| Meine Mum trinkt heimlich • EKA im Erkenntnis- und Veränderungsprozess |
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 10.06.2011, 08:34 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Hallo, ich bin mal wieder da,
mit einem kleinen Update:
Durch meine Therapie fühle ich jetzt sehr viel deutlicher die Grenzen
und auch die Fremdheit zwischen meinen Eltern und mir.
Ärger, dass meine Mutter sich entzieht, sowohl als ich klein war, da
war sie die in Not, weil die Beziehung sie nicht glücklich gemacht hat.
Als auch jetzt, da zieht sie quasi wieder Not/Kummer/Alkohol vor, statt
sich Hilfe für sich selbst zu holen.
Totale Angst und Misstrauen vor meinem Vater, der als inzwischen
trockener Alkoholiker (aber nicht nüchtern im Sinne der 12 Schritte)
wie auf einer Zeitbombe neben seiner trinkenden Partnerin bleibt,
weiß nicht was alles abspaltet - und auch nur noch als Hülle übrig ist.
Was soll ich da ?!?!
Ich bin innerlich präsent, möchte mich ausdrücken, Verbindung spü-
ren, aber die beiden geben sich selbst überhaupt nicht wirklich rein,
in den Kontakt. Keine noch so mini-kleine Stellungnahme des eigenen
Wollens oder Fühlens oder sonst was Greifbares. Alles bleibt hinterm
Zaun. Und davor stehe ich, sehe nur die leeren Gesichter. Und mir ist
jeder Ansporn oder jede Verheißung (vielleicht wendet sich alles) ver-
gangen, da - wieder - aus meiner eigenen inneren Energie ein Lächeln
reinzaubern zu wollen.
Ich bin so alle, und erstmals so ehrlich. Mir hängt das alles zum Hals
raus. Ich will da nicht mehr hin, weil ich da nicht gemeint bin. Egal,
wie alt ich inzwischen bin und wie gelassen ich vielleicht drüber stehen
sollte.
Gerade stecke ich (wahrscheinlich erstmals) in meinem eigenen, ehr-
lichen Gefühl und Wunsch nach Distanz, weil ich erstmals zulasse, was
mich selbst da eigentlich alles stört.
Diese Klarheit räumt in mir selbst gut auf, ich bin da relativ friedlich.
Aber was wieder mal klemmt, ist die Unmöglichkeit, eine Sprache zu
finden (nämlich über Gefühle), in der ich zu ihnen vordringe, um we-
nigstens sagen zu können, warum ich fern bleiben will, erstmal. Das
erscheint mir alles so grundlegend und ich selbst kompromisslos, mit
dieser Klarheit weiß ich gar nicht positiv umzugehen. Sie kommt mir
eher aggressiv (?) vor? Ich kenne sie nicht als erlaubte, gute Kraft.
Eben weil bei uns immer alle mitgespielt haben, damit keiner draußen
bleiben muss.
Es fühlt sich so an, als verletze ich erstmals diese ursprünglich gut-
gemeinte stille Vereinbarung. Immerhin waren sie mit derselben Hin-
gabe für mich da. Haben sich durch ihre Jobs gequält (was ich nun
gar nicht mache, ich meide genau diese Selbstaufgabe), damit ich
als einzige Tochter gut versorgt war, eine gute Ausbildung bekom-
men habe (Studium finanziert). Tja, und dann entwickele ich mich
einfach zu jemandem, der seine Gefühle sucht, und echte Begeg-
nung.
Das haben sie nie gelernt. Auch deshalb fühle ich mich so "gemein".
Aber ich kann ohne Echtheit nicht weiter - mit nur dem netten Gesicht.
Damit täte ich mir Gewalt an.
Jemand eine Idee, wie man dennoch das Nötigste kommunizieren
könnte?
Aktueller Anlass ist eine Nachricht meiner Mutter auf dem AB, sie
möchte gern wissen, wie es mir geht. Ohne weitere Untertöne, aber
ich mag/kann mich im Moment einfach nicht öffnen, fühle mich wie
stumm.
Einfach erstmal Danke, fürs Lesen, und ich freue mich über Eure
Gedanken/Erfahrungen dazu.
