| Meine Mum trinkt heimlich • EKA im Erkenntnis- und Veränderungsprozess |
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 25.03.2011, 15:41 Titel: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Hallo, liebe Leute hier,
ich bin 43 Jahre alt (Einzelkind) und habe vor kurzem das Thema Alkohol in meiner Familie "ent-weiht", das Leugnen gebrochen, indem ich meiner Mutter einen Brief schrieb.
Sie trinkt seit Jahrzehnten, schafft trotzdem alles, baut aber kräftemäßig so stark ab, dass ich einfach Angst bekam und das Thema "Alkohol" und Ausstiegsmöglichkeiten auf den Tisch legen wollte. Anbietend, nicht bekehrend. Sie grenzte sich ab, schickte mir die beigelegten Broschüren zurück, und das begreife ich inzwischen gut.
Mein Vater lebt co-abhängig damit, ist selbst Alkohol-abstinent (dazu gewzungen, wegen einer anderen Erkrankrung), aber nicht "nüchtern" im Kopf, was seine Ansichten und das Deckeln von Gefühlen betrifft. Er kämpft, das alles hoch zu halten.
Für mich sind seit letztem Winter zwei Illusionen geplatzt, ich ging wie in Trauer durch die letzten Monate.
Mir ist klar, meine Mutter wird sterben, sie ist in gewisser Weise schon dabei (verschwindet körperlich, wird dünner). Und sie duldet keine Einmischung ("Hilfe"). Das tut weh, obwohl ich weiß, dass es zur Alkoholabhängigkeit gehört (Leugnen). Aber ich lerne, dass es nicht meine Angelegenheit ist und ich da nichts ausrichten kann.
- Und zunehmend auch keine Kraft mehr reinstecken will. Sie will nichts "sehen", auch meine Not nicht. Ok, akzeptiert.
Und mir wurde klar, mein Vater lebt in derselben Verleugnung bzgl. seiner Gefühle, ist auch meinen nicht gewachsen. Wir geraten aneinander, sobald ich in einer beliebigen Sache meine Meinung oder einfach mein Empfinden äußere. Ich sehe hinter allem seine eigene Verwundung (hatte keine tolle Familie) etc., darin sind wir Co's ja Spezialisten. Mitfühlen, Schwingungen auffangen, - aber ich merke jetzt, das geht zu Lasten MEINER Lebendigkeit. Unfreiwilig legt sich diese Schwere und innere Leere sofort über mich, wenn ich dort bin. Zusätzlich zu den Konflikten, zwischen beiden, die ich ebf. spüre.
- Und auch da mag ich nicht mehr werben oder überzeugen, indem ich "zeige", wie toll (sorry, meine Bekehrungsversuche!) es fließen kann, wenn man "einfach" offen redet. Äh, da will nichts fließen, das Wegsperren hat seine eigene Funktion, und die werde ich nicht aushebeln können, ist auch nciht meine Baustelle.
Ich habe durch die Therapie und den Blick aufs System erstmals begriffen:
Da drin, so wie die beiden beschlossen haben, für sich - und ohne direkten Draht von Gefühl zu Ausdruck zu Kontakt - zu leben, ist KEIN PLATZ FÜR MEINS. Ich bin als EKS in Genesung auf einem ganz anderen Dampfer unterwegs (Gefühle spüren, annehmen, möglichst teilen) und brauche den wachen Kontakt, um nicht selbst in die Taubheit zurück zu rutschen. Ich bin Einzelkind und habe wenig Möglichkeiten gehabt, zu lernen, mit mir und meinen Gefühlen umzugehen.
So, und jetzt spüre ich, dass es mir wirklich zu eng um den Hals wird, mich da wieder "eingliedern" zu sollen (bei Besuchen). Außerdem liegt mein eigenes Leben ziemlich brach, meine ganzen Altlasten haben mich jahrelang beschäftigt, ohne dass ich wusste, wo und wie ansetzen, es war einfach nur alles wie ein platter Reifen.
Ich weiß jetzt aber, dank einer Intensiv-Therapie vor 2 Jahren, was mir gut tut, und wie ich es bekomme. Ich möchte anfangen, mir meinen eigenen Wirkungskreis, mein Leben aufzubauen, statt weiterhin irgendwie zu überbrücken.
