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Mein trockener Vater...   •    Ich lebe seit 11 Jahren...  
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Martin
Moderator
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Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 23.01.2007
Beiträge: 10047
Alter: 47
Wohnort: Frankfurt a. M.

BeitragVerfasst am: 29.09.2011, 18:50    Titel: Re: Kann ich zurück blicken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten,

wenn ich "Fehler" entdecke versuche ich auf diese aufmerksam zu machen.

Das erwarte ich genau so von auch anders herum, ich bin ja auch nicht perfekt.

Wichtig ist mir dabei der Respekt und der Ton in dem dieser Austausch dann stattfindet.

Ich kann auch Klartext reden/schreiben ohne gleich verletzend zu werden, das finde ich sehr wichtig.

Allerdings habe auch ich Grenzen, wer keine Hilfe möchte soll sich anderswo "unterhalten"

LG Martin
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Martin hat zum Thema: Re: Kann ich zurück blicken geschrieben
Manfred
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 15.12.2009
Beiträge: 1477
Alter: 54
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 29.09.2011, 19:44    Titel: Re: Kann ich zurück blicken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten,

ich bin kein „besserer“ Mensch, nur weil ich eine zeitlang trocken lebe.
Ich bin auch kein „besserer“ Mensch, als Menschen, die noch trinken müssen.

Trinken müssen war für mich die Hölle, nicht trinken müssen ist deshalb aber nicht gleich der Himmel.
Es gibt immer wieder solche und solche Tage.

Ich freue mich über jeden, der mit dem trockenen Leben beginnt.

LG Manfred
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Manfred hat zum Thema: Re: Kann ich zurück blicken geschrieben
klarerkopf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 31.12.2007
Beiträge: 122
Alter: 47
Wohnort: Österreich

BeitragVerfasst am: 29.09.2011, 21:22    Titel: Re: Kann ich zurück blicken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten und Forengemeinde,

ich schreibe hier, wie man ja sieht, eher selten, das hat aber keinen bestimmten Grund, nur den, daß ich etwas seltener vorm PC sitze.

Meine Meinung zu diesem Thema:

Ich werde wahrscheinlich die "Leidenszeit" eines angehenden Nichttrinkers oder von jemandem, der auf dem Weg dorthin ist, nicht verkürzen können, weder mit gutem Zureden, noch mit "harten Worten", wie es hier auch manchmal geschieht.

Ich für meinen Teil probiere mich in die Zeit zurückzuversetzen, als ich so weit war, und ich weiß von damals noch ganz genau, daß ich nicht darauf ansprach, wenn mir jemand "seinen Stempel aufdrücken" wollte, ob auf sanfte Weise oder auf die harte Tour.

Ich konnte mir am meisten rausholen, wenn ich durch nachfragen erfuhr, wie andere ehemalige Trinker ihren Weg gingen.

Gut, dazu gehört schon mal die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen.
Aber, meiner Meinung nach haben das ja auch viele, die sich hier anmelden, und ich glaube nicht, daß man mit einer Ausdrucksweise, die einen "überrumpelt", viel erreicht, denn, wie ich von mir noch weiß, hab ich zwar damals, koste es, was es wolle, mir geschworen, nicht mehr zu trinken, a b e r in irgendeiner Weise war ich mir trotzdem noch unsicher, zu oft bin ich mir bei diesen Vorhaben "untreu" geworden.

Deshalb halte ich es hier so, sorry für meine eher seltene Teilnahme, daß ich einfach meinen Weg erzähle und wenns nicht fruchtet, was solls.

Wenn der Weg eines Hilfesuchenden meinem ähneld, dann schreib ich, wie ich es machte, derjenige kann sich dann ein Bild davon machen und die Dinge rausnehmen, die er braucht.
Sehe ich, daß keine Reaktion darauf erscheint, dann kann ich auch nichts anderes tun, als mich aus diesem Thread zurückzuziehen.

