sunwalker neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.06.2011 Beiträge: 19 Alter: 47
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Verfasst am: 20.06.2011, 22:48 Titel: Re: Und noch ein Kind. Erkenntis - und nun? |
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Es gibt ein Buch mit dem Titel „Das Leben annehmen“. Es schafft interessante Sicht- und Umgehensweisen mit Gefühlen und Gedanken, irgendwie fällt mir das als Erstes zu deinem Thread ein. Nicht, dass damit alles paletti wäre, für mich als EKA. Die Verletzungen sind tief und prägend gewesen, wie vermutlich bei uns allen. Es ist vorbei und nicht mehr änderbar. Heute sind wir zunächst mal so wie wir sind.
Doch das Buch hat mir sehr geholfen. Es hilft sich Gefühlen und Gedanken beobachtend gegenüber zu sehen und diese nicht sofort zu bewerten und sich auch nicht sofort davon vereinnahmen zu lassen. Vor allem nicht von den „negativen“. Es geht da auch um Achtsamkeit, finde ich persönlich einen ganz wichtigen Ansatz.
Manchmal hilft es mir zu Fragen: Was ist denn da noch? - neben der Angst, oder neben der Wut. Wo ich Angst habe, ist da immer auch ein Wunsch nach etwas. Angst vor dem neuen Job doch gleichzeitig auch der Wunsch etwas Neues zu mache, etwas Neues zu lernen.
Ich werde wütend auf meiner Arbeit, weil der Mist da nicht funktioniert. Ich habe da aber auch nicht nur Wut in mir, da ist auch das Bedürfnis etwas zu ändern. Wenn ich das in meinem Job dauerhaft nicht kann, das System so angelegt ist, brauche ich einen anderen usw. Und genau da fängt es für so einen EKA wie mich an schwierig zu werden.
Genau an diesem Punkt muss ich einen Schritt, einen Weg selbst gehen. Und dann am Ball bleiben (fällt mir echt schwer). Doch weiß ich auch, es gibt keinen anderen Weg aus diesen Mustern raus zu kommen. So war ich z. B. bei Al-Anon für EKAs gerade wegen aller Zweifel und Ängste, um zu schauen ob es etwas für mich sein könnte.
Ich kann 100 Bücher zum Schwimmen lesen und doch nützt es mir absolut gar nichts wenn ich es nicht selbst versuche. Eigentlich ganz simpel, aber ist es natürlich nicht. Und das ist aus meiner Sicht der Punkt.
Kein Mensch, der mich kennt würde annehmen, dass ich eben nur innerlich, so kaputt bin, mich so kaputt fühle. Weder sehe ich so aus, noch verhalte ich mich so. Und dennoch ist es momentan so. Ich kann es hassen und bekämpfen, damit hadern und zaudern. Dann geht es mir definitiv noch schlechter. Ich kann aber auch versuchen mich so zu akzeptieren (mit diesen Macken, die ich mir nicht ausgesucht habe), dann habe ich zumindest eine Chance gut mit mir selbst umzugehen. Quasi mit dem viel zitierten „inneren Kind“.
Zum Sortieren habe ich mir etwas angewöhnt was bei mir ganz gut funktioniert. Das klappt (da ist es wieder) aus der Ruhe heraus, nach einem Tag im Saunabad z.B. oder
nach einem autogenen Training, wenn ich mich entspannt fühle.
Was ist als Nächstes ganz oben auf der Liste, was mir hilft mich besser um mich zu kümmern? Welche Idee, welcher Schritt, welcher grundsätzliche Gedanke ist es? Ich schreibe jeweils nur 2-4 Stichpunkte auf. So habe ich quasi einen roten Faden. Wenn sich mal wieder alles in mir verwirrt greife ich darauf zurück....
So nun ist´s aber mal genug.
LG sunwalker |
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Chamäleon neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.01.2011 Beiträge: 5 Alter: 40
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Verfasst am: 21.08.2011, 17:59 Titel: Re: Und noch ein Kind. Erkenntis - und nun? |
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Hallo mal wieder
Ragna,
das ist "lustig", gerade vorhin dachte ich: Ja Mensch, gestern war es noch so schön, und heute... schlimm ist es nicht, aber (schon äußerlich) grau, gräuer, am grausten.
Eine sagte mal in einer Gruppe, so etwas sei ja auch ganz normal, und nannte es "einen Kater haben". Da ist vielleicht was dran. Es ist ok. Gestern wunderschön in der Natur, mit Wiesen, Blumen, Schmetterlingen, Sonne, Wind und schönem Essen.
Und heute nichts dergleichen, eher wieder Zukunftsängste, Vermissen der längst Gegangenen etc.
