| Autounfall - Hilfe • Mein nachhilfekind |
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silke89 neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 26.04.2011 Beiträge: 7
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Verfasst am: 26.04.2011, 10:51 Titel: Sie ist tot.... |
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Hallo
ich bin neu hier und würde euch gerne meine geschichte erzählen
schreiben ist oft viel leichter als es auszusprechen
ich bin 21 jahre alt und lebe alleine in köln.
ich wuchs bei meiner mutter auf, da sich meine eltern scheiden ließen, als ich 6 jahre alt war.
das war auch das alter, als ich zum ersten mal eine hochprozentige allkoholflasche in unserer wohnung fand.
meine kindheit war vom alkoholkonsum meiner mutter geprägt und ich habe mich nach und nach darauf eingestellt und mein leben davon abhängig gemacht, genauso wie meine geschwister.
viele schlimme dinge sind passiert und ich hab sehr sehr viel geweint, weil ich einfach nicht mehr weiter wusste.
es fiel mir so unglaublich schwer zum jugendamt zu gehen, aber ich wusste, dass es ein MUSS ist, weil ich meinem kleinen bruder all das erparen wollte, was seine älteren geschwister durchmachen mussten
und was war?
nichts!
sie haben nichts großes unternommen
naja, ich weiß immer noch nicht, ob es richtig war, aber nach dem ich das abitur (ich weiß nicht, wie ich das schaffen konnte) gemacht habe, bin ich direkt alleine nach köln gezogen, weil ich einfach nur noch weg wollte
ich hab meinen damals 6 jährigen bruder alleine gelassen mit meiner mutter, denn meine anderen geschwister sind auch raus
von köln aus bin ich oft wieder nach hause, denn ich musste gucken, dass auch alles gut lief
aber es lief nichts gut
mein kleiner bruder tat mir so unendlich leid
ich wusste, dass wenn mein kleiner bruder meine mutter entzogen würde, dass sie untergehen würde, sie würde psyschich sterben, denn er war ihr ein und alles
ich hab mir große vorwürfe gemacht, bin aber trotzdem in köln geblieben.
am 19.05.2010 bekam ich um halb 1 mittags den anruf
es war meine tante
als ich nur noch die worte hörte: silke, die mama ist tot.... bin ich ausgerastet, ich bin total zusammengebrochen, ich hab meine tante angeschrieen, dass es nicht stimmen würde, sie würde lügen....
aber sie log nicht
ich bin sofort nach hause, ich konnte es einfach nicht fassen, ich wollte es nicht fassen
denn egal wie schlimm es immer ausgesehen hatte, man hat immer die hoffnung, irgendwann wird sie trocken, bestimmt
aber so war es einfach nicht
am 18.05 ging sie mit meinem kleinen bruder um fußballturnier, sein vater (wir haben nicht den gleichen vater) war auch da
sie hatte an dem tag ein zahnarzttermin und hatte unglaubliche schmerzen, die sie mit schmerzmittel versucht hat zu unterdrücken, das hat wohl nicht gereicht und sie trank einen hochprozentigen billigfusel dazu
mein kleiner bruder sagte mir, dass sie im bus schon so hin und her wackelte und er nicht wusste, was er machen sollte
am fußballplatz angekommen, verschwand meine mutter irgendwann und mein kleiner bruder blieb bei seinem vater, den er sonst nur gelegentlich sieht
naja, den rest weiß ich nur von der kripo
sie wurde in der nacht von einem postboten über einem geländer hängend gefunden auf der straße
der notarzt konnte nur den tod feststellen.... die polizei klopfte um 6 uhr morgends bei dem vater meines kleinen bruders und übermittelte die nachricht....
ich selber habe die beerdigung organisiert und versuch sie so persönlich wie möglich zu halten
irgendwann bekam ich ein anruf der bestatterin und sie gab mir einen roten müllsack
als ich zuhause reinsah, fiel ich fast in Ohnmacht, ich hab es gerochen....diesen leichengeruch....es war die zerschnittene kleidung meiner mutter, denn wie wurde obduziert, jedoch ohne erfolg
kann man sich das vorstellen? OHNE ERFOLG man weiß nicht, woran sie starb
eine theorie is jedoch, dass es eine toxische reaktion war Alkohol + schmerzmittel
ich denke auch, dass es so ist
hätte meine mutter an diesem tag keinen rückfall gehabt, wäre sie heute noch da
sie starb mit 47 jahren
ich weiß einfach nicht mehr weiter, manchmal kommt es mir so vor, als sei ich allein auf dieser welt und niemand kann mich verstehen
letzte nacht hab ich wieder von ihr geträumt, sie angeschrieen, wieso sie mich alleine gelassen hat, wieso sie uns alleine gelassen hat
das sie das nichr darf
ich denke immer daran, dass ich doch irgendwo mal ein zeichen von ihr kriegen muss
ich hab geträumt, dass ich mit ihr telefonieren kann, dass es ihr so unendlich leid tut
ich geh kaputt daran
ich hab meine mutter unendlich geliebt, und ich liebe sie immer noch
andererseits bin ich unglaublich sauer
ich war bei einem medium, nicht weil ich daran glaube, sondern weil ich es so faszinieren finde.