Herzlich,
die Wolfsfrau |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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sunwalker neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.06.2011 Beiträge: 19 Alter: 47
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Verfasst am: 10.06.2011, 09:55 Titel: Das schlechte Gewissen |
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Es geht gar nicht, dass ich deine Geschichte lese um nur wenigstens kurz zu antworten.
Bin selbst Einzelkind mit einem, damals trinkenden Vater und einer Co-Abhängigen Mutter.
Die räumliche Distanz hat mir damals nichts geholfen. Da waren ja immer noch diese Telefonate, die Hilfeschrei der Mutter und diese starkte innere Bindung zu ihre, zu diesem ganzen kaptten und verlogenem System, geprägt durch die Krankheit Alkohol. Und meine Rolle war geprägt, du kennst das ja.
Die Abgrenzung von den Eltern habe ich damals durch eine Therapie geschafft. Man ist voll mit einem schlechten Gewissen, mit Schuld, Angst man fühlt sich für die Eltern mehr verantwortlich und ahnt zunächst nicht mal ansatzweise, dass man selbst auch Bedürfnisse hat.
Ich wollte damals nicht mehr. Mein Kanal war auch voll. Es war mir Sch...egal. Ich wollte das nicht noch weitere 20 Jahre mitmachen.
Das war der Kopf. Das Gefühl war weiter eng verbunden und gegen dieses Gefühl habe ich mich gestellt und es durchgezogen. Es hat mich damals halb um den Verstand gebracht.
Ich habe Telefonate nicht mehr angenommen, den Kontakt für mehrere Monate komplett abgebrochen. Ich habe meinen Eltern dies auch mitgeteilt, dass ich nicht mehr zur Verfügung stehe. In klaren Worten, vielleicht sehr brutal. "Klärt eure Probleme", ich werde nichts mehr für euch tun und nun gehen.
Beide Eltern sind unter dramatischen Bedingungen mit dem Leben davongekommen. Mein Vater trinkt heute nicht mehr. Das ist nun viele Jahre vorbei.
HEUTE geht es um mich. Um das Verstehen, das Fühlen und das Handeln.
Mit den Gefühlen, das ist heute ganz stark mein Thema. Mein Verstand ist und so sehe ich das auch bei dir auch aller bestens gerüstet, wissend, verstehend....und doch hilft es allein nicht.
Wenn du Lust hast schau doch mal in meine Thread, da geht es um die Gefühle und den Kontakt zu uns selbst, den wir gerne mal verlieren...
Liebe Grüße
sunwalker |
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| sunwalker hat zum Thema: Das schlechte Gewissen geschrieben
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 12.06.2011, 15:14 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Hallo Skye,
ich komme jetzt erst dazu, Deinen Eintrag vom März zu beantworten.
Vielleicht findest Du das hier noch ... ?
Dein für mich hilfreichster Satz war wohl der hier:
| Skye hat Folgendes geschrieben: | | Solange Du Dich nicht wirklich wichtig nimmst, kannst Du noch soweit weg sein, Deine Nabelschnur zieht Dich immer wieder zurück. |
Irgendwie geht es um bewusste Gegenwärtigkeit meinen Gefühlen
und Grenzen gegenüber, oder? Erst dahin fühlen, nicht zu den anderen.
Ich stoße immer wieder drauf, dass die Leitung zu mir selbst viel brü-
chiger ist, als die zum anderen. Dort "lese" ich alles mögliche aus dem
Gesicht und sonstigem mit. Mich selbst vergesse ich unbemerkt.
Danke auch für den hier:
| Zitat: | | Wenn Du jetzt schon über alle Eventualitäten nachdenkst und versucht Lösungen für ein Problem zu finden, dass noch gar nicht existiert, dann nimmst Du Dir nur Kraft und Lebensqualität. |
Das stimmt. Es baut sich so eine Menge Druck auf, indem ich mich unauf-
gefordert (!) für etwas in die Pflicht nehme(n lasse), was ich gar nicht selbst
kontrollieren kann, und von hier und jetzt aus erst recht nicht. Stimmt.
Dieser Satz hier hat mich zuerst total verblüfft:
| Zitat: | | Lass Deine Eltern doch mal los ..... |
Ich? Sie festhalten? Ich will doch weg! Die sollen mich freigeben. So etwa.
Dieses übermäßige Verantwortungsgefühl (so kommt es mir jetzt vor) ist
irgendwie gar nicht mein Wille, es wabert eher durch mich durch und be-
schwert mich.
