| Wie soll ich damit umgehen? • danke |
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mirli neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 26.10.2008 Beiträge: 12 Alter: 45 Wohnort: Wien
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Verfasst am: 19.06.2011, 11:20 Titel: Eine Frage der Moral |
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Hallo,
nach längerer Zeit melde ich mich hier wieder, und bevor ich meine Frage stelle, möchte ich kurz mal meine Situation schildern:
Ich bin seit ca. drei Jahren mit einem Mann zusammen, der ein Alkoholproblem hat. Als ich "dahinter kam" (relativ bald) versuchte ich natürlich alles mögliche, um ihn vom Alkohol wegzubringen. Mag sein, dass ich viel zu wenig konsequent war, jedenfalls hat nichts gefruchtet. Mittlerweile habe ich mich quasi damit abgefunden, dass er phasenweise abtaucht und dann recht viel trinkt. Es gibt aber auch oft gute Zeiten, da ist er viel bei mir, trinkt gar nichts, und wir haben ein harmonisches Leben miteinander.
Ich selbst habe zwei fast erwachsene Töchter, ein ausgefülltes Leben, Freundinnen, Familie, etc. Ich habe in den letzten drei Jahren (vor allem im letzten!) gelernt, mein Leben sehr selbständig zu gestalten, habe begonnen, mich politisch zu engagieren, usw., also eigentlich muss ich sagen, es fehlt mir nichts.
Was meinen Freund betrifft, habe ich für alles, was ich mir mit ihm ausmache (man weiß ja nie, ob es funktionieren wird), mittlerweile einen "Plan B" im Kopf, den ich dann ausführe, um nicht enttäuscht zu sein. So weit, so gut. Ich weiß, das ist jetzt nicht optimal, aber wenn ich die positiven und negativen Seiten unserer Beziehung zusammenzähle, bleibt für mich eindeutig mehr Positives über, trotzdem. Und der Gedanke, mich zu trennen und ev. nochmal mit jemandem anderen eine neue Beziehung zu beginnen, turnt mich auch nicht grad an.
Alles in allem könnte man sagen, ich bin eigentlich halbehalbe single und in einer Beziehung.
Nun aber meine Frage: ist mein Verhalten egoistisch? Denn wenn ich mit meiner Therapeutin darüber rede, habe ich immer wieder das Gefühl, sie gutiert es nicht. Denn für meinen Freund ist es unterm Strich ja optimal so, er wird von mir nicht mehr mit dem leidigen Thema "Alkohol" konfrontiert (zumindestens nur selten) und kann dadurch tatsächlich bequem weitermachen, ohne Konsequenzen meinerseits.
Aber wenn ich das Prinzip "Co-Abhängigkeit" richtig verstanden habe, dann besteht sie ja hauptsächlich darin, für den Abhängigen Verantwortung zu übernehmen, und das tue ich seit einiger Zeit nun wirklich nicht mehr. Ich betrachte sein Verhalten als eine Krankheit, und was er dagegen tut, obliegt alleine ihm. Gleichzeitig "unterstütze" ich ihn aber auf diese Art, weil er so eben ganz bequem damit leben kann.
Für mich beißt sich da irgendwie die Katze in den Schwanz, wie also handle ich jetzt, sozusagen, ethisch richtig? Wie gesagt, es geht mir nicht (mehr) um die Frage, ob ICH damit leben kann, denn das habe ich für mich abgeklärt. Es geht mir darum, ob mein jetziges Verhalten nun verantwortungsvoll in jeder Hinsicht ist, moralisch/ethisch richtig also.
Bin gespannt auf eure Antworten!
