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Ein Höckertier schleicht durch die Wüste...

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D.Romedar
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BeitragVerfasst am: 05.05.2011, 16:27    Titel: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

...und stellt sich erst mal "öffentlich" vor:

(Auszugsweise aus dem Vorstellungsbereich kopiert)

Ich bin 35 Jahre jung, weiblich, sehr sensibel und vertusche mein lausiges Selbstbewusstsein mit einer ziemlich großen Klappe. Am 19.04.11 habe ich für mich entschlossen, dass 20 Jahre Alkohol genug sind und mich meinem Ziel -der ewigen Jugend- nicht näher bringen. Im Gegenteil... Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass die kleinen roten Äderchen unter den Augen und die biergeformte Negativ-Taille ziemlich unvorteilhaft aussehen.
Ich weiss schon seit Anfang 20, dass ich meinen Alkoholkonsum drastisch einschränken sollte...habe dann aber den Absprung verpasst, weil ich mein "schönes, freies, wildes Leben" nicht aufgeben wollte. Ich WOLLTE nicht, selbst wenn ich es gekonnt hätte! Gerade die gutgemeinten Ratschläge von meiner Mutter und meiner damaligen Freundin, haben mich in dem Bewusstsein nur bestärkt, dass ich eine einsame und unverstandene Wölfin bin. (Darauf noch ein Bier und Janis Joplin voll aufgedreht.)
Ich habe auch am liebsten zuhause gesoffen -alleine, nur mit der Musik über Kopfhörer und dabei gemalt. Im drömeligen Kopp konnte ich sogar Liebesgedichte schreiben. Nüchtern fehlen mir oft die Worte, um meine Gefühle auszudrücken.
Ich bin übrigens nicht verheiratet, habe keine Kinder und auch meine Eltern wohnen weit genug weg. Ich bin seit 1992 in meinem Beruf, habe dort bislang keine Probleme wegen dem Alk gehabt und musste auch noch nie den Lappen abgeben. Ich führte sozusagen ein unauffälliges Alkoholikerdasein, wo abends schon mal eine, eher zwei Flasche/-n Rotwein oder 4-6 halbe Liter Bier bei draufgingen.
Naja, aber seit nunmehr 16 Tagen will ich das nicht mehr. Auslöser war vielleicht meine weinende Freundin, die sich Sorgen um mich machte. Oder ein Telefonat mit meinem Vater, der wieder dudeldicke war (ist auch Alki -will aber nichts dran ändern). Ich weiss es ehrlich gesagt nicht so genau und weiss auch nicht, ob das überhaupt wichtig ist.
Ich lese seitdem jedenfalls täglich hier und in anderen Sucht-Foren mit, halte mich von den trinkenden Nachbarn fern und lasse Bier und Wein in den Supermarktregalen stehen.
Ich will es jetzt einfach packen -meine Zeit ist mir zu schade für den Suff.

Vermutlich wird mein grösstes Problem aber der ehrliche Umgang mit meinem Umfeld sein... Ich schäme mich für meine Alkoholabhängigkeit und muss erst lernen damit umzugehen. Bisher speise ich meine trinkenden Freunde und Nachbarn damit ab, lapidar zu sagen, dass ich keine Zeit habe, oder mir momentan einfach nicht nach Alkohol ist. Im Grunde habe ich auch nur 2 wirklich gute FreundInnen, die wenig bis gar nichts trinken und zu denen bin ich ehrlich und erlaube mir auch mal Schwäche zu zeigen.
Und natürlich meine Partnerin, die sich über meinen Sinneswandel freut -aber dem Braten noch nicht so recht traut. Kann ich ihr nicht verübeln. Ich wäre ja nicht die Erste, die es nicht packt.

Dazu muss ich aber direkt sagen, dass ich ihr noch nie versprochen habe aufzuhören. Ich habe mich zwar öfter mal zurück gehalten (nur 1-2 Gläser Wein am Abend). Aber wenn sie mal einen oder zwei Tage beruflich unterwegs war, alles nachgeholt... Und das hat sie danach auch immer mitbekommen, schon allein wegen des Leerguts.