Loslassen = sie ihrer Verantwortung überlassen?
Ich habe totalen Nebel im Kopf, an der Stelle. Für mich waren sie (auch)
immer Opfer von etwas. Nie habe ich Böswilligkeit oder Nachlässigkeit un-
terstellt. Das kommt erst langsam, wo ich durch die Notwendigkeit meiner
eigenen Umkehr merke, ICH muss was für mich tun und wollen, sonst ge-
be ich mich auf und werde z.B. depressiv.
Wenn ich das klar sehe, kommt sogar Wut hoch, dass sie alles so scheinbar
ergeben hinnehmen. Als ob ICH dann auch kein erfüllteres Leben haben
dürfte. Sind das Familiengebote? Ich habe mich dafür nie bewusst entschie-
den. Im Gegenteil, ich bekomme Schuldgeühle, wenn ich ERST mich achte.
Was Du hier sagst, klingt für mich wie eine echte Möglichkeit, zu wenden:
| Zitat: | | Der Angst vor Überforderung und wieder zurück zu fallen in alte Muster habe ich die konsequente Sorge für mich entgegen gesetzt, bisher mit gutem Erfolg. |
Auch hier kann ich nur ganz langsam erkennen, dass ich mir etwas ab-
verlange, was ich noch gar nicht gewährleisten, übernehmen oder anders-
wie als MEINE Leistung zusagen muss:
| Zitat: | | Das Gefühl an der Kette zu sein hatte ich, weil ich mich selbst an sie gelegt habe. Ich habe sie Stück für Stück entsorgt, denn ich musste erstmal lernen mit Freiheit umzugehen. |
Ich sehe das nämlich ansonsten wie Du:
| Zitat: | | Ich muss, kann und will nicht alles allein machen. Das habe ich Jahre versucht und bin daran gescheitert. |
Ich habe nie den Gedanken zugelassen, dass meine Eltern es vielleicht
so "wollen", wie sie es haben. Ich wollte immer helfen:
| Zitat: | | Deine Eltern sind erwachsen und Du auch, da kann und sollte man selbstständig laufen. Wohin, nun das ist jedem Erwachsenen selbst überlassen und wenn es ins eigene Unglück ist. |
... und es ist schwer zu glauben, weil ihr Weg doch so direkt in die Starre
und Leblosigkeit führt. Das sehe ich an ihren Gesichtern, ihrer Bedrückt-
heit. Es ist schrecklich anzugucken. Und deshalb will ich nicht hinfahren.
(Mache ich im Moment auch nicht, aber Wegbleiben macht mir Bauchweh.
Da denke ich wieder für sie mit, dass es sie sicher verletzt/ratlos macht.
Wir hatten schon so oft diese Phasen, in denen sie auch halbwegs mitbe-
kommen haben, dass ich mich dort einfach nicht wohl fühle.)
Auch hier brauche ich einen echten Perspektiv-Wechsel um zu "sehen",
dass ich es bin, die festhält. Aber WAS eigentlich? Wozu strenge ich mich
an?
| Zitat: | | Auf der einen Seite willst Du von Deinen Eltern weg, auf der anderen weigerst Du Dich die Nabelschnur zu kappen. So wird das nichts. Wenn Du Dein Leben leben willst, dann musst Du wohl oder übel loslassen. |
Einfach mal ein dickes Danke für Deine klare Außensicht, und dass Du
so ausführlich auf meine einzelnen Fragen eingegangen bist. Es tut gut,
mal mit anderen Augen objektiver drauf zu schauen. Vieles kommt in mir
so in Bewegung.
Liebe Grüße
von der Wolfsfrau |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 12.06.2011, 15:39 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Hallo Spedi,
auch Dein ausführlicher Beitrag zu meinen vielen Fragen hat mir so
viel Anregung und Zuspruch gegeben. Danke dafür!
| Spedi hat Folgendes geschrieben: | | in dem Masse, in dem ich anfing, mich um meine Belange zu kümmern und diese auch ernst zu nehmen, in diesem Masse nahm also mein "Begleiten" des Elternhauses ab. |
Mich bei meinen Eltern nicht wohl zu fühlen und weg zu bleiben,
das erschien mir bisher noch gar nicht als ausreichender Belang.