Aber: Meine Eltern werden eben älter (bald Ende Sechzig), meine Mutter baut ab, ich bin die einzige Tochter (Einzelkind), und so blöd das klingt: Ich will da weg, und auch nach Möglichkeit nie wieder hinein gezogen werden, in einen längeren Kontakt, geschweige denn ein Pflege- oder Betreuungsverhältnis. Ich habe den Kanal komplett voll, im Moment, möchte an mir nicht mehr weiter herum stutzen, damit's am anderen Ende (Eltern) "passt".
Das Blöde ist, ich fühle mich wie eine Verräterin, wenn ich mich z.B. auch örtlich weiter entferne (bin schon 300km weg) und mich wirklich nur auf MEIN Leben einlasse. Als ob sich das zeitlich gar nicht lohnt, weil die mich irgendwann brauchen werden, und wenn es nur für Verwaltungskram ist.
Aber mir macht die Aussicht darauf soviel Angst, dass ich also alles Aufgebaute eh wieder verlassen (hintan stellen) muss (nie wieder !!!). Ich will mich kein zweites Mal gegen besseres Wissen für die Sucht (ihre Folgen) einspannen lassen, nachdem ich soviele Scheiß-Kommentare (sorry) und Mitleid für mein "Versagen" (Job, Beziehung) genau aus ihrem verdrehtem System empfangen habe. Kein Steinchen will ich darin mehr bedienen.
Versteht jemand meine Wut? Und die Angst? Und das Gefühl, an einer Kette zu sein?
Wie geht ihr mit der Idee um, "im Alter" - also wenn Eure Eltern tatsächlich nicht allein weiterkommen - für sie da sein zu sollen? Ich weiß nicht einmal, ob das meine eigene Moral (Wille) ist, oder nur eine weitere Klammer, der ich ausweichen will.
Kann mal jemand schreiben, wie er/sie dieses Kapitel für sich angeht? Wie ihr Eure Rolle seht? Vielleicht habe ich einen fundamentalen Knick in der Optik, aber fest steht, der übt enormen Druck auf mich aus. Ich komme paradoxerweise natürlich NICHT in die Gänge mit meinem Kram, weil ich mich überhaupt nicht frei dafür fühle. Immer so, als kommt der Knall von zu Hause noch.
Es tat gut, das hier zu lassen. Bitte schreibt mir, wie ihr damit umgeht. Danke!
Liebe Grüße von der Wolfsfrau |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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heidi13 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.11.2010 Beiträge: 138 Alter: 39 Wohnort: Schweiz
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Verfasst am: 25.03.2011, 16:35 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Hallo Wolfsfrau,
bei mir säuft mein "Vater" - ich habe inzwischen den Kontakt zu ihm auch abgebrochen. Wenn ich zu Besuch bei meinen Eltern bin, rede ich kein Wort mit ihm.
Meine Mama hatte vergangenen Herbst die Diagnose Krebs bekommen, hatte eine sehr schwere OP und wirklich ganz üble Zeiten. In der Zeit waren mein Bruder und ich bei ihr - und SEIN grösstes Problem war, dass sich niemand um ihn kümmert. Geholfen hat er ihr NULL - im Gegenteil, er hat sich noch schön voll laufen lassen und zu streiten begonnen - und schuld waren wir selber.
Insofern: Wer sich seinen Mitmenschen gegenüber so verhält, hat auch keine Hilfe verdient. Da kann ich hart sein. Ich fühle keine Verantwortung ihm gegenüber mehr. Er hat mir gegenüber ja auch nie eine übernommen.
Ich glaube ganz fest, dass alles im Leben wieder zurückkommt - das Gute wie auch das Schlechte. Das ist halt jetzt die Quittung für sein Verhalten.
Innerlich zerreisst es mich aber schier - weil es ja zwischendurch schon auch mal andere Momente und Zeiten gab und ich ihm vom Wesen her eigentlich sehr ähnlich bin.
Versuche doch im Jetzt, Hier und Heute zu leben und Dir nicht so viele Gedanken über ungelegte Eier zu machen. Was kommt, kommt .. und dann kannst Du immer noch schauen, was zu tun ist und was Du auch tun WILLST.