Ich stand immer dazu, dass ich gerne und viel trinke -einfach weil es mir auch geschmeckt hat und habe keinen Sinn darin gesehen Versprechen zu geben, die ich gar nicht halten will.
(Ich habe ihr lediglich ein mal versprochen, für eine Woche nichts zu trinken. Und mich dann auch daran gehalten, weil ich nicht wollte, dass sie sich ernsthafte Sorgen macht.)

Aber wisst ihr was?! In dieser besagten Woche habe ich täglich nur daran gedacht, wie schön es jetzt wäre, sich einen nebligen Schleier ins Hirn zu trinken und mein Bier sehr vermisst. Diesmal ist es anders...
Irgendeine Stimme sagt mir: "Ey, Höckertier -lass jot sin. 20 Jahre trinkst du das Zeug jetzt, reicht mal langsam."
Und so blöd, wie sich das jetzt anhört. Ich glaube auf diese innere Stimme habe ich gewartet und nun ist es auch gut.

Eine Woche danach:

Ich war übrigens auch schon bei meiner Ärztin und habe ganz ehrlich und ohne irgendwas zu beschönigen von meinem Alkoholkonsum berichtet -sie sieht bei mir keine Anzeichen einer körperlichen Abhängigkeit, u.a. weil ich keine Entzugserscheinungen habe.
Das lässt natürlich wieder Raum für Spekulationen...
"Bin ich vielleicht doch kein Alki? Kann ich nicht doch wieder auf Feiern einen trinken? Muss ja nicht so viel wie früher sein und nur ganz selten..."
Naja, schätze diesen Gehirnpups hatten hier viele schon.

Und meine weiteren Schritte:

1. Ich kann mit Stolz verkünden, eine SHG aufgetan zu haben, wo ich nur eine halbe Stunde Anfahrt habe und die sich diesen Dienstag trifft. Ich habe mich telefonisch angemeldet und war schon mal erfreut, eine relativ junge Stimme am Ohr gehabt zu haben. Mal schauen, was da auf mich zu kommt...

2. Habe ich die Hoffnung über diese Leute an einen guten Therapeuten zu geraten, der sich mit meinem Problem auch auskennt.
Schaden kann es nicht!

3. Habe ich meinen Eltern eröffnet, dass ich sie nicht mehr besuchen werde, wenn dort Alkohol konsumiert wird und/oder Papa schon morgens mit Fahne in der Küche steht, weil ich Alkoholikerin bin und trocken werden möchte. Seitdem ist im Hause Höckertier ein unangenehmer Denkprozess im Gange.

Ergo: ich bin momentan wirklich zufrieden mit mir und meiner Situation! Denke auch nicht oft ans Trinken und habe Eistee für mich entdeckt.
Schön

(Ist jetzt ganz schön lang geworden -sorry)
LG
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D.Romedar hat zum Thema: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... geschrieben
FloS
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.05.2011
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Alter: 35

BeitragVerfasst am: 05.05.2011, 17:17    Titel: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo D.Romedar, sehr schön von dir zu lesen. Kann kaum glauben, wie bekannt mir da vieles vorkommt!

D.Romedar hat Folgendes geschrieben:
...und stellt sich erst mal "öffentlich" vor:

(Auszugsweise aus dem Vorstellungsbereich kopiert)

Ich bin 35 Jahre jung, weiblich, sehr sensibel und vertusche mein lausiges Selbstbewusstsein mit einer ziemlich großen Klappe. Am 19.04.11 habe ich für mich entschlossen, dass 20 Jahre Alkohol genug sind und mich meinem Ziel -der ewigen Jugend- nicht näher bringen. Im Gegenteil... Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass die kleinen roten Äderchen unter den Augen und die biergeformte Negativ-Taille ziemlich unvorteilhaft aussehen.
Ich weiss schon seit Anfang 20, dass ich meinen Alkoholkonsum drastisch einschränken sollte...habe dann aber den Absprung verpasst, weil ich mein "schönes, freies, wildes Leben" nicht aufgeben wollte. Ich WOLLTE nicht, selbst wenn ich es gekonnt hätte! Gerade die gutgemeinten Ratschläge von meiner Mutter und meiner damaligen Freundin, haben mich in dem Bewusstsein nur bestärkt, dass ich eine einsame und unverstandene Wölfin bin. (Darauf noch ein Bier und Janis Joplin voll aufgedreht.)