Dass mir mein Wegbleiben aber selbst noch Druck (Schuldgefühle)
beschert, zeigt doch irgendwie, dass ich doch noch mit drin hänge,
und mir eher ihren als meinen Kopf mache. Hm.
| Zitat: | | Ich muss nicht mehr auf Gedeih und Verderb irgendwelchen Personen gefallen, irgendwelche Situationen "bereinigen", irgendeine Komödie "um des lieben Friedens willen" (mit-)spielen. |
Der tat gut! "Bereinigen" war als verständnisvolles Kind immer meine
innere Aufgabe, die habe ich mir selbst zugeteilt. Weil ich immer hinter
her war, dass wir auf eine gemeinsame Ebene (Aussprechen) kommen.
Wenn Du das so schreibst, wird mir aber bewusst, dass Alkohol ja uns
alle vernebelt und in einem Zirkus festhält (Leugnen). Dort werde ich
also niemals auf die nötige Reaktion treffen, die mir ein Gefühl echter
Nähe im Sinne von individueller Aufrichtigkeit (wer will was und warum)
geben könnte. Klären geht aber nur mit Menschen, die sich fühlen und
dafür sprechen können. - Danke fürs Erinnern!
| Zitat: | Meine Eltern liebe ich weiterhin, auch ohne viel Kontakt, auch mit ihren "Fehlern", einfach so, wie sie sind. Sie können und wollen halt aus ihrer Spirale nicht aussteigen. Es ist und bleibt ihre Spirale, nicht mehr meine.
|
Den muss ich mir einfach in fett drucken! Stimmt. Sie haben die Wahl!
Warum konnte ich solange nicht glauben, dass sie wollen, was sie tun
bzw. unterlassen? Hm. Vielleicht, weil es MICH unglücklich machen wür-
de, so eingeschränkt zu leben.
Übrigens, während meiner gesamten Mitfühl- und Betroffenheits-Zeit
HABE ich eingeschränkt gelebt. Von meiner Energie war alles in alle
Winde verstreut, ich war in ihren Köpfen und Herzen unterwegs, statt
mir volle Erlaubnis geben zu können, dass ich da für nichts sorgen muss.
Das klingt sooo schräg. Wie habe ich mich da übernommen und erhöht!!!
(Zur höheren Macht gemacht, würde man in den 12 Schritten sagen.)
Dieser Satz hier tut mir auch gerade total gut!
| Zitat: | | Die Zeit war ein gnädiger Helfer dabei, zu dieser Einstellung zu gelangen, und auch, dass ich Rückhalt von meiner kleinen Familie habe, diese Themen gemeinsam zu besprechen und dann auch im täglichen Leben so zu leben. |
Ich will nämlich alles - nach alter Manier - möglichst schnell hinkriegen,
immer im Glauben, dann sei die Anstrengung für dier erste Ewigkeit ab-
geschlossen. (Pffff. Das ist jetzt fast komisch, meine Irrungen zu sehen.)
| Zitat: | | In der Vergangenheit wusste ich immer nur, was ich nicht möchte. Ich konnte aber nie sagen, was ich will. Erst, als ich mir zugestand, etwas zu wollen, dieses "Wollen" auch kommuniziert habe und diesen Wunsch auch umgesetzt habe, konnte ich mit mir ins Reine kommen. |
Das ist der Punkt, an dem ich gerade stehe. Entdecken, was ich nicht (mehr)
will. Aber die damit frei werdende Lücke habe ich ja noch nie selbst gefüllt!
Bin aber sehr neugierig, wie sich das alles anfühlt, wenn ich damit beginne.
| Zitat: | | Das setzte voraus, dass ich mir gegenüber ehrlich wurde, nicht mehr irgendwelchen Träumen nachhing, sondern im hier und jetzt, in der Realität lebte, meine Selbsteinschätzung wieder realistisch wurde, und ich meine eigenen Ziele definieren konnte. |
Danach habe ich echte Sehnsucht, genau zu erkennen und zu wissen, wer
ich bin. Mit wachsendem Zutrauen, mich nicht "ändern" zu müssen, um
eine "Gute" zu sein, komme ich langsam zur Ruhe, wirklich hinzuschauen,
auch meine Schwächen und Wünsche. Früher kam sofort die Wertung,
und der Weg zum Annehmen war verbaut.