Nicht zuletzt sehe ich diese Vorgangsweise auch als einen Teil meiner eigenen Trockenheitsarbeit, denn indem ich einem "Interessierten" meinen Weg vorgebe, hab ich wiederum ein paar Minuten genauer mit meiner Vergangenheit befasst.

Schönen Abend

klarerkopf
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klarerkopf hat zum Thema: Re: Kann ich zurück blicken geschrieben
juergenbausf
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.04.2011
Beiträge: 323
Alter: 47

BeitragVerfasst am: 29.09.2011, 21:41    Titel: Re: Kann ich zurück blicken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten, @all,

- Ich bin zuallererst für mich hier, um meine Abstinenz zu erhalten, zu stärken, Erfahrungen zu sammeln, Gedanken auszutauschen.

- Erst dahinter kann und darf sich das Bedürfnis einreihen, anderen Menschen zu helfen.

- Wenn jemand erkennbar interessiert an seiner Abstinenz arbeitet, so kann ich ihm auch helfen, sei es durch Feedback, eigene Erfahrungen, mutmachende Worte, einfach da sein, eine Beziehung entwickeln.
- Wenn jemand erkennbar seine Abstinenz nicht als höchste Priorität einordnet, dann gebe ich ihm klar zu verstehen, daß er von mir keine Unterstützung seines Trinkens zu erwarten hat. Ich werde nicht dazu bereit stehen, ihm Gründe für sein Saufen abzukaufen, ihn in seinem Jammertal zu bemitleiden, ihm jeden Tag seiner Trinkpause mitzuzählen. Die nackte Wahrheit hat noch keinem geschadet.

LG Jürgen
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juergenbausf hat zum Thema: Re: Kann ich zurück blicken geschrieben
uwe.rothaemel
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 26.05.2010
Beiträge: 392
Wohnort: Lauf a.d. Pegnitz

BeitragVerfasst am: 29.09.2011, 22:11    Titel: Re: Kann ich zurück blicken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten
Ein sensibles Thema. Vor allem wenn ich mich mit meiner Hilflosigkeit beim Helfen auseinandersetzte. Das ist für mich eine Grundvoraussetzung, um überhaupt angemessen Hilfe leisten zu können. Gerade im Bereich der Betroffenenkompetenz ist die Gefahr beim „Helfen Wollen“ sehr hoch, dass die Motive im Verdrängen der eigenen Bedürftigkeit liegen.
Natürlich ist es ein ehrbares Ziel, anderen auf ihren Weg helfen zu wollen. Ich bezeichne mich gerne als „naiven Idealisten“, der das auch leisten kann. Ich muss (wirklich muss) dabei aber für mich immer wieder meine Beweggründe hinterfragen – nach egoistischen Gründen fahnden. Wenn ausschließlich nur die Suche nach Anerkennung Gegenstand meines Handelns ist, angebliche Selbstlosigkeit den Ausschlag gibt, werde ich mit mir vorsichtig und hellhörig. Dann befinde ich mich gerade wieder auf meinem Irrweg.
Das heißt nicht, dass ich gelegentlich in diese Falle trete. Ich projetziere dann meine eigenen Ängste auf andere, lasse schwer andere Meinungen zu und reagiere trotzig auf Kritik. Fallstricke des Egos.
Der professionelle Helfer hat sein Honorar als Dankeschön. Das gibt es in der Selbsthilfe nicht. Ich habe dann schon mal versucht, wie in der Anleitung zum unglücklich sein oder dem Leitfaden zur Sucht: mehr vom Selben! Kein wirklich kluger Lösungsansatz.
Ich denke auch, dass jeder dieselben Chancen bekommen soll, die ich auch hatte. Doch dabei führt kein Weg an der Eigenverantwortung vorbei. Ich kann es vorleben und dabei möglicherweise jemanden mitnehmen.
Jeder hat sein persönliches Tempo bei der Aufarbeitung der eigenen Lebenssituation – Du, Ich etc. Der Prozess ist zu komplex um den zeitlichen Rahmen einzugrenzen.
Ich hätte es gerne anders. Das ist aber realitätsfremd. Damit umzugehen ist die Herausforderung und ich denke dass ich dies im Rahmen der Selbsthilfe ganz gut hinbekomme.
Gruß Uwe
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uwe.rothaemel hat zum Thema: Re: Kann ich zurück blicken geschrieben
Gela10
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 18.05.2011
Beiträge: 330
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 01.10.2011, 17:09    Titel: Re: Kann ich zurück blicken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten,

