| Schleichender Trinker, oder nicht?! Bitte Aufklärung/Hilfe. • Co-abhängig ohne Abhängigen? |
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tina606 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.03.2010 Beiträge: 13
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Verfasst am: 05.03.2011, 10:58 Titel: Was ist mit uns geschehen? |
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Liebe Leser! und Gleichgesinnte?
Ich bin im Grunde neu hier - habe jetzt ein ganzes Jahr gebraucht das Thema Alkohol bzw. Co-Abhängigkeit an mich ranzulassen - und bin sehr unsicher ob ich das was ich empfinde bzw. auch hier lese Wirklichkeit ist oder ob ich nur einen Schuldigen und Grund im "aussen" suche - so wie er sagt.
Wenn ich in den letzten Monaten mit ihm über das Thema Alkohol und Abhängigkeit gesprochen habe ist er verletzt und tief getroffen, wie ich nur so über ihn reden und gleichzeitig behaupten könnte, ich würde ihn lieben, denn so wie ich ihn hinstelle, ist ja gar nichts liebenswertes an ihn.
Ich muß dazu sagen, dass ich ganz behutsam versucht habe dieses Thema ihm nahe zu bringen. Keine Schuldzuweisung sondern meine Co-Abhängigkeit in den Vordergrund gestellt und ihm versucht habe die Wechselwirkung zu erklären.
Ich komme nicht an, er versteht mich nicht und ich verstehe ihn nicht. Von meiner Sicht aus erklärt er mir ganz komische Gedanken und versteht "normales" irgendwie gar nicht. Z.B. er hatte eine Affaire (so ging alles los) und kann nicht begreifen, dass ich ihm nicht glauben kann, also kein Vertrauen da ist, nachdem er mich (obwohl er immer von Neuanfang sprach) weiterhin belogen und betrogen hat.
Er sagt, er will sich in Liebe von mir trennen und braucht Abstand. Das war vor ca. 6 Wochen. Er hat noch immer keine Wohnung und wann immer es ihn überkommt nimmt er mich in den Arm und spricht von Liebe.
Ich kann das nicht kapieren, denn wenn man Abstand braucht dann kann ich doch nicht immer zum Partner gehen, ihn umarmen und küssen, zumal ich ihm gesagt habe, dass dies für mich eine Qual ist und er soll das lassen. Inzwischen bin ich schon so abgestumpft, dass es mir egal ist.
Könnt ihr all das verstehen? Ist das bei euch auch so? Machen Alkoholiker und Co-Abhängige so wirre und verrückte Sachen bis keiner mehr durchblickt?
Liebe Grüße und danke für die Aufmerksamkeit, Tina |
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Fencheltee neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 14.02.2011 Beiträge: 27 Alter: 24
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Verfasst am: 05.03.2011, 13:49 Titel: Re: Was ist mit uns geschehen? |
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Hallo Tina,
ich kenne dieses Wirrwarr und auch diese ständige Gefühlsachterbahn sehr gut zur Zeit. Bei uns sind es andere Themen, aber wir sitzen auch voreinander und verstehen nicht was der andere uns sagen möchte. Ich habe mir gestern in einer Suchthilfeeinrichtung Beratung geholt und sie hat mir immer wieder geraten, dass ich mich ganz auf mich konzentrieren soll und meine Wünsche und Ziele verfolgen soll. Denn so lange man bei dem anderen alles nur falsch machen kann bzw. er alles falsch versteht macht man halt das, was gut für einen selbst ist. Dann tut es wenigstens einem gut.
Ist er denn trocken oder noch am Trinken? Das hatte ich ehrlich gesagt nicht richtig rauslesen können.
Vielleicht hilft es wenn du deinen Weg nun geradeaus gehst, und seine Gefühlsausbrüche nicht erwiederst. Dann wird er entweder an den Punkt kommen dich auch in Ruhe zu lassen, oder er versteht dass er kämpfen muss. Deine Klarheit bringt auch im Klarheit.
Keine Ahnung ob das hilft, ich steck ja grad selbst mittendrin, aber das ist grad mein Weg damit umzugehen.
Liebe Grüße, Sarah |
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tina606 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.03.2010 Beiträge: 13
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Verfasst am: 05.03.2011, 14:46 Titel: Was ist mit uns geschehen? |
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Liebe Sarah,
danke für deine Antwort.
Ja, er trinkt noch und das seit ich ihn kenne (über 20 Jahre). Leider ist mir erst nach dieser Affaire und der damit verbundenen -eigenen Therapie- bewusst (gemacht) worden, wie sehr dies eine Rolle im Leben und in der Partnerschaft spielt auch ist mir da deutlichst klar zu verstehen gegeben, dass ich Co-abhängig bin und sicher auch schon mit in die Beziehung gebracht habe, sonst wären wir kein Paar geworden.