| Zitat: | | Heute bin ich davon überzeugt, dass nur jemand, der sich selbst angenommen hat, auch in der Lage ist, Andere anzunehmen. |
Ja, das erlebe ich ganz gelegentlich auch so. Wenn ich mich bejahe und
meinem Gefühl/Bedürfnis die Treue halte, kann ich viel leichter nach außen
kommunizieren, ohne Angst vor Ablehnung zu haben. Damit wird für den
anderen ja auch erst der Raum frei, unverspannt so zu sein, wie er/sie ist.
| Zitat: | | Und wie immer beginnt es bei mir selbst. Ich muss etwas an mir ändern, um zu meinem Ergebnis zu kommen. Und das macht sogar Spaß! |
Meint "ändern" z.B. auch die Einstellung zu mir selbst? Ich weiß, ich kann
Merkmale und Muster nicht mit Willenskraft allein ändern, und es würde
mich erneut unter Druck bringen, das sofort können zu wollen/sollen.
"Mich wichtig nehmen", das wäre schon eine große Änderung im Innern,
eine die ich wählen kann und schaffen. Irgendwie habe ich Vertrauen, dass
sich damit auch im Außen (z.B. im Kontakt mit meinen Eltern) Ruhe einstellt,
da ich nicht mehr an ihnen herum "machen" muss, ihre Gedanken oder ihr
Verhalten "im Griff" halten muss, damit es mich nicht verletzen kann.
Das klingt vielleicht noch wirr, aber ich glaube, es hat auch wieder mit der
Wahrnehmung meiner eigenen Möglichkeiten (Verantwortung) für mich selbst
zu tun. Nicht meiden oder blocken, was mir Angst macht, sondern langsam
Wege finden, wie ich mit MIR als Fürsprecherin durch solche Strudel durch
komme, indem ich mir dieselbe Mitsprache und Stimmfreiheit erlaube, wie
es z.B. mein Vater per Naturgesetz schon immer getan hat.
Herrje, ich klinge wie in der Pubertät. Aber da irgendwo bin ich auch stehen
geblieben. Es gab schlicht nie zwei Wahrheiten, oder zugelassene Grenzen,
und ich bin lange im Gefühl mitgeschwommen, es gehe eben nur darum, die
"richtigen" auszuloten und zu beachten. Volles Rohr Co, wie ich jetzt noch
deutlicher sehe.
Danke, Spedi, für Deine Klarheit!
... und nochmal lieben Gruß
von der Wolfsfrau[/i] |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 12.06.2011, 15:57 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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| lavendel hat Folgendes geschrieben: | | Es ist, wie Spedi schreibt, ihre Spirale. Theoretisch weiß sie, was passieren könnte und wird, und trotzdem tut sie nichts. Sie isst solange nichts, bis sie ins Krankenhaus kommt, sie kapselt sich ab, weil ihr alle anderen Menschen zu doof sind, und klagt über Einsamkeit. Aber mal ganz brutal: Das ist nicht mein Problem. |
Exakt wie meine Mutter! Wenn auch ohne das Ess-Thema, wobei ich das gar
nicht wirklich beschwören könnte, denn sie hat ja bereits stark abgenommen.
| Zitat: | | Irgendwann habe ich mich mit Hilfe davon freigemacht, dass ich etwas ändern könne oder Verantwortung habe. Habe ich nicht. Es ist ihr Leben, ihre Spirale. |
Ich bin in Therapie, was mir auch sehr dabei hilft, Distanz aufzubauen.
Hat es lange gedauert, ehe bei Dir die Schuldgefühle weg waren? (Nicht
da zu sein, sie einsam sein zu lassen, etc. - alles, was man sich für sich
selbst nicht wünschen würde.) Das würde mich sehr interessieren.
Obwohl in mir immer wieder soviel Wut und Nase-voll hochkocht, sind
diese Gefühle des Bedauerns und die Machtlosigkeit leider (noch) nicht
automatisch weg. Aber ich vertraue, da mehr und mehr Ruhe für mich
selbst zu finden.
