| Umgang mit Scham • Zuerst einmal ein herzliches Hallo |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32810 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
|
Verfasst am: 05.09.2011, 07:14 Titel: Ziele definieren |
|
|
Hallo,
ich habe in den letzten Tagen oft festgestellt, dass hier im Bereich der Angehörigen und Coabhängigen die eigenen Ziele des Erfahrungsaustausches nicht wirklich klar sind.
Deshalb möchte ich mal die Frage aufwerfen, was denn der oder die Einzelne für ein Ziel hat?
Sicherlich helfen auch Situationsbeschreibungen, um sich mal alles von der Seele schreiben zu können, aber auf langer Sicht möchte man doch mit so einem Erfahrungsaustausch etwas erreichen oder?
Auch hier wieder für Gäste die Möglichkeit, einen Kommentar zu diesem Thema abgeben zu können:
Was sind meine Ziele?
Gruß
Karsten |
|
| Nach oben |
|
| Karsten hat zum Thema: Ziele definieren geschrieben
|
|
 |
Clärchen aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.05.2011 Beiträge: 952 Alter: 41 Wohnort: Hessen
|
Verfasst am: 05.09.2011, 07:33 Titel: Re: Ziele definieren |
|
|
Guten Morgen Karsten!
Mein persönliches Ziel ist klar, ich möchte mein Leben wieder für mich haben. Und das heisst nicht unbedingt dass ich mich trennen muss. Das heisst aber dass ich mich unbedingt von meiner Sucht befreien muss. So wie er es auch gerade tut. Und ich muss erkennen dass jeder von uns ein dickes Problem hat an dem wir jeder selbst arbeiten müssen. Denn es war für mich der grösste Schritt zuerkennen dass mein Problem sich nicht in Luft auflöst wenn er aufhört zutrinken.
Meinen Weg finden hat für mich Priorität, wenn er dann mit seinem wieder zusammen führt, perfekt, wenn nicht bin ich aber trotzdem für mich den richtigen Weg gegangen!
Uff, schweres Thema am frühen Morgen!
Liebe Grüsse und einen schönen Tag für alle! Clärchen  |
|
| Nach oben |
|
| Clärchen hat zum Thema: Re: Ziele definieren geschrieben
|
|
 |
Aurora sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.05.2007 Beiträge: 5776 Alter: 53 Wohnort: Berlin
|
Verfasst am: 05.09.2011, 10:05 Titel: Re: Ziele definieren |
|
|
Guten Morgen Karsten,
meine Ziele, als ich hier ankam, das ist ja schon ein paar Tage her, waren in etwa folgende.
Ich wollte mich austauschen mit Menschen, die meine Problematik auch kannten. Davon versprach ich mir, Dinge zu erkennen und auch zu klären. Ich war sehr unsicher, am Anfang, verstand vieles nicht und war erstaunt, wie viel ich im Endeffekt selbst mit der ganzen Sucht zu tun hatte.
Ich erhoffte mir (und bekam) hier Unterstützung dabei, mich von meinem Exmann zu lösen und meine eigene Coabhängigkeit zu erkennen, dadurch konnte ich nach und nach einen Batzen Lebensfreude erlangen.
Meine Ziele änderten sich im Laufe der Zeit und im Laufe meiner Entwicklung.
Ging es mir zuerst darum, zu lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, mich zu lösen und zu erkennen, ging es dann darum, mein neues Leben zu festigen, mein erwachtes Selbstvertrauen zu stärken und mich zu festigen. Ich wurde immer sicherer. Und bekam dafür hier eben auch das, was ich dafür brauchte. Austausch, Lob für meinen gegangenen Weg, die Gelegenheit, im geschlossenen Bereich in meinem Tagebuch aufzuschreiben, was mich bewegt. Und dadurch mich noch besser sortieren zu können.
Inzwischen habe ich viele Ziele erreicht. Ich lebe ein Leben, was sich auch so nennen kann. Ich bin glücklich in einer neuen Ehe. Ich erkenne meine alten Muster und habe gelernt, sie immer schneller zu umgehen. Manche konnten schon in neue Muster umgewandelt werde.
Jetzt sind meine Ziele auch wieder anders. Ich möchte das Erreichte stabilisieren und ausbauen. Ich möchte mich weiterhin austauschen, mit Mitbetroffenen, weil es mich immer wieder auf dem Boden der Tatsachen hält. Ich möchte meine gelebten Erfahrungen weitergeben. Es gibt also immer wieder Ziele für mich, immer was Neues, das Leben ist spannend und im Fluss. Stillstand hatte ich lange genug...
