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Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe

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mostwanted75
Gast






BeitragVerfasst am: 03.05.2011, 21:32    Titel: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich wünsche einen wunderschönen Abend. Wie alle hier habe ich ein Problem mit Alkohol. Nicht ich direkt, aber mein Partner.

Ich bin noch nicht so lange mit ihm zusammen (1,5 Jahre). Wir haben auch keine gemeinsame Wohnung und führen bisher eine Fernbeziehung, was daran liegt, dass ich sehr erfolgreich in meinem Job bin und ich die Möglichkeit hätte, zum Ende des Jahres genau das, was ich jetzt tue, in seiner Stadt weiterzuführen.

Allerdings habe ich vor ein paar Monaten gemerkt, dass er trinkt. Anfänglich konnte er das gut vertuschen, oder ich hab es nicht so gesehen. Aufgrund dessen, dass wir uns meist nur am Wochenende sahen bzw. sehen und er sich diese 2-3 Tage völlig normal verhielt, brauchte ich eine Weile um zu verstehen, was wirklich in der Woche bei ihm so passiert.

Es ging los damit, dass sich die Anrufe im angesäuselten Zustand häuften. Er war dann nie aggressiv, sondern eher noch mehr "Wolke 7".
Dann kam es mal vor, dass er mitten in der Nacht anrief. Weiter ging es mit Vergesslichkeit, Unzuverlässigkeit bis hin zu ständiger Jammerei.

Als ich ihn ansprach und ihm klar sagte, dass ich denke, er hätte ein Problem, da nannte er mir folgende Gründe dafür, dass er trinken würde :

- Einsamkeit
- Selbstzweifel (Stichwort : was hab ich erreicht in meinem Leben ?)
- fehlende Motivation / Antrieb

Klang ein wenig nach Depressionen und das er sich mit dem Alkohol den Alltag erträglich säuft.

Er meinte, wenn er nicht mehr allein wäre und wieder Schwung in sein Leben käme, dann käme er ganz leicht wieder vom Alkohol weg.

Ich fing an, mich durch Foren zu lesen, mit Freunden zu sprechen und mir klar zu werden, dass ich hier ernsthaft schauen muss, wo meine Grenzen sind (was will ich ? was tut mir gut, was nicht?)

Einfach aufgeben wollte ich nicht. Ich musste sehen, was dahintersteckt. Ich nahm mir frei und schlug ihm vor, dass ich zu ihm fahre und wir diese Zeit für uns nutzen. Mein erster längerer Urlaub nach langer Zeit.

Die ersten 3 Tage waren schön. Er musste zwar arbeiten- aber es blieb viel Zeit übrig für uns. Am 4. Tag wurde er launischer, hektisch und zunehmend unruhiger. Er verschwand dann abends kurz und kam mit einer Fahne wieder. Die nächsten Tage waren ähnlich. Morgens war er dann völlig kaputt und müde, mittags kamen SMS mit " hab Magenprobleme und Schlafstörungen" usw.

Da wurde mir klar : Egal was er sagt- es ist eine Sucht und die geht nicht einfach wieder weg, wenn ich zu ihm ziehe. Er trinkt mittlerweile nicht mehr aus Einsamkeit, Selbstzweifel oder Langeweile, sondern weil er es braucht- inakzeptabel für mich. GRENZE gefunden Ausrufezeichen

Genau SO sagte ich es ihm auch, als er nüchtern war. Ich glaube, er war selber erschrocken, denn ihm wurde da auch erst richtig bewusst, dass er sich widersprach- denn er war nicht allein, ich zeigte ihm meine Liebe und gab ihm Bestätigung und ich sorgte für Schwung, Ideen, Spaß.
Und dennoch war der Drang nach Alkohol da.

Ich sagte ihm deutlich, dass ich auf dieser Basis mein gewohntes Umfeld nicht verlasse. Ich ziehe nicht zu ihm und lasse Freunde, Familie und Kollegen zurück, für einen Partner, der trinkt. Das würde uns beide kaputt machen. --> Grenze definiert Ausrufezeichen (dem Partner gegenüber).

Nun "kämpfe" ich mit der Reaktion. Ich kann Gefühle nicht abstellen. Ich weiß aber, was ich will und was ich NICHT will. Ausgesprochen habe ich es.

Die Reaktion von ihm war, dass er was tun möchte. Er sagt, er wäre bereit dazu. Ich lasse ihn also machen und versuche derweil, 350 Kilometer entfernt, meine Woche nach meinen Vorstellungen zu gestalten.
Er war bisher nicht beim Arzt oder bei einer SHG. Er sagt, er will auf Alkohol verzichten. Ich sagte ihm, dass er da riskiert, dass was passiert- aber der Mann ist mit seinen fast 40 Lenzen einfach nicht zu belehren.

Er distanziert sich gerade bzw. kommt es mir so vor. Wir telefonieren kaum noch und wenn, dann sehr früh am Tag. SMS und sonstige Kommunikation ist sehr beschränkt.