aber diese faszination ist weg
ich weiß, es gibt tausende von denen und unter einer millionen hast du einen, der es auch wirklich kann
aber ich fand die sitzung unglaublich absurd, die frau konnte mich von anfang an nicht leiden, weil ich ihr klar machte, dass ich hier mit normalen verstand sitze und nicht direkt anfangen werde zu weinen
eine sache war hingegen doch sehr erschreckend
sie beschrieb meine mutter bis ins kleinste detail sehr genau, sie würde auf dem stuhl links neben mir sitzen und mich ansehen
diese beschreibung hatte mich so fasziniert, weil es genau die kleidung war, die sie zum todeszeitpunkt anhatte
irgendwann kam sie dann auch auf den trichter, dass sie alkoholkrank war und redete nur noch davon
für mich uninteressant
aber ich war verzweifelt und bin es immer noch
ein leben mit einer alkoholkranken mutter, die es wirklich bis zum tod brachte ist schlimm, schlimmer als schlimm
ein halbes jahr, nachdem meine mutter starb, starb mein onkel, allerdings der bruder meines vaters
er starb auch an den folgen des alkohols
ich dachte wirklich schlimmer kann es nicht mehr kommen, ich wusste nicht, dass er auch krank war
nun denn ich höre an dieser stelle auf
lieben gruß |
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| silke89 hat zum Thema: Sie ist tot.... geschrieben
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Melinak sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 10.12.2008 Beiträge: 5012 Alter: 40
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Verfasst am: 26.04.2011, 11:16 Titel: Re: Sie ist tot.... |
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liebe silke,
von mir ein herzliches beileid. deine geschichte rührt mich sehr. vor allem aber das leid das du in dir trägst. du hast keinerlei schuld am tot deiner mutter. es war ganz allein ihrs, ihr leben, ihr handeln ihr tot. mach dich dafon frei!
das erlebnis mit dem medium finde ich absolut krass. viel wichtiger als die verbindung zu deiner mutter zu suchen über solch ein medium wäre doch, das du anfängst dich von ihr zu lösen und ihren tot zu akzeptieren. mir machst du den eindruck, das du von ihr nicht loslassen kannst. ihr habt euch nicht verabscheiden können voneinander, das tut sicher sehr sehr weh. sie war noch sehr jung. doch es ist das leid aller angehörigen von alkoholikern, das es jeden treffen kann, so wie dich. das vorzeitige ende, aufgrund des alkoholmissbrauchs.
was denkst du würde dir denn helfen um dich lösen zu können, von alpträumen, vom leid?
lieben gruß melanie |
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| Melinak hat zum Thema: Re: Sie ist tot.... geschrieben
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Linde66 Moderatorin

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.10.2008 Beiträge: 14433 Alter: 46
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Verfasst am: 26.04.2011, 13:33 Titel: Re: Sie ist tot.... |
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Hallo Silke,
ich weiß grad nicht was schreiben. Was für eine furchtbar traurige Geschichte. Herzliches Beileid.
Meine Mutter trinkt ja auch seit Jahrzehnten. Als Kinder von einer/m Alkoholkranken haben wir nicht den Hauch einer Chance, deren Trinkverhalten zu ändern.
Ich bin auch so früh es irgend ging daheim ausgezogen. Abstand erst einmal räumlich, mit der Zeit auch gefühlsmäßig.
Du darfst sie lieben und du darfst stinksauer sein, das ist völlig in Ordnung. Alle Gefühle haben ihre Berechtigung!
Ich habe mal eine zeitlang Briefe geschrieben, nie abgeschickt. Das war gut für mich, um alles rauszuschreiben und mich innendrin zu sortieren.
Ich habe mir hier im Forum im geschützten Bereich ziemlich alles von der Seele schreiben können inzwischen. Unter den anderen Erwachsenen Kindern von Alkoholikern braucht es meist gar nicht so viele Worte, da werden wir verstanden. So oder so ähnlich sind die Kindheiten von vielen abgelaufen. Das können Kinder aus nicht-alkoholkranken Familien schwer nachvollziehen. Deswegen ist es gut, daß du hier ins Forum gefunden hast. So hast du einen Ort, wo du gelesen und verstanden wirst.
Grüße, Linde |
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| Linde66 hat zum Thema: Re: Sie ist tot.... geschrieben
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Jessie1983 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.06.2010 Beiträge: 87 Alter: 28
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Verfasst am: 26.04.2011, 20:29 Titel: Re: Sie ist tot.... |
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Hallo Silke, auch ich bin sprachlos und habe keinen guten "Ratschlag" für Dich. Es ist schlimm, das es so kommen musste und Du dich nicht verabschieden konntest. Mein herzliches Beileid  |
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| Jessie1983 hat zum Thema: Re: Sie ist tot.... geschrieben
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Ganymed28 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 13.04.2011 Beiträge: 84 Alter: 41
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Verfasst am: 27.04.2011, 23:58 Titel: Re: Sie ist tot.... |
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Ich bin 40 und meine Mutter ist endlich im Pflegeheim. Ich hoffe wirklich, sie stirbt bald. Ich kenne sie nur voll oder in der Psychartrie.