Aurora |
|
| Nach oben |
|
| Aurora hat zum Thema: Re: Ziele definieren geschrieben
|
|
 |
Hanna2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.06.2010 Beiträge: 284 Alter: 47
|
Verfasst am: 05.09.2011, 10:32 Titel: Re: Ziele definieren |
|
|
Hallo Karsten,
ich glaube auch, dass es je nach Phase der Entwicklung unterschiedliche/andere Ziele gibt, so wie Aurora es erläutert hat - sog. Etappenziele.
Mein vorangiges momentanes Ziel aufgrund der noch frischen Trennung und der noch frischen Verletzungen ist es, nicht im Sumpf der Trauer zu versinken, nicht rückfällig zu werden und erst einmal konsequent zu bleiben.
Dieses Forum hier ist mein Rückhalt, mein Not-Stopp, meine Anlaufstelle, hier sind die, die mich trösten und mir den Kopf zurecht rücken können, falls erforderlich - denn das, was geschehen ist und in meinem Inneren abläuft, kann so wirklich sonst niemand verstehen, der nicht selbst betroffen war oder diese Thematik kennt. Für die meisten in meinem Umfeld gilt: Alkoholiker? Dich schlecht behandelt? Also Ende, Schluss, keinen Gedanken mehr daran verschwenden, ist doch einfach !.....
Ein weiteres Ziel, die Grenzen sind ja fließend, ist es, die Ursachen meiner Co-Abhängigkeit zu erkennen. Wieviel Co ist denn in mir, wie lange schon und ist es wirklich nur oder ausschließlich Co-Verhalten oder ist da noch was anderes, was in meiner Geschichte begründet liegt.
Und wie kann ich das für die Zukunft vermeiden.
Liebe Grüße,
Hanna |
|
| Nach oben |
|
| Hanna2010 hat zum Thema: Re: Ziele definieren geschrieben
|
|
 |
eklisee sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 13.08.2011 Beiträge: 1035 Alter: 42
|
Verfasst am: 05.09.2011, 10:34 Titel: Re: Ziele definieren |
|
|
Hallo alle zusammen.
Ich muss Clärchen Recht geben, schwieriges Thema am frühen Morgen (habe heute mal noch frei u. bin mächtig erkältet). Zumal auch ich oft den Eindruck habe, mich mit der Lösung meines Problems im Kreis zu drehen. Ich finde es gut, dass man mit diesem Denkanstoß mit der Nase nochmal „draufgedupst“ wird.
Kann sein, dass wir es mit dieser Co-Abhangigkeit fast schwieriger haben, als die Alkoholiker selber. Wir können die uns von der Droge nicht einfach entgiften oder sie ablegen, um dann von vorn ein neues Leben anzufangen.
Meine Situation ist da fast die gleiche wie die von Clärchen. Somit könnte ich sie auch fast gleich beschreiben, auch meine Ziele.
Ich möchte leben, mein eigenes ICH sein. Ich möchte mich nicht mehr so krank und mies fühlen.
Jetzt erst, wo er nach Jahren endlich was gemacht hat gegen sein Problem, merke ich, wie sehr es in diesen Jahren zuvor an meiner Kraft gezehrt hat und was es mit mir gemacht hat. Vorher wollte ich es nicht wahr haben. Es ist, als hätte ich ihn aus seinem Loch geholfen und bin selber reingesprungen. Ich strample u. strample, um da auch wieder rauszukommen, aber irgendwas zieht mächtig von unten.
Während er mit seiner Euphorie an seinem neuen Leben arbeitet und nach vorn schauen möchte, habe ich das Gefühl, uns alle beide auszubremsen. Gerade, weil er unbedingt der Ansicht ist, dieses neue Leben nur mit mir führen zu können, was mich sehr unter Druck setzt.
Deshalb bin ich hier im Forum, um zu sehen, wie das andere geschafft haben, mir dadurch neue Sichtweisen zu diesem Thema anzueignen, und auch wie mit Clärchen, (sie ist wie Spiegel für mich), Erfahrungen auszutauschen, die uns ja gegenseitig auch weiterhelfen.
Wenn ich einige Geschichten hier lese, von Forumteilnehmern, welche ihren Weg schon weit geschafft haben, die mich auch mit Antworten zu meinem Thema sehr unterstützen, finde ich neue Kraft, nach vorn zu schauen und nicht stehenzubleiben in meiner Entwicklung.
