| Der 20. Tag • Ob er es dieses Mal schafft? |
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32810 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 09.11.2011, 10:32 Titel: Erkrankung oder Willensschwäche |
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Hallo,
ich hatte gestern noch ein sehr langes Telefonat, wo eine Frage aufkam, die sich darum drehte, welche Gedanken in der Gesellschaft auf einen Alkoholiker kommen.
Dem Klischee vieler Menschen nach, ist ja ein Alkoholiker oft ein willensschwacher Mensch, der eben nur den ganzen Tag Alkohol trinkt.
Der Alkoholismus ist ja eine anerkannte Krankheit, auch wenn das bei vielen „normalen“ Menschen noch nicht angekommen ist.
Bei dem Telefonat war dann auch die Rede davon, dass es ja bei einigen Betroffen selbst noch nicht als Krankheit verstanden wird, denn sie versuchen ja ihre neue Nüchternheit über den Willen zu erhalten.
Kann man also seine Nüchternheit nur über den Willen aufbauen, wäre es ja fast ein Eingeständnis, dass es sich bei der Alkoholkrankheit wirklich nur um eine Willensschwäche handelt?
Wie sind eure Gedanken dazu?
Haben Betroffene, die ihre Nüchternheit nur über den Willen erhalten, nicht verstanden, dass der Alkoholismus eine Krankheit ist und geben dem Klischee der Gesellschaft somit recht?
Gruß
Karsten |
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| Karsten hat zum Thema: Erkrankung oder Willensschwäche geschrieben
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Bernd G aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.11.2006 Beiträge: 827 Alter: 51 Wohnort: Waldbronn
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Verfasst am: 09.11.2011, 12:14 Titel: Re: Erkrankung oder Willensschwäche |
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Hallo liebe Leute !
Mein Krankheitsverlauf :
Als ich erkannte das ich seelisch und körperlich abhängig war , habe ich immer wieder versucht über meine Willenskraft vom Alkohol loszukommen, vergeblich ! Erst als ich bereit war Hilfe anzunehmen war mein Wille stark genug vom Alkohol zu lassen.
Es war für mich ein langwieriger Prozess . Durch die Bereitschaft Hilfe anzunehmen konnte ich lernen meine Krankheit zu verstehen , in kleinen Schritten zu erkennen was mir gut tut und was nicht, was erforderlich ist um in die lage zu gelangen wieder selbst über mein Leben zu bestimmen.
Und ja wärend dieser Zeit war ich ausschliesslich über meine Willenskraft trocken.
Erst durch das lernen in Selbsthilfegruppen , Beratungsstellen und Therapieeinrichtungen sammelte ich Erfahrungen die es mir möglich machen Heute ein zufriedenes , trockenes Leben zu führen.
Bei mir gehörte zum ERSTEN SCHRITT , DAS ERSTE GLAS STEHEN ZU LASSEN , auch ein starker Wille dazu .
Gepaart mit der Bereitschaft gegenüber dem Alkohol zu kapitulieren und Hilfe anzunehmen.
Nach der euphorischen Phase ( bei mir ca. 2 - 3 Wochen ) nicht nachzulassen , mir nicht vorzugaukeln ich sei geheilt , sondern auf die Erfahrungen der länger Trockenen zu hören.
In dieser Zeit brauchte ich einen starken Willen und Leute die es schaften aus diesem Willen Selbstvertrauen zu machen.
Der Übergang war fliessend nicht für mich spürbar.
Nach ein paar Jahren in denen ich mich mit der Krankheit beschäftigt habe und mein Leben so geordnet habe das ich keinen Alkohol mehr brauche , ist aus meiner Willenskraft, Selbstvertrauen geworden.
Ich bin aber nicht so naiv zu glauben ich sei geheilt.
Ich konnte also meine Nüchternheit über meinen Willen aufbauen , denn erst als ich nüchtern war konnte ich verstehen das ich Krank bin. ist für mich so ok.
Was die " Gesellschaft " darüber denkt, ist mir völlig egal . Klischees gibt es für viele dinge im Leben.
Solange die " Gesellschaft " nicht erkennt , das es einen Zusammenhang gibt ,zwischen den jungen ,gesunden Sportlern die in der Fussballpause für Bier und Schnaps werben und den dann etwas " älteren Pennern " die dann am Haubtbahnhof liegen , solange werden auch die Klischees dasein.
