| Rückfallträume • Hallo, kann ich meine Ehe retten??? |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Schorschi neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.05.2011 Beiträge: 10 Alter: 50
|
Verfasst am: 31.05.2011, 19:58 Titel: Hallo, ich bin der Neue |
|
|
Hallo,
Nach mehr als 6 wöchigem Mitlesen hier im Forum möchte ich mich hier vorstellen.
Ich hatte mich vor einigen Jahren hier schon einmal angemeldet,
aber diese Anmeldung war voreilig, denn damals war ich nicht soweit, ich
versprach damals tatsächlich, Tipps zum kontrollierten Trinken zu bekommen !
Das ich ein Problem mit Alkohol habe, habe ist mir schon etwa 15 Jahre bewusst,
vor etwa 5 Jahren gestand ich mir ein das ich Alkoholiker bin. Bis vor etwa 6 Wochen
habe ich versucht weniger und seltener zu trinken, bin aber natürlich früher oder
später kläglich damit gescheitert.
Ich bin ein typischer Wochenende/Urlaubs Trinker gewesen, wenn ich am nächsten
Tag arbeiten musste, habe ich nur ganz selten getrunken, und wenn nicht viel.
Ich legte im Jahr auch drei mal Sabbatwochen ein, diese waren nötig um mein Gewicht
nicht aus dem Ruder laufen zu lassen und an meiner Kondition zu arbeiten, diese
Zeit genoss ich auch sehr.
Bei anspruchsvollen neuen Herausforderungen im Job, trank ich auch nicht, da mir
der Sonntag nicht genügte um am Montag wieder 100% geistig fit zu sein.
Mit den Pausen hatte ich überhaupt keine Probleme, es viel mir nicht schwer, ich freute mich
sogar einen Grund zu haben eine Trinkpause einzulegen. Ich hatte mir ja auch
nie vorgenommen überhaupt nicht mehr zu trinken.
Seit etwa März begann ich dann auch unter der Woche zu trinken, nicht exzessiv und
nicht jeden Tag, aber das wäre mit Sicherheit nicht lange so geblieben, das wissen
wir ja alle hier, das wußte ich sogar. Zudem akzeptierte meine Frau
mein Trinkverhalten immer weniger, und es gab immer öfter Streit, ihre Argumente
konnte ich nicht mehr entkräften und als Übertreibung herunterspielen. Meinen Beteuerungen
das ich die Sache in den Griff bekäme glaubte Sie mir auch nicht mehr. Ich bin froh
das ich selbst besoffen nicht aggressiv oder laut werde, zynisch schon, selten dummfrech,
und nie vulgär, Sie hat mich ganz schön in die Ecke getrieben, aber nicht fallen gelassen.
Irgendwann so Ende März setzte ich dann die totale Alkoholabstinenz an erste Stelle
meiner "To Do Liste", und wußte auch das ich mir noch nie so etwas großes und
gleichzeitig für mich Elementares Lebenswichtiges vorgenommen hatte. Ich hatte
verdammt viel Schiss davor "nie wieder" zu sagen. In den folgenden Tagen, trat
ich dann die große Lebenslüge vom kontrollierten Trinken in die Tonne, trank aber
immer noch.
Anfang April war es dann nach soweit, nach einem erneuten Streit mit meiner
Frau war ich zum ersten wichtigen Schritt bereit.
Ich war bei meinem Arzt, welcher ganz erstaunt war, er checkte aktuellen Leberwerte
(ich lasse mich regelmäßig untersuchen, und mache sämtliche Vorsorgeuntersuchungen),
danach sah er sich die der letzten Jahre an, und schüttelte den Kopf - die Werte waren
alle nicht auffällig. Ich bin seit 12 Jahren bei Ihm, er ist jemand der sich noch Zeit
nimmt. Er entschuldigte sich bei mir das er noch nicht einmal den leisesten Verdacht
hatte, schrieb mir eine Überweisung in eine ambulante Fachklinik. Zu seiner Entlastung
muss ich sagen, das ich durch mein Aussehen und mein Auftreten selbst auf Kollegen
welche nach einer Langzeittherapie schon ein paar Jahre trocken waren, nicht wie jemand
wirke der Probleme mit Alkohol hat.