Suche nach ewiger Jugend, rebellisch sein, unverstandener Wolf und dazu dann der passende Soundtrack. Spricht mir wirklich, wirklich aus der Seele!
Komisch, dass du/ich/wir mein(t)en, das in der Form zu realisieren, sich in der eigenen Hütte ordentlich einen hinter die Binde zu kippen, oder? So gesehen kommt mir dein Beitrag hier gerade recht, ich neige nämlich schnell zur romantisierung - wohl gerade auch wenn's um den Stoff geht.

Zitat:

Ich habe auch am liebsten zuhause gesoffen -alleine, nur mit der Musik über Kopfhörer und dabei gemalt. Im drömeligen Kopp konnte ich sogar Liebesgedichte schreiben. Nüchtern fehlen mir oft die Worte, um meine Gefühle auszudrücken.


Groß geschrieben hab ich noch nie - dafür bin ich dann tagsüber mit der Kamera los, um dann abends in bierhaltiger Atmosphäre die Bilder zu sichten und zu bearbeiten. Für das kurze Zeitfenster, bis ich dafür dann wieder zu verballert war, so versteht sich von selbst.

Zitat:

Ich bin übrigens nicht verheiratet, habe keine Kinder und auch meine Eltern wohnen weit genug weg. Ich bin seit 1992 in meinem Beruf, habe dort bislang keine Probleme wegen dem Alk gehabt und musste auch noch nie den Lappen abgeben. Ich führte sozusagen ein unauffälliges Alkoholikerdasein, wo abends schon mal eine, eher zwei Flasche/-n Rotwein oder 4-6 halbe Liter Bier bei draufgingen.


Naja, in der Außenansicht stehe ich, so habe ich immer wieder gehört, wohl auch ziemlich gut da. Studium, Job, ebenfalls noch nie Probleme mit offiziellen Stellen... Und gleichfalls eher unauffälliger Trinker. Ob nun zu hause oder irgendwo unterwegs - war nie der Typ, der dadurch auf dumme Ideen kommt oder sich in einer für andere ersichtlich unangenehmen Weise verhalten hätte. Soweit mir bekannt ist, versteht sich...

Zitat:

Naja, aber seit nunmehr 16 Tagen will ich das nicht mehr. Auslöser war vielleicht meine weinende Freundin, die sich Sorgen um mich machte. Oder ein Telefonat mit meinem Vater, der wieder dudeldicke war (ist auch Alki -will aber nichts dran ändern). Ich weiss es ehrlich gesagt nicht so genau und weiss auch nicht, ob das überhaupt wichtig ist.
Ich lese seitdem jedenfalls täglich hier und in anderen Sucht-Foren mit, halte mich von den trinkenden Nachbarn fern und lasse Bier und Wein in den Supermarktregalen stehen.
Ich will es jetzt einfach packen -meine Zeit ist mir zu schade für den Suff.


Du hast also jetzt schon 16 Tage geschafft?
Das ist doch schon mal ne ganze Menge! Ich konfrontiere gerade den zweiten Alk-freien Abend... und ein Kindergeburtstag ist das, psychisch, bisher eher nicht.

Zitat:

Vermutlich wird mein grösstes Problem aber der ehrliche Umgang mit meinem Umfeld sein... Ich schäme mich für meine Alkoholabhängigkeit und muss erst lernen damit umzugehen. Bisher speise ich meine trinkenden Freunde und Nachbarn damit ab, lapidar zu sagen, dass ich keine Zeit habe, oder mir momentan einfach nicht nach Alkohol ist. Im Grunde habe ich auch nur 2 wirklich gute FreundInnen, die wenig bis gar nichts trinken und zu denen bin ich ehrlich und erlaube mir auch mal Schwäche zu zeigen.
Und natürlich meine Partnerin, die sich über meinen Sinneswandel freut -aber dem Braten noch nicht so recht traut. Kann ich ihr nicht verübeln. Ich wäre ja nicht die Erste, die es nicht packt.