Entweder braucht er Zeit für sich oder - im schlimmen Falle- möchte er einfach nicht ertappt werden, wenn er schwach geworden ist ? Ausrufezeichen

Ich kann also grad nur mein Leben leben und warten, was passiert. Notfalls bleibt nur die Trennung- das ist mir bewusst, aber so "nüchtern und abgeklärt" das ganze klingt - es tut mächtig weh, sonst wär ich nicht hier.

Ich hoffe, ich kann durch den Austausch hier Bestärkung in meinem Handeln finden.
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mostwanted75 hat zum Thema: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe geschrieben
Midnight
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 26.04.2011
Beiträge: 18
Alter: 44

BeitragVerfasst am: 03.05.2011, 23:19    Titel: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hi, gleichgesinnte...

obwohl es nicht zum lachen ist, kommt ein leichtes grinsen...

wenn wir uns gegenüber säßen würdest du es verstehen, denn ich könnte zu allem bestätigend nicken...

immer wieder das gleiche bild...
der einen seite ist der fehler nicht bewußt und die andere seite zerbricht sich den kopf...

dein bild ist ein spiegelbild eines spiegelbildes, eines spiegelbildes etc.

ich bin gerade auch in dieser phase zwischen helfersyndrom und los lassen/beenden...

mein partner arbeitet viel auswärts...aber auch dort gibt es bestimmt alkohol...
und an den wochenenden...hhhmmm...

merkst du wie wir uns abhängig machen?

er meldet sich nicht und du...ärgerst dich...

am anfang der beziehung hat man lange telefoniert, nun sind es kurzgespräche...

man hat so seine vorstellung von der partnerschaft, die nicht erfüllt wird, trotzdem hofft man...
...aber worauf?

ich kann dir nicht die standardtipps wie andere geben...
wie: verlass ihn! denk wieder nur an dich!...

ich hoffe nur für dich und mich und anderen, dass du deine benannten grenzen beibehälst und verstärkst, bis du/ich sagen können:
...bye, bye altes leben, hallo neues leben...

in diesem sinne...gute nacht...

...und lies hier viel weiter...ist ne tolle seite!
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Midnight hat zum Thema: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe geschrieben
mostwanted75
Gast






BeitragVerfasst am: 04.05.2011, 07:39    Titel: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Guten Morgen,

es ist halt auch mein Kampf : Kopf vs. Herz. Mein Kopf sagt : Was willst Du von ihm ? Er kann Dir nicht geben, was Du suchst. Du kannst nicht für ihn entscheiden.

Mein Herz sagt : Willst Du der modernen Zeit folgen und ohne kämpfen einfach gehen ? Willst Du es "allen" gleich machen und Dir einfach jmd Neues suchen, obwohl Du weißt, dass auch andere, neue Partner Probleme haben können, die Dich vielleicht noch mehr kaputtmachen ?

Es ist eine Krankheit- dafür kann er nicht wirklich etwas. Wenn er nüchtern ist, ist er wunderbar. Selbst wenn er getrunken hat, ist er harmlos, ja geradezu zerbrechlich.

Würde er aggressiv werden, auf mir rumhacken, andere anpöbeln, Blödsinn machen - da wäre es für mein Herz irgendwo "leichter".

Aber so fühlt es sich an, als müsste ich zugucken, wie sich mein Mann immer weiter ins Verderben säuft und sich meine - mit ihm ausgemalte Zukunft, unsere ganze Planung- so langsam in Luft auflöst...

Ich habe die ganze Zeit ein Bild vor Augen : Wir beide glücklich lächelnd, Arm in Arm auf einem Foto und so langsam verschwindet er auf dem Bild... Wie im Film "Zurück in die Zukunft".

Ich hab sicherlich kein Helfersyndrom- denn alle Partner, die ich vorher hatte, hatten auch irgendwelche Probleme. Ich habe sie dennoch verlassen, weil ich mir das nicht antun wollte.

Bei ihm ist das Gefühl viel zu stark und obwohl ich vollkommen abgeklärt bin und versuche, möglichst nicht "CO" zu sein und ihm Dinge zu erleichtern usw.,
möchte ich dennoch DA sein für ihn und nicht einfach
loslassen.

Nicht so schnell.
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mostwanted75 hat zum Thema: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe geschrieben
Aurora
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 02.05.2007
Beiträge: 5776
Alter: 53
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 04.05.2011, 07:50    Titel: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Mostwanted,

willkommen im Forum!

Du hast da sehr gut deine Grenzen erkannt und sie ihm auch gesagt. Er weiß, woran er ist mit dir.

Das ist wichtig und mir z.B. ist dieser Schritt sehr, sehr schwer gefallen damals, meine Grenzen zu erkennen und sie dann auch aufrecht zu halten. Und die Konsequenzen auch anzunehmen und zu tragen.

Die Konsequenz ist nun, dass er sieht, du machst seine Spiele nicht mehr mit. Er zieht sich zurück.

Das tut sehr weh, eine Trennung bzw. dieses Verhalten, was er jetzt hat, das tut weh. Loslassen tut weh. Erstmal. Aber dieser Schmerz vergeht. Eine Beziehung mit jemandem, der trinkt tut aber 1000 Male mehr weh!