Deine Frage richtet sich zwar hauptsächlich an trockene Alkoholiker, doch ich vermute mal, als EKA gehts mir da nicht so viel anders.

Über die Frage, ob ich zurückblicken kann, habe ich das ein oder andere mal nachgedacht und dabei folgendes festgestellt.

Ich hab jetzt 10 Jahre Abstand. Das ist eine relativ lange Zeit. Ich habe immer gedacht, ich habe das alles verarbeitet und kann offen über alles reden. Bis ich wirklich mit einem EKA über manche Dinge redete. Dabei fiel mir auf, dass ich zwei Arten von zurückblicken habe. Bei der ersten Art blicke ich auf die damaligen Situationen zurück, ohne mich in meine damalige Gefühlswelt zurückzuversetzen. Da ich heute ein erwachsener Mensch bin, kommt mir das dann alles nicht sooooo schlimm vor und so werde ich auch jedem, der mich fragt, sagen, dass das nicht soooo schlimm war. Steckt heute jemand in einer ähnlichen Situation mit meinem damaligen "Entwicklungsstand", kann ich seine Not nicht erkennen und reagiere entsprechend.
Die zweite Art ist, mich auch an meine damaligen Gefühle zu erinnern. Als ich damit vor kurzem begann, nahm mir das schier die Luft zum atmen und ich hatte nen dicken Kloß im Hals. Es kam recht unvorbereitet und schmiss mich fast um. Ich musste mich bewusst dran erinnern, dass ich heute nicht mehr drin stecke und das deshalb gefahrlos zulassen kann. Erst dann konnte ich mich mit meinen damaligen Gefühlen auseinandersetzen und erst dann habe ich Menschen, die heute in meiner damaligen Situtaion stecken, wirklich und echt verstanden.

Gruß Gela
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Gela10 hat zum Thema: Re: Kann ich zurück blicken geschrieben
clara nocte
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 03.07.2011
Beiträge: 31

BeitragVerfasst am: 02.10.2011, 01:10    Titel: Re: Kann ich zurück blicken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich sehe das so: Selbsthilfe und Hilfe (anderer) fallen doch zusammen, zumindest, was das Schreiben hier im Forum angeht (und meiner Meinung nach auch darüber hinaus, aber das ist nicht das Thema.)

Deshalb verwundert mich auch die Meinungsverschiedenheit zwischen dir Karsten, und dir, Spedi, so sehr. Die Frage danach, mit welchem Vorhaben man nun hier im Forum ist, ist eigentlich eine Scheinfrage. Wenn Spedi sagt "ich bin ausschließlich hier, um mir selbst zu helfen" und Karsten "vorrangig anderen helfen" möchte, geht es dabei doch gar nicht um die akute Intention des eigenen Schreibens hier, sondern vielmehr um einen persönlichen STIL, um die Art, mit der eigenen Trockenarbeit umzugehen.
Die Art, mit der man anderen hier im Forum authentisch gegenüber treten kann, ist auch stets die Art, mit der man mit seiner eigenen Trockenarbeit umgeht.
Hat jemand zum Beispiel eine "knallharte" Art, und spricht sich, wie Spedi, dafür aus, "frisch von der Leber weg" zu sprechen, dann ist diese Art auch Bestandteil des Weges, den er selbst für sich brauchte, um trocken zu werden (und zu bleiben).