Ich kann mir derzeit auch wesentlich besser vorstellen, mal locker zu sagen "Nee, keine Lust mehr auf Alkohol, war zu viel die letzte Zeit, blabla" als "Ich bin alkoholkrank, kann ich mir nicht leisten!".

Zitat:

Dazu muss ich aber direkt sagen, dass ich ihr noch nie versprochen habe aufzuhören. Ich habe mich zwar öfter mal zurück gehalten (nur 1-2 Gläser Wein am Abend). Aber wenn sie mal einen oder zwei Tage beruflich unterwegs war, alles nachgeholt... Und das hat sie danach auch immer mitbekommen, schon allein wegen des Leerguts.

Ich stand immer dazu, dass ich gerne und viel trinke -einfach weil es mir auch geschmeckt hat und habe keinen Sinn darin gesehen Versprechen zu geben, die ich gar nicht halten will.
(Ich habe ihr lediglich ein mal versprochen, für eine Woche nichts zu trinken. Und mich dann auch daran gehalten, weil ich nicht wollte, dass sie sich ernsthafte Sorgen macht.)


Habe auch noch nie entsprechende Versprechungen gemacht. Auch jetzt nicht - wenn überhaupt, dann mir selbst gegenüber. Wobei, bei genauem nachdenken würde ich sagen, das war eher eine Entscheidung - ist auch besser so, ich war glaube ich noch nie gut im Einhalten von Versprechungen mir selbst gegenüber. Meiner Partnerin muss ich nichts versprechen, sie findet es zwar sichtlich gut, dass ich's probiere... wenn's nicht klappen würde hätte ich aber auch mit nichts als Verständnis zu rechnen.

Zitat:

Aber wisst ihr was?! In dieser besagten Woche habe ich täglich nur daran gedacht, wie schön es jetzt wäre, sich einen nebligen Schleier ins Hirn zu trinken und mein Bier sehr vermisst. Diesmal ist es anders...
Irgendeine Stimme sagt mir: "Ey, Höckertier -lass jot sin. 20 Jahre trinkst du das Zeug jetzt, reicht mal langsam."
Und so blöd, wie sich das jetzt anhört. Ich glaube auf diese innere Stimme habe ich gewartet und nun ist es auch gut.


Tja, schöner Mist - wenn ich danach gehe, ob ich es jetzt angenehm fände, mir besagten Nebel zu geben... Ich fürchte, das wäre wohl so. Wird aber wohl kaum jemandem im akuten Entzug anders gehen - oder doch? Würde mich jetzt eben echt mal interessieren... so die ersten 2-3 von deinen 16 Tagen, hattest du die Stimme der Vernunft da auch schon so deutlich in den Ohren bzw. konntest den Nebel schon so gut wegpusten?

Zitat:

Eine Woche danach:

Ich war übrigens auch schon bei meiner Ärztin und habe ganz ehrlich und ohne irgendwas zu beschönigen von meinem Alkoholkonsum berichtet -sie sieht bei mir keine Anzeichen einer körperlichen Abhängigkeit, u.a. weil ich keine Entzugserscheinungen habe.
Das lässt natürlich wieder Raum für Spekulationen...
"Bin ich vielleicht doch kein Alki? Kann ich nicht doch wieder auf Feiern einen trinken? Muss ja nicht so viel wie früher sein und nur ganz selten..."
Naja, schätze diesen Gehirnpups hatten hier viele schon.


Beim Arzt war ich vorher. Soweit behält er mit seiner Vermutung, dass auch dieses mal keine körperlichen Symptome auftreten würden bei mir ebenfalls recht (soweit mit bekannt ist). Mehr als ein Gehirnpups ist das mit dem "ganz selten mal einen trinken" aber wirklich nicht. Geht doch im Grunde auch gar nicht darum, mal auf Feiern einen zu trinken - dir doch auch nicht, der Beschreibung deiner Trinkgewohnheiten nach? Für mich insofern wohl auch nix, weil ich dafür zu extrem ticke. Schwarz/weiß, Saufen oder nicht saufen.