Lieben Gruss,
Heidi |
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| heidi13 hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 25.03.2011, 21:02 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Hallo Heidi,
Danke für Deine Erfahrungen, hier. Das ist ja sehr heftig, wie Du die Kombination Alkohol und Krankheit erleben musst, mit Deinen Eltern. Du hast mein volles Mitgefühl.
Auch, was Du hier sagst, gilt für mich ebenso:
| heidi13 hat Folgendes geschrieben: |
Innerlich zerreisst es mich aber schier - weil es ja zwischendurch schon auch mal andere Momente und Zeiten gab und ich ihm vom Wesen her eigentlich sehr ähnlich bin.
Versuche doch im Jetzt, Hier und Heute zu leben und Dir nicht so viele Gedanken über ungelegte Eier zu machen. Was kommt, kommt .. und dann kannst Du immer noch schauen, was zu tun ist und was Du auch tun WILLST.
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Ich komme auch "durcheinander" mit all den Gefühlen, die ich gleichzeitig habe, für meine Mutter.
Da ist die Wut auf ihre Sucht - und dass sie die "vorzieht". Das verletzt mich als "Kind".
Ich erkenne, da ist nichts mehr zu holen, was schon vorher nicht da war.
Mit ihrem Abbauen wird nochmals deutlich, jetzt ist wirklich Abschließen angesagt,
mit meinen Erwartungen, meinen Wunden, oder der (kindlichen) Hoffnung auf "Entschädigung".
Ich schreibe das bewusst in Anführungszeichen, weil mein Kopf bereits weiß,
wo es lang geht (Loslassen und Eigenverantwortung).
Aber "nebenher" eben die Trauer und den Verlust durcharbeiten, sehenden Auges, puh, das zieht eine Menge Kraft.
Dein Tipp, weniger mit "ungelegten Eiern" rum zu machen, in meinem Kopf, trifft genau den Punkt.
Es stimmt, ich halte mich da auch selbst durch diese Vorgriffe und Bilder gefangen. Das Ganze wird übermenschlich groß und unlösbar.
Habe das jetzt sicher schon 2-3 mal in Gesprächen mit Freunden gehört, und doch war es wieder "weg".
Ich möchte für mich selbst versuchen, bewusster meine Gedanken zu betrachten, statt mich von ihnen spazieren führen zu lassen.
Aber das ist so schwer, immer direkt gegen zu steuern, auszusteigen. Trotzdem, ich will es.
Es frisst meine ganze Energie auf, mich ständig selbst so zu beladen, und mein Leben "ruht" (wieder!),
nur dass es alles andere als eine friedliche, zufriedene Ruhe ist.
Vielen Dank für Deine Offenheit und Anteilnahme, und einen lieben Gruß,
von der Wolfsfrau |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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Skye neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 16.05.2009 Beiträge: 293 Alter: 42
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Verfasst am: 25.03.2011, 23:10 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Hallo Wolfsfrau,
| Zitat: | | wenn ich mich z.B. auch örtlich weiter entferne (bin schon 300km weg) und mich wirklich nur auf MEIN Leben einlasse. |
Die Größe der Entfernung spielt überhaupt keine Rolle. Sie vermittelt nur eine scheinbare Sicherheit, je weiter weg, desto besser ist der Drang zu unterdrücken doch mal vorbei zu schauen, sich zu kümmern. Entfernungen lassen sich relativ schnell überbrücken. Eine Nabelschnur kann auch über Kontinente hinweg reichen. Was Du fühlst, was Du willst, wie Du es umsetzt ist wichtig, nicht ob 300 o. 3000 km zwischen Euch liegen. Solange Du Dich nicht wirklich wichtig nimmst, kannst Du noch soweit weg sein, Deine Nabelschnur zieht Dich immer wieder zurück. Die kannst nur Du durchschneiden und keine Entfernung der Welt.
| Zitat: | | Als ob sich das zeitlich gar nicht lohnt, weil die mich irgendwann brauchen werden, und wenn es nur für Verwaltungskram ist. |
Kannst Du in die Zukunft schauen? Ich nicht! Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich dachte auch immer meine Mutter würde ein Pflegefall, am Ende hatte ich nicht mal mehr die Gelegenheit mich wirklich von ihr zu verabschieden, so schnell ging es. Könnte, sollte, müsste bremst Dich nur. Was kommt, kommt und wenn es da ist kannst Du Dir Gedanken machen. Wenn Du jetzt schon über alle Eventualitäten nachdenkst und versucht Lösungen für ein Problem zu finden, dass noch gar nicht existiert, dann nimmst Du Dir nur Kraft und Lebensqualität. Lass Deine Eltern doch mal los.....