Nach meinem Hausarzt erfuhr es meine Frau, und ich wollte Sie beim Gespräch in
der Fachklinik dabei haben, nicht weil ich Bammel hatte, sondern um ihr zu
zeigen das ich es ernst meinte, ihr und meinen nächsten Angehörigen erzählte
ich auch das ich nie mehr auch nur die geringste Menge trinken durfte.
Der Besuch in der Fachklinik war eine Lachnummer, das einzige was der Arzt
mir direkt anbot war eine stationäre Entgiftung und die Empfehlung einen
Suchtberater der Caritas oder AAs aufzusuchen, da ich beide als religiös angehaucht
wußte, suchte ich nach einer anderen Möglichkeit. Zuhause erinnerte ich mich an
dieses Forum, und habe angefangen hier zu lesen.
Ich erfuhr hier zwar nichts neues zum Thema Sucht, ich habe mir im Laufe der Jahre
schon ein großes Wissen angelesen Teils aus Büchern, teils aus dem Web aber auch
aus Gesprächen mit trockenen Trinkern. All dies Wissen hat mich nicht dazu gebracht
die Lebenslüge vom "kontrollierten Trinken" über Bord zu werfen, ich machte mir
vor es noch zu schaffen, ich bin anderst als die andern, ich schaffe das, ich habe
nur noch nicht die richtige Strategie gefunden, andere bekommen das ja auch hin,
ich bekomme es ja auch mit den längeren Trinkpausen hin, ich schaffe das noch.
Eigentlich war ich noch nicht bereit diese Sucht als unheilbare Krankheit anzunehmen,
die Angst vor dem Lebenslangen "niemals nimmer", war viel zu groß.
Heute etwa 6 Wochen nach meinem Entschluss geht es mir sehr gut, inzwischen
fange ich an mein Leben aufzuarbeiten, da liegt noch sehr viel Arbeit vor mir. Saufdruck
hatte ich selbst nach der ersten Euphorie nicht. Aber dennoch muss ich mir ständig
ins Gedächtnis rufen unheilbar Krank zu sein. Inzwischen habe ich auch kein Problem
mehr damit Menschen die mir nicht so nahe stehen zu sagen, das ich ein Alkoholproblem
habe nie wieder trinken werde, wenn es in Gesprächen um das Thema Alkohol geht.
Ich lehne mich im Moment bewusst sehr weit aus dem Fenster, ich breche Brücken
hinter mir ab, die Hintertürchen sind zugemauert, das Sicherheitsnetz unter dem
Drahtseil ist weg. Das alles macht mir alles keine Angst mehr, ich fühle mich frei.
Viele liebe Grüße
Schorschi |
|
| Nach oben |
|
| Schorschi hat zum Thema: Hallo, ich bin der Neue geschrieben
|
|
 |
Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 14433 Alter: 46
|
Verfasst am: 01.06.2011, 15:17 Titel: Re: Hallo, ich bin der Neue |
|
|
Hallo Schorschi,
herzlich Willkommen hier im Forum und danke für deine ausführliche Vorstellung.
Da hast du deinem Leben jetzt eine ganz entscheidende Wende gegeben. Das freut mich für dich.
Eine Frage habe ich, du schreibst daß du anfängst, dein Leben aufzuarbeiten. Wie meinst du das?
Viele Grüße, Linde |
|
| Nach oben |
|
| Linde66 hat zum Thema: Re: Hallo, ich bin der Neue geschrieben
|
|
 |
Schorschi neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.05.2011 Beiträge: 10 Alter: 50
|
Verfasst am: 01.06.2011, 22:32 Titel: Re: Hallo, ich bin der Neue |
|
|
| Linde66 hat Folgendes geschrieben: | Hallo Schorschi,
Eine Frage habe ich, du schreibst daß du anfängst, dein Leben aufzuarbeiten. Wie meinst du das?
|
Hallo Linde,
Ersteinmal Danke für die Begrüßung.