Zitat:

Und meine weiteren Schritte:

1. Ich kann mit Stolz verkünden, eine SHG aufgetan zu haben, wo ich nur eine halbe Stunde Anfahrt habe und die sich diesen Dienstag trifft. Ich habe mich telefonisch angemeldet und war schon mal erfreut, eine relativ junge Stimme am Ohr gehabt zu haben. Mal schauen, was da auf mich zu kommt...

2. Habe ich die Hoffnung über diese Leute an einen guten Therapeuten zu geraten, der sich mit meinem Problem auch auskennt.
Schaden kann es nicht!

3. Habe ich meinen Eltern eröffnet, dass ich sie nicht mehr besuchen werde, wenn dort Alkohol konsumiert wird und/oder Papa schon morgens mit Fahne in der Küche steht, weil ich Alkoholikerin bin und trocken werden möchte. Seitdem ist im Hause Höckertier ein unangenehmer Denkprozess im Gange.

Ergo: ich bin momentan wirklich zufrieden mit mir und meiner Situation! Denke auch nicht oft ans Trinken und habe Eistee für mich entdeckt.
Schön

(Ist jetzt ganz schön lang geworden -sorry)
LG


Klasse!
Ich behaupte einfach mal, da bist du schon ein paar Schritte weiter als ich. Hast absolut meinen Respekt.
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FloS hat zum Thema: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... geschrieben
D.Romedar
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 05.05.2011, 18:02    Titel: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Wow, danke FloS!
Bin mir zwar nicht sicher, ob ich so viel Respekt nach so relativ kurzer Zeit (im Verhältnis zu 20 Jahren mit Alkohol) jetzt schon verdient habe... Winken ... aber du bist der Erste, von dem ich das höre.

Und muss sagen: Schönes Gefühl -gönne mir jetzt einfach mal ein stolzes Grinsen!

FloS hat Folgendes geschrieben:
Groß geschrieben hab ich noch nie - dafür bin ich dann tagsüber mit der Kamera los, um dann abends in bierhaltiger Atmosphäre die Bilder zu sichten und zu bearbeiten. Für das kurze Zeitfenster, bis ich dafür dann wieder zu verballert war, so versteht sich von selbst.


Hattest du auch das Gefühl unter Alk viel kreativer zu sein? Wenn ich nämlich ganz, ganz ehrlich bin: DAS fehlt mir nämlich schon ein wenig.

FloS hat Folgendes geschrieben:
Tja, schöner Mist - wenn ich danach gehe, ob ich es jetzt angenehm fände, mir besagten Nebel zu geben... Ich fürchte, das wäre wohl so. Wird aber wohl kaum jemandem im akuten Entzug anders gehen - oder doch? Würde mich jetzt eben echt mal interessieren... so die ersten 2-3 von deinen 16 Tagen, hattest du die Stimme der Vernunft da auch schon so deutlich in den Ohren bzw. konntest den Nebel schon so gut wegpusten?


Hmmm... nö. Das hatte ich ja versucht, in seiner Unterscheidung zu beschreiben.
Also, ich hatte meiner Freundin damals zuliebe versucht, eine Zeit lang kürzer zu treten bzw. mit dem Alk zu pausieren. Während dieser Zeit saß mir allerdings der Gedanke an mein schönes, kühles Bier oder einen leckeren Rotwein rund um die Uhr im Nacken und ich habe mich geärgert, dass ich morgens schon wusste: "Nehee, diesen Abend darfst du auch nix!" (Die Stimme in meinem Kopf hatte einen wirklich hähmischen Unterton) Und ich tat mir leid und war auch nícht gut drauf und mochte mich nicht und meine Umgebung auch nicht und meine Freundin war Schuld an Allem. Zum Glück habe ich mir damals auf die Zunge gebissen und ihr das nicht an den Kopf geknallt.

