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Was ich wollen will

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Es ist nicht immer einfach, den Weg in die Abstinenz ...   •    Wie ich mich kennen lernte...  
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uwe.rothaemel
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BeitragVerfasst am: 12.08.2011, 21:09    Titel: Was ich wollen will Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

3 1/2 Jahre „Trocken“, und kein bisschen Weise.
Bei meiner Anmeldung hatte ich mir gedacht ein wenig rum zu lesen, ein paar „schlaue“ Kommentare abzugeben und dass war`s dann. Das ist zu wenig und sind nur vorgeschobene Gründe. Ein wahrer Anlass ist wohl mehr, dass es mir sehr schwer fällt, eigene Bedürfnisse zu erkennen, auszudrücken und gewissermaßen auch einzufordern. In der Theorie klingt dies einfach, doch in der Praxis scheitere ich gewohnheitsmäßig daran.
Eine Therapeutin, welche mir schon vor drei Jahren entscheidend geholfen hat, und die ich vor Wochen mal traf, meinte zu dem Thema: „Da ist ein sehr vernachlässigter Teil in Ihnen, der auch was will.“ Sie sprach davon, dass ich große Angst habe, von Emotionen überrollt zu werden und dementsprechend durch „Schamattacken“ geschützt, erst gar keine zulasse. Immer wenn ein Stück Spontanität die Oberfläche erreicht, wird diese durch abwägen schon im Keim erstickt. Meine Niedergeschlagenheit habe hierin sozusagen ihren Nährboden. Das ist zumindest meine Interpretation gewesen.
Es ist nicht einfach mich diesen Teil zu nähern. Zum einem ist er wirklich „winzig“ und das Finden ist schon mühsam. Zum anderen ist da eine „mächtige Instanz“ die schnell einen Deckel darauflegt. Folge davon ist meist eine Antriebslosigkeit, die mit reinem phlegmatischem Verhalten nicht erklärt werden kann. Wie nähere ich meinem Wollen an – ohne es zu erschrecken?
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uwe.rothaemel hat zum Thema: Was ich wollen will geschrieben
perla54
sehr aktiver Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 13.08.2011, 09:25    Titel: Re: Was ich wollen will Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

lieber uwe

ich kann das gut nachemfinden, denn das ist eine meiner grossbaustellen
auch ich hab ein kleines, verhungertes mädchen in mir.....es hockt oft am boden in einer ecke
war als kind oft so, um mich vor misshandlungen zu schützen

und irgendwann hat sich der schutz verselbständigt

ein leben mit zu viel verantwortung, zu viel druck,zu viel kälte......nur funktionieren.....immer
dann irgendwann sich nicht mehr spüren wollen....das leben nicht mehr spüren wollen
defizite zuschütten.....und das "hilft" erst einmal......bis, ja bis zum 26.6.11

und nun???? alles ungefiltert wahrnehmen, sich spüren, ....sich nackt fühlen
laufen lernen
genau hinschauen
trinkzeit positiv füllen

es sind ja die negativen erfahrungen die irgendwann einen schutzmachanismus zum" überleben" auf die verwundete seele stülpen

so ein manifestiertes verhaltensmuster lässt sich nur schwer aufbrechen denn es fehlt so etwas wie urvertrauen

wenn mich zum bsp. etwas emotional berührt und tränen kommen hoch....
werden diese im keim erstickt....ich schlucke und atme solange bis sie weg sind
ausser als ich mich geoutet hab.....da waren viele tränen, echtes gefühl.....da war ich, ICH

und nun?????? ich werd sehen, vertrauen lernen müssen......mich einlassen
was passiert, weiss ich nicht.....es wird ein langer weg
alte schutzmauern abtragen, stück für stück

nun, uwe.....wie nähern wir uns unserem "wollen" an, ohne es zu verschrecken?????
finden wir es raus, wie auch immer

hoffe ich hab nicht zu durcheinander geschrieben.....wenn du fragen hast, frag

grüsse, petra
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perla54 hat zum Thema: Re: Was ich wollen will geschrieben
uwe.rothaemel
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 26.05.2010
Beiträge: 565
Wohnort: Lauf a.d. Pegnitz