OK, hier gibst Du mir ja eigentlich schon Antwort:
| Zitat: | | Sie war mir früher auch in nüchternen Zeiten die liebste Freundin. Ich hasse sie auch nicht. Ich habe eher ein riesengroßes Mitleid mit ihr und ihrem verpfuschten Leben. Aber verantwortlich für sie bin ich nicht. Punkt. |
So geht es mir auch:
| Zitat: | | Aber nie käme ich auf die Idee, mein Leben dafür zu opfern, wegzugehen aus meiner Stadt, sie gar selbst zu pflegen. Nie! |
Ich möchte mich gern informieren, wie ich ggf. alles veranlassen kann,
wenn es mal so weit kommt. (Was ich ja eigentlich gar nicht weiß. Viel-
leicht nimmt sie einen ganz anderen Weg, den ich noch nicht kenne.)
| Zitat: | | Was mir auch geholfen hat, war der Kontakt mit anderen, trockenen Alkis im Alter meiner Mutter, die eben über sich selbst gesprochen haben, auch über ihre Gedanken bezüglich der eigenen Kinder. Dass sie sich schämen, dass sie ihre Kinder nicht belasten möchten, dass die Kinder ein Recht auf ein eigenes Leben haben. |
Danke fürs Erinnern! Ja, stimmt. Das habe ich auch oft gehört,
und wieder "vergessen". Dass nichtmal die (trockenen Alkoholiker)
verstehen, wieso sich Kinder für ihre Eltern innerlich aufreiben sollten.
Ein Kind, das seine Eltern selbstliebend und liebevoll erlebt hat, war ich
glaube ich nie. Ich scheine nur die Aufpass-Position zu kennen, da ich
mich auf die Verfügbarkeit und Offenheit (für mich) meiner Eltern nicht
verlassen konnte.
Bist Du auch manchmal so fassungslos, wie es Dich in diese blöde
Co-Abhängigkeit verschlagen konnte? Weil das wirklich alles andere
als lebensfördernd ist. Mich macht das inzwischen richtig wütend, diese
ungewollte Rollen-Umkehr, aus der jetzt ICH mich mühsam freistrampeln
muss. An der Stelle kriege ich sofort die kalte Wut. Da bin ich noch lange
nicht im Reinen mit mir und meinem Gebiet, um ihnen ihr eigenes zu lassen.
Puh, aber immerhin ist jetzt mal Bewegung drin, ich klebe nicht mehr so,
oder hänge in der Luft.
| Zitat: | | Wünsche Dir alle Kraft, Dich auf Dich selbst zu konzentrieren. |
Einfach mal vielen, vielen Dank! Die brauche ich wirklich, für meinen Weg.
Und ich will, will, will ... ein eigenes Leben zu meiner echten Zufriedenheit!
Liebe Grüße auch an Dich,
von der Wolfsfrau |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 12.06.2011, 16:00 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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p.s.
Sorry, liebe Lavendel,
ich habe im Eifer des Gefechts ganz die Anrede vergessen! |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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Nasenbär Gast
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Verfasst am: 14.06.2011, 09:37 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Hallo an alle.
Mir geht es ähnlich. Allerdings weiß ich derzeit nicht wirklich einen Ausweg aus meiner Verantwortung.
Meine Mutter hat nach ca. 30 Jahren Trockenheit (nehme ich mal zumindest an) vor ca. einem halben Jahr wieder mit dem Trinken angefangen. Sie lebt alleine, seit mein Vater gestorben ist.
Er hat sich viel (eher zu viel) um sie gekümmert. Auch weil sie nach einem Schlaganfall nicht mehr alles alleine kann. Körperlich geht es noch, aber geistig ist sie nicht mehr so fit, dass sie sich um alles alleine kümmern könnte. Auch von Wesen her hat sie sich seit dem Schlaganfall verändert. Sie ist unbeherrschter und agressiver geworden. Ständig muss ich mir patzige Antworten von ihr anhören.
Allerdings ist sie (NOCH) nicht so schlecht dran, dass es für die Pflegestufe I reichen würde. Dafür muss man anscheinend schon sehr viel hilfloser sein. Hätten wir Pflegestufe I geschafft, wäre sie in ein Seniorenheim gegangen. Sie möchte da sogar selbst hin - weil sie alleine in ihrer Wohnung zu einsam ist. Da hilft auch der fast tägliche Besuch von Verwandten und mir nichts. Nachvollziehen kann ich das schon auch.
