| Feiern ohne Alkohol...(?) • Wie kann ich ihm helfen???? Helft mir |
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walf Gast
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Verfasst am: 27.09.2006, 23:17 Titel: Re: Wieso soll ich mich schämen ?? |
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Hi Micha
| Zitat: | Herzliche trockene Grüße vom
Micha |
Was jetzt
Nein Spaß beiseite!
Da haben wir wohl eine gewisse Diskrepanz in unserem Wortverständniss.
Trocken bedeutet für mich eben nicht mehr nass zu sein. Das bin ich (für mich) ab dem Tag ab dem ich keinen Alkohol mehr zu mir nehme.
Nüchtern heißt für mich, klar im denken, fühlen und handeln zu sein. Deshalb halte ich es auch mit der Binsenweisheit (denn das is es), dass es eben recht lang dauert, bis Mensch nach einer langen Zeit des Missbrauchs von Drogen oder Alkohol, wieder in der Lage ist diese Klarheit des Handelns, Denken und Fühlens zu erlangen.
Ich schreib hier nicht allzu oft, das heißt aber nicht, dass ich nichts von dem Mitbekommen würde was hier so geschrieben wird
Das Beispiel mit dem Schnupfen ist natürlich in seiner laxheit etwas provokativ gemeint gewesen.
Wir reden grundsätzlich von Krankheit. Und wir reden davon, dass wir Herr unserer selbst werden wollen, bleiben wollen.
Wir waren aber immer und zu jeder Zeit voll verantwortlich für unser Tun.
Sind wir also Helden, wenn wir die Krankheit Alkoholismus "in den Griff bekommen" oder besser, den Weg der Genesung gehen, was waren wir dann zu der Zeit als wir noch nass waren?
Grad hier in diesem Beitrag von Inka gings drum, dass wir uns nicht schämen müssen Alkoholiker zu sein und dem stimme ich voll zu. Aber wenn wir uns nicht für all den Mist schämen zu brauchen den wir wegen dieser Krankheit angerichtet haben, was macht uns dann zu Helden wenn wir zur Normalität der menschlichen Gesellschaft zurückkehren.
Die herausgehobene Stellung eine/r der wenigen zu sein die nicht am Stoff verrecken? Eine wiedergefundene Fähigkeit sein leben "normal" zu meistern?
Und im Vergleich zu wem sind wir Helden? Zu denen die noch leiden?
Oder zu denen die das Glück haben, nicht unter unserer Krankheit zu leiden.
Nein. Ich schäme mich nicht, aber stolz bin ich auch nicht! Ich bin, Gottseidank, im Rahmen meiner Möglichkeiten, ganz normal.
Dann noch ein Beweggrund für meine etwas weniger begeisterte Art.
Ein Kernpunkt meiner Genesung wurde Demut.
Als ich so ungefähr 14 Monate trocken war, bekam ich innerhalb von wenigen Tagen zuerst einen Hörsturz und dann, das erste Mal im Verlauf meiner Trockenheit, einen schier unerträglichen Saufdruck. Das war das Ende meiner neu gewonnenen Euphorie und Lebensfreude und dann gings richtig ans Arbeiten, dann gings richtig ans Eingemachte.
Ich könnte auch sagen: Es war Zeit die unteren Schubladen aufzumachen.
Schubladen von deren Existenz ich anfänglich gar nix geahnt hab.
DAS meine ich mit Nüchternheit: Keine Chance mehr haben wegzuschauen, hinschauen müssen.
Da wurde dann Demut wichtig, um akzeptieren zu können was war und was ist. "Hinzunehmen was ich nicht ändern konnte".
Und das war ja so viel schwerer als "Dinge zu ändern die ich ändern konnte".
Da gings dann plötzlich drum nicht zu trinken obwohl es keinen Spaß mehr gemacht hat trocken (oder nüchtern?) zu sein.
Allerdings muß ich auch sagen, dass mir nur der Spaß den ich in dem ersten trockenen Jahr erlebt habe die Kraft gegeben hat diese Zeit durchzustehen
Ich will nicht rumunken. Ich finde die Kraft die aus deinen Artikeln und Beiträgen spricht faszinierend und anziehend (und fast bin ich ein bisschen neidisch, weil ich noch gut weiß wie geil das ist grad trocken geworden zu sein).