Ich habe das vorher nie so gesehen, es trinkt doch jeder. Heute im Nachhinein weiß ich schon, dass mich das öfter gestört hat, aber ich hätte nie direkt etwas gesagt. Frage mich bitte nicht warum, ich verstehe das alles selbst nicht.
Mittlerweile weiß ich, so glaube ich jedenfalls, schon was ich möchte und was nicht mehr. Das Schlimme ist, dieser Mann zeigt sich mir in vielen Bereichen als zuvorkommend, liebenswert, intelligent, humorvoll usw. Zeit mit ihm zu ver- bringen, auch nach 20 Jahren, ist auch oft wunderschön. Wir haben drei Kinder, uns viel aufgebaut. Es ist so schrecklich traurig, weil wir irgendwie immer aneinander vorbeireden und vorbeifühlen und unsere Partnerschaft Stück für Stück kaputt machen.
Ich weiß eben nicht ob das tatsächlich der Alkohol ist oder unser Wandel seit zwei Jahren. Gibt es Ausnahmen? Er trinkt praktisch täglich, oft eine halbe Flasche Wodka oder 2 Flaschen Wein. Wenn dann ist höchstens 1 Abend dazwischen ohne. Sind Alkoholiker so oder bilde ich mir das alles ein weil es für mich einfacher ist den Grund darin zu sehen?
Ich verstehe das einfach nicht, vielleicht bin ich doch noch nicht so weit wie ich sein möchte.
Gerade macht er mir etwas zu essen, ich könnte verrückt werden....
Ganz liebe Grüße Martina |
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Arnie neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.03.2011 Beiträge: 3 Alter: 62 Wohnort: Dorsten
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Verfasst am: 05.03.2011, 15:10 Titel: Was ist mit uns geschehen? |
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Diese Frage haben wir uns auch oft gestellt. Meine Frau, die Angehörige und ich, der Abhängige. Bei uns war es ähnlich. Ich war liebevoll, fürsorglich auch für unsere 2 Kinder. Unter Alkoholeinfluss bin ich einige Male aber auch grob geworden.
Meine jahrelangen Versprechungen haben nichts genutzt. Meine Frau hatte mich verlassen, als sie mit dem ersten Kind schwanger war. Mit erneuten Versprechungen habe ich sie zurückgeholt. Mein Trinkverhalten wurde mit der Zeit aber noch schlimmer. Wach geworden bin ich erst, als ich einen Brief vom Anwalt meiner Frau bekam, dass sie sich von mir scheiden lassen würde, wenn ich nichts gegen meine Alkoholsucht unternehmen würde.
Ich bin zu einer Selbsthilfegruppe gegangen - und war 5 Jahre trocken. Ich wollte meine Familie nicht verlieren. Erst nach einem längeren Rückfall wurde mir klar, dass ich für mich etwas tun musste, nicht für meine Frau. Seitdem bin ich mit Hilfe meiner Freunde in der Selbsthilfe trocken - und unsere Ehe geht auf das 40-jährige Jubiläum zu.
Es dauert leider oft lange, bis sich bei dem Betroffenen die Erkenntnis durchsetzt, dass er vor dem Alkohol kapitulieren und für sich etwas tun muss.
Als Angehörige kannst Du nur für Dich etwas tun. Da bist Du ja offensichtlich schon auf dem richtigen Weg. Die Suchtberatung und die Selbsthilfe (auch hier im Forum) kann Dir da weiterhelfen. Wichtig ist es für Dich, konsequent zu sein.
Ich wünsche Dir alles Gute.
Arno |
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Fencheltee neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 14.02.2011 Beiträge: 27 Alter: 24
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Verfasst am: 05.03.2011, 16:57 Titel: Re: Was ist mit uns geschehen? |
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Liebe Tina,
ich verstehe, dass es schwierig ist eine Entscheidung zu treffen, gerade wenn die Beziehung schon so lange besteht und Kinder aus ihr hervorgegangen sind. Und dass er zwischendurch ganz liebevoll und zuvorkommend ist, das würde ich auch als normal sehen, denn er ist ja kein Monster "nur" weil er trinkt. Allerdings glaube ich nicht, dass das ausreicht, wenn er dieses Hü-Hott Spiel mit dir spielt. Ich denke er will dich nicht verlieren, weil er dich liebt, weil ihr Kinder habt, weil du Teil seiner Krankheit bist etc. aber vielleicht ist grad wirklich deine Handlungskompetenz gefragt, denn dann muss er sich mal nach dir richten und nciht umgekehrt. Du kannst ihm ja Denkanstöße wie Paartherapie etc. geben, aber kommen muss dann von ihm etwas. Das ist etwas was ich für mich auch sehr schwer akzeptieren kann, aber nur weil dieses Verhaltensmuster normal ist für jemanden der trinkt/ gerade trocken wird heißt das halt nicht dass jetzt alles gut ist..
