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"Nur" einer von vier Grundtypen?

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Meine Mutter und der Wodka   •    Sie lässt mich nicht in Ruhe....  
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Alex_NRW
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 06.04.2011
Beiträge: 12
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 07.04.2011, 12:21    Titel: "Nur" einer von vier Grundtypen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo liebe Forumsgenossen,

ich bin neu hier und beschäftige mich erst seit kurzem mit dem Thema, nachdem meine Mutter Ende März gestorben ist. Sie war Alkoholikerin und hat meinen Vater und mich verlassen, als ich 10 Jahre alt war (also vor knapp 30 Jahren). Bis dahin gab es ziemlich Stress zuhause, aber das kennt Ihr ja vermutlich. Ich war damals einfach froh, dass sie ging, weil der Ärger aufhörte. Danach gab es ab und zu Besuche, bis ich ca. 15 war und später diverse Male Briefwechsel, die aber immer in Enttäuschungen endeten, so dass ich ihr vor acht Jahren geschrieben habe, sie solle mich bitte endgültig in Ruhe lassen.

Ich bin Einzelkind. Mein Vater starb 1997, damals war ich 27 Jahre alt. Ein herber Verlust, denn er war ja gewissermaßen mein "Hauptelternteil". Seitdem habe ich nur noch Problembeziehungen zu Problemfrauen oder scheitere schon in der Anbahnungsphase, weil ich mit unklaren Signalen nicht klarkomme, vielleicht auch mein Gegenüber zu sehr "erdrücke" mit meinen Gefühlen und auch sehr sensibel auf Stimmungsschwankungen reagiere... Andererseits habe ich oft das Gefühl, dass ich nur empfinde, was man doch "normalerweise" in bestimmten Situationen empfindet. Kurz: Ich kann nicht unterscheiden, ob ich mit meinen Wahrnehmungen richtig liege oder nur meine Muster mal wieder dazwischenfunken. Das ist anstrengend - für mein Gegenüber, aber erst recht für mich selbst.

Als ich nun anfing, mich mit dem Thema zu befassen, stieß ich auf eine Broschüre des BKK Bundesverbandes,

- edit, bitte keine externen Links einbinden, danke, Linde -

die sehr anschaulich schildert, was Kinder durchmachen und welche Spuren das hinterlässt. Alles, was über den "Kleinen Familienheld" auf S. 16 geschrieben wird, trifft 100% auf mich zu!

Das ist zwar einerseits tröstlich, weil ich verstehe, wo manche Wesenszüge herkommen und dass ich mit meinen Problemen offenbar nicht allein bin. Aber gleichzeitig erschreckt mich doch, dass die Wesenszüge, die mich ausmachen und die ich immer für besonders hielt, offenbar "nur" ein typisches Produkt einer solchen Situation sind. Soweit es die positive Seite (Krisenfestigkeit, Empathie, Sensibilität, Fürsorglichkeit etc.) betrifft, macht mich das ja fast ein bißchen dankbar. Aber es frustriert mich gleichzeitig, denn ich möchte nicht nur einer von vier Grundtypen (Familienheld, schwarzes Schaf, verlorenes Kind oder Clown) sein. Versteht Ihr, was ich meine?

Wie geht Ihr damit um?

Viele Grüße

Alex
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Alex_NRW hat zum Thema: "Nur" einer von vier Grundtypen? geschrieben
e-luise
Gast






BeitragVerfasst am: 07.04.2011, 12:55    Titel: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Alex,

schön das es dich gibt.
Sehr glücklich
Dein Beitrag ist sehr interessant und der Link für die pdf genial.

Damit hilfst du mir wieder ein großes Stück weiter.
Hier im Forum habe ich viel von anderen gelesen und habe auch schlimme Zeiten als Coabhängige mitgemacht.

Doch so wie ein Alkoholiker seine Krankheit annehmen soll musste ich das auch lernen.
Ich habe mich rauf und runter mit dem allen beschäftigt und lerne nicht aus.
Alles hat seine Ursache. Und der Held zu Hause war mein Mann.
Denn es ging schon in den Kindesbeinen los. Boah ich könnte ausholen und jeden Elternteil derart.....
Was nützt das heute noch. Der betroffene ist mein Mann. Er nimmt seine Krankheit an und bemüht sich. Niemals würde er zugeben das es schon damals los ging.
Nun umso mehr ich lese über die Sucht umso mehr lerne ich dazu.