Ich beneide dich. Du bist so jung. Jetzt kannst du loslassen. Geh zu ihrem Grab und sag ihr alles, was du ihr schon immer sagen wolltest. Mach das so oft du es brauchst. Verarbeite die Sache, nimm dir Hilfe dazu, wenn du es alleine nicht schaffst.
Aber in deinem Verlust liegt eine Chance. Ihr Tod hat Fakten geschaffen. Du bist jetzt frei. |
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| Ganymed28 hat zum Thema: Re: Sie ist tot.... geschrieben
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silke89 neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 26.04.2011 Beiträge: 7
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Verfasst am: 30.04.2011, 18:35 Titel: Re: Sie ist tot.... |
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ich danke euch für die antworten
bald ist ihr 1. todestag und ich träume fast jede nacht von ihr
@Ganymed28
ich glaube du verstehst mich falsch
das der druck nicht mehr da is, ständig und immer wieder neue rückschläge einzukassieren was den alkoholkonsum der mutter angeht...
ich habe kein klotz am bein verloren!
ich hab meine Mutter verloren, die person, die mich zur welt brachte und die mich zu dem geformt hat, was ich nun bin.
klar war meine mutter eine extreme belastung für mich und sie hat mein leben mit sicherheit nicht leicht gemacht, trotz allem war sie meine mutter und ich liebe sie
ich vermisse sie so sehr, dass es schmerzt bis zum geht nicht mehr, ich kann keine bilder von ihr in meiner wohnung aufhängen, weil ich es nicht ertragen kann ihr gesicht zu sehen, weil ich dann jedes mal zusammenbreche
es hat absolut nichts mit dem alter zu tun, wie gut man loslassen kann, ob ich nun 21 oder 40 bin
ihr tod kam plötzlich und das mit 47
mich zu beneiden, dass ich noch jung bin und somit besser loslassen kann, ist falsch |
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| silke89 hat zum Thema: Re: Sie ist tot.... geschrieben
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Jessie1983 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.06.2010 Beiträge: 87 Alter: 28
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Verfasst am: 01.05.2011, 09:14 Titel: Re: Sie ist tot.... |
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Ich finde Ganymeds Eintrag entwas unpassend. Silke schreibt ja, das sie mit dem Tod nicht so ganz zurechtkommt, was aus meiner Sicht völlig verständlich ist. Da wird es ihr auch nicht weiterhelfen, das Du sie "beneidest" ...... Generell das Wort "beneiden" find ich schlimm....
Was Dich betrifft Silke.....meine Mutter ist zwar nicht gestorben aber ich kann nachvollziehen, wie es Dir geht. Es ist tragisch, das sie den Absprung nicht geschafft hat. Ich hoffe für Dich das Du dieses Thema "verarbeiten" kannst, viell. mit Hilfe von Fachleuten. Ich wünsch Dir alles erdenklich Gute ! |
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| Jessie1983 hat zum Thema: Re: Sie ist tot.... geschrieben
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Ganymed28 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 13.04.2011 Beiträge: 84 Alter: 41
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Verfasst am: 01.05.2011, 12:44 Titel: Re: Sie ist tot.... |
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| silke89 hat Folgendes geschrieben: |
ich habe kein klotz am bein verloren!
ich hab meine Mutter verloren, die person, die mich zur welt brachte und die mich zu dem geformt hat, was ich nun bin.
kann, ist falsch |
Wenn du das so sehen kannst, ist es umso besser. Das Feuer, in dem wir geschmiedet wurden hat uns zerbrochen oder zu stärkeren Menschen gemacht.
Es tut mir leid, wenn ich deine Gefühle verletzt habe, ich wollte nur aus der Ich-Perspektive schreiben und bei mir ist es nunmal so, dass ich den Tod meiner Mutter herbeisehne...ohne ihr dabei böses zu wollen. Sie liegt ohne jeden Kontakt in ihrem Pflegeheimzimmer, bekommt kaum Besuch (nur von mir, obwohl sie 5 Kinder hat), dämmert dahin und ich kann froh sein, wenn sie mich überhaupt erkennt.
Gib deiner inneren Heilung eine Chance. Wenn du etwas Positives aus dem Leben mit deiner Mutter mitnehmen konntest, ist es umso besser. Lass sie dankbar und in Liebe gehen, wenn du ihr noch etwas zu sagen hast, sag es ihr an ihrem Grab. Das hilft. |
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| Ganymed28 hat zum Thema: Re: Sie ist tot.... geschrieben
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