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Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an?

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reset2011
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Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.08.2011
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BeitragVerfasst am: 29.08.2011, 11:41    Titel: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Zitat:
Spricht da das kleine, einsame Kind? Du bist schon groß und kannst dich um dich kümmern.
Oder du kannst weiterhin viel viel Energie in deine Familie stecken, ohne je die gewünschte Resonanz zu erhalten.

Im ersten Fall wirst du lernen, nicht mehr von der Reaktion deiner Eltern abhängig zu sein. Du wirst selbstständig. Auch gefühlsmässig.


Danke, ich finde es sehr gut, wenn jemand Klartext mit mir redet. Und Du hast ja sowas von Recht! Natürlich sprach da wohl das kleine Kind und nicht ICH HEUTE. Die Erwachsene, die eigenverantwortlich für sich selbst handelt und entscheidet.

Erstaunlich, was ich hier schon alles gelernt habe, durch so einfache Sätze und Erkenntnisse, die manchmal eben erstmal von jemand Ausstehendem gesagt werden müssen. Smilie

Danke dafür Smilie
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reset2011 hat zum Thema: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? geschrieben
reset2011
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.08.2011
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BeitragVerfasst am: 31.08.2011, 16:48    Titel: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Mitgefühl ist nicht gleich Mitleid ...

Mein Vater ist jetzt ja in einer Klinik für 2 bis 3 Wochen zur Entgiftung. Ist ihm wohl auch sehr schwer gefallen, was ich irgendwie auch gut nachfühlen kann.

Ist es denn RICHTIG Mitgefühl mit einem Alkoholiker zu haben?
Mitleid ist für mich nicht das richtige Gefühl, da ich dann schnell ins Muster verfalle, etwas für IHN tun zu wollen - zu helfen.

Aber ich kann gut nachfühlen, wie schwer es auch sein muss, zu erkennen, das man sein Leben so verschenkt - versoffen - hat. Mein Vater trinkt ja schon seit seeeeehr langer Zeit. Wie lange wirklich auch täglich, weiß wohl nur er selbst.

Ich frage mich jetzt, wie ein Alkoholiker sein Leben betrachtet, wenn er plötzlich nichts mehr trinkt? Auf einmal so viel Zeit hat, über sich und seine Umwelt nachzudenken?

Mein Vater ist sowieso "von Natur aus" schon nie in der Lage gewesen, sich selbst zu reflektieren oder an sich selbst was zu ändern. Sonst wäre er wohl auch nicht Alkoholiker geworden, nehme ich an.

Ich wünsche für IHN als Mensch - nicht als mein Vater - das er sein Leben anpackt und sich jetzt endlich weiterentwickeln will.

Oder ist es nach 20, 30, vielleicht sogar 40 Jahren Sauferei überhaupt noch möglich ANDERS zu sein? OHNE den "einzigen Freund" Alkohol? Er ist ja 60 geworden und mir fällt es schwer zu glauben, das ER jetzt noch bereit ist wirklich zu ändern, was geändert werden MUSS.

Darf man hoffen? Oder sollte ich lieber von vornherein zu mir selbst sagen "vergiss es, setze keine Hoffnung in Deinen Vater, es wird eh nichts werden"... leider tendiere ich deutlich zum letzteren... auch wenn mir es für IHN als MENSCHEN seeeeeehr leid tut...

Und da ist es doch ... das Mitleid... Traurig da werde ich wohl nie aus meiner Haut können...

Etwas gutes gibt es doch noch: meine Mutti kommt nun doch dieses Weekend zu Besuch, wie geplant und fährt nicht "lieber" zu IHM in die Klinik. Sie hat auch diese Woche einen Termin bei der Beratungsstelle und hat mittlerweile schon so viel Mut bewiesen, wie ich es mir kaum vorstellen konnte.

Sie hat mit ihren Kolleginnen und der gesamten Familie schon offen darüber gesprochen und steht endlich zur Wahrheit und zu sich selbst! WOW - darauf bin ich wirklich stolz. Und auch darauf, das öfter auch von ihren Kolleginnen Aussagen kamen wie "Deine Tochter hat das genau richtig gemacht, ich hätte auch den Kontakt zu IHM abgebrochen"... und meine Mutti selbst hat sich bei mir bedankt und überall erzählt, das sie mir dafür unendlich dankbar sei, durch meine Beharrlichkeit und konsequente Haltung zu diesem Thema, sie dazu bewegt zu haben, ENDLICH was zu unternehmen! Sie selbst hat schon seit Jahren darüber nachgedacht, aber sich nie getraut es zu wagen oder auszusprechen...

STOLZ ist auch ein schönes Gefühl...!!! Und das bin ich heute zumindest...!