Aber: so ist das. Yin und Yang vielleicht, kein schwarz ohne weiß (und keine Sonne ohne grau). Das schreibt sich so leicht dahin, aber es ist wenigstens eine mögliche Perspektive.
Und damit bin ich bei
@ sunwalker
Ich habe mir das Buch auch gekauft und gelesen (und ich Anschluss gleich das MBSR-Buch von Dings, mir fällt der Name gerade nicht ein), vielen Dank für den Tipp!
Schon toll. NOCH eine Metaebene einziehen . Nein wirklich, es ist interessant, sich immer wieder zu sagen: Ich bin nicht meine Gedanken, ich bin nicht meine Gefühle, die kommen und gehen, aber ich bleibe ich (naja, bis ich Alzheimer bekomme o.ä.). Gestern habe ich nicht versucht, das Schöne festzuhalten und heute versuche ich nicht, in der Gräue zu verschwinden. Denn morgen wird es vielleicht wieder anders sein, vielleicht auch nicht, es kommt wie es kommt, vielleicht, sicher sogar, kann ich es auch beeinflussen, aber Garantien gibt es nicht und keiner kennt die Zukunft.
Da ist es doch schon viel logischer, dass ich mit dem umgehen lerne, was ist, jetzt, hier, ich. Mehr gibt es nicht, aber es ist gleichzeitig wahnsinnig viel. Letzte Woche lag ich mal eine halbe Stunde mit dem Gesicht auf dem Gras und habe dort ca. 10 qcm Boden betrachtet. Wahnsinnig spannend! Der Duft von Gras und Erde, kleine Kügelchen, Wurzeln, Käfer, Spinnen. Dann eine Lerche von oben und ein Windhauch von links. Reich und erfüllend. Warum materielle Güter anstreben?
Aber das wollte ich ja alles gar nicht erzählen. Sondern vielmehr: Nachher treffe ich meine Eltern. Die sind selten zu Besuch, wohnen auch nicht bei mir, aber kommen jetzt halt eine Woche. Das letzte Mal war vor zwei Jahren, da war ich ganz guter Dinge, habe auch gemerkt, wie ich (immer noch) nach Anerkennung strebe, vor allem von meinem Vater. Freute mich, dass ihnen meine Stadt gefällt, dass ich ihnen schöne, versteckte Ecken zeigen konnte und war auch ein wenig stolz.
Heute ist das ganz anders. Diese immer noch währende Suche nach Anerkennung hatte ich damals noch gar nicht gespürt. Heute habe ich eigentlich gar keine Lust, sie zu sehen. Mit meinem Vater habe ich letztes Jahr zweimal näher gesprochen, ihm meine (zum Teil sehr unglückliche) Situation nicht nur geschildert, sondern sie auch emotional und auch mit Tränen erzählt. Er reagierte schon gut, ist betroffen und sichert mir Unterstützung zu.
Jüngst aber fragte ich in einer E-Mail nach einer Sache, die wir besprochen hatten, und seine Antwort war, dass ich wissen müsse, dass meine Mutter die E-Mails (offen) mitliest und dann nachgefragt hat und er "alle Mühe hatte, das wieder hinzubiegen". Und da wurde ich sehr, sehr müde. Weil mir klar wurde, dass wir immer noch in den alten Strukturen leben, es wird verschwiegen, die Wahrheit unterschlagen, das Tabu wird aufrechterhalten, jeder bleibt auf seinem angestammten Platz. Hat da zu bleiben, sonst stört er das System, und das ist nicht erlaubt.
In meiner Familie haben wir noch NIE mit mehr als zwei Beteiligten über "unsere Tragödie", die Sucht meiner Mutter, gesprochen. Immer nur ich, mit Vater, Mutter, oder Bruder. Die untereinander: NIE (Ausnahme: Vater und Mutter, aber auch ungesunde Art, weil nicht an Verständnis und Wachstum orientiert, sondern auch wieder im Zementieren der kranken Strukturen).
Ja, da habe ich keine Lust mehr. Mit meiner Mutter habe ich seit einem Jahr nicht telefoniert. Kein Streit, nichts, es hat sich "einfach" so ergeben...
Und nachher treffe ich sie. Und weiß nicht, wie ich "sein soll", da haben wir es wieder. "Alt" wäre, eher schlecht gelaunt zu sein, mürrisch, einsilbig. Ich könnte mich auch auf das banale Blabla einlassen. Oder ich bin klar und offen und sage mal was. Wir zu dritt über das Thema Alkohol und Mutter. Eine wahnsinnige Vorstellung, die mir tierisch Angst macht. Keine Ahnung, was passieren würde. Vielleicht auch "nichts", vielleicht wäre es gut und befreiend.
Himmel, was das mit uns gemacht hat, es ist immer wieder erschreckend.
Bin gespannt, wie ich sein werde ... Danke fürs Zuhören. |
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