Nochmal danke und ganz liebe Grüße

e-luise
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e-luise hat zum Thema: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? geschrieben
Alex_NRW
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 06.04.2011
Beiträge: 12
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 07.04.2011, 13:03    Titel: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

@e-luise:
Ist Dein Mann ein EKA oder selbst Alkoholiker? Jedenfalls finde ich es toll, dass Du Dich aktiv damit befasst und ihn unterstützt. Das wünscht man sich ja als Betroffener. Ich hoffe zum Beispiel immer darauf, dass ich irgendwann auch einfach mal schwach sein darf, denn stark sein musste ich jahrelang. Ich möchte mich einfach mal fallen lassen können und mich aufgehoben fühlen bzw. jemanden an meiner Seite wissen, der den Weg mit mir geht. Aber leider nehmen sie immer Reißaus. Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass ich vielleicht keine wirkliche Nähe zulasse, obwohl ich sie mir ja wünsche. Oder ob ihnen mein "Paket" zu groß vorkommt. Welche Frau will schon einen Mann mit Problemen? Oder ob es daran liegt, dass ich mir gern Problempartner suche, die mit ihrem "Paket" selbst genug zu tun haben und sich deshalb gar nicht mit meinem "Paket" befassen wollen....

@Linde:
Entschuldigung, wusste nicht, dass man keine Links einbinden darf.

@All:
Man findet die Broschüre, wenn man nach "BKK Kindern von Suchtkranken Halt geben" googelt.
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Alex_NRW hat zum Thema: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? geschrieben
Grazia
aktiver Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 11.11.2007
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BeitragVerfasst am: 08.04.2011, 08:48    Titel: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Alex
Ich bin ein EKA und Co. Für mich war es wichtig, mich so zu nehmen wie ich bin. Das heisst, nicht nur meine Gene und das alles was angeboren ist machen mich aus, aber auch das, was ich auf MEINEM Weg mitgenommen habe.
Das bin ich nun und damit bin ich auch einzigartig.
Das üble, was ich als EKA mitgenommen habe, habe ich 20 Jahre als Co ausgelebt. Und ich fühlte mich schlecht. Deswegen fing ich an, das was mich störte aufzuarbeiten. Ich habe Psychotherapie gemacht, hat mir sehr geholfen, ich lese Bücher zu dem Thema, bin hier im Forum. Ich versuche das alles was mich, meiner Meinung nach, am glücklichen Leben hindert, abzuschütteln.
Meine Beziehung war katastrophe. Und das war so typisch EKA und Co. Dieses klammern, alles recht machen wollen, um die Liebe zu verdienen. Mich selbst vergessen, all das was ich in der Kindheit gelernt habe, habe ich in dieser Beziehung fortgeführt.
Ich habe jetzt seit über zwei Jahren eine Beziehung, die so ganz anders ist...wow, ich wüsste gar nicht das Liebe so schön und FREI sein könnte.

Fazit: Mein Rat wäre, versuch Deine Vergangenheit aufzuarbeiten, hol Dir Hilfe, es lohnt sich, es wäre höchste Zeit, dass Di endlich glücklich und zufrieden leben kannst.

LG Grazia
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Grazia hat zum Thema: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? geschrieben
Alex_NRW
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 06.04.2011
Beiträge: 12
Alter: 42

BeitragVerfasst am: 08.04.2011, 09:37    Titel: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Grazia,

danke für Deine Nachricht. Ich versuche, meine Vergangenheit aufzuarbeiten. Deshalb bin ich hier und deshalb habe ich nächste Woche auch eine erste Sitzung bei einem Therapeuten.

Schön zu lesen, dass Du es offenbar für Dich geschafft hast, Dein Ziel zu erreichen.

In diesem Thread geht es mir vor allem um die Verarbeitung der Erkenntnis, dass EKAs offenbar sehr viele typische Wesenszüge haben. Hätte man mich gebeten, 10 positive und 10 negative Eigenschaften über mich aufzuschreiben, wären vermutlich genau diejenigen dabei herausgekommen, die man wohl mit EKAs assoziiert und die hier auch immer wieder beschrieben werden.

Wenn aber alles, wovon ich dachte, dass es mich ausmacht und zu einem einzigartigen und unverwechselbaren Menschen macht, "nur" das Produkt einer Kindheit in einer Suchtfamilie ist, dann frage ich mich: WER BIN ICH ÜBERHAUPT? WAS MACHT MICH AUS? Abgesehen von den EKA-Merkmalen. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht und das ist für mich zunächst mal eine bittere Erkenntnis...

Liebe Grüße

Alex
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Alex_NRW hat zum Thema: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? geschrieben
e-luise
Gast






BeitragVerfasst am: 08.04.2011, 09:51    Titel: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Alex,

Mein Mann... ich würde sagen beides. Er ist sicher Alkoholiker.
Das EKA... nun ja, ich weiß dass er in seiner Kindheit hübsch was erlebt hat.

Durch das einlesen in die verschiedenen Problematiken habe ich gut dazu gelernt.
Meine Co habe ich mit Schock erkannt.

Sicher helfe ich, wenn er das möchte, doch dazu musste ich erst mal sehr viel lesen und verstehen lernen.

Ich will dennoch nicht seinen Psychiater spielen, denn das was man in seiner Kindheit verbockt hat, werde ich nicht aufarbeiten.