BeitragVerfasst am: 13.08.2011, 11:26    Titel: Re: Was ich wollen will Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke Petra
Wenn ich irgendwann so schreiben kann – spontan und ohne erst jede Zeile auf kommunikative Korrektheit zu überprüfen – bin ich für mich schon einen Schritt weiter.
Vertrauen. Mit Anvertrauen versuche ich`s schon mal. Durchaus möglich, dass da ein Stück von den eigenen Missverständnisse herrührt. Aus einem Glauben heraus, alles selbst machen zu müssen, kann es mir meist auch keiner wirklich recht machen. Schon hier ist mehr Vertrauen angebracht. Daran übe ich mich schon (an der Arbeit und im ehrenamtlichen Bereich). Ist für mich verdammt schwer auszuhalten. Selbst wenn mich niemand in diesen Bereichen enttäuscht (oder gerade deshalb?). Die persönliche Wichtigkeit, oder besser vermeintliche Besonderheit, auf das reale Maß zu korrigieren und Gleichzeitig nicht im Gegenzug den eigenen Eitelkeiten zu weh zu tun, ist eine Wanderung auf schmalem Grat. Mir fehlt sozusagen der Wegweiser für die Balance.
LG Uwe
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uwe.rothaemel hat zum Thema: Re: Was ich wollen will geschrieben
perla54
sehr aktiver Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 13.08.2011, 19:03    Titel: Re: Was ich wollen will Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hey uwe

mit dem spontan....ist sone sache
manchmal wäre es klüger erst zu überlegen
ich mein das ganz allgemein.....bin imer zu spontan, zu emotional gewesen
das macht es nicht einfacher

aber auch da gilt es ein gesundes mass zu finden

vertrauen und balance
damit haben die meisten hier ein problem.....
ständig auf der SUCHE.....steckt da das wort sucht drin?????

da gehts um exestentielle erfahrungen
enttäuschung, verletzung,ablehnung

aber das weisst du sicher selbst

mit dem, alles selbst machen zu müssen.....das kenn ich nur zu gut
kontrolle????? nur sich selbst vertrauen

das alles ist sehr komplex und hat viel mit los-lassen zu tun, denk ich

aber das alles ist eine entwicklung.....das braucht zeit und geduld

immer wieder probieren es mal laufen zu lassen
im job kann ich das mittlerweile ganz gut.....früher hab ich ständig dinge auf und abgearbeitet die nicht meine baustelle waren
jetzt seh ich sie nicht mehr, ganz bewusst

dennoch finde ich solltest du nicht allzusehr ins gericht gehen, denn du erkennst genau deine defizite und möchtest etwas an und in dir ändern
schon allein das ist futter für den winzigen teil in dir Smilie

wäre schön wenn ich ein wenig mehr über dich erfahren könnte.....vergangenheit.....warum hast du getrunken, wie lange, wann war dein tiefpunkt, wie war deine kindheit.....usw

dann versteh ich evtl. besser wie du tickst

herzlichst,petra
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perla54 hat zum Thema: Re: Was ich wollen will geschrieben
uwe.rothaemel
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 26.05.2010
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Wohnort: Lauf a.d. Pegnitz

BeitragVerfasst am: 13.08.2011, 22:49    Titel: Re: Was ich wollen will Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Petra
Da ich mich innerhalb des öffentlichen Bereichs bewege, und meine Identität kein Geheimnis ist, wäre im Forum eine detaillierte Lebensbeichte eine exhibitionistische Entgleisung, die ich mir nicht verzeihen könnte. Ich kann trotzdem einmal versuchen, in groben Zügen und ohne Dritte mit einzubeziehen, einen Umriss zu skizzieren.
Aufgewachsen bin ich in dem, was im Allgemeinen ein behütetes Elternhaus genannt wird. Ich war immer der angepasste und unauffällige. In der Schule im besseren Mittelfeld, sodass ich um Aufmerksamkeit zu bekommen, die Jobs gemacht habe, die keiner wirklich haben wollte. Dieses Muster habe ich sehr lange durchgezogen, nicht ohne auch davon zu profitieren. Ich bin mir nicht sicher welche Ereignisse in der Kindheit dafür gesorgt haben, dass ich das Kind-Sein aufgegeben habe, um „Verantwortung“ übernehmen zu „wollen“. Überzogene Erwartungen an mich selbst (mir gefällt das Wort Perfektionismus nicht so gut) und im Wesentlichen eine unangemessener Umgang mit dem Thema Scheitern, sind wohl die Hauptkatalysatoren für die Sucht. Getrunken habe ich regelmäßig seit dem 18ten Lebensjahr – problematischer Konsum ab ca. 2000 – und exzessiv in den Jahren 2006/07. Als ich nicht mehr arbeiten wollte (und mein Chef auch keinen gesteigerten Wert mehr darauf legte), hat meine jetzige Hausärztin die Reißleine gezogen. Ich war dazu nicht mehr in der Lage. Ihre Praxis lag glücklicherweise auf den Weg zu den Gleisen. Soviel zum Tiefpunkt. Ich habe Arbeit und Leben gleichgesetzt – und mit dem vermeintlichen „nicht mehr Wollen“ des einem, wollte ich das andere auch nicht mehr. Mein Chef hatte nicht die Absicht mich loszuwerden. Das war meine Interpretation. Im Gegenteil, hat er mich nach der Therapie angemessen unterstützt.
Ich habe seitdem einiges verändert: Die Prioritäten verschoben (z.B. ist die Arbeit noch wichtig, aber kein Sinnersatz fürs Dasein), eine realistische Einschätzung meiner Möglichkeiten versucht und das Scheitern als Möglichkeit und Lebenserfahrung schätzen gelernt.
Doch der „Richter“ in mir ist oft in der Lage, das Experiment mit den Emotionen, in seine Pflicht zu nehmen. So wird die neue Konditionierung umgangen, um wieder eine Maske aufzubauen. So was fällt mir aber auch erst auf, wenn ich es aufschreibe – ein Grund warum ich im Forum bin.
Schönen Sonntag Uwe.
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uwe.rothaemel hat zum Thema: Re: Was ich wollen will geschrieben
BlueCloud
Gast






