Himbärchen neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 21.10.2011 Beiträge: 4 Alter: 29
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Verfasst am: 21.10.2011, 15:16 Titel: Meine co-abhängige Mutter trennt sich... was kommt jetzt? |
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Lange habe ich hier nur gelesen, jetzt habe ich mich endlich heute angemeldet, um endlich "konstruktiv" an meiner Geschichte zu arbeiten. Bitte verzeiht, wenn es etwas länger ist:
Mein Vater ist Alkoholiker. Seit dem ich ihn kenne. Also seit 28 Jahren. Meine Mutter ist über 30 Jahre diesen Weg mit ihm gegangen. Wir, also mein Bruder (24) und ich sind ebenfalls mitgegangen. Wir haben alles ertragen. Demütigungen, Beschimpfungen, Gewalt. Wobei es hier bei Gewalt wirklich nur sehr sehr selten vorkam. Im August 2005 bin ich ausgezogen. Mit meinem damaligen Freund zusammen, ich brauchte den Abstand zu meiner Familie, ich verstand mich nie besonders gut mit meiner Mutter, hatte immer das Gefühl ihr nie gerecht zu werden, mein kleiner Bruder wurde immer besser behandelt von ihr als ich. Nachdem ich ausgezogen war, wurde mein Verhältnis zu ihr schlagartig besser. Heute sind wir die besten Freundinnen. Wir teilen alles. Sie ist für mich da, ich für sie.
Kurz nachdem ich ausgezogen bin, bekam ich Panikattacken, meine Depressionen, die ich damals als solche nicht erkannte, wurden schlimmer, ich brach zusammen, landete im Krankenhaus, dann bei einer sehr lieben Ärztin, dann in der Therapie. Mit einer zweijährigen Unterbrechung bin ich auch heute noch dort. Gerade lerne ich wie eine Beziehung wirklich funkitioniert. Denn bis dato kam ich nur in Beziehungen zurecht, in denen der Mann mich fertig gemacht hat und ich mich so drehte und wendete, damit ich ihm bloß gefallen könnte. Vielleicht bemerkt ihr ja jetzt schon die Parallelen.
Mein Vater hat sich immer mehr von uns abgekapselt. Im März 2007 kam es zur Trennung mit meinem damaligen Freund, in meiner schlimmsten Phase mit Therapie und Antidepressiva betrog er mich, da trennte ich mich von ihm. Da wuchs auch meine Familie wieder zusammen, selbst mein Vater kam vorbei, versuchte mich zu trösten auf seine mehr oder wenige hilflose Art mit seinen Kindern umzugehen. Ab da dachte ich, aus unserer Familie wird vllt nochmal eine "richtige" Familie.
Ich zog mit meinem kleinen Bruder zusammen, auch um ihn von Zuhause wegzuholen. Er litt unglaublich unter der Situation Zuhause. Musste die Schule verlassen aufgrund schlechter Noten, betrank sich immer häufiger am Wochenende, rauchte Gras und war nur noch aggressiv Zuhause.
Die Ehe meiner Eltern war schon längst kaputt, aber meine Mutter schaffte es nicht sich endgültig zu trennen. Sie litt immer mehr, aber wenn sie mit uns zusammen war, blühte sie regelrecht auf. Sie, meine Oma (mütterlichseits), mein Bruder und ich wurden ein eingeschworenes Team. Mein Vater stellte sich selbst immer mehr ins Abseits, ich hatte bei mir klare Regeln in MEINEM Haus, benahm er sich daneben, trank er zuviel, wies ich ihn daraufhin, wenn es nicht besser wurde, schmieß ich ihn auch raus.
Aber es lief okay, es gab tatsächlich immer mehr Abende, an denen wir alle zusammen Spaß hatten. Mittlerweile is das nicht mehr so. Mein Vater hat sich vor einem Jahr komplett abgehängt, kommt nicht mehr uns besuchen, ist lieber alleine Zuhause, da kontrolliert ja keiner was und wie viel er trinkt.
Jetzt endlich hat meine Mutter sich entschieden auszuziehen, Ende des Jahres müssen sie sowieso aus der jetzigen Wohnung ausziehen. Sie zieht zu mir ins Haus, eine Etage unter mir, hat den Mietvertrag schon unterschrieben und muss es jetzt nur noch meinem Vater sagen. Das tut sie Ende Oktober.