Hilfestellung ja die kann er haben!
Manipulieren lasse ich mich aber nicht mehr!
Früher, gab ich die Schuld wenn er betrudelt heim kam seiner Familie,
weil er dort sein Freigetränk bekam.
Pah weit gefehlt!

Der Hintergrund ist nicht das Getränk,
sondern das Negative, das dort statt findet.

Die Vergangenheit und das Verhalten dieser Menschen holen ihn dann wieder ein.
Und Logo ein Flaschi gibts dann auch dazu..

Lachen Mit den Augen rollen Mit den Augen rollen

Ich habe viel von den anderen gelesen die es weit schlimmer als mich erwischt hat. Es tut mir auch sehr leid für alle.
Nur ich bin ein Stehaufweiberl .......... umhauen kannst mich........ aber nicht lange Lachen

Die Beiträge der Betroffenen haben mir geholfen und feststellen lassen, dass es anderen, über lange Jahre viel, viel schlimmer ergangen ist.
Mein Mann kann ein wunderbarer Mensch sein. Ich liebe ihn auch noch doch mein Leben lasse ich mir nicht schwer machen.

Wie geht es dir denn jetzt? Was hast du getan um deine Vergangenheit zu verarbeiten?

GlG
e-luise
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e-luise hat zum Thema: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? geschrieben
Linde66
Moderatorin
Moderatorin


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2008
Beiträge: 14433
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BeitragVerfasst am: 08.04.2011, 09:56    Titel: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Alex,

wenn du dir den oben angepinnten Thread 'Merkmale für ein EK' durchliest, dann finden sich Dutzende weitere Eigenschaften.

Wir sind als EK's ja aber mehr als die Summe dieser Eigenschaften!

Es gibt etwas zutiefst menschliches, einen Kern in jedem von uns, das ist meine Überzeugung.

Ich habe mich einmal mit dem Bild einer Hainbuche beschrieben. Eine Hainbuche ist eine unscheinbare Heckenpflanze. Sie wächst rund um Gärten, an Straßenrändern und Einfahrten. Man schneidet sie jedes Jahr in Form, ab und zu kommt mal Streusalz an ihre Wurzeln oder ein Auto fährt rein und reißt ihr die Rinde auf. Die Hainbuche wächst einfach weiter. So geht das jahrelang.

Wann immer aber das Eingreifen des Menschen aufhört, wächst die Hainbuche durch zu einem stattlichen lichten freundlichen Baum, der sogar blüht und Früchte trägt. Der Stamm mag voller Narben sein und die Äste vielfach beschnitten. Das ist nicht wichtig.

In uns ist die Information für's Ganze. Und wie immer die Beschränkungen oder Einflußnahmen waren, wir können wachsen.

Du merkst, ich habe es mit Bäumen... Lachen

Lieber Gruß, Linde
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Linde66 hat zum Thema: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? geschrieben
Grazia
aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 11.11.2007
Beiträge: 767
Alter: 46
Wohnort: By

BeitragVerfasst am: 08.04.2011, 11:26    Titel: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Alex
Schön dass Du hilfe annehmst.
Ich sehe das erlebte so...nur, oder vor allem die schlimmen Dinge die uns passieren lassen uns wachsen und sich weiter entwickeln.
In unserem Leben erleben wir immer wieder traurige Dinge, echte Katastrophen, Schmerz, Wut und genau das macht uns aus.
Alle Menschen werden durch schlimme Erlebnisse geprägt, die Frage ist...was machen wir daraus?

Du bist nicht "künstlich" Du bist so wie Du bist weil Du so gelebt hast. Klar, hättest Du eine andere Kindheit gehabt wärst Du anders, aber wärst Du dann besser? Glaub'ich kaum.

Ich habe aus derm EKA viele positive Sachen auch mitgenommen, auch aus meinem ADS.
Das ist das wichtigste in meinen Augen, auch aus negativen Sachen was positives herausholen.
Ich bin Nett, lebensbejahend, einfühlsam, verantwortungsbewusst, hilfsbereit - wäre ich nicht EKA hätte ich vielleicht diese Eigenschaften nicht so ausgeprägt wie heute.
Ich sehe es wie z.B meine Narben, die sind auch nicht schön anzuschauen, aber die erzählen meine persönliche Geschichte.

Du bist über 40, so wie ich. Und vielleicht spielt das eine Rolle. Die berühmte Midlive crisis. Wie man es auch nennen mag, für mich ist es auch was positives. Man ist in der Mitte des Lebens angekommen, kann sich das leben hinter sich anschauen und entscheiden, war es gut? will ich weiter so Leben? oder will ich doch was ändern?
das beste ist, es kommt in der Zeit, wo wir noch was ändern können, wir konnen uns für die zweite Lebenshälfte für ein anderes Leben entscheiden.

LG Grazia
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Grazia hat zum Thema: Re: "Nur" einer von vier Grundtypen? geschrieben

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