wildcat61 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.06.2011 Beiträge: 2 Alter: 51 Wohnort: Bremen
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Verfasst am: 02.06.2011, 22:49 Titel: die Neue... |
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Hallo, auch ich bin in der selben Situation wie viele hier. Mein Mann war schon in 2002 - als ich ihn kennengelernt habe - ein "Quartalstrinker". 1-2mal pro Woche, aber dann richtig. D.h. 1 Flasche Wodka oder Rum jeweils mit Cola gemischt. Damals hieß es immer, seine ganze Vergangenheit sei Schuld und dass er seine Tochter nicht so oft sehen kann etc etc... Dann habe ich ihn "gerettet" (meine Worte). Ich lebte damals in Trennung von meinem vorherigen psychosomatisch extrem belasteten immerwährend jammernden Ehemann, wohnte allein, er mit unseren 3 Kindern im Teenageralter in unserem 2 Jahre zuvor gekauften Haus. Für alle eine schwierige Situation, die Kinder standen immer zu mir.
In meiner Stammdisco hab ich dann meinen jetzigen Mann kennengelernt, wir heirateten 2008. Ich bin und war verliebt, das nimmt jedoch immer mehr ab. Ich bin seine "Traumfrau" - kein Wunder, wo ich doch immer für alles sorge und alles kann: kochen, waschen, 40 std arbeiten, habe ein Haus, 3 große Kinder (alle mittlerweile ausgezogen), handwerken, ungern bügeln...
Meine jüngste Tochter sagt: du hast was besseres verdient, du bist so eine tolle Frau (muss grad heulen deshalb). Mein Mann liegt völlig betrunken im Bett, nachdem er sich heut nachmittag eine Flasche Rum geholt hat, dabei mein Auto auftankte. Ich genoss derweil eine Radtour mit Picknick und viel Spaß. Vor 2 Tagen hat er schon eine Flasche geleert, da haben wir uns sogar noch deswegen gestritten. Ich weiß, es hat keinen Sinn, mit einem alkoholisierten Mann zu streiten, macht ihn aggressiv, ungerecht, droht mit Selbstmord und Trennung etc. kennen wir ja alle zur Genüge. Seine seit Dezember bei uns wohnende 14jährige Tochter bekommt vieles mit und hat Angst, dass sie vom Jugendamt wieder aus unserer "Familie" genommen wird, zu ihrer Mutter will sie nie wieder (Schläge, Alkoholikerin...) Mein verstorbener Vater war Alkoholiker und lebte sogar ein paar Jahre auf der Straße, da hatte ich jedoch keinen Kontakt zu ihm. Nächsten Mittwoch hab ich einen Termin beim Gesundheitsamt um mir Rat zu holen - vielleicht in eine Selbsthilfegruppe für Angehörige zu gehen. Ich versuche mein Leben trotzdem zu genießen und auf meine Wünsche zu achten. Meine psychosomatische Reha Ende 2009 hat viel dazu beigetragen. Etliche in unserer Verwandschaft und Bekanntschaft wissen annähernd etwas von der Sucht meines Mannes. Er hat schon Kontakt zu einer Psychotherapeutin und wartet auf einen Termin. Seine Vergangenheit macht ihm sehr zu schaffen, seine häufige Arbeitslosigkeit und sein niedriges Gehalt zwischendurch. Nun wird er zum 1.7. wieder arbeitslos.. Eine Zeitlang habe ich versucht, bei 2 -3 Flaschen Rotwein soviel zu trinken wie er, damit er nicht so viel hat - kann ich jedoch nicht durchhalten und ist nicht gut für mich- will ich auch nicht. Die harten Sachen trinke ich nicht mit ihm. Beim Einkaufen fragt er mich, ob er sich was holen darf. Mein Achselzucken und missbilligender Blick halten ihn nicht ab - warum fragt er erst....dafür zahlt er dann ja den Einkauf (höhö wie großzügig). Und er tut ja nichts schlimmes, geht nicht in Kneipen, ist brav etc.. (seine Worte). Ich weiß, dass ich co-abhängig bin. Eine Trennung würde ihm die Wut seiner mich liebenden Eltern einbringen. Ich weiß, dass ich ihn aus meinem Haus rauswerfen kann, aber der Punkt ist noch nicht erreicht. Bin gespannt, wann es soweit ist und mir dann sicher sehr wehtut. So - das ist meine Geschichte. Werde gleich auch ins Bett gehen, bin froh, dass er schon schläft. Morgen bin ich früh auf, meiner großen Tochter und werdenden Mutter in der neuen Wohnung helfen, nicht mit meinem Mann frühstücken oder warten, dass er munter wird. Da hat er selber Schuld und ich kein Mitleid. |
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Grazia aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.11.2007 Beiträge: 767 Alter: 46 Wohnort: By
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Verfasst am: 02.06.2011, 23:06 Titel: Re: die Neue... |
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Hallo Wildcat
Willkommen hier im Forum.
Du hast bestimmt schon einiges gelesen hier, und weisst, dass Deine Geschichte die gleiche ist.
Ich habe das alles schon durch, aber jedesmal trifft mich es sehr, wenn ich sowas lese.
Weisst Du, bei Deiner Geschichte haben mich die Worte: "Bin froh, dass er schon schläft" wirklich im innersten getroffen.
Dieses Gefühl...erleichterung wenn er nicht da ist, o Gott, noch heute kriege ich Gänsehaut.
Ich habe mich nach fast 25 Jahren Ehe scheiden lassen, habe seit über 2 Jahren eine neue Beziehung und die Zeit, die ich mit "irgendwie weiterleben" verplempert habe tut mir jetzt leid.
Ich weiss jetzt wie es sein kann eine "normale " Beziehung zu haben. Einen Partner, nach dem man sich sehnt wenn er nicht da ist. Dass man nicht froh sein muss dass er schon schläft...
Denkt darüber nach, die Zeit, das Leben ist so kostbar, wir sollten damit behutsam umgehen, und das beste daraus machen.
Du bist nicht glücklich jetzt, also ändere was. Du kannst Dich ändern, ihn nicht.
LG Grazia |
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