Mit diesem Satz sagst du was wichtiges, finde ich
Zitat:
Aber so fühlt es sich an, als müsste ich zugucken, wie sich mein Mann immer weiter ins Verderben säuft und sich meine - mit ihm ausgemalte Zukunft, unsere ganze Planung- so langsam in Luft auflöst...

So in etwa läuft das auch ab. Du hast deine Vorstellung von der Beziehung, glücklich Arm in Arm. Er kann sich ein Leben ohne Alkohol wohl zur Zeit nicht vorstellen. Und mit Alk geht es nicht Arm in Arm, weil diese Krankheit es einfach nicht zulässt. Weil sie stärker ist als alles andere, weil sie den Menschen verändert und zerstört. Alkohol zerstört nicht nur den Trinker selbst, sondern oft den Angehörigen gleich mit...

Viele Grüße
Aurora
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Aurora hat zum Thema: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe geschrieben
mostwanted75
Gast






BeitragVerfasst am: 04.05.2011, 08:09    Titel: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke an Midnight und Aurora für die netten Worte. Sie tun gut.

Die Distanzierung seinerseits tut mir grad sehr weh. Er fehlt mir- ich kenn es anders von ihm.

Wenn ich wüsste, er braucht die Zeit für sich, dann wäre es leichter zu akzeptieren für mich.

So frage ich mich, ob er sich nicht meldet, weil er sich unter Druck gesetzt fühlt, dass er meinen / unseren Vorstellungen nicht entspricht und die gemeinsam geplante Zukunft nicht erfüllen kann.

Ich denke, er hat es ohne Alkohol versucht und festgestellt, dass er zu schwach ist seinen tollen Plan vom Trocken sein zu schaffen.

Möglicherweise schämt er sich, da es ja schon schwer ist, es sich selber einzugestehen

"ICH KANN ES NICHT ALLEIN SCHAFFEN. ICH BRAUCHE ALKOHOL."

Das ist ja schon sehr demütigend für ihn.

Ich habe übrigens in meinem Gespräch mit ihm auch gesagt, dass ich es als große Stärke empfinden würde, wenn er sich Hilfe nimmt.

Ich habe auch gesagt : Wenn Du soweit bist und Du brauchst jmd, der an Deiner Seite mitgeht (Arzt, SHG oder so) - ich bin gern für Dich da.

Sprich : Ich bin da- aber ich muss auch gucken, dass ich nicht auf der Strecke bleibe ( mein Leben leben).
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mostwanted75 hat zum Thema: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe geschrieben
sonne5
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.02.2011
Beiträge: 358

BeitragVerfasst am: 04.05.2011, 09:43    Titel: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe mostwandet,

auch ich kenne dieses Zurückziehen sehr gut.
Leben derzeit getrennt, weil es auch durch den Alkohol einfach nicht mehr ging und ich auch auf mein Kind Rücksicht nehmen musste.
Jetzt gibt es Kontakt mal mehr mal weniger.
Wenn er trinkt bzw. trinken will hört man eben weniger von ihm und ich weiss genau er säuft wieder irgendwo.
Damit ich dies nicht mitbekomme, kommt kein Anruf mehr sondern nur ein SMS - und schon ist mir sein Zustand klar!
Jetzt hiess es nach einem durchzechten WE er trinke nicht mehr, nun sind 3 Tage vergangen und er fängt an zu streiten....damit er wieder einen Grund hat trinken zu können bzw. weil er merkt dass es ohne Alk doch nicht geht. Schlimm aber die Wahrheit.
Wahrscheinlich distanziert sich dein XY aus mehreren Gründen:
1. weiss er dass es OHNE nicht geht
2. will er nicht dass du dies mitbekommst
3. will er dies alles nicht zugeben, ist auch nicht leicht sich sowas einzugestehen.

Bleibe bei deinem Ultimatum, ich tus auch und dann wird man sehen obs auch OHNE geht, wenn nicht kommen natürlich viele Gründe warum getrunken werden musste, jedoch kannst du dir dann deines Gefühls sicher sein.
Niemand hat so ein Leben verdient, oder muss es ertragen, grenze Dich ab und bleib bitte konsequent.
Ich denk an dich
LG
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sonne5 hat zum Thema: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe geschrieben
mostwanted75
Gast






BeitragVerfasst am: 04.05.2011, 11:53    Titel: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich wollte mal kurz - trotz Arbeit- mich bei sonne für die lieben Worte bedanken !

Ich versuche konsequent zu bleiben.

LG mostwanted
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mostwanted75 hat zum Thema: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe geschrieben
mostwanted75
Gast






BeitragVerfasst am: 04.05.2011, 19:18    Titel: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo !

Heute ist es schon wieder sehr ruhig. Am Wochenende wollen wir uns sehen. Ich weiß nicht, ob ich diese Stille ansprechen soll.

Was meint ihr ? Wir sind ja nicht getrennt- ich hab ihm nur meine Grenzen geschildert.

LG MW
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mostwanted75 hat zum Thema: Re: Grenzen finden, definieren und mit der Reaktion "kämpfe geschrieben

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