LG, Mirli |
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| mirli hat zum Thema: Eine Frage der Moral geschrieben
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gipfel neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.06.2011 Beiträge: 129
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Verfasst am: 19.06.2011, 11:49 Titel: Re: Eine Frage der Moral |
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Hallo,
| Zitat: | | Denn wenn ich mit meiner Therapeutin darüber rede, habe ich immer wieder das Gefühl, sie gutiert es nicht. |
Eine Therapeutin hat erstmal überhaupt nicht zu "gutieren", aber Du hast ja auch nur das Gefühl, daß sie das tut.
| Zitat: | | Es geht mir darum, ob mein jetziges Verhalten nun verantwortungsvoll in jeder Hinsicht ist, moralisch/ethisch richtig also. |
Wenn Du alle anderen Antworten bereits für Dich geklärt hast, warum belastet Dich denn diese Frage ?
Du kannst/willst damit leben - er kann damit leben und last not least lebt doch jeder sein eigenes Leben.
| Zitat: | | ich bin eigentlich halbehalbe single und in einer Beziehung. |
Wenn es Dich zufrieden stellt ?!
Aus meiner Sicht ist das alles andere als unmoralisch. das war es vielleicht vor 50 Jahren mal. Heute ist das doch eher Standard.
LG
gipfel |
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| gipfel hat zum Thema: Re: Eine Frage der Moral geschrieben
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Pierre64 aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 29.10.2010 Beiträge: 995 Alter: 47 Wohnort: BaWü
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Verfasst am: 19.06.2011, 12:28 Titel: Re: Eine Frage der Moral |
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Hallo mirli,
es ist eigentlich egal wie du dich ihm gegenüber verhälst,seinen Alkoholkonsum akzeptierst oder nicht,wenn er trinken will dann trinkt er.Trocken legen kannst du ihn eh nicht.Die Frage ist wirklich nur ob du damit leben kannst,aber diese Frage hast du dir ja schon beantwortet. |
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| Pierre64 hat zum Thema: Re: Eine Frage der Moral geschrieben
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Aufbruch2010 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.07.2010 Beiträge: 44 Alter: 54
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Verfasst am: 19.06.2011, 12:29 Titel: Re: Eine Frage der Moral |
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Hallo Mirli,
ich denke nicht, dass Dein Verhalten egoistisch oder gar unmoralisch ist. Jeder Mensch, so auch dein Freund, ist für seine Entwicklung und seine geistige und körperliche Gesundheit ganz alleine verantwortlich. Er ist ja kein Kleinkind und nicht geistig oder sonstwie 'behindert'. Es ist in seine Freiheit gestellt, mit seinem Leben zu tun was er will. So darf er auch trinken, in Intervallen oder wie auch immer, ganz so wie er möchte. Wenn ihm die Einsicht fehlt, dass es besser für ihn und sein Umfeld ist, sich aus seiner Abhängigkeit zu befreien, so ist auch das SEIN Ding...
Was mich allerdings schon sehr wundert ist, dass dich sein Trinkverhalten angeblich nicht mehr stört und du dich davon abgekoppelt hast. Ist das wirklich wahr, dass es dich nicht stört? Bist du wirklich ehrlich zu dir selbst?
Wenn es dich nicht stört und ihr zwei getrennte Leben lebt, dann taucht für mich die Frage auf, was dich mit ihm verbindet... Im Grunde verwundert diese Frage nach Moral. Was ist unmoralisch daran, einem Menschen seine Freiheit zu lassen? Ich spüre da einen Widerspruch und bitte dich, sehr aufrichtig mit dir selbst umzugehen. Die Gefahr sich selbst zu belügen und sich etwas schönzureden, ist sehr groß. Und Selbstbetrug ist ethisch nicht vertretbar.
Gute Erkenntnisse wünscht Dir
Aufbruch |
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| Aufbruch2010 hat zum Thema: Re: Eine Frage der Moral geschrieben
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Grazia aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.11.2007 Beiträge: 767 Alter: 46 Wohnort: By
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Verfasst am: 19.06.2011, 13:43 Titel: Re: Eine Frage der Moral |
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Hallo Mirli
Du hast keine moralische/Ethische Verpflichtung Deinem Partner gegenüber.
Wenn Du zufrieden in der Situation bist, ist doch ok.