Danke fürs zuhören.. bzw. lesen...
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reset2011 hat zum Thema: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? geschrieben
Melinak
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.12.2008
Beiträge: 5012
Alter: 40

BeitragVerfasst am: 31.08.2011, 17:43    Titel: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo reset,

mir brachte das mich ausseinandersetzen mit dem mitleid und mitgefühl soweit weiter, als ich erkennen musst, das beide gefühle das gleiche auslösten. hilflosigkeit, angst und sorge um den andeen. ich spürte förmlich das leid des anderen und versuchte für ihn was zu verändern, damit es ihm wieder gut geht. das war nicht der gesunde weg ich wurde krank.

als ich dann das mitgefühl und mitleid dann aufarbeitete und versuchte mich dafon zu löse kam bei mir dieses andere das emphatische hoch. mit emphatie distanciere ich mich automatisch vom anderen, bleibe einfühlsam, dennoch sind das dann meine gefühle und nicht mehr die des anderen die mich bewegen. da bleibt auch seins bei ihm. damit kann ich inzwischen besser umgehen.mit meinen eigenen gefühlen komme ich inzwischen soweit klar. die sind teil meines lebens.daran kann ich auch gennerell selbst arbeiten.

lieben gruß melanie
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Melinak hat zum Thema: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? geschrieben
Immergrün
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 18.03.2011
Beiträge: 145
Alter: 28

BeitragVerfasst am: 01.09.2011, 11:26    Titel: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo reset,

Ich weiß nicht, ob es für mich einen Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl gibt. Ich glaube, ich empfinde da ähnlich wie Melanie. Egal wie ich es nenne, es löst das gleiche aus. Ich will solche Gefühle zurzeit nicht an mich ranlassen, weil ich dann helfen will, und werde wieder enttäuscht, weil ich nicht helfen kann. Dadurch sag ich grad sehr viel „ist mir egal“, und vermutlich nervt es einige schon. Aber damit müssen sie leben. Sicher wenn jemand ein Problem hat, hör ich zu, und weise ihn nicht ab, aber ich pass auf, dass ich nicht anfangen, helfen zu wollen.

Ich kann deine Gedankengänge aber gut verstehen. Weil es scheint, als seien auch deine Eltern dabei, eine Veränderung vorzunehmen. Ich überlege viel, ob ich mit meiner Mutter Mitleid habe. Immerhin hat sie erkannt, dass es nicht das Beste für uns war, mit meinem Vater zusammen zubleiben, und ist der Meinung, dass alles ihre Schuld ist. Diese Schuld würde ich ihr gerne abnehmen, weil ich schon mitfühlen kann, wie sie sich fühlt und wir uns sehr nahe stehen. Aber das kann ich nicht. Ich kann nicht so tun, als sei alles gut. Deshalb sage ich, wir müssen nicht darüber reden, aber wenn sie darauf besteht, werde ich das sagen, was ich denke und fühle. Dennoch will ich ihr nichts vorwerfen. Weil was nützt mir Schuld?

Mit meinem Vater Mitleid habe ich nicht, warum auch, er lebt ja weiter wie bisher. Er will gar nicht vom Alkohol weg. Klingt vielleicht hart, aber ich kann ihm nicht dabei zusehen, wie er trinkt und so tut als ob alles gut ist.

Meine Mutter hat ja auch erst was unternommen, als ich den Kontakt minimieren wollte. Und ich war damals nicht stolz, dass sie es gemacht hat. Ich war wütend. Und mir ist immer wieder die Frage durch den Kopf gegangen: Warum erst jetzt?

Ich versuche nicht mehr ihr Verhalten zu beurteilen, weil ich dann etwas von ihr erwarte. Und wenn sie dann Dinge anders macht, als ich es mir denke, bin ich enttäuscht. Wobei ich sie vermutlich gerade auch öfters enttäusche, weil ich nicht so handel, wie sie es erwartet...

Ich versuche gerade viel Abstand zu anderen zu lassen. Ich glaube einfach, dass ich da noch viel Zeit brauche. Ich will erstmal einen gesunden Egoismus entwickeln, damit ich mich nicht mehr von anderen abhängig mache.

Liebe Grüße, Laura
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Immergrün hat zum Thema: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? geschrieben
reset2011
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.08.2011
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Alter: 33

BeitragVerfasst am: 01.09.2011, 17:39    Titel: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Gesunder Egoismus! Das ist das richtige.

Für mich war es bis vor kurzem auch sehr komisch, wenn ich "nur an mich gedacht" habe. Fühlte mich gleich so eigennützig, egoistisch und fies anderen gegenüber.

Aber genau das ist es was jeder von uns braucht: eine ordentliche Portion "gesunden Egoismus" zum mitnehmen bitte! Smilie

Fällt nur sehr schwer, wenn man sein Leben lang immerschon das Wohl der anderen in der Familie oder im Freundeskreis im Blick hatte. Nur bei einem selbst gelang es einem nie, Dinge die falsch laufen zu benennen und zu ändern, anzupacken. Alle anderen haben immer herrlich profitiert von den klugen Ratschlägen, die ich mir stundenlang im Kopf überlegt hatte, um "HELFEN" zu können.