Aus dieser Einsamkeit raus, hat sie wohl dann auch die Trinkerei wieder angefangen. Natürlich gibt sie es nicht zu, aber da ich ihren Müll aussortiere und wegbringe (kann sie nicht mehr selbst), finde ich mindestens 1 x die Woche Kassenzettel vom Supermarkt auf denen "Markennamen entfernt", Wein etc. drauf sind.
Sie macht sich damit jetzt langsam selbst kaputt. Der nächste Schlaganfall lässt bestimmt nicht lange auf sich warten, wenn sie weitertrinkt. Ich merke jetzt schon, wie sie geistig immer weiter abbaut durch den Alkohol.
Das schlimme für mich daran - ich muss mich um sie kümmern, weil es sonst niemand mehr kann. Einerseits würde ich es gerne machen, wenn es von ihr anerkannt würde, aber sie mault meistens nur rum oder merkt gar nicht, was ich für sie tue. Andererseits würde ich sie am liebsten einfach alleine sitzen lassen.
Sie zu mir nach Hause zu nehmen geht gar nicht. Das würde ich nicht ertragen. Ich glaube, noch nicht mal, wenn sie trocken wäre. Dafür habe ich sie - so hart das klingt - einfach nicht genug lieb. Sie hat mir genug angetan, als ich noch ein Kind war und sie schonmal getrunken hat und ich hatte nie eine wirklich liebevolle Bindung zu ihr. Es ist fast nur reines Pflichtgefühl.
Aber was soll ich tun? Ich kann doch auch nicht jemanden ohne Hilfe da sitzen lassen, der sich selbst in vielen Dingen nicht mehr helfen kann. Seniorenheim wäre wie gesagt die beste Lösung - aber wer kann das schon bezahlen, wenn man kein Pflegegeld bekommt.
Eigentlich kann ich nicht viel mehr machen, als ihr weiter zu helfen und abzuwarten, bis der Alkohol sie so krank gemacht hat, dass sie gar nicht mehr kann und dann doch die Pflegestufe bekommt. Allerdings bleibt dann die Frage, ob ein Altersheim sie als Alkoholikerin überhaupt aufnimmt. Davor habe ich nämlich auch Angst. Dass niemand sie aufnimmt und mir irgendwann doch nichts anderes übrig bleibt, als sie zu mir zu holen.
So, jetzt habe ich euch genug vollgetextet Wurde mal wieder mehr, als gewollt. Ich finde einfach kein Ende. |
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| Nasenbär hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 14.06.2011, 10:49 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Hallo Nasenbär,
ich fand gerade Deine Geschichte hier und musste spontan denken:
Wie wäre es, wenn Du Dir damit einen Faden, so wie ein Tagebuch,
eröffnest, wo Du ganz viele Antworten sammeln kannst und die
dann für Dich in Ruhe auswerten. So habe ich diesen Faden hier
auch gestartet, und es tut einfach gut, diesen Raum für meinen
Prozess, meine Erkenntnisse, oder auch mal eine Zeitlang Schweigen
zu haben. Bis ich wieder an etwas dran bin und dann schreiben mag.
Nur so als Anregung, dann würde die Energie, die andere in unsere
"Beratung" stecken, sich nicht thematisch verwurschteln, und wir
müssten nicht jedesmal erneut bei unserer eigenen Geschichte an-
setzen, wenn bei einem von uns neuer Beratungsbedarf entsteht.
Was hältst Du von der Idee? Und kannst Du meinen Wunsch verstehen,
hier beim Dialog in meiner eigenen Sache bleiben zu wollen? Eben weil
mein Thema in sich schon viel Brisanz für mein Wohlbefinden hat und
ich einfach das Gefühl brauche, dass dieser Raum frei dafür bleibt. Damit
ich immer wieder hierher zurückkehren kann und da anknüpfen, wo ich
zuletzt im Schreiben war.
Ich würde Dir gern auf Deinen Beitrag antworten, aber an der Stelle bin
ich innerlich noch nicht mit Klarheit, sonst gäbe es diesen Faden nicht.
Aber ich drücke Dir fest die Daumen, dass Du von "Experten"-Seite
genau die Anregungen bekommst, die Du brauchst, um für Dich einen
gangbaren Weg aus der Situation, oder mit ihr, zu finden.
Liebe Grüße und ganz viel Mut weiterhin, sende ich Dir.
Wolfsfrau |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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