Jeder kann in dem Maße und auf die Art helfen, wie er sich selbst helfen kann. Nicht mehr, und nicht weniger.

Aus diesem Blickwinkel heraus verschwindet auch die Notwendigkeit einer Unterscheidung zwischen Hilfe und Selbsthilfe. Die Dynamik des Ausstausches in einem solchen Forum läuft einfach, egal ob Hilfe/Selbsthilfe intendiert ist, von alleine ab.
Man kann auf viele Arten lernen, und dafür ist es nicht unbedingt notwendig, mit einem Gegenüber zu tun zu haben, der vorrangig helfen will. Vielleicht schaut man sich auch etwas ab, was für einen selbst passend scheint, zB zu sagen: "Ich bin für mich selbst hier" ...

LG
clara
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clara nocte hat zum Thema: Re: Kann ich zurück blicken geschrieben
kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4741
Alter: 53
Wohnort: beiM

BeitragVerfasst am: 07.10.2011, 13:40    Titel: Re: Kann ich zurück blicken Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Karsten,

als ich hier auflief, da war das wie, hier gibt es das, was ich gerade brauche und sonst wo gibt es das nicht, kein Arzt, kein Therapeut kann mir wirklich helfen, die Menschen hier, das Geschriebene und Schreiben schon.

Dahinter verbarg sich die Unfähigkeit einfach etwas ändern zu können. Die Unfähigkeit weder gedanklich zu erfassen worum es überhaupt ging, noch die Bereitschaft loszulassen und den Erfahrungen hier schreibender Personen bedingungslos zu folgen.
In meinem Verständnis war ich radikal, wenn ich heute nachlese, sieht das ganz anders aus.

Das war umso komplizierter, je mehr es sich nicht auf stoffliche, greifbare Dinge beschränkte, sondern auf Gedanken, die ja vollkommen in Ordnung zu sein schienen, bis sie wieder aus dem Lot waren, einfach so, aus heiterem Himmel. So dauerte es eben über 3 Jahre und die hören ja nicht mehr auf.

Früher wurde einem Dieb die Hand abgeschlagen, da war es vorbei mit in die Taschen langen. Die Ursache des Hungers, der Gier, was auch immer, war damit aber nicht behoben und so sehe ich das mit der Trockenheit auch. Was im Kopf passiert, ist durch Hand abhaken weniger beeinflussbar, das dauert.

Meine Krankheiten als Schutz zu sehen und so zu leben, dass der Organismus sich vor mir und meiner Umwelt nicht mehr schützen muss, dauerte. Ich kenne die Schritte, die Grundsteine, ganze Wege bis zu Wolkenkratzern und das sind alles nur Bruchteile von dem, was in und mit mir abläuft. Es bleibt ein Geheimnis und was sind da paar Jahre mehr oder weniger.

Indem ich hier schreibe Stelle ich fest, dass mir das gut tut.

Es erfreut mich, wenn der eine oder andere erkennt, dass der Kern seines Schreibens der Weg aus seiner Beschränkung ist.

Damit habe ich ihm vielleicht geholfen, das tut mir gut, auch wenn ich mir dann was Krankes anhängen lasse. Darauf kann ich heute einen lassen, als ich hier ankam hätte mich das betroffen gemacht.

Du schaffst es nur alleine, aber alleine schaffst du es nicht, heißt es ja auch.

Meine Partnerin spricht von Suchtverlaberung, wenn alles zerredet, angedichtet und hinterfragt wird. Meine Feststellung ist, dass die, die aufhören festzuhalten und auf dem Weg sind, beim Kern bleiben und dann hört vieles einfach von ganz alleine auf, daran arbeite ich dann mal weiter, das dauert.

LG Kaltblut
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kaltblut hat zum Thema: Re: Kann ich zurück blicken geschrieben

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