Jetzt komme ich ins Spiel. Ich mache mir trotz aller Umstände wahnsinnige Sorgen wie er das auffasst. Habe Angst, dass er noch mehr abstürzt. Mein Vater ist seit Jahren arbeitslos, lebt auf Kosten meiner Mutter, geht nur nebenbei arbeiten, und auch nur auf 400 Euro Basis und nur dann wenn es draußen nicht zu kalt oder zuwarm ist. Warum auch, ist ja so viel bequemer auf Kosten meiner Mutter zu leben.
Ich habe schon viel hier gelesen im Forum der Co-Abhängigen und ich weiß für uns alle ist es das Beste, dass meine Mutter ENDLICH diesen Schritt geht. Trotzdem habe ich seit dem Alpträume und weiß auch nicht so wirklich, was ich tun soll. |
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Immergrün neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 18.03.2011 Beiträge: 145 Alter: 28
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Verfasst am: 21.10.2011, 16:37 Titel: Re: Meine co-abhängige Mutter trennt sich... was kommt jetzt? |
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Hallo Himbärchen,
willkommen im Forum. Ich habe am Anfang auch einige Zeit nur mitgelesen, das hilft schon sehr viel. Besonders man fühlt sich plötzlich nicht mehr alleine und unverstanden.
Du solltest versuchen, dir keine Sorgen um deinen Vater zu machen. Er ist doch erwachsen. Er kann entscheiden in welche Richtung sein Leben gehen soll. Ich weiß, es ist schwer. Wenn ich manchmal mein Vater seh, dann würde ich ihn gern bei der Hand nehmen und sagen, so macht man das. Aber das bringt nichts. Er versteht es einfach nicht. Der Alkohol bestimmt sein Leben. Wobei er sich eigentlich nur vor seinem Problemen versteckt.
Meine Mutter hat das ganze auch fast 30 Jahre mitgemacht. Wie konnte sie nur? Sie ist dann im April eine Etage über mir gezogen. Es ist irgendwie anstrengend, aber auch schön. Ich versteh mich mit ihr sehr gut, ich war immer froh darüber, dass wir uns so nahe stehen. Aber nur weil sie ausgezogen ist, heißt es nicht, dass sie sich von der ganzen Situation gelöst hat. Sie ist immer noch Co. Ich kann sie nicht zwingen, dass sie sich ändert und alles aufarbeitet. Aber ich muss aufpassen, dass sie mich nicht zu sehr bedrängt. Das sie ihrs macht und ich meins. Ich habe schnell gemerkt, dass wir uns voneinander abhängig gemacht haben. Wie zwei Verletzte, die sich gegenseitig gesund pflegen wollen…
Viele Grüße, Laura |
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Fleur sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.11.2010 Beiträge: 1291
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Verfasst am: 23.10.2011, 21:13 Titel: Re: Meine co-abhängige Mutter trennt sich... was kommt jetzt? |
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Hallo Himbärchen,
du schreibst ziemlich viel von deiner Mutter, von deinem Bruder, auch von deinem Vater.
Du warst für alle da und bist es noch für deine Mutter und deinen Bruder.
Obwohl es dir nicht gut ging, hast du das alles für sie getan. Wo bist du geblieben in der ganzen Zeit? Was hast du für dich unternommen, was hast du getan, damit es dir besser geht? Was tust du für dich?
Ich lese viel Verzweiflung aus deinen Zeilen. Du hast dir in den letzten Jahren nicht die Zeit und den Abstand für dich genommen, die du gebraucht hättest, um zu verarbeiten. Du kannst sie dir aber jetzt nehmen. Dass deine Mutter zu dir ins Haus zieht, sehe ich nicht unbedingt als Vorteil an.
Wie Laura geschrieben hat, die Coabhängigkeit deiner Mutter ist nicht plötzlich geheilt, dadurch, dass sie auszieht.
Weder für deinen Vater, noch für deine Mutter und auch nicht für deinen Bruder bist du verantwortlich. Alle sind erwachsen und können Entscheidungen für sich treffen, die du so akzeptieren musst.
Genauso kannst du Entscheidungen für dich treffen.
Ich wünsche dir, dass du deinen Weg gehen kannst - ganz unabhängig von deiner Familie.
Liebe Grüße
Fleur |
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