| Zitat: | | Aber mir macht die Aussicht darauf soviel Angst, dass ich also alles Aufgebaute eh wieder verlassen (hintan stellen) muss (nie wieder !!!). |
Wer sagt, dass Du das musst? Nur Du selbst, niemand anderes. Du machst Dir Gedanken um ungelegte Eier. Ganz wird Vater Staat Dich nie aus der (finanziellen) Verantwortung für Deine Eltern entlassen, aber für alles andere gibt es jede Menge Lösungen, die kaum Beteiligung Deinerseits bedürfen. Es sei denn, Du willst es.
| Zitat: | | Versteht jemand meine Wut? Und die Angst? Und das Gefühl, an einer Kette zu sein? |
Ich verstehe das alles und kenne das alles. Wut, zuerst auf meine Eltern, wie sie mir das antun konnten. Dann ein langsames Verstehen und folgend die Wut auf mich, wie ich mir das antun konnte. Heute in weiten Teilen Akzeptanz für beide Seiten. Angst, vor dem Verlust, vor der Überforderung, Angst wieder zurück zu fallen. Die Angst vor dem Verlust ist geblieben bzw. bleibt, aber ich lasse sie nicht mehr mein Leben bestimmen. Verlust droht immer und überall und man kann besser mit ihm umgehen, wenn man sich vorher nicht verrückt gemacht hat mit was wäre wenn. Die Wirklichkeit liegt ohnehin außerhalb der Vorstellungskraft. Der Angst vor Überforderung und wieder zurück zu fallen in alte Muster habe ich die konsequente Sorge für mich entgegen gesetzt, bisher mit gutem Erfolg.
Das Gefühl an der Kette zu sein hatte ich, weil ich mich selbst an sie gelegt habe. Ich habe sie Stück für Stück entsorgt, denn ich musste erstmal lernen mit Freiheit umzugehen.
| Zitat: | | Wie geht ihr mit der Idee um, "im Alter" - also wenn Eure Eltern tatsächlich nicht allein weiterkommen - für sie da sein zu sollen? |
Meine Mutter ist wie gesagt bereits tot, mein Vater lebt noch. Ideen habe ich keine, weil ich nicht weiß was kommen wird, auch weil mich der Tod meiner Mutter gelehrt hat, es ist nichts planbar. Ich weiß aber wo ich Hilfe bekomme für alles was ich selbst nicht kann oder will. Für die einfachen Dinge des Lebens kann ich Freunde, Bekannte, Nachbarn um Hilfe bitten. Es gibt Betreuungsstellen, soziale Dienste, Anwälte, Steuerberater und Notare. Sie alle kann man bei den entsprechenden Problemen fragen. Ich habe keine Idee, weil ich nicht weiß was wann kommen könnte, aber ich weiß wo ich Hilfe bekomme wenn es an der Zeit sein sollte das ich welche benötige.
Ich muss, kann und will nicht alles allein machen. Das habe ich Jahre versucht und bin daran gescheitert.
Deine Eltern sind erwachsen und Du auch, da kann und sollte man selbstständig laufen. Wohin, nun das ist jedem Erwachsenen selbst überlassen und wenn es ins eigene Unglück ist.
Auf der einen Seite willst Du von Deinen Eltern weg, auf der anderen weigerst Du Dich die Nabelschnur zu kappen. So wird das nichts. Wenn Du Dein Leben leben willst, dann musst Du wohl oder übel loslassen.
Gruß
Skye |
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| Skye hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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Spedi sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 12.12.2010 Beiträge: 1089
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Verfasst am: 26.03.2011, 09:36 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Servus Wolfsfrau,
in dem Masse, in dem ich anfing, mich um meine Belange zu kümmern und diese auch ernst zu nehmen, in diesem Masse nahm also mein "Begleiten" des Elternhauses ab.
Ich habe das ja auch über meine aktive Säuferzeit hinweg mit mir rumgeschleppt, weil ich nicht loslassen wollte.
