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"Kein Verlangen"

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Autor Nachricht
HansHa
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Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.06.2009
Beiträge: 476
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BeitragVerfasst am: 23.02.2011, 15:06    Titel: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

oft höre und lese ich von Leuten, die erst kurze Zeit nicht konsumieren, Sätze wie: "Ich habe gar keinen Saufdruck.", "Da ist kein Verlangen." oder ähnlich.
Bei meiner stationären (letzten) Entgiftung bin ich in der "Runde" darauf aufmerksam gemacht worden, dass da wohl dann etwas nicht stimmen kann und ich doch mir gegenüber aufmerksamer sein sollte. Also habe ich "geübt" mir gegenüber zuzugeben, dass bei mir doch der Drang nach dem Suchtmittel vorhanden ist.
In der Rückschau muss ich sagen, dass dies mir sehr geholfen hat, zu erkennen, wie ich mich selbst belogen habe und es gar nicht möglich war, ohne diese Erkenntnis wirklich trocken zu werden.
Wie sind Eure Erfahrungen?

Schönen Tag

H.
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HansHa hat zum Thema: "Kein Verlangen" geschrieben
Seidenraupe
neuer Teilnehmer


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Anmeldungsdatum: 21.02.2011
Beiträge: 71
Alter: 50

BeitragVerfasst am: 23.02.2011, 16:05    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo HansHa,
das sehe ich etwas anders oder vielleicht differenzierter. Ich gehöre zu der von dir angesprochenen Gruppe und bin mal wieder am Anfang. Ich hatte in den letzten acht Tagen eine einzige Situation, wo das Suchtgedächtnis sich meldete und mir für einen Augenblick Druck verschaffte. Aber seit Freitag habe ich überhaupt kein Verlangen / kein Bedürfnis Alkohol zu trinken. Ich kenne inzwischen viele trockene Menschen. Bei jedem ist es etwas anders. Der eine hat vielleicht in der Anfangszeit mehr Schwierigkeiten, der andere erst nach längerer Abstinenz. Es stimmt sicherlich, dass jeder irgendwann in schwierige Situationen kommt, aber wenn ich jetzt schreibe, ich habe kein Verlangen, dann ist das so. Ich habe keinen Grund (mehr) mich selbst zu belügen / zu täuschen. Ich genieße Tage, wo mich das Suchtgedächtnis in Ruhe lässt. Ich weiß aber auch, dass es immer wieder Situationen geben wird, wo ich aufpassen und reagieren muss.

Gruß Seidenraupe
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Seidenraupe hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
Steiger
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 25.02.2010
Beiträge: 30
Alter: 53
Wohnort: Nördlich von Berlin

BeitragVerfasst am: 23.02.2011, 17:26    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Hans

Am Anfang, so die ersten 14 Tage hatte ich tatsächlich kein Verlangen aber da schwebte ich noch auf der Wolke der ersten Euphorie.
Dann aber im laufe der Zeit bekam ich plötzlich Craving in Situationen in denen ich nicht damit gerechnet habe.
z.B. beim puren Kontakt mit bestimmten Personen, bei einem Song den ich im Radio hörte oder bei bestimmten Gerüchen.
So lernte ich die Hinterhältigkeit meines Suchtgedächtnisses kennen und das war mir eine Warnung immer auf der Hut zu sein und gegenzusteuern.
Mit der Zeit wird es bei mir weniger aber es gibt immer mal noch so eine Situation die ich dann in meinem Gedächtnis neu überschreibe.

Gruß Steiger
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Steiger hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
HansHa
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.06.2009
Beiträge: 476
Alter: 50
Wohnort: Berlin - Trocken seit 2005

BeitragVerfasst am: 23.02.2011, 19:16    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Das mit dem Aufpassen ist alles richtig. Aber ich wollte eigentlich auf etwas anderes hinaus: Ist es wirklich so, dass kein Verlangen da ist? Spüren wir es nicht und müssen es erst, mindestens am Anfang, wieder lernen das zu erkennen? Oder verdrängen wir das Gefühl, aus welchen Gründen auch immer?
Bei mir war es am Anfang auch so, dass ich es scheinbar (auch für mich) leicht geschafft habe nicht zu trinken. Wenn ich in dieser Beziehung nicht an mir gearbeitet hätte, wäre es wieder ein vergeblicher Versuch geworden, denn das Suchtgedächtnis hätte wieder die Oberhand gewonnen. Für mich gehört das Zugeben des Verlangens, denn es kann nicht einfach irgendwo hin verschwunden sein, zum Prozess des Anerkennens der Sucht und des Umgangs mit meiner Krankheit. Lerne ich meine Sucht dadurch nicht kennen, wenn ich ihr nachspüre und nicht sie mir?


PS: Ich bin der Meinung, dass es auf Dauer nicht klappt, bestimmte Situationen zu "überschreiben". Bei mir würde ich das eher als "neue Verknüpfungen" bezeichnen.
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HansHa hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
Torki
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.03.2010
Beiträge: 35
Alter: 44