Diesmal kam der Wille von mir selbst und es gibt keine zeitliche Begrenzung. Ich brauch also auf keinen sauer sein, der Frust hätte keinen Adressaten. Ich muss auch nicht ständig auf den Kalender schielen, weil es da nirgends ein Datum gibt ab dem ich wieder Alkohol trinken darf. Und ganz abgesehen davon.... (tusch) ICH WILL AUCH GAR NICHT! (tataaa)

Da solltest du auch immer dran denken. WILLST du abstürzen und besoffen deinen Kumpels telefonisch auf den Geist gehen? (Das hab ich immer gerne gemacht -frau war dann immer sehr mitteilungsbedürftig)
Mit schlechtem Gewissen und dickem Kopf aufwachen und den Tag danach verschenken? Deinen Körper mit Gift langsam kaputt machen?

Nein, das willst du sicher nicht! Aber, weil du weisst, dass es nur schwarz oder weiss im Extremen gibt, fällt nicht nur das 2. und 3. Glas weg, sondern schon das 1....
Also, WILLST du doch auch gar nicht trinken!

Also, mir hilf dieser Gedankengang immer.
Und das hier:

Zitat:
Meiner Partnerin muss ich nichts versprechen, sie findet es zwar sichtlich gut, dass ich's probiere... wenn's nicht klappen würde hätte ich aber auch mit nichts als Verständnis zu rechnen.


Ha -wär doch aber trotzdem klasse, wenn sie dann zu dir sagen würde:

Zitat:
Hast absolut meinen Respekt.


Ich drück dir jedenfalls die Daumen!!!!
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D.Romedar hat zum Thema: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 06.05.2011, 07:32    Titel: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf D.Romedar

D.Romedar hat Folgendes geschrieben:
du bist der Erste, von dem ich das höre
da will ich schnell der zweite sein. (mancheine/r hatte nach zwei wochen schon den dritten rückfall.) ja - es geht auch ohne rückfall .. dafür verdient jede/r (ich auch) für jede minute jede stunde und jeden tag respekt.

schöne zeit

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... geschrieben
D.Romedar
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 06.05.2011, 14:38    Titel: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hey, danke Matthias!

Deine Geschichte war übrigens eine der ersten und beeindruckendsten, die ich hier gelesen habe.
Ich glaube sogar ein Stück weit nachvollziehen zu können, warum du so "locker" trocken werden konntest. (jaja, nicht gleich auf mich einprügeln... -LOCKER war das sicher auch nicht, schon klar)

Du hast deinen Weg konsequent und ohne Hintertürchen verfolgt und dabei eine bemerkenswerte Disziplin an den Tag gelegt. Dafür auch von mir:

RESPÄÄÄÄKT

ach, und dein kreatives Schriftbild -extrem cool!!! Winken
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D.Romedar hat zum Thema: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... geschrieben
D.Romedar
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 27.04.2011
Beiträge: 41
Alter: 42
Wohnort: in NRW im Wald

BeitragVerfasst am: 11.05.2011, 09:20    Titel: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

So, ihr Lieben!

22 Tage ohne und alles ist gut Sehr glücklich ... naja - fast.

Ich war ja nun schon zwei mal bei der realen SHG im Nachbarort und langsam fällt es mir leichter, über meine Alkoholsucht zu sprechen -aber leider NUR in diesem illustren Kreis (und natürlich hier im Forum) und bei richtigen Freunden.

Bei den Nachbarn fällt mir das noch immer unendlich schwer und bei den Arbeitskollegen erst recht... Traurig
Ich kriegs nicht hin!

Ich gehe den feuchtdödeligen Anlässen ja schon bewusst aus dem Weg. Aber wenn der links wohnende Nachbar strunkelig zu meinem rechts wohnenden Nachbarn rüber will und fast über meinen Gartenzaun fällt, kann ich mich der Situation einfach nicht entziehen. Dann laufen die Dialoge meist so ab:

Er: Hey Höckertier, wie gehts?
Ich: Gut. Und selbst?
Er: Ich muss zum ... rüber und....blablabla. Kommst gleich auch? Bier steht kalt, höhöhö.
Ich: Neee, weisst doch dass ich nix mehr trinken will.
Er: Ach komm, eins geht doch. Warst schon an meinem Geburtstag nicht dabei.
Ich: Ne, wirklich. Ich habe da grad gar keinen Bock drauf -das war so viel in letzter Zeit... Ich mag nicht mehr.
Er: Hm, kannst dir ja nochmal überlegen.