Ich will nur sagen, dass wir auf dem Weg zum Gipfel die Täler nicht vergessen dürfen und die mögen Helden einfach nicht sooo gern
Gute 24h
Ralf |
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| walf hat zum Thema: Re: Wieso soll ich mich schämen ?? geschrieben
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Micha sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 18.07.2006 Beiträge: 4416
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Verfasst am: 27.09.2006, 23:36 Titel: Re: Wieso soll ich mich schämen ?? |
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Hallo Ralf,
sowas mit unterschiedlichem Sprachgebrauch lasst sich ja zum Glück leicht klären.
"Zur Normalität" zurückkehren gefällt mir gut. Ich empfinde es auch nicht anders. ich find's gar nicht so geil gerade trocken zu werden. ich freu mich natürlich, aber empfinde keine Hochstimmung. Und ich bin da sogar froh drüber, weil ich mich kenne und die Gefahr in Euphorie leichtsinnige Fehler zu machen.
ich ärger' mich ein bisschen, dass du auf dem "Helden" so rumreitest. Und ich kann dir auch sagen warum: Weil das nicht auf meinem Mist gewachsen ist. ich hab' das irgendwo als Zitat aufgeschnappt.
Es ärgert mich, weil ich für gewöhnlich gut überlege was ich schreibe, oder besser gesagt nur Sachen schreibe die auch von mir selbst kommen. und dann kann ich einer kritischen Nachfrage auch Auskunft geben.
Den Helden will ich hier gar nicht länger verteidigen. da erwischst du mich auf dem falschen Fuß.
Also, nochmals herzliche, trockene sowie leidlich unheldenhafte ganz normale Grüße vom
Micha
der der Lili zurufen möchte, dass sie auf einem guten Weg ist und sich nicht verstecken muss |
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| Micha hat zum Thema: Re: Wieso soll ich mich schämen ?? geschrieben
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Beate aus Berlin neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.09.2006 Beiträge: 4 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 28.09.2006, 01:36 Titel: Held oder nicht? |
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Hallo Micha, hallo Ralf!
Euer kleiner Dialog gefällt mir gut! Da sieht man mal wieder, daß das geschriebene Wort eine heiße Sache ist! Und man sieht auch sehr gut, wie mit Respekt und Höflichkeit Mißverständnisse ausgeräumt werden können! Aaach, ist das schön! (Finde gerade, daß das etwas ironisch klingt. Meine ich aber nicht so!!)
Merkwürdig, daß mich das Stichwort "Held" auch etwas stört. Möchte auch drauf herumreiten : Ich gehe sehr offen mit meiner Sucht um und werde dabei oft von den Leuten (Nicht-Abhängigen) für meinen Willen und meine Stärke bewundert. Das stört mich ziemlich, weil es nicht so ist. Der blanke Überlebensinstinkt hat mich so weit gebracht (9 Jahre)! Ich hatte (und habe) einfach Angst zu sterben, sollte ich jemals wieder trinken.
Aber dennoch finde ich die Tatsache, daß ich mit etlichen schweren Schicksalsschlägen in meinem trockenen Leben fertig geworden bin, ganz schön heldenhaft.
Beate |
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Beate aus Berlin neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.09.2006 Beiträge: 4 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 28.09.2006, 02:01 Titel: Selbstachtung |
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Hallo Lili!
Und mich hat Dein Beitrag nachdenklich gemacht. Du hast nicht in Dein eigenes Nest gesch...! Du hattest lediglich nicht mehr die Kraft, die Probleme anderer zu verstecken, wozu Du meiner Meinung nach ohnehin nicht verpflichtet bist.
Und Deine eigenen Probleme gehst Du doch an! Das ist ein guter Grund dafür, mit der Selbstachtung zu beginnen!
Und Du bist auch nicht verpflichtet, Dich Deiner Mutter gegenüber zu outen. Entscheidend ist, was Du willst! Meine Therapeutin hat immer zu mir gesagt: "Sei egoistisch! Mach, was für Dich selbst gut ist. Mache nichts, wozu Du keine Lust hast!" Ich kam mir damals ziemlich schlecht vor dabei, merkte aber bald, daß das für mich genau richtig ist. Und inzwischen kann ich die Waage zwischen dem, was gut für mich und dem was gut für meine Mitmenschen ist, recht gut halten.
Laß Dich nicht unterkriegen!
Liebe Grüße
Beate |
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