inga neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.06.2009 Beiträge: 197 Alter: 44 Wohnort: Sachsen-Anhalt
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Verfasst am: 06.02.2011, 21:19 Titel: Re: Istzustand und Ziel |
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Hallo,
mein Istzustand als ich hierher fand:
fühlte mich minderwertig und klein
wollte nicht mehr leben
Vereinsleben fast komplett aufgegeben
Kind vernachlässigt
Hunde vernachlässigt
Arbeit vernachlässigt
zweifelte an mir selbst
zurückgezogen und kaum noch Kontakt zu anderen
hatte Angst
konnte nur noch schlecht schlafen
Mein damaliges Ziel:
wie ich ihm helfen könnte, damit er mich besser behandelt
Meine Schritte zum Ziel:
Trennung
totaler Kontaktabbruch
hier viel lesen, lesen, lesen
soviel wie möglich über Alkoholmißbrauch in Erfahrung bringen, um einen solchen Fehler in Zukunft zu vermeiden
Neinsagen ohne Gewissensbisse (klappt noch nicht hundertprozentig)
kümmern um meine Tochter
intensives Vereinsleben, demzufolge wieder richtig um die Hunde gekümmert
bin auf Arbeit wieder voll da
Ziel heute:
Neinsagen können, ohne schlechtes Gewissen
helfen ja, aber meine Grenzen finden, wann aus helfen Selbstaufopferung bzw. Selbstaufgabe wird
verzeihen können
nicht immer alles hundertzehnprozentig machen zu müssen
auf mein Bauchgefühl hören lernen, weil auch der Verstand sich irren kann
nicht mehr den Wert darauf legen, was andere dazu sagen könnten, es ist mein Leben
nicht auf biegen und brechen einen Partner haben zu müssen, weil ich als Frau auch allein vollwertig bin
mein Harmoniesucht ablegen
dazu stehen, daß ich nicht nur stark bin, sondern auch schwach bin
Es ist durchaus möglich, daß sich meine derzeitigen Ziele noch etwas ändern können, aber um sie zu erreichen ist meine Weg noch lang, Schritt für Schritt geht es vorwärts.
lg inga |
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kaltblut sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.06.2006 Beiträge: 4741 Alter: 53 Wohnort: beiM
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Verfasst am: 17.02.2011, 19:25 Titel: Re: Istzustand und Ziel |
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Hallo Karsten,
danke für den Thread.
| Zitat: | „Im Prinzip ist ja jede Problemlösung die Erkenntnis des Istzustandes und die Definition des eigenen Ziels, was daraus folgt, wenn man den Istzustand ändern möchte. Wie habt ihr euren Istzustand