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"Kein Verlangen"

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Autor Nachricht
HansHa
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BeitragVerfasst am: 24.02.2011, 13:33    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Torki hat Folgendes geschrieben:
Es wäre toll, wenn dieses Bedürfnis (vielleicht kann man auch von Automatismus sprechen), das in den letzten 15 Jahren meines Lebens eine insgesamt recht große Rolle gespielt hat, plötzlich einfach von selber verschwinden würde - und vielleicht ist das ja auch bei dir und anderen so (beneidenswert!).
Hallo,

juuut! Das ist es, auf was ich hinaus wollte. Und natürlich die Frage, die sich anschließt: Wo bleibt denn nun dieses Gefühl, wenn es plötzlich weg ist?

Ich glaube nicht, dass es in den Flaschen verschwindet und mit ihnen geht.Lachen

Schönen Tag

H.
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HansHa hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
Steiger
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 24.02.2011, 15:35    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo

Ich denke, wenn ich nie wieder Suchtdruck bekomme bin ich von meiner Sucht geheilt.
Da es aber wie wir wissen keine Heilung von Alkoholsucht gibt, werde ich wohl damit leben müssen immer mal wieder Suchtdruck zu bekommen?!
Denn wie du schreibst Hans können ja die Gefühle nicht verschwinden und Suchtgedächtnis kann nicht gelöscht werden.

Meine Meinung, wenn ich falsch lieg umso besser.

Gruß Steiger
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Steiger hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
klarerkopf
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BeitragVerfasst am: 24.02.2011, 23:26    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Schönen Abend, HansHa,

ich sehe das für mich in etwa so:

Da der Mensch in gewisser Weise ein "Gewohnheitstier" ist, dies kann man im Alltag, Beruf, etc. beobachten, kann ich mir einfach nicht vorstellen, daß jemand, der irgendein Verhalten 10, 15 Jahre an den Tag gelegt hat, es von einem Tag auf den anderen ablegt und womöglich ganz aus seinem Gedächtnis löscht.

Es mag vielleicht sein, daß eben der Saufdruck sich in der Anfangszeit selten oder gar nicht meldet, aber das über Jahre angelernte Verhalten ist nicht zu unterschätzen. Wie "Elchtreiber" schrieb, so kann sich Saufdruck auch nach Jahren noch melden, kenne jemanden, der nach 8 Jahren Trockenheit dem Saufdruck erlag.

Und ich sehe das eben so, dass Saufdruck eben die Folge von über Jahre angelerntem Verhalten ist, auch wenn schon eine längere Trockenphase dazwischenliegt, so kann der Druck doch von einer Minute auf die andere "zuschlagen".
Wenn dem nicht so ist, is es ja beneidenswert, aber "vorbeugen ist besser als heilen".

Auch wenn ich sämtliche Ratschläge, Grundbausteine, etc. befolge, so kann es irgenwann mal sein, dass sich eine "verführerische" Gelegenheit ergibt, mit der man eben so nicht gerechnet hat.

Ist mir natürlich auch schon passiert, und siehe da, ich war dann froh, mir bewusst zu sein, dass so etwas mein ganzes Leben lang vorkommen kann und ich von vornherein diverse Strategien entwickelt habe, hier wieder auf den Boden der Realität zurückzukommen und mir wieder in Erinnerung zu rufen, was ich mir nach meinem Tiefpunkt geschworen habe:

Ich will in meinem Leben nie mehr besoffen sein und so ein "Häufchen Elend" darstellen, wie ich es damals bei meinem Tiefpunkt darstellte.

Dieses Entgegensteuern lässt sich meiner Meinung nach weit besser bewerkstelligen, wenn man auch sich selbst gegenüber offen und ehrlich zugibt, dass es (der Saufdruck) einen auch irgendwann mal ereilen kann, als man blendet das aus.

Ich für meinen Teil habe das immer so gehandhabt, dass ich "Suchtdrucksituationen" und vor allem die Entstehung dazu, mir durch den Kopf gehen ließ, und ich mich dann damit befasste, warum ich in bestimmten Situationen so oder so reagiere.

Der Lohn dafür war ein mit der Zeit gesteigertes Selbstwertgefühl, das ja in meiner Vergangenheit etwas minder vorhanden war, und auch ein recht gutes Einschätzen meines Verhaltens in gewissen Situationen, hier kann ich früh genug entgegensteuern.

Nach 6 - jähriger Abstinenz kenne ich das Gefühl des Saufdrucks eher nicht mehr, anfangs war es noch präsent, vertrete aber die Ansicht, das auch ich nicht gefeit bin, meine erarbeiteten Gegenstrategien sind aber jederzeit abzurufen, wenn ich sie doch einst brauchen werde.