Heute lebe ich sehr entspannt mit meinem saufenden Vater und meiner Coabhängigen Mutter. Sie leben ihr Leben, ich lebe mit meiner Familie mein Leben. Gemeinsame Schnittpunkte gibt es nur selten, und ich überlege mir fallweise, wie ich ein Zusammentreffen oder andere Situationen angehen möchte. Ich spreche auch sehr direkt aus, was ich möchte. Wenn das für beide Seiten passt, ist es gut, wenn es nicht passt, dann wird halt nichts draus und ich sehe zu einem späteren Zeitpunkt, ob sich Gemeinsamkeiten ergeben. Ich muss nicht mehr auf Gedeih und Verderb irgendwelchen Personen gefallen, irgendwelche Situationen "bereinigen", irgendeine Komödie "um des lieben Friedens willen" (mit-)spielen.
Was soll ich sagen? Mir und meiner kleinen Familie geht es gut damit. Die Dauerbelastung von Früher ist weg. Meine Eltern liebe ich weiterhin, auch ohne viel Kontakt, auch mit ihren "Fehlern", einfach so, wie sie sind. Sie können und wollen halt aus ihrer Spirale nicht aussteigen. Es ist und bleibt ihre Spirale, nicht mehr meine.
Die Zeit war ein gnädiger Helfer dabei, zu dieser Einstellung zu gelangen, und auch, dass ich Rückhalt von meiner kleinen Familie habe, diese Themen gemeinsam zu besprechen und dann auch im täglichen Leben so zu leben.
Der zweite wesentliche Punkt für mich war zu erkennen, was ich wirklich möchte. Ich habe das hier schon mal früher geschrieben, wenn auch in anderem Zusammenhang: In der Vergangenheit wusste ich immer nur, was ich nicht möchte. Ich konnte aber nie sagen, was ich will. Erst, als ich mir zugestand, etwas zu wollen, dieses "Wollen" auch kommuniziert habe und diesen Wunsch auch umgesetzt habe, konnte ich mit mir ins Reine kommen. Das setzte voraus, dass ich mir gegenüber ehrlich wurde, nicht mehr irgendwelchen Träumen nachhing, sondern im hier und jetzt, in der Realität lebte, meine Selbsteinschätzung wieder realistisch wurde, und ich meine eigenen Ziele definieren konnte.
Heute bin ich davon überzeugt, dass nur jemand, der sich selbst angenommen hat, auch in der Lage ist, Andere anzunehmen. Und wie immer beginnt es bei mir selbst. Ich muss etwas an mir ändern, um zu meinem Ergebnis zu kommen. Und das macht sogar Spaß!
LG
Spedi |
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| Spedi hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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lavendel sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 23.05.2006 Beiträge: 2869
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Verfasst am: 26.03.2011, 12:28 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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| Spedi hat Folgendes geschrieben: | | Die Dauerbelastung von Früher ist weg. Meine Eltern liebe ich weiterhin, auch ohne viel Kontakt, auch mit ihren "Fehlern", einfach so, wie sie sind. Sie können und wollen halt aus ihrer Spirale nicht aussteigen. Es ist und bleibt ihre Spirale, nicht mehr meine. |
Hallo Wolfsfrau,
genau so geht es mir auch. Meine Eltern haben beide getrunken, mein Vater ist tot, und meine Mutter? Sagt, sie trinkt nicht, sondern habe Depressionen, aber ihre Stimme übers Telefon sagt mir etwas anderes. Und? Ich frage nichtmal mehr. Es ist, wie Spedi schreibt, ihre Spirale. Theoretisch weiß sie, was passieren könnte und wird, und trotzdem tut sie nichts. Sie isst solange nichts, bis sie ins Krankenhaus kommt, sie kapselt sich ab, weil ihr alle anderen Menschen zu doof sind, und klagt über Einsamkeit. Aber mal ganz brutal: Das ist nicht mein Problem.
Ich bin auch Einzelkind, wohne auch 200 km weit weg (zum Glück!), und hatte früher auch immer ein schlechtes Gewissen, meinte mich kümmern zu müssen. Und? Hat alles nichts genützt, ausser dass es mir dauernd schlecht ging. Irgendwann habe ich mich mit Hilfe davon freigemacht, dass ich etwas ändern könne oder Verantwortung habe. Habe ich nicht. Es ist ihr Leben, ihre Spirale.