LG Grazia |
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| Grazia hat zum Thema: Re: Eine Frage der Moral geschrieben
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mirli neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 26.10.2008 Beiträge: 12 Alter: 45 Wohnort: Wien
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Verfasst am: 19.06.2011, 13:46 Titel: Re: Eine Frage der Moral |
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Danke für eure Antworten!
Die Frage nach der "Moral" oder besser: Ethik, stellt sich mir deshalb, weil ich da sozusagen innerlich mit meiner Therapeutin im Clinch bin. Sie kommt aus dem Bereich "Suchtmittelmissbrauch", arbeitet in einer entsprechenden Klinik, ist also Spezialistin. Ja, ich habe sie mir vor etwa zwei Jahren gesucht, weil ich damals mit der ganzen Problematik nicht zurechtgekommen bin und Hilfe brauchte. Mittlerweile habe ich eben etwas Distanz gewonnen und einige, glaube ich, sehr hilfreiche Schritte gemacht, um mein Leben gut zu gestalten. Aber wenn ich ihr das so sage, habe ich immer das Gefühl, sie ist nicht zufrieden damit. Mit dem Argument: "Na, aber damit leisten Sie seinem Trinkverhalten ja doch nur Vorschub". Jedenfalls kommt es so bei mir an.
Jetzt dachte ich, Co-Abhängigkeit besteht darin, dass man sich zu sehr darin verstrickt, dem anderen helfen zu wollen. Gut, das habe ich hinter mir gelassen (meistens). Nun fühle ich mich mit dem "Vorwurf" konfrontiert, ihn mit meinem Verhalten beim Trinken zu unterstützen. Naja, und irgendwie stimmt das ja auch, bequem hat er´s ja auf diese Art. Das heißt, ich hab mir´s ganz gut eingerichtet, aber er bleibt dabei auf der Strecke, weil für ihn "eh alles passt" und er zu keinen weiteren Schritten mehr "gezwungen" wird.
Ob das in mir alles ganz ehrlich ist, ob ich mir nicht selbst, vielleicht auch aus Bequemlichkeit, etwas vormache, darüber muss ich noch ein Weilchen nachdenken. Da könnt schon was dran sein. Werde das etwas eingehender prüfen.
Bis dann,
Mirli |
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| mirli hat zum Thema: Re: Eine Frage der Moral geschrieben
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Grazia aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.11.2007 Beiträge: 767 Alter: 46 Wohnort: By
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Verfasst am: 19.06.2011, 14:34 Titel: Re: Eine Frage der Moral |
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Hallo Mirli
| Zitat: | | aber er bleibt dabei auf der Strecke, |
Ich weiss was Du meinst, aber das liegt nicht in Deiner Verantwortung, ihm zu "helfen" trocken zu werden.
In meinem Fall war es relevant, weil ich einerseits wollte dass er aufhört zu trinken, andererseits habe ich sein trinken unterstutzt.
Das ist in meinem Augen nicht zu vereinbaren.
LG Grazia |
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| Grazia hat zum Thema: Re: Eine Frage der Moral geschrieben
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Martha66 sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.12.2009 Beiträge: 3784
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Verfasst am: 19.06.2011, 18:18 Titel: Re: Eine Frage der Moral |
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Hallo Mirli,
dieses Beziehungsmodel was Du fährst habe ich auch mal ne zeitlang gemacht - zufrieden war ich damit nicht.
Fakt ist, dass Du mit Deinem Verhalten seine Sucht unterstützt - Du bist seine Verbündete - es gibt für ihn keinen Anlass etwas zu verändern - aber, er hat eine tödlich verlaufende Krankheit die Du nährst und fütterst.
Musste Du halt für Dich gucken ob Du das vertreten kannst. Ich konnte es nicht, als mir dieser Mechanismus klar wurde. Und mit Liebe hat das für mich auch nichts zu tun.
Ob CoAbhängig oder nicht ist dabei nicht relevant.
Lieben Gruss Martha |
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| Martha66 hat zum Thema: Re: Eine Frage der Moral geschrieben
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