noch meine Angehörigen.
Viel eher habe ich mir Vorwürfe gemacht, dass ich nicht eher zu meinem Tiefpunkt gekommen bin. Aber das lag wohl nicht in meiner Hand.
Gruß
drybabe
Nach oben
drybabe hat zum Thema: Re: Kann man von Schuld sprechen? geschrieben
Leopold79
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 09.09.2011
Beiträge: 106
Alter: 32

BeitragVerfasst am: 10.12.2011, 10:07    Titel: Re: Kann man von Schuld sprechen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen und vielen Dank für die vielen Beiträge!

Ich persönlich denke auch, man würde es sich zu einfach machen, jemanden
eine Schuld an meiner Krankheit zu geben. Ich denke es sind einfach zu viele
Faktoren, die es... sagen wir mal ... begünstigt haben, dass ich meinen Seelenfrieden
versucht habe mit einem Suchtmittel zu erlangen. Natürlich spielt da auch die
Erziehung mit rein. Vieleicht ist mir zu oft vorgelebt worden, dass man mit
Alkohol Stress abbaut.. oder zu einer Person wird, die man viel leichter selber
ertragen kann. Dass mein Umfeld mit Alkohol und Drogen seine "gute Stimmung"
für das Wochenende eingeläutet hat. Dass man die Gefühle der Frustration
mit Alkohol im Körper nicht so unangenehm empfindet. Aber jemanden oder einer
Gruppe von Menschen dafür eine Schuld geben.. das wäre viel zu einfach.

Schuld hingegen bin ich mit Sicherheit an den Dingen, die ich unter Alkohol
gemacht, gesagt oder nicht gesagt und nicht getan habe. Denn ich habe
ja als eigenständiger Mensch agiert oder nicht agiert. Allerdings... weil ich
keine andere Alternative gesehen hatte.. bedingt durch die Sucht und damit
meiner Krankheit.

Jetzt aber zu der zweiten Frage von mir. Handelt ein Alkoholiker schuldhaft,
wenn er einen Rückfall baut? Kann ich jemanden bestrafen, für ein Symptom
einer Krankheit?
Nach oben
Leopold79 hat zum Thema: Re: Kann man von Schuld sprechen? geschrieben

   Selbsthilfe-Alkoholiker-Forum Foren-Übersicht -> Alkoholsucht bzw. Alkoholabhängigkeit im Alkoholiker Forum Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4  Weiter
Seite 1 von 4


Ähnliche Beiträge
Thema Forum
Keine neuen Beiträge Kann Kindheit nicht vergessen... Erwachsene Kinder von Alkoholikern

Informative Bücher für Alkoholiker und Angehörige bei amazon.de:
.
Risikoverhalten
Risikoverhalten
Mit 14 betrunken
Mit 14 betrunken
Angst, Panik und Phobien
Angst, Panik und Phobien
Jugendliche
Jugendliche
Alkoholdiagnostik
Alkoholdiagnostik


Werben im Alkoholikerforum - Spenden





Impressum : Sitemap
1 2 3 4 5 6 7 8 9 Weihnachtsgeschenke

Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de