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Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum

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JJE
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BeitragVerfasst am: 25.11.2011, 10:07    Titel: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Speranza,

das mit dem braven Kind sein, kenne ich auch. Heute kann ich sagen, dass es wichtig ist generell als Co zu sehen woher dieses Verhalten kommt und haeufig liegt es weiter zurueck, also in unserer Kindheit, als wir persoenlich vermuten wollen. Fuer mich war es immer eine Art "geliebt werden". Irgendwo unterbewusst dachte ich immer, dass ich wohl nicht liebenswert sei, wenn ich mir einen nassen Alkoholiker anlache und das ganze Drama mitmache. Das alles ist nun schon ueber 10 Jahre her. Nach dieser Erfahrung habe ich mir persoenlich geschworen, keine Kompromisse einzugehen, ich habe mir persoenlich versprochen mich nicht mehr zu verbiegen um geliebt zu werden. Heute bin ich gluecklich verheiratet, mein Mann ist kein Alkoholiker und ich bin gluecklich, dass es meine erste gesunde Beziehung ist und ich sehen kann, dass dadurch, dass ich auch auf meine Beduerfnisse achte, ich viel freier leben kann.

Liebe Gruesse,

JJE
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JJE hat zum Thema: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum geschrieben
lawyer
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BeitragVerfasst am: 25.11.2011, 12:47    Titel: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo JJE,

ich verfolge Deinen Thread schon seit Anfang an und heute möchte ich auch mal was dazu schreiben.

Es ist toll, dass Du Dich aus Deiner Co-Abhängigkeit befreit hast und Du Dir heute nichts mehr gefallen lässt. Heute weißt Du, dass Du es gar nicht nötig hast, Dich für andere aufzuopfern, nur damit sie Dich lieben.

Ich freue mich sehr für Dich, dass Du heute in einer glücklichen Beziehunng lebst. Das ist das, was Du verdient hast.

Alles Liebe,
Julia
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lawyer hat zum Thema: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum geschrieben
JJE
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BeitragVerfasst am: 25.11.2011, 12:53    Titel: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Julia,

Dank Dir, dass ist sehr nett von Dir. Wir alle haben das verdient, auch Du.

Ich kann natuerlich verstehen, dass es mit Kind zum Teil schwieriger sein kann. Liebe Julia, ich wuensche Dir alle Kraft der Welt, auch Du hast es verdient gluecklich zu sein und in einer respektvollen und liebevollen Partnerschaft auf gleicher "Augenebene" zu leben.

Liebe Gruesse,

JJE

P.S. Glaub mir, dass Lernen hoert nie auf, Co-Strukturen sind nicht nur in unseren Beziehungen zu unserem Partner, die koennen sich ueberall erstrecken.
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JJE hat zum Thema: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum geschrieben
lawyer
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.11.2011
Beiträge: 139
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BeitragVerfasst am: 25.11.2011, 15:12    Titel: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo JJE,

auch wenn es sich hier um "Deinen" Thread handelt - vielen Dank für Deine netten Worte!

Alles Liebe,
Julia
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lawyer hat zum Thema: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum geschrieben
JJE
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 22.11.2011
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BeitragVerfasst am: 29.11.2011, 16:05    Titel: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Mein Stiefvater haette letzte Woche Geburtstag gehabt, er waere 61 Jahre alt geworden. Er ist 2007 verstorben. Er hatte Krebs der Mundschleimhautdruesen, dass kam vom Rauchen und Alkohol hat sicherlich auch viel dazuzugetragen. Selbst waehrend seiner Chemo und Bestrahlung hat er nicht auf Alkohol und Zigaretten verzichtet, es ging immer froehlich weiter. Er ist von fast 100kg auf 60kg abgemagert, Essen war schlimm da sein Mund wie rohes Fleisch gewesen ist, aber trinken und rauchen, dass ging immer. Seit laengerer Zeit hat er damals bemerkt, dass sein Bein dick war, seine eine Physiotherapeutin meinte, er sollte dringend einen Termin beim Arzt machen, dass koennte eine verschlossene Vene sein, hatte sie damals vermutet. Er hatte einen Termin gemacht beim Arzt, aber zwei Tage vor dem Termin ist er im Badezimmer zusammengebrochen, keiner hat es gehoert, es muss in den fruehen Morgenstunden gewesen sein, am Abend zuvor war er noch einen Trinken. Meine Schwester, die zu diesem Zeitpunkt daheim gelebt hatte, hat ihn gefunden, Gottseidank hat sie die Tuer nicht richtig aufmachen koennen, denn der Koerper meine Stiefvaters hat davorgelegen, sie hatte nur eine richtig grosse Blutlache gesehen und sofort den Krankenwagen gerufen. Leider konnte man nichts mehr machen, er war tot, von heute auf morgen.