Mit dem "Aufarbeiten" meinte ich eigentlich Analysieren, ich versuchte herauszufinden warum und ab wann ich süchtig wurde, warum die meisten aus der Clique von damals nicht süchtig wurden und warum es auch Leute gab die mich auf meinem "Highway to Hell" auch noch mit Vollgas überholten, wir waren alle in etwa gleich alt, und wir fingen zusammen an
Alkohol zu trinken.
Dazu kamen auch noch die beliebten "was wäre, wenn.." Kopfspielchen.
Beim heutigen durchstöbern des Forums wurde mir bewusst, das es viel wichtiger ist nach vorne zu schauen um meinen Weg in die dauerhafte Trockenheit zu machen, sicher muss ich dazu auch ab und an zurückblicken,
aber was würde mir eine umfassende Selbstanalyse bringen ? Auf jeden Fall
würde sie mich viel Kraft kosten welche ich früher oder später noch für meine Trockenarbeit brauchen werde.
Gruß Schorschi |
|
| Nach oben |
|
| Schorschi hat zum Thema: Re: Hallo, ich bin der Neue geschrieben
|
|
 |
Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 14433 Alter: 46
|
Verfasst am: 01.06.2011, 22:58 Titel: Re: Hallo, ich bin der Neue |
|
|
Hallo Schorschi,
alles zu seiner Zeit, das merkst du ja selber.
Erst mal die Trockenheit stabilisieren.
Grüße, Linde |
|
| Nach oben |
|
| Linde66 hat zum Thema: Re: Hallo, ich bin der Neue geschrieben
|
|
 |
Schorschi neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.05.2011 Beiträge: 10 Alter: 50
|
Verfasst am: 02.06.2011, 08:05 Titel: Re: Hallo, ich bin der Neue |
|
|
| Linde66 hat Folgendes geschrieben: |
alles zu seiner Zeit, das merkst du ja selber.
Erst mal die Trockenheit stabilisieren.
|
Hallo Linde,
Nein, das merke ich eben gar nicht, mein Bauch und mein Kopf sprechen die
selbe Sprache, und sagen mir: Geschafft, nun noch den Rest Deines Lebens
ein wenig aufgepasst, war ja einfacher als gedacht.
Die Zweifel welche ich im Moment als zarte Pflänzchen hege wären nie von
alleine gewachsen, ohne dieses Forum und den Menschen die hier schreiben
gäbe es sie nicht. Ein wichtiger, vielleicht der wichtigste Punkt, war anzufangen mir
klar zu machen das ich eben nicht anders bin als die andern. Ich muss allerdings
eingestehen, das ich nicht wirklich überzeugt war, aber da
es ein sehr wichtiger Punkt zu sein schien, muss er auch wohl
auch für mich wichtig sein.
Gestern beschäftigte ich mich näher mit dem Suchtgedächtnis, und
ahnte auch gleich das hier der Schlüssel zum Verständnis meiner Sucht
liegen könnte, als ich las was eine Sucht auf Bio-Chemischer eigentlich ist,
gingen bei mir sämtliche Licher auf, Bingo, Jackpott - Volltreffer.
Das verstand ich, es beantwortete mir viele Fragen.
Aus Glauben wurde Wissen, damit kann ich weiterarbeiten.
Einen schönen Feiertag wünscht
Schorschi |
|
| Nach oben |
|
| Schorschi hat zum Thema: Re: Hallo, ich bin der Neue geschrieben
|
|
 |
HansHa neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.06.2009 Beiträge: 476 Alter: 50 Wohnort: Berlin - Trocken seit 2005
|
Verfasst am: 02.06.2011, 08:29 Titel: Re: Hallo, ich bin der Neue |
|
|
Hallo,
wenn ich das lese, erinnert mich das sehr an mich. An dieser Stelle hatte ich auch schon rational kapiert, dass ich Süchtig bin und etwas unternehmen muss. Es hat dann aber noch ein paar Jahre gedauert bis ich meine Versuche mit den Trinkpausen beenden konnte und ich es richtig annehmen konnte, Alkoholiker zu sein. Ich habe dann begonnen, Hilfe für mich zu suchen. Aus mir heraus und ohne die Verantwortung für meine Trockenheit woanders hin zu verlagern. Vielleicht war es das was der Arzt in der Suchtklinik sehen wollte, vielleicht auch etwas anderes.