Es ist doch gar nicht gewollt die Gesellschaft über diese Krankheit aufzuklären , fliessen doch jeden Tag schöne Gelder ins Steuersäckel und auf die Aktionärskonnten.
Für die beseitigung der " Kollateralschäden " ist dann kein Geld da.
Tschuldigung ich werde gerade Sauer, also lasse ich es jetzt mal dabei.
Meinen Standpunkt habe ich ja dargelegt.
Viele liebe Grüsse von Bernd G |
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| Bernd G hat zum Thema: Re: Erkrankung oder Willensschwäche geschrieben
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uwe.rothaemel neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 26.05.2010 Beiträge: 392 Wohnort: Lauf a.d. Pegnitz
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Verfasst am: 09.11.2011, 13:51 Titel: Re: Erkrankung oder Willensschwäche |
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Hallo Karsten
Wenn ich die Frage so stelle: „Krankheit oder Willensschwäche?“, also „entweder – oder?“ suggeriere ich ein Dilemma, dass dem Klischee nur dienlich ist. Wenn mein Wille ausreicht aus der Sucht auszusteigen, dann bin ich auch willentlich süchtig geworden. Es sind die Folgeschäden des Suchtmittels (und die daraus entstehenden Kosten), die es in den Katalog der Krankheiten geschafft haben – nicht das Mittel selbst. Es sind daher meist auch die Symptome die behandelt werden – und nicht die Ursachen.
Mir stellt sich die Frage daher anders. „Wie viel Willen war nötig, um in die Sucht zu rutschen?“
Willen setzt bewusstes Handeln voraus. Doch ein Großteil meiner Erfahrungen, die meine Persönlichkeit ausmachen, ist mir Unbewusst. Die erlernten Verhaltensanomalien haben in Der Sucht einen psychosomatischen Ausdruck gefunden. Indem ich mich meinen „Unbewussten“ annähere, mir die Verhaltensweisen vor Augen führe, kann ich lernen, das Krankheitsbild zu verändern. Es ist aber auch die Angst vor Veränderung, die Furcht vor dem Ungewissen, welche mich teilweise in Handlungsunfähigkeit gefangen hält – Rück(Vor)fälle provoziert.
Ich kann also durch das Erlernen neuer Erfahrungen, mein Verhalten (vermutlich weitestgehend wieder unbewusst) bedingt beeinflussen. Voraussetzung dafür ist das willentliche weglassen des Suchtmittels – doch das alleine reicht eben für mich nicht aus.
Es ist für mich wesentlich, mich meinen Bedürfnissen zu stellen und zu akzeptieren, dass sie mich auch gelegentlich steuern (nicht nur der Hunger).
Darüber, wie „frei“ oder „unfrei“ mein Wille dabei ist, sollen sich Philosophen und Neurowissenschaftler den Kopf zerbrechen. Seit dem ich mich auf diese Weise mit meiner Sucht auseinandergesetzt habe, ich der Neurose keine „Nahrung“ mehr gebe, fühle ich mich gut.
Mir reicht es, durch ein jetzt selbstbewussteres, selbstbestimmtes Leben, das Schablonendenken der Gesellschaft - (besser und bescheidener) in meinem Umfeld - in Frage zu stellen.
Gesunde Grüße – Uwe. |
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| uwe.rothaemel hat zum Thema: Re: Erkrankung oder Willensschwäche geschrieben
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Melinak sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 10.12.2008 Beiträge: 5012 Alter: 40
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Verfasst am: 09.11.2011, 14:11 Titel: Re: Erkrankung oder Willensschwäche |
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lieber karsten,
willendlich ist keiner in die sucht gerutscht. es war mit sicherheit unachtsamkeit, ja vielleicht gewisse überheblichkeit , grenzüberschreitung all das vielleicht das dazu führte. schleichten, langsam unaufhaltsam weil die eigene wahrnehmung immer mehr gestört wurde. willendlich wude keiner suchtkrank. es ist für mich heute keine frage mehr warum, die brauch ich nicht mehr.
klischees sind mir egal, es gibt so viele klischees über so viele dinge, weil die leute die intreressieren sich nicht für realitäten sie nehmen klischees gern an weil sie damit keine arbeit und mühe haben sich mal richtig mit einem thema ausseinander zu setzen.
ich ärger mich darüber nicht mehr, muss ich auch nicht., gelassenheit macht sich mehr und mehr in mir breit. ich muss gesellschaftlich nimanden überzäugen, ich weiss für mich was ich erlebt und geschafft habe.