Meine Mutter sollte diesen Tag allerdings auch ins Krankenhaus. Sie hatte in letzter Zeit sehr abgenommen, ich hatte meine Mutti bereits ueber ein Jahr nicht mehr gesehen, da ich nach England gezogen war. Es hiess nur, sie will ins Krankenhaus. Mein Stiefvater wollte sie an dem Tag an dem er verstorben ist, ins Krankenhaus fahren, das ganze hat sich dann einen weiteren Tag verschoben, mein Onkel hat sie dann am darauffolgenden Tag hingebracht. Ich hatte in der zwischenzeit ein Flugticket gebucht und war schon auf dem Weg nach Deutschland. Was meine anderen drei Geschwister und ich am naechsten Tag aber zu hoeren bekommen hatten vom Arzt im Krankenhaus, hat uns wirklich den Boden unter den Fussen weggezogen. Es wurde gesagt, dass unsere Mutter Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium hatte, man wuesste nicht wie lange sie noch leben wird, er haette aber schon gestreut und war offen. Nach und nach in den darauffolgenden Tagen hatten wir rausbekommen, dass meine Mutter 10 Jahre zuvor einen Knoten in der Bruste gefuehlt hatte. Sie hatte sich aber nicht getraut zum Arzt zu gehen, damals waren meine zwei juengsten Geschwister erst 12 und 11 Jahre alt. Sie hatte Angst, dass wenn es Brustkrebs waere und sie ins Krankenhaus muesste, dass mein alkoholkranker Stiefvater haette Verantwortung uebernehmen muessen. Sie hat das nicht gewollt, sie war so in Ihrer Co-Abhaengigkeit verhangen, dass sie ihre Gesundheit und ihr Leben riskiert hat. Nur durch eine gute antroposophische Klinik in Berlin, die sie palliativ behandelt, ist es noch moeglich, dass sie nach wie vor lebt, sie ist ein kleines Wunder, sie sieht sehr alt aus, ist auf dem einen Auge blind und kann ihren einen Arm nicht mehr richtig fuehlen, weil der Krebs dort schon Nerven angefressen hat.

Co-Abhaengigkeit kann uns auch toeten, dass musste ich mir an diesem Tag sehr deutlich bewusst machen.

Das war mein reflektieren, diesen Vorfall in meinem Leben werde ich niemals vergessen koennen, aber ich kann daraus lernen, ihn mit anderen teilen und sagen, ja ich bin ein erwachsenens Kind eines Alkoholikers und einer co-abhaengigen Mutter und ich selbst weiss was es heisst Co zu sein.

Liebe Gruesse,

JJE
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JJE hat zum Thema: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum geschrieben
lawyer
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.11.2011
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BeitragVerfasst am: 30.11.2011, 10:57    Titel: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen JJE,

über die Geschehnisse, die sich bei Deinen Eltern ereignet haben, bin ich sehr geschockt. Dass der Brustkrebs Deiner Mutter höchstwahrscheinlich hätte geheilt werden können, wenn sie damals gleich zum Arzt gegangen wäre, ist eine Tatsache, an die man am liebsten gar nicht denken würde. All das zeigt, wie tief Deine Mutter in der Co-Abhängigkeit dringesteckt hat. Sie war trotz des Verdachtes, sie könnte ernsthaft erkrankt sein, nicht in der Lage, im Sinne ihrer Gesundheit zu handeln. Damit setzte sie - vielleicht unbewusst - ihr Lebens aufs Spiel.