Da sehe ich inzwischen, dass Aurora sich gemeldet hat. Gerade auch ihr Weg zeigt mir, wie man es bei aller Schwierigkeit schaffen kann und unterstützt mich sehr auf meinem Weg.
Ja, da ernährt sich auch bei mir das Eichhörnchen nur mühsam, weil bei mir auch noch andere erschwerende Faktoren dazukommen. Aber ich will und werde es schaffen, meinen Weg eines Tages für mich zu finden.
LG Eklisee |
|
| Nach oben |
|
| eklisee hat zum Thema: Re: Ziele definieren geschrieben
|
|
 |
Grazia aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.11.2007 Beiträge: 767 Alter: 46 Wohnort: By
|
Verfasst am: 05.09.2011, 11:10 Titel: Re: Ziele definieren |
|
|
Hallo Karsten
Ich bin hier im Moment solcher Verzweiflung gekommen, dass mein Ziel damals war : Hilfe um zu überleben. Ich wusste gar nicht was mich hier erwartet, aber ich habe mich an jeden Strohhalm geklammert die ich noch mit letzter Kraft fassen konnte.
Als ich hier mich ein bisschen eingelesen hab, und erkannt habe dass ich Co bin (dass es überhaupt sowas wie co gibt!) dann war mein Ziel : mich davon zu lösen. Ich erkannte wie krank ich war und wollte wieder gesund werden.
Dieses Ziel verfolge ich immer noch.
Klar, der Gedanke, hier konnte ich das rezept bekommen, wie mein Ex trocken wird, war kurzzeitig auch da. Aber nicht sehr lange.
Wichtig war für mich, und das vermisse ich bei einigen hier, ich habe mich darauf eingelassen, voll und ganz.
Ich nahm soviel von der Erfahrung anderer wie ich nur nehmen konnte.
Und dafür danke ich Euch allen.
LG Grazia |
|
| Nach oben |
|
| Grazia hat zum Thema: Re: Ziele definieren geschrieben
|
|
 |
Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32810 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
|
Verfasst am: 05.09.2011, 11:16 Titel: Re: Ziele definieren |
|
|
Hallo Grazia,
klar weiß man am Anfang nicht, was einen vielleicht erwartet, aber wenn man über die Antworten schon mal nachdenken kann und nicht von vornerein in Frage stellt, haben wir hier schon viel erreicht.
Hilfe annehmen setzt eben auch voraus, dass man Hilfe möchte und das zeigst du ja hier sehr gut.
Gruß
Karsten
_________________________________________________________________________________________________
Sponoren |
|
| Nach oben |
|
| Karsten hat zum Thema: Re: Ziele definieren geschrieben
|
|
 |
Sonnenblümchen neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 14.12.2010 Beiträge: 124
|
Verfasst am: 05.09.2011, 11:35 Titel: Re: Ziele definieren |
|
|
Hallo an alle und mittlerweile Mahlzeit ,
was sind MEINE Ziele? Das ist eine gute Frage. Auch ich habe mich hier als Angehörige angemeldet, um das ultimaltive Rezept zum Austrocknen zu bekommen. Damals stand eine Trennung, egal wie, gar nicht zur Debatte. Kognitiv verstanden, daß es halt darauf hinausläuft, hinauslaufen muß (und es muß ja nicht mal unbedingt die Trennung vom Partner, aber wenigstens doch das Herauslösen der eigenen Gedankenwelt aus der Suchtbeziehung sein), hatte ich, aber ich dachte doch, er liebt und braucht mich...
Daß ich hier keinen Zaubertrank (sorry für das Wortspiel) zum Entsuchten bekomme, wurde mir schnell klar. Ich fühlte mich unverstanden, Dinge wie "Ja, merkt Ihr denn nicht, daß ich nicht wirklich gehen will, ich liebe ihn doch" und "Nein, meiner ist anders, der wird trocken" gingen mir durch den Kopf. Auch hier sah ich ein, daß es eben nicht so ist.
Womit Ziel 1 erreicht wurde: Ich begann, mich nach einer längeren Pause wieder mit mir zu beschäftigen, ließ und lasse all die unangenhmen Gefühle wie Machtlosigkeit, Angst, Wut usw. zu.
Nächstes Ziel, von dem ich mir wünsche, daß ich es erreiche, ist die Loslösung vom doch immer mal wieder aufkommenden schlechten Gewissen.
Etappenweise, dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.
LG |
|
| Nach oben |
|
 |