Sie war mir früher auch in nüchternen Zeiten die liebste Freundin. Ich hasse sie auch nicht. Ich habe eher ein riesengroßes Mitleid mit ihr und ihrem verpfuschten Leben. Aber verantwortlich für sie bin ich nicht. Punkt.
Die Gedanken, was wird wenn... sie ein Pflegefall wird, sie stirbt, die habe ich auch. Mir ist auch mulmig dabei, wie ich das dann auf die Reihe bekomme (werde ich wohl müssen, weil es ausser zwei Schwestern von ihr sonst keine Verwandten mehr gibt), aber darüber mache ich mir erst Gedanken, wenn es so weit ist. Aber nie käme ich auf die Idee, mein Leben dafür zu opfern, wegzugehen aus meiner Stadt, sie gar selbst zu pflegen. Nie!
Was mir auch geholfen hat, war der Kontakt mit anderen, trockenen Alkis im Alter meiner Mutter, die eben über sich selbst gesprochen haben, auch über ihre Gedanken bezüglich der eigenen Kinder. Dass sie sich schämen, dass sie ihre Kinder nicht belasten möchten, dass die Kinder ein Recht auf ein eigenes Leben haben.
Wünsche Dir alle Kraft, Dich auf Dich selbst zu konzentrieren.
Liebe Grüße
lavendel |
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| lavendel hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 29.03.2011, 14:21 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Hallo, ihr Lieben,
einfach mal ein dickes "Danke" für Eure Rückmeldungen. Ich habe die gelesen und es arbeitet noch in mir.
Ich werde dazu noch ausführlicher schreiben. Aber es tut gut, mit diesem Theman icht allein
herum zu eiern. Entdecke es gerade in vielen meiner Kontakt-Gewohnheiten, vor allem meinen
Eltern gegenüber. Dass ich zum "Umsorgen" (emotionale Klarheit, Klärung) neige,
ganz ohne "Anlass" oder ihren Wunsch danach. Bin etwas verwirrt, wie dieses Verhalten in mich hinein kam.
Genau DAS ist wohl auch Co-Abhängigkeit. Dazu muss man niemandem "umtüddeln", indem man
Erledigungen für ihn macht oder Lügen anbringt, um ihn im Umfeld zu schützen.
Für mich eine Offenbarung, wie subtil dieses Co-Zeugs in mir wirkt, und vor allem, dass es MICH schwächt.
Damit will ich aufhören, ich fühle mich auch ausgenutzt, für die Bereitschaft, alles zu fühlen,
während meine Eltern sich ihre grüne Wiese da rauspicken und ich mit dem "Rest" (auch zwischen uns)
alleine spielen darf. Wie absurd, das alles. Und wie gesagt, nicht mal erwünscht. Pffff.
Zeit für meine eigene Heilung, echt.
Erstmal liebe Grüße, bis bald wieder hier.
Wolfsfrau |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 01.04.2011, 18:00 Titel: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . |
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Kurze Zwischenmeldung ...
Ich habe jetzt mehrmals zum Antworten auf Eure lieben Beiträge angesetzt und merke,
dass ich sogar da im Kampf-Modus ("will das Begriffene umsetzen können") bin,
wieder weg vom Gefühl. Meine Vermutung: Darunter spielt sich alles ab, ich sollte still werden.
Wenn ich andere Fäden lese, wo sich Menschen mit ihrer echten Schwäche zeigen,
ihrem Schmerz, und damit ebenfalls Unterstützung finden, dann sehe ich, was ich bisher vermeide.
Ich habe solche Angst, nicht schwach sein zu dürfen. Deshalb strenge ich mich immer so an.
Mein Kopf erfasst mit Lichtgeschwindigkeit, was gemeint ist, wenn jemand mir Tipps gibt,
ich kann sogar vieles schon "Gelernte" und Verstandene ergänzen, aber MICH fühle ich nicht,
es ist, als würde ich wieder etwas im Außen lösen wollen (zeigen, ich hab's kapiert), ganz wie daheim, früher.
Jetzt gerade kann ich Trauer spüren, darüber, dass ich mich damit immer wieder überfordere und treibe.
Einfach mal so liebe Grüße in die Runde,
von der Wolfsfrau. |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Re: Schlechtes Gewissen, meine Eltern zu "verlassen" . geschrieben
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