Schönen Tag
H.
PS: Ich habe mit Religion auch nichts am Hut. Habe aber die ambulante Therapie bei der Caritas gemacht. Gehst Du auch nicht in ein Krankenhaus wenn der Träger eine Kirche ist? Oder höre ich da schon das Suchtgedächtnis, welches anfängt Ausreden zu finden? |
|
| Nach oben |
|
| HansHa hat zum Thema: Re: Hallo, ich bin der Neue geschrieben
|
|
 |
Schorschi neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.05.2011 Beiträge: 10 Alter: 50
|
Verfasst am: 02.06.2011, 10:16 Titel: Re: Hallo, ich bin der Neue |
|
|
| HansHa hat Folgendes geschrieben: | | Hallo, |
Hallo HansHa,
Ich glaube so oder so ähnlich geht es den meisten von uns. Obwohl ich immer glaubte meine regelmäßigen Sabattwochen dienen nur meiner Fitness und Gewichtskontrolle, bin ich mir heute gar nicht mehr so sicher,
ich muss da noch viel darüber nachdenken.
Mein Suchgedächtniss kann mich nicht anlügen, das können nur andere und ich selbst. Ehlich gesagt bin ich mir da auch nicht ganz schlüssig.
Über den Besuch einer lokalen SHG denke ich inzwischen auch nach, morgen ruf ich einen langjährigen Bekannten an und frage ihn nach einem treffen, er kennt sich hie in der Gegen mit SHGs aus, da er nach seiner LZT selbst eine besuchte.
Viele Grüße
Schorschi |
|
| Nach oben |
|
| Schorschi hat zum Thema: Re: Hallo, ich bin der Neue geschrieben
|
|
 |
HansHa neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.06.2009 Beiträge: 476 Alter: 50 Wohnort: Berlin - Trocken seit 2005
|
Verfasst am: 02.06.2011, 16:53 Titel: Re: Hallo, ich bin der Neue |
|
|
| Schorschi hat Folgendes geschrieben: | | ich muss da noch viel darüber nachdenken. |
Dafür mal ein paar Anstöße:
| Schorschi hat Folgendes geschrieben: | | Ich glaube so oder so ähnlich geht es den meisten von uns. Obwohl ich immer glaubte meine regelmäßigen Sabattwochen dienen nur meiner Fitness und Gewichtskontrolle, bin ich mir heute gar nicht mehr so sicher |
Süchtig zu sein bist Du Dir aber schon sicher? Oder wartest Du immer noch auf jemanden, der Dir sagt, dass alles nur ein Irrtum ist? Aber wenn Du lange genug suchst, findest Du diesen jemand auch.
| Schorschi hat Folgendes geschrieben: | | Über den Besuch einer lokalen SHG denke ich inzwischen auch nach, morgen ruf ich einen langjährigen Bekannten an und frage ihn nach einem treffen, er kennt sich hie in der Gegen mit SHGs aus, da er nach seiner LZT selbst eine besuchte. |
Morgen? Warum nicht heute? Wieso "besuchte"? Trinkt er wieder? Für mich wäre der dann kein Umgang mehr. (http://www.forum-alkoholiker.de/grundbausteine-der-nuechternheit.php).
| Schorschi hat Folgendes geschrieben: | | Mein Suchgedächtniss kann mich nicht anlügen |
Eigentlich ja nicht. Aber da frage ich mich doch was das ist, wenn mir mein Suchtgedächtnis z. B. "einbläst", dass ich jetzt soooo einen Durst habe und unbedingt ein kaltes Bier trinken muss? Ist das dann eine Lüge und wer belügt wen? Da finde ich meine Sichtweise doch etwas einfacher.
Und deshalb leide ich noch nicht gleich an einer geteilten Persönlichkeit.
Schönen Tag
H. |
|
| Nach oben |
|
| HansHa hat zum Thema: Re: Hallo, ich bin der Neue geschrieben
|
|
 |