noch einen schönen Abend,

klarerkopf
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klarerkopf hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
HansHa
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 25.02.2011, 15:15    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich habe jetzt nochmal neu nachgedacht, wie ich mich verständlich machen kann. Bis jetzt ist an den Antworten nichts zu bemängeln aber ich möchte die Frage etwas anders stellen:
Wenn ich davon ausgehe, dass ich ein bestimmtes Verhaltensmuster über Jahre oder Jahrzehnte ausgeführt habe und damit ein vermeintliches Bedürfnis befriedigt habe, war das aus einem falschen Gefühl heraus, das durch meine Sucht entstanden und durch mein Suchtgedächtnis vermittelt wurde.
Wenn ich bestreite, wie ich es oft getan habe, dass dieses Gefühl noch vorhanden ist oder ich dieses Gefühl vermeintlich nicht habe, wenn ich mein Suchtmittel gerade nicht konsumiere, ist das denn nicht ein süchtiges Verhaltensmuster? Ich belüge und betrüge mich selbst, um die Sucht vor mir zu rechtfertigen. Und dieser Prozess setzt sich für mich fort.
Ich möchte hier niemanden persönlich angreifen, sondern ich will versuchen auf eine Falle aufmerksam zu machen, in die ich oft getappt bin. Das hat auch nicht mit herbeireden von Gefühlen zu tun, sondern gehört für mich zu dem Prozess wieder in gesunden Kontakt mit ihnen zu kommen und die vorgegaukelten Bedürfnisse aus dem Suchtgedächtnis zu erkennen und damit umzugehen.

Schönen Tag

H.
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HansHa hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
Hartmut
Moderator
Moderator


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BeitragVerfasst am: 25.02.2011, 16:23    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Hans,

ich unterscheide für mich Suchtdruck und ein Anspringen des Suchtgedächtnisse das nie verloren geht. Ich hatte ja des öfteren bewusste Trinkpausen gemacht und mir bestimmte Zeiten gesetzt . In diesen Pausen hatte ich Suchtdruck und musste des öfteren meine Faust ballen um es zu erreichen . Danach war dann wieder Saufen bis zur nächsten Pause.

Nun habe ich mich ja für die lebenslange Abstinenz entschieden mit allem was dazu gehört. Erkenntnis, Kapitulation , Risikominimierung und gehe GERNE und aus vollster Überzeugung diesen Weg. Nun springt mein Suchtgedächtnis zwar auch noch hin und wieder an .Dafür bin ich sogar dankbar. Jedoch bleibe ich aber seit diesem neuen Ziel von Sauf oder Suchtdruck verschont.

Nasse Verhaltensmuster die fast 30 Jahre einstudiert wurden , werden ja nicht , nach ein paar trocken Jahren, ausgelöscht. Das dauert nun mal auch Jahre.


Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
Steiger
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BeitragVerfasst am: 26.02.2011, 10:42    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Hartmut

Was ist denn bei dir der Unterschied zwischen Suchtdruck und anspringen des Suchtgedächtnis?
Bevor ich Suchtdruck bekomme springt mein Suchtgedächtnis auch als erstes an.
Suchtdruck ist für mich plötzliches Verlangen nach Alkohol, dem ich mit meinen für mich entwickelten
Strategien entgegenwirke.
Meist ist es dann nach ca. 10 Min. wieder vorbei.

Gruß Steiger
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Steiger hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
Hartmut
Moderator
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Beiträge: 10682
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BeitragVerfasst am: 26.02.2011, 11:26    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Steiger

für mich ist Suchtdruck ein unbedingtes Verlangen sofort was trinken zu müssen. Das Anspringen des Suchtgedächtnisses sind für mich Erinnerungen an Alkohol die durch Sinnesreizungen oder Situationen hervorgerufen werden. Also wahrscheinlich ähnlich wie bei dir. Beim erinnern schon gegensteuern, bevor Suchtdruck überhaupt aufkommen "könnte"

Gruß Hartmut
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Hartmut hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
joschi018
neuer Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 26.02.2011, 12:27    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Aktuelles Erlebnis von mir gestern abend zum Thema "Verlangen":

Ich hatte gestern einen sehr anstrengenden Arbeitstag (Doppeldienst 7-22:30) und war dementsprechend "platt" am Abend.
Kurz vor Ende meiner Tour überlegte ich, noch einen Film auszuleihen, so zum relaxen eben.
Das ist eine Situation, in der dann mein Suchtgedächtnis anspringt und dann kommt die Stimme aus dem Hintergrund:
"Jetzt ein kleiner xy und noch ein Bierchen" !

Aber: Ich habe diese Stimme schon seit einiger Zeit entlarvt und setze mich mit ihr aktiv auseinander. Ich akzeptiere sie, höre sie mir auch an, handele aber nicht danach.

Durch die Grundbausteine besteht mein Notfallkoffer aus
- einer immer griffbereiten Wasserflasche
- der Tatsache, daß ich in einem solchen Moment aktiv "NEIN" sage - laut zu mir selber, damit auch die "zarte Stimme aus dem Hintergrund" es mitbekommt !
- einem "Bild" in meinem Hinterkopf von mir zu besten Saufzeiten; dieses Bild halte ich mir immer dann vor Augen, wenn mal wieder ein "Trinkgedanke" vorbeischwirrt.

Ein Verlangen ist in einem solchen Moment unterschwellig vorhganden, so als eine Art "Gefühl", dem ich aber nicht mehr nachgebe.
Was aber nicht heisst, daß ich mich nicht nach einem anstrengenden Arbeitstag "belohne".
Das mache ich dann nur etwas anders und vor allem ohne Alk!
Meine Belohnung heisst dann:
- nen lustigen Film schauen und viel lachen
- ins Schwimmbad + Sauna gehen

Was ich aber für mich sagen kann: 100% verschwunden ist das Verlangen nicht, wird es auch nie sein - dieses "Gefühl" schwirrt immer mal vorbei, man muss nur lernen, ihm aktiv zu begegnen und sich nicht darauf einlassen.

Zumindest habe ich mit diesen Strategien bis jetzt 94 Tage "überlebt".
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joschi018 hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben

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