sicher ist für mich gewesen, ich will da raus. dazu holte ich mir hilfe. willensstärke ist in dem moment vorhanden wo ich für mich entscheide so gehts nicht mehr weiter ich habe den tiefpunkt erreicht. ich will nicht mehr in meiner sucht gefangen sein.
wer das schafft aus dieser suchtspirale auszubrechen der hat so viel willenskrat und stärke bewiesen, das er es nicht nötig hat sich irgendweche willensschwäche vorhalten zu lassen.
jeder der sich mit sucht auskennt wird sich einem klischee nicht anschliessen, der WEISS um was es wirklich geht und kann erhobenen hauptes sagen"ich habe etwas geschafft, dafür brauchte es tatsächlich enorme willensstärke und ich habe etwas erreicht in meinem leben!" alles andere kann ich getrost liegen lassen und damit abtun, das der andere der sowas behauptet doch wirklich keine ahnung hat von dem was er da sagt.
gruß melanie |
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| Melinak hat zum Thema: Re: Erkrankung oder Willensschwäche geschrieben
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Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32810 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
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Verfasst am: 09.11.2011, 14:18 Titel: Re: Erkrankung oder Willensschwäche |
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Hallo,
irgendwie scheint nicht angekommen zu sein, was ich meine
Muss ja mal an meiner Ausdrucksweise arbeiten.
Mir ging es eher darum, wie werde ich und wie bleibe ich nüchtern?
Nun mal etwas provokativ
Kann es sein, dass die Betroffenen, die versuchen über den Willen trocken zu bleiben, noch selbst nicht verstanden haben, dass sie krank sind und keiner Willensschwächte unterliegen?
Gruß
Karsten |
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| Karsten hat zum Thema: Re: Erkrankung oder Willensschwäche geschrieben
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K.U.D.68 Gast
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Verfasst am: 09.11.2011, 15:47 Titel: Re: Erkrankung oder Willensschwäche |
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Hallo Karsten
wer versucht das nicht zuerst über den Willen Herrr der Lage zu sein.Ich zur damaligen Zeit schon.Hinterher ist man leider erst schlauer,und das Stigma Alkoholiker macht es auch nicht einfacher sich das einzugestehen.Wer will schon Alkoholiker sein.Die Betroffenen die es mit den Willen versuchen trocken zu bleiben haben ihre Krankheit (noch)nicht verstanden.Gruß Kay |
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| K.U.D.68 hat zum Thema: Re: Erkrankung oder Willensschwäche geschrieben
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uwe.rothaemel neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 26.05.2010 Beiträge: 392 Wohnort: Lauf a.d. Pegnitz
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Verfasst am: 09.11.2011, 16:20 Titel: Re: Erkrankung oder Willensschwäche |
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Ich denke, dich recht gut verstanden zu haben.
Fast jede und insbesondere psychische Erkrankungen, werden mit einem Charakterbild in Verbindung gebracht. Das Phänomen, hat meiner Meinung nach, im Wesentlichen damit zu tun, dass eine Auseinandersetzung mit den Ursächlichkeiten Schmerz bedeutet. Wenn ich mich von diesem Schema nicht gelöst habe, hilft mir jeder Wille nichts oder wenig. Die Akzeptanz der eigenen Unzulänglichkeit und die Annahme der Krankheit als solche, sind für mich die grundlegenden Ausgangspunkte, um dauerhaft abstinent leben zu können.
Nur Wollen ohne Reflexion des Ursprünglichen, macht mich nicht zufrieden.
Fühl mich weiterhin gesund LG – Uwe. |
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| uwe.rothaemel hat zum Thema: Re: Erkrankung oder Willensschwäche geschrieben
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juergenbausf neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.04.2011 Beiträge: 323 Alter: 47
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Verfasst am: 09.11.2011, 17:25 Titel: Re: Erkrankung oder Willensschwäche |
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@karsten,
äh - es hat immer mit dem Willen zu tun, ob ich abstinent bleibe.
Ohne den Willen wird es jedenfalls nix.
Wichtig ist meines Erachtens zusätzlich, zu begreifen, dass ich Alkoholiker bin und welches die dafür absolut notwendigen Massnahmen und Verhaltensweisen sind.
LG Jürgen |
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| juergenbausf hat zum Thema: Re: Erkrankung oder Willensschwäche geschrieben
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