Ich wünsche dir ganz viel Kraft und dass ihr einen Weg findet, den ihr ( und vor allem du) unterschreiben könnt.
Liebe Grüße, Sarah |
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tina606 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.03.2010 Beiträge: 13
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Verfasst am: 07.03.2011, 20:17 Titel: Was ist mit uns geschehen? |
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Liebe Sarah, lieber Arno und alle anderen,
danke für's lesen und antworten.
Wir hatten heute den ganzen Tag zusammen Termine und da blieb es nicht aus, dass wir wieder das Thema besprochen haben "Nähe und Distanz" und er mich zum wiederholten Male gefragt hat, "für dich ist es eine Qual wenn ich dich in den Arm nehme etc.?" Zum x-ten Male habe ich ihm erklärt, dass ich einfach nicht begreifen kann wie er ständig von Abstand spricht, sich gestern wohl auch eine Wohnung angesehen hat, auf der anderen Seite mir nicht von der Naht geht. Ich für meinen Teil schaffe es dann auch wieder nicht mich abzugrenzen. Da waren wir dann wieder bei dem Thema, er versteht mich nicht und umgekehrt.
Ich hatte mir vorgenommen, wenn wir darüber wieder sprechen, werde ich den Alkohol wieder ansprechen, so schwer es mir auch fällt, ich muss es tun. Man hat mir in den Angehörigengruppen und auch bei meiner Therapie gesagt dies wäre meine Pflicht. Ich darf nichts mehr verharmlosen, ich muss es sagen.
Mir ist das ein Graus und ich fühle mich so derart schlecht, dass mir übel ist, aber ich habe es geschafft. Allerdings natürlich mit dem Ergebnis, dass er mich natürlich beschuldigt ich würde alles darauf schieben, wäre ja ein Leichtes alles nur bei ihm und seinem Alkoholproblem zu sehen (was so ja gar nicht richtig ist, weil ich auch in den letzten 1 1/2 Jahren ganz viel über mich und mein Abhängigkeitsverhalten gelernt habe). Mein Versuch, er solle sich doch endlich mal selbst erkundigen bei Menschen die betroffen sind oder waren oder bei Suchttherapeuten. Er meinte nur, er wäre jetzt schon ganz oft bei den AAs gewesen (er hat davon nichts erzählt?) und ich wüsste da wohl mehr als diese.
Mich verunsichert dies immer wieder und ich frage mich zum wiederholten Male ob ich nicht doch zu einseitig denke. Vielleicht tue ich ihm unrecht und ich bin die mit dem verkorksten Seelenleben.
Auch frage ich mich dauernd, ob eines meiner Kinder deswegen ADS hat und völlig blockiert (das andere überhaupt nicht).
Gestern habe ich hier Berichte gelesen in denen geschrieben wurde "manchmal habe ich mir die Zeit von früher zurückgewünscht, da konnte ich mir noch einreden, dass alles in Ordnung ist". Mir geht das auch oft so, ich vermisse ihn so sehr an meiner Seite und weiß doch, dass die Zeit vorbei ist.
Vielleicht mag mir jemand dazu etwas schreiben.
Liebe Grüße Tina |
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| tina606 hat zum Thema: Was ist mit uns geschehen? geschrieben
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chinablue neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2010 Beiträge: 76 Alter: 45
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Verfasst am: 07.03.2011, 21:49 Titel: Re: Was ist mit uns geschehen? |
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Hallo Tina,
2 meiner 3 Kinder haben ADS. Ich sehe dies aber nicht als Folge der Sucht an.
Als bei uns das Thema Alkohol noch nicht dominant war wurde die Diagnose ADS bei unserem Großen gestellt. Seitdem sind 6 Jahre vergangen. Der Alkoholmissbrauch wurde erst später dominant, daher sehe ich keinen unmittelbaren Zusammenhang.
Was ich aber immer wieder im Zusammenhang mit ADS gelesen habe ist, dass unbehandeltes ADS oft zur Sucht führt. Vielleicht hat nicht nur Dein Kind sondern auch Dein Partner ADS. Das ist garnicht so abwägig zumal ADS genetisch bedingt ist.
LG chinablue |
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| chinablue hat zum Thema: Re: Was ist mit uns geschehen? geschrieben
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