*seufz* Und diese Art Diskussion habe ich mindestens jeden dritten Tag. (nicht immer liegt einer über'm Zaun!!!)
Irgendwie glaube ich auch nicht richtig dran, dass es was ändern würde, wenn ich klipp und klar sagen würde, dass ich Alkoholikerin bin.

Würden die glatt nicht glauben wollen, weil sie dann ihren eigenen Alkoholkonsum mal überdenken müssten. Und wir sprechen hier von gestandenen Männern um die 60.
Ich will mich in unserem kleinen Dörfchen auch nicht unbeliebt machen...

Da ist guter Rat teuer.

So long,
das Höckertier
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D.Romedar hat zum Thema: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... geschrieben
dorothea
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.08.2006
Beiträge: 9384
Alter: 54
Wohnort: Salzgitter

BeitragVerfasst am: 11.05.2011, 09:52    Titel: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo höckertier

ich fürchte das du mit dem "die würdens nicht glauben" völlig richtig liegst, grade weil du ihnen den spiegel vor hälst. das ist wirklich nicht so einfach. einerseits hast du keinen bock auf solche diskusionen andererseits ist auch klar das sie, wenn auch auf andere art und weise, weiter gehen wenn du dich outest. grade auf nem dorf ist es schwierig sich da raus zu ziehen. sollten deine nachbarn auch abhängig sein, steht auch für sie der alkohol an erster stelle, verständniss wird es da nicht wirklich geben. nur wirst du in den sauren apfel beißen müssen und hier klare grenzen setzen. auch in nem dorf sind ja nicht alle abhängig und du wirst kontakte zu anderen knüpfen die bisher nen bogen um dich machten weil du eben gesoffen hast. das braucht alles bischen zeit, sowas ändert sich nicht von heute auf morgen. schau wo sich leute ohne alk treffen und gesell dich dazu, das wird schon.

doro
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dorothea hat zum Thema: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... geschrieben
Melinak
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 10.12.2008
Beiträge: 5242
Alter: 46
Wohnort: Deutschland

BeitragVerfasst am: 11.05.2011, 11:04    Titel: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo höckertier,

also das mit der grossen klappe die du so beschreibst kann ich dir bestätigen. schön dich zu lesen.

ich selbst bin eine von den coabhängigen. ich habe selten alkohol getrunken bin aber ein suchtmensch.

das dir deine freundin nicht ganz über den weg traut kann ich vollkommen nachvollziehen, ich würd das auch nicht tun! ich bin da sehr geprägt von meinen erlebnissen.

doch ich finde deinen entschluss sehr sehr schön und habe im moment so den eindruck das du hinter dem stehst was du schreibst. bin gespannt!

zu der geschichte mit deiner nachbarschaft möcht ich dir schreiben, dass ich selbst nur durch offenheit und ehrlichkeit weiter gekommen bin. gnadenlose ehrlichkeit mir gegenüber und auch den anderen gegenüber. sag ihnen das du alkoholikerin bist, das du aufgehört hast zu trinken und daher nie wieder alkohol trinken willst. es ist doch sowas von egal was die anderen dann denken. der eine wird so reagieren der andere so. wichtig ist das du offen bist, die karten auf den tisch legst und dann später dich nicht mehr umausreden kümmern musst, dir was neues ausdenken musst um nicht zu kommen. sags offen ehrlich und berufe dich in zukunft darauf das du trocken bleiben möchtest. schau was passieren wird, ich bin mir sicher da passiert was ganz anderes wie du dir das vorstellst. ist doch spannend oder nicht?

lieben gruß melanie
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Melinak hat zum Thema: Re: Ein Höckertier schleicht durch die Wüste... geschrieben

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