Das ist schon richtig - helfen kann man sowieso nur sich selbst - und da sollte wir jetzt endlich mal anfangen. Ich bin schon auf dem Weg... aber Rückschläge gibt es natürlich und ganz sollte man dieses Mitfühlen ja auch nicht abstellen, dann hat man bald auch niemanden mehr um sich rum.

Obwohl ich selbst einen guten Freund habe, der suuuuper egoistisch ist und wirklich bei fast allen Handlungen nur auf seinen Vorteil daraus bedacht ist. Dieser Freund hat aber selbst viele gute Freunde, und keiner nimmt ihm diese Art überhaupt nur im Ansatz übel!? Da er sonst so charmant und hilfsbereit ist - ist seine Art von Egoismus sogar irgendwie toll und bezeichnet ihn als Menschen. Der aber eine sehr gute und treue Seele hat.

Davon würde ich mir manchmal gerne eine dicke Scheibe abschneiden.
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reset2011 hat zum Thema: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? geschrieben
oldie
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 23.11.2009
Beiträge: 345
Alter: 65

BeitragVerfasst am: 02.09.2011, 08:18    Titel: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Zwei Gedanken:
- Du sagst, du hättest sehr lange an der Vorbereitung des Geburtstages deines Alko-Vaters gearbeitet. Welche Motive hast du dafür?

- Nach der Beschreibung des Verhaltens deines Freundes finde ich Ähnlichkeiten mit meinem Lebenslauf. Paß auf dich auf!
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oldie hat zum Thema: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? geschrieben
reset2011
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 16.08.2011
Beiträge: 23
Alter: 33

BeitragVerfasst am: 02.09.2011, 11:06    Titel: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

oldie hat Folgendes geschrieben:
Zwei Gedanken:
- Du sagst, du hättest sehr lange an der Vorbereitung des Geburtstages deines Alko-Vaters gearbeitet. Welche Motive hast du dafür?

- Nach der Beschreibung des Verhaltens deines Freundes finde ich Ähnlichkeiten mit meinem Lebenslauf. Paß auf dich auf!


Hallo Oldie,

zum Thema "Geburtstagsvorbereitung für meine Alko-Vater":
- Hier war es das alt erlernte Verhalten aus meiner Kindheit, das ich alles super machen wollte
1. um endlich mal die gebührende Anerkennung zu bekommen. Und wenn diese dann mal kam, konnte ich damit eigentlich auch garnichts anfangen oder mich gar freuen
2. um durch immer aufwendigere Aktionen, Geschenke oder lang geplante Ausflüge meine Mitmenschen - gerade meine Eltern - zu begeistern und mitzureißen

Beides klappt bei meiner Mutti immer super ... bei meinem Vater... naja... man kann es sich vorstellen, wie die Begeisterungsfähigkeit und Dankbarkeit eines Alkoholikers gegenüber seiner Familie so aussieht...

Zum Glück, habe ich die Feier ja für mich persönlich abgesagt und war nicht dort! Das hat mir nochmal einen letzten Kick gegeben, für mich selbst zu sorgen und mich selbst zu pflegen und mit guter Laune zu versorgen!


Zum Thema "bester Freund ist ein Egoist"... tja... solche Freunde hatte ich eigentlich auch schon immer, bis ich mich automatisch immer mehr von solchen Leuten distanziert habe, weil ich merkte, das die mir nicht gut tun. Bei besagtem guten Freund ist es nun so, das auch jahrelang Funkstille herschte und wir nunmehr sporadisch Kontakt haben und mal zusammen kochen oder weggehen. Das ist super und macht Spaß. Sobald Probleme auftauchen, ist es bei ihm aber so, das er davon bloß nichts hören will und regelrecht aussiebt, mit wem kann er Spaß haben und wer "jammert" nur rum. Allerdings kenne ich ihn schon sehr lange, und er hat auch sehr viele "weiche" Momente, die sehr überraschend sind. Auch verhalte ich mich ihm gegenüber eigentlich automatisch etwas "anders"... bin weniger wehleidig und jammere auch nicht ständig über irgendwelche Zipperlein. Was ich persönlich auch mal sehr gut finde, er hat dafür sowieso kein Ohr und für mich ist es durchaus positiv auch mal eins selbst nur egoistisch zu sein.. denn das färbt ganz gut von ihm auf mich ab, wenn wir zusammen sind.

Es ist wohl wie alles im Leben. Man kann alles machen und alles essen, man darf es nur mit keinem übertreiben.
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reset2011 hat zum Thema: Re: Wut? Mitleid? Ignoranz? Was fühlt sich RICHTIG an? geschrieben

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