BeitragVerfasst am: 23.02.2011, 20:34    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,
möchte mal ein paar Zeilen dazu schreiben - weil es mich gerade akut betrifft. Ich habe vor 18 Tagen das letzte Mal Alkohol getrunken. In der Zeit seitdem hatte ich schon ein paarmal den Gedanken, daran, dass ein 'Gläschen' Sekt doch ganz 'nett' wäre - so zur Belohnung, als Entspannung .... Ich fand es aber bisher auch recht einfach, diesem - wenig ausgeprägten - Bedürfnis nachzugeben.
Aber gerade heute Abend (jetzt) geht es mir nicht so besonders gut & ich hatte vorhin das erste Mal den Gedanken, 'wenn ich jetzt was trinken würde, bräuchte ich das nicht wahrnehmen, dass es mir nicht so gut geht ...'. Ich habe zuerst versucht, dieses Bedürfnis nach Alkohol wegzudrücken, also so zu tun, als sei es nicht vorhanden. Habe aber gemerkt, dass ich mir damit nur selber was vormache. Ich habe mir dann selber gegenüber ganz gezielt 'eingestanden', dass ich gerne Alkohol trinken würde (ich habe mir tatsächlich gesagt, 'ja, es wäre jetzt schön, etwas zu trinken'). Aber dann habe ich überlegt warum ich trinken möchte (um eben bestimmte Gefühle abzudämpfen) ... danach habe ich über die Konsequenzen nachgedacht (du kannst es nicht kontollieren -> du wirst mehr trinken, als du willst; du hast morgen einen 'langen' Tag -> du wirst müde, unkonzentriert & schlecht gelaunt sein; du wirst dich über dich selber ärgern). Dann habe ich mich gefragt, kannst du es auch ohne Alkohol aushalten -> eindeutig ja ... - also lass es sein.
Was ich eigentlich damit sagen wollte ist, das ich eindeutig ab und zu, mal mehr mal weniger, das Bedürfnis habe, Alkohol zu trinken - und für mich macht es letztlich keinen Sinn, dieses Bedürfnis zu verdrängen. Auf der anderen Seite gab es aber auch tatsächlich Phasen, in denen ich überhaupt kein Bedürfnis hatte, zu trinken - auch zu Tageszeiten, an denen ich üblicherweise getrunken habe. Bei kommt also bisher beides vor. Mit den Augen rollen
Liebe Grüße
Torki
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Torki hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
Poster
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Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 25.12.2010
Beiträge: 158

BeitragVerfasst am: 23.02.2011, 23:37    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo

Also ich trinke seit 13 Wochen kein alkoholisches Getränk mehr und

habe bisher auch keinen Saufdruck gehabt.

Ich werd den Teufel tun zu "üben" dass ich doch welchen habe.

In der Zeit lese ich lieber ein gutes Buch.

Das ist meine noch frische Erfahrung.

Lg

der Poster
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Poster hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
Torki
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 14.03.2010
Beiträge: 35
Alter: 44

BeitragVerfasst am: 24.02.2011, 09:16    Titel: Re: "Kein Verlangen" Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

@poster
Ich 'übe' es auch nicht, Alkohol trinken zu wollen - das Bedürfnis ist einfach ab & zu da (von 'Saufdruck' würde ich - bisher - auch nicht sprechen - dafür ist dieses Bedürfnis meiner Meinung nach einfach nicht stark genug) ... was ich übe ist, mit diesen Situationen im positiven Sinne umzugehe, mit dem Ergebnis, trotz Bedürfnis nicht zu trinken.
Es wäre toll, wenn dieses Bedürfnis (vielleicht kann man auch von Automatismus sprechen), das in den letzten 15 Jahren meines Lebens eine insgesamt recht große Rolle gespielt hat, plötzlich einfach von selber verschwinden würde - und vielleicht ist das ja auch bei dir und anderen so (beneidenswert!).
Bei mir nicht - und für mich persönlich würde ich es auch für gefährlich halten, dieses Bedürfnis nicht bewusst wahrzunehmen (wann & wo ist es vorhanden, warum will ich Alkohol trinken ...). Denn ich befürchte, wenn ich nicht sehr achtsam damit umgehe, sprich, nicht sehr genau darauf höre, was in mir vorgeht, dann würde ich (evtl.) schneller als mir lieb ist wieder in die Situation kommen zu denken, ach, du kannst doch ganz locker auf Alkohol verzichten, ist doch alles nicht so schlimm ... also kannste ja auch mal wieder ....
Liebe Grüße
Torki
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Torki hat zum Thema: Re: "Kein Verlangen" geschrieben
elchtreiber
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 23.12.2010
Beiträge: 36
Alter: 57

BeitragVerfasst am: 24.02.2011, 11:04    Titel: Saufdruck ... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Moin,
ich bin jetzt seit 4 1/2 Jahren trocken. Am Anfang - in den ersten Wochen - war ich euphorisch, es endlich zu schaffen. Von Verlangen oder Saufdruck habe ich wenig oder eigentlich gar nichts gemerkt. Ich emfpand das trockene Leben als umheimlich positiv.
Erst im Herbst lt. Jahres hat sich dann mein Suchtgedächtnis auf einmal und sehr heftig gemeldet. Nur der Anblick einer Flasche Cognac hat schon gereicht. Es brauchte nicht mal den Geruch oder ein volles Glas. Da stand im Kopf hinten so ein kleines grünes Männchen und sagte immer nur "ich auch, ich auch ein Glas". War wirklich nicht einfach dem ein einfaches "ich trinke heute nicht" entgegenzuhalten.
Ich will damit sagen, dass das Suchtgedächtnis nicht mit der Zeit verschwindet und man immer darauf gefasst sein sollte, das es sich wieder meldet.
Aber seit dem ist auch wieder Ruhe. Fazit: ein "Überfall" in 4 1/2 Jahren.
Deswegen ist eine SHG und eine Therapie wichtig, damit man es nicht vergisst, das da immer was im Leben bleibt, auf das man achten sollte: seine eigene trockene Gesundheit.
Gruß & ein schönes trockenes Leben
Ralf
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elchtreiber hat zum Thema: Saufdruck ... geschrieben

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