Es freut mich sehr, dass Deine Mutter heute noch lebt und in guter klinischer Behandlung ist. Ich wünsche ihr sehr, dass sie heute trotz ihrer körperlichen Beschwerden noch ein bisschen Lebensqualität hat und nicht so oft an die (nasse) Zeit mit Deinem Stiefvater zurückdenken muss .

Du wirst zwar die Ereignisse von damals nie vergessen können, ich wünsche Dir aber von ganzem Herzen, dass Du sie verarbeiten und in Zukunft besser damit leben kannst. Der Austausch hier im Forum wird Dir sicherlich dabei helfen.

Alles Liebe
Julia
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lawyer hat zum Thema: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum geschrieben
JJE
neuer Teilnehmer


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Beiträge: 74
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 30.11.2011, 13:19    Titel: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hi Julia,

Co-Abhaengigkeit wird in meinen Augen immer wieder sehr unterschaetzt, ich muss dazu auch sagen, dass Alkoholiker viel mehr Hilfe bekommen, als ein Co-Abhaengiger, weil es einfach erstmal nicht offensichtler zu sein scheint.

Ich komme mit dem was in meiner Familie passiert ist ziemlich gut klar und hab den noetigen Abstand dazu gefunden, ich hatte bevor das alles passiert ist meine Co-Abhaenigigkeit schon gut in den Griff bekommen und somit in diesem Fall erkennen duerfen, dass die Entscheidung ganz allein bei meiner Mutter und bei meinem Stiefvater gelegen haben. Das einzige ueber was ich mich geaergert hatte, war, dass wir Kinder damals viele Rennereien deswegen hatte, es musste die alte Wohnung aufgeloest werden, da meine Mutter Hauswart war und diese Taetigkeit durch den Tod meines Stiefvaters und durch die Krebserkrankung meiner Mutter, daher musste die Wohnung aufgeloest werden. Ich war sehr sauer, dass meine Mutter einfach gedacht hatte, dass sie einfach so sterben darf und uns mit dem ganzen Mist alleine laesst. Ich war froh, dass ich selbst nicht den ganzen Kram uebernommen hatte, sondern damals auch meinen Geschwister gesagt hatte, dass sie helfen muessen und organisieren muessen.

Es gibt keinen Menschen auf diesem Planeten, der niemals Probleme zu bewaeltigen haette, ich sehe meine damalige Co-Abhaengigkeit als Wachstumspotential, natuerlich, wenn man sie "besiegt" hat und nicht, wenn man aktiv noch darin haengt. Das meiste was ich daraus gelernt habe, war um Hilfe zu bitten, wenn ich Hilfe brauche, Nein zu sagen, wenn ich etwas nicht moechte, meine Moral und Grenzen zu verteidigen und das ich an meinem Selbstwert arbeiten muss.

Liebe Gruesse,

JJE
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JJE hat zum Thema: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum geschrieben
lawyer
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 18.11.2011
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Alter: 37

BeitragVerfasst am: 30.11.2011, 13:37    Titel: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo JJE,

ja, das ist man sich einfach schuldig, auf sich zu achten und anderen gegenüber aufzuzeigen, wo die eigenen Grenzen sind. Insoweit scheinst Du schon viel erreicht zu haben.

Vielleicht hat auch die räumliche Distanz zu Deinem Elternhaus (Du lebst schon einige Jahre in England) dazu beigetragen, dass Du Dich aus Deiner Co-Abhängigkeit (in Bezug auf Deinen Stiefvater) befreist. Das könnte ich mir sehr gut vorstellen.

LG
Julia
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lawyer hat zum Thema: Re: Co-Abhaengigkeit / Selbsterkennung / Wachstum geschrieben

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