BeitragVerfasst am: 14.08.2011, 07:09    Titel: Re: Was ich wollen will Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Uwe,

ich hatte neben meiner Alkoholsucht auch eine MUß-Sucht. Ich muß dies, ich muß das. Mein Wortschatz kannte nur dieses Wort. Überzogenes Pflichtbewußtsein in Form von "ich muß". Mein Therapeut machte mich mal drauf aufmerksam und als ich mir bewußt darüber wurde, was ich mir mit dieser Suggestion selber antat, wechselte ich meine Sprache. Zu Anfang korrigierte ich dieses Muß noch sehr bewußt in "ich kann", ich darf", ich möchte", "ich will". Danach kam aber auch automatisch:"ich kann nicht", ich möchte nicht" und schließlich "ich will nicht".

Dies half mir z. B. sehr, an meine Gefühle in Sachen überzogenes Pflichtbewußtsein zu kommen und auch meinen inneren Richter etwas zu entlasten. War eigentlich eine ganz simple Änderung mit großen Folgen. Ich muß mir nichts mehr antun, nur aus falschem Pflichtbewußtsein, heute kann ich abwägen, ob ICH etwas will oder nicht und dies auch artikullieren. Interessanter Weise bin ich aber immer noch sehr genau und erledige meine Arbeit sehr gut - aber ohne meinen Richter, der früher alles genau beobachtete und mich oft zurecht wies.

Gruß

BC
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BlueCloud hat zum Thema: Re: Was ich wollen will geschrieben
uwe.rothaemel
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 26.05.2010
Beiträge: 565
Wohnort: Lauf a.d. Pegnitz

BeitragVerfasst am: 14.08.2011, 13:02    Titel: Re: Was ich wollen will Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hei BlueCould
Danke für die Antwort.
Dies scheint mir die eine Seite der Medaille zu sein. Die Worte, die mein Denken bestimmen, kann ich bewusst so gestalten, dass es mir in den Handlungen tatsächlich besser geht (auch einmal „Nein“ sagen zu können, geht in die gleiche Richtung). Sozusagen meine „Pflicht“ Mich nicht bei alledem zu vergessen.
Das Wollen, welches ich suche, liegt wahrscheinlich eine Etage tiefer. Es sind sehr unbewusste Verhaltensmuster, die ich aufbrechen möchte. Ich werde diese „Vorschriften“ nicht aus meiner Persönlichkeit tilgen können – sie gehören ja dazu -, aber die, welche mir das neue Leben schwer machen zu überschreiben, erachte ich als wertvoll. Ich bin quasi bei einer Inventur aus skeptischer Distanz. Da dieser Abstand naturgemäß trotzdem im selben Kopf stattfindet, bin ich dabei auf die Blickwinkel von Euch mit angewiesen.
Gruß Uwe
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uwe.rothaemel hat zum Thema: Re: Was ich wollen will geschrieben
BlueCloud
Gast






BeitragVerfasst am: 14.08.2011, 14:08    Titel: Re: Was ich wollen will Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Uwe,

Zitat:
Das Wollen, welches ich suche, liegt wahrscheinlich eine Etage tiefer. Es sind sehr unbewusste Verhaltensmuster, die ich aufbrechen möchte.


ja, so mache ich es auch - allerdinge mit Hilfe meines Therapeuten, der mir immer wichtige Hinweise gibt, wie ich meine alten Verhaltensmuster und auch Überlebensstrategien erkennen und auch umsetzen kann.

Zitat:
Ich werde diese „Vorschriften“ nicht aus meiner Persönlichkeit tilgen können – sie gehören ja dazu -, aber die, welche mir das neue Leben schwer machen zu überschreiben, erachte ich als wertvoll.


Ja, so sehe ich das auch und es geht mir immer besser damit. Ich kann mich nicht umkrempeln, ich habe Charakterzüge und mein ICH - aber ich habe auch Dinge in mir, die längst nicht mehr für mich zutreffen, welche ich aber trotzdem weiter gelebt habe.

Gruß

BC
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BlueCloud hat zum Thema: Re: Was ich wollen will geschrieben

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