| Seine Familie weiß nichts von seiner Alkoholkrankheit • Der Blick fürs Normale noch möglich? |
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Franzka neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.03.2011 Beiträge: 11 Alter: 51 Wohnort: wandlitz
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Verfasst am: 18.03.2011, 21:12 Titel: Vertrauensfrage |
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Hallo.
ich bin Franzka, 49, verheiratet, ein Sohn. Mein Mann ist Alkohliker. das war er schon, als wir kennenlernten, nur wußte ich das damals noch nicht.
Ich habe in den letzten 25 Jahren so einiges mit ihm durchgestanden. Nichts hat geholfen. Immerwieder entgiftung, AEB, Absturz. Vor zwei Jahren habe dann meine Anwältin eingeschaltet, die ihm mitteilte, dass er ausziehen muss, weil ich die Scheidung einreiche.
Das war wohl sein Knackpunkt, denn er hat es geschafft, ohne meine Hilfe zum Arzt zu gehen und sich einweisen zu lassen. Im Mai sind es 2 Jahre, dass er nichts mehr getrunken hat.
Er hat sich sehr verändert, ist ein völlig anderer Mann geworden. Da gibt es so einige Reibungspunkte.
Ich bin leider nicht in der Lage, meinem Mann zu vertrauen. Das macht ihm sehr zu schaffen. Ich kontrolliere ihn nicht ständig und spioniere ihm auch nicht nach. Er ist ein erwachsener Mann und muss seine eigenen Entscheidungen treffen. Trotzdem, es gab in der Vergangenheit zu viele Lügen. Kann es gelingen, das Vertrauen wiederzufinden? |
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| Franzka hat zum Thema: Vertrauensfrage geschrieben
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Aurora sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.05.2007 Beiträge: 5776 Alter: 53 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 18.03.2011, 23:05 Titel: Re: Vertrauensfrage |
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Hallo Franzka,
erstmal sag ich dir guten Tag in unserem Forum.
Ich weiß nicht, es ist nicht für mich ersichtlich, ob ihr zusammen lebt? Denn du hast von Anwältin und Trennung und er muss ausziehen geschrieben.
Er hat sich geändert. Das ist meistens so, denn nur Änderungen können eine stabile Trockenheit garantieren. Und du? Was hast du für dich gemacht in der Zeit, in der er sich geändert hat?
Um wieder zusammenfinden zu können, musst du auch was für dich tun und sehen, welche alten Verhaltensweisen du da abschaffen, ändern kannst. Damit auch du glücklich leben kannst.
Das Vertrauen wieder zu erlangen, ist sehr schwierig. Ich glaube, da hilft nur eins. Reden, reden und reden. Offen und ehrlich sein, sagen, was dich bedrückt und wie es dir mit bestimmten Dingen geht. Nicht, indem du ihn anklagst oder beschuldigst, sondern deine Gefühle schilderst, die du in bestimmten Situationen hast. In "ich-Sätzen" reden. Also: "Ich empfinde es gerade so und so, weil..." Dann kann er dich verstehen und dir auch klar machen, was da jetzt anders bei ihm ist als früher. So können auch Missverständnisse und alte Dinge beseitigt werden.
Viele Grüße
Aurora |
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| Aurora hat zum Thema: Re: Vertrauensfrage geschrieben
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Doro sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.01.2009 Beiträge: 2525 Alter: 41 Wohnort: Niedersachsen
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Verfasst am: 18.03.2011, 23:24 Titel: Re: Vertrauensfrage |
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Hallo Franzka,
in welchem Punkt hast du denn kein Vertrauen?
Wenn es darum geht, dass er nie wieder trinken wird, dann kann das meiner Ansicht nach auch niemand wirklich garantieren.
Ein Rückfall ist doch nicht auszuschließen.
Doro |
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| Doro hat zum Thema: Re: Vertrauensfrage geschrieben
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Franzka neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.03.2011 Beiträge: 11 Alter: 51 Wohnort: wandlitz
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Verfasst am: 20.03.2011, 17:54 Titel: Re: Vertrauensfrage |
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Hallo.
Vielen Dank erst einmal für eure Antworten
Ich lebe noch mit meinem Mann zusammen. er ist , statt auszuziehen, zur Entgiftung gegangen, war danach noch vier Wochen zu einer Maßnahme (weiß nicht wie das hieß) auf der gleichen Station und ist dann zur Kur. Seitdem hat er nicht mehr getrunken. Wir haben uns dann geeinigt, dass er erst mal nicht auszieht, haben aber getrennte Schlafzimmer vereinbart. Inzwischen haben wir uns wieder angenähert. Er hat sich in seiner ganzen Art, seinem Auftreten völlig verändert.
Ich war, als er noch getrunken hat, nahe am Durchdrehen. Hab sofort an seinen Augen gesehen, wie hoch der Pegel schon war. War völlig darauf fixiert, die "heile Welt" aufrechtzuerhalten. Alles drehte sich nur noch um seine Sucht.
Dann hat eine Freundin, die ähnliches durchgemacht hatte, mir geholfen, langsam loszulassen. Ich war noch nicht soweit mich zu trennen, aber mit ihrer Hilfe bin ich "ausgebrochen". Ich habe mir Hobbies gesucht, Freunde gefunden, meinen Meister absolviert und mich selbständig gemacht. Daraus habe ich viel Kraft geschöpft und mir ein eigenes, unabhängiges Leben aufgebaut. Das hört sich jetzt recht zügig an, war es aber nicht. Hat schon einige Jahre gedauert, bis ich das erreicht hatte. Dadurch konnte ich mich wirklich abgrenzen. Das war für mich sehr wichtig, denn manchmal wußte ich ja nicht einmal mehr, wer von uns beiden nun trinkt, er oder ich.
Während ich mich vorwärtskämpfte hatte mein Mann einen Absturz nach dem anderen. Auch körperlich ging bei ihm fast nichts mehr. Der Brief der Anwältin hat ihm dann einen Schock versetzt. Ich glaube, ihm ist da klar geworden, dass ich es zum ersten Mal wirklich durchgezogen hätte. Er hat natürlich gemerkt, dass ich kaum noch zu Hause war, aber das hat ihn nicht gestört, da konnte er wenigstens in Ruhe trinken.
Jetzt ist das natürlich anders. Er möchte mehr Zeit mit mir verbringen, aber ich will mein "eigenes Leben" nicht wieder aufgeben. Einer der Reibungspunkte.
Wir haben schon sehr viel miteinander gesprochen und er versteht auch, was ich denke und fühle. Ich weiß natürlich, dass er niemals "geheilt" sein wird und dass ein Rückfall nicht ausgeschlossen ist. Er kann mir nichts versprechen. Er sagt, er nimmt es sich jeden Tag von neuem vor und immer für diesen Tag,nicht zu trinken.
Wo vertraue ich ihm nicht? Die Frage ist schwierig. Ich wurde in den letzten 25 Jahren so oft angelogen, auf so unglaubliche Art, ich glaube ihm einfach nichts mehr.
Er sagt mir, wo er hingeht, was er macht, obwohl ich gar nicht frage. Irgendwie ist es so, als ob sich alles in mir streubt, ihm zu glauben. Das sage ich nicht, aber man sieht mir das wohl an. Ich glaube, ich prüfe noch ganz unbewußt seine Augen, wenn er reinkommt.
In unserem Umfeld finden es alle so toll, dass er nicht mehr trinkt und dass er nun wieder einen Job hat. Ganz ehrlich? Ich habe immer die Frage im Hinterkopf:" Wer weiß, wie lange?"
So, das war nun fast ein Roman. Ich höre auf.
Liebe Grüße
Franzka |
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| Franzka hat zum Thema: Re: Vertrauensfrage geschrieben
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Doro sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 25.01.2009 Beiträge: 2525 Alter: 41 Wohnort: Niedersachsen
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Verfasst am: 20.03.2011, 18:21 Titel: Re: Vertrauensfrage |
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Hallo Franzka,
na, dann erstmal Glückwunsch zu deinem eigenen Leben. Gib das nicht auf! Kompromisse vielleicht, aber nicht zu viele.
Wie du Vertrauen aufbauen kannst, weiß ich nicht, dazu können vielleicht andere was sagen.
Bei mir und meinem Mann war es so (in Kurzform):
Erst Trennung (da waren wir noch nicht verheiratet), dann hab ich auch begonnen, wieder mehr Wert auf mein Leben zu legen, er hatte einige Jahre später seinen Tiefpunkt und hörte auf und wir näherten uns wieder an und kamen wieder zusammen. Ich wollte da erst nicht, aber er hat mich überzeugt. Ja, er war auch total verändert.
Und dann hab ich mich doch nach und nach immer mehr dazu bringen lassen, meine Dinge für ihn zu vernachlässigen. Das ging allerdings sehr sehr schleichend und jedesmal gab es dafür eine gute Begründung.
Und fünf Jahre später hatte er dann doch seinen Rückfall, aus dem er nicht mehr herausgefunden hat.
Probleme, ihm zu vertrauen, hatte ich eigentlich nicht so sehr. Ich denke auch, dass man mit solchem täglichen Misstrauen wahrscheinlich keine vernünftige Beziehung führen kann. Aber je mehr du darauf bauen kannst, dass du im Falle eines Rückfalls dein eigenes Leben hast, das du ohne ihn weiterführen kannst, desto eher kannst du dein Kontrollverhalten ablegen, denke ich.
Will dir keine Angst machen. Es ist einfach die Realität dieser Krankheit.
Und ich würde dich schon ermutigen, dass du weiter Wert auf dein eigenes Leben legst.
Doro |
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| Doro hat zum Thema: Re: Vertrauensfrage geschrieben
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Franzka neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.03.2011 Beiträge: 11 Alter: 51 Wohnort: wandlitz
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Verfasst am: 20.03.2011, 20:52 Titel: Re: Vertrauensfrage |
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Hallo, Doro.
Du hast Recht, so ist diese Krankheit.
Ich bin sehr froh, dass es mir gelungen ist, mir meine Unabhängigkeit zu erkämpfen. Und das alles hört sich jetzt so super an, war aber echt schwer zu erreichen. Besonders den Meister zu machen und dann noch die Selbständigkeit. Das alles neben der Arbeit mit einem Mann, den das alles sowas von überhaupt nicht interessiert, der enorm Nerven und , das sollte man nicht vergessen, Geld kostet.
Er war ja entlassen worden. Bei seinem Gesundheitszustand konnte ihn auch wirklich keiner mehr tragen. dazu kam dann die Unzuverlässigkeit und natürlich das Risiko, das er für sich und andere war.
Nein, was ich habe behalte ich. Ich will das nicht wieder aufgeben.
Er möchte, dass ich ihn da mit einbeziehe, er will mitkommen, mitmachen. Das ist auch so ein Punkt, an dem es öfter kracht. Ich weiß nicht warum, aber das will ich auf keinen Fall. Ich weigere mich vehement, ihn da reinzulassen. Ich kann nicht erklären, warum das so ist.
Franzka |
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| Franzka hat zum Thema: Re: Vertrauensfrage geschrieben
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Skye neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 16.05.2009 Beiträge: 293 Alter: 42
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Verfasst am: 20.03.2011, 21:41 Titel: Re: Vertrauensfrage |
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Hallo Franzka,
| Zitat: | Nein, was ich habe behalte ich. Ich will das nicht wieder aufgeben.
Er möchte, dass ich ihn da mit einbeziehe, er will mitkommen, mitmachen. |
In gewissen Grenzen halte ich gegenseitiges einbeziehen, mitkommen und mitmachen in einer Beziehung für normal. Für mich hat das nichts mit hergeben oder aufgeben zu tun, sondern mit teilen. Wenn man teilt, muss man nicht zwingend etwas hergeben, es kann auch verdoppeln. Man muss nicht alles zusammen machen und mit Sicherheit nicht bei allem zusammen kleben, aber das eine oder andere teilen und damit den anderen an meinem Leben teilhaben lassen, das verstehe ich unter einer Beziehung.
Ich kann verstehen, dass Du Probleme mit dem Vertrauen hast, irgendwann ist man einfach einmal zu oft belogen worden. Beim Lesen Deiner Posts stellt sich mir jedoch die Frage warum Du eigentlich an dieser Beziehung festhalten willst. Auf mich wirkt die Beschreibung Eurer Situation, wie ein astreines Nebeneinander, statt eines annähernden Miteinanders.
Gruß
Skye |
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| Skye hat zum Thema: Re: Vertrauensfrage geschrieben
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Franzka neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.03.2011 Beiträge: 11 Alter: 51 Wohnort: wandlitz
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Verfasst am: 20.03.2011, 22:19 Titel: Re: Vertrauensfrage |
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Hallo, Sky.
Vielleicht ist das so, vielleicht auch nicht. Ich weiß das im Moment nicht so genau. Einer der Gründe, aus denen ich hier schreibe. Mir wird beim Schreiben und Lesen so manches klarer.
Mein Mann hat sich die ganzen Jahre nicht einmal dafür interessiert, was ich mache, was mir wichtig ist, wie ich das alles schaffe, wie mir zumute ist. Hauptsache, ich habe funktioniert. Das sitzt tief. Ich habe lange gebraucht, um mich selbst überhaupt zu sehen. In den letzten Jahren habe ich daran gearbeitet mich von meinem Mann zu lösen, mich abzugrenzen, an mich zu denken. Das war Selbstschutz, ich wäre sonst kaputt gegangen. Vielleicht sollte ich mich wirklich trennen, vielleicht bin ich auch noch nicht so weit. Ich bin irgendwo dazwischen. Du hast Recht, in einer Partnerschaft sollte man auch teilen. Das kann ich nur eben gerade nicht, jedenfalls nicht die Dinge, die ich mir allein aufgebaut habe. Ich glaube, es wäre besser, etwas neues zu finden, was wir beide machen. Das wäre anders. viel Stoff zum Nachdenken. Danke.
Franzka |
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| Franzka hat zum Thema: Re: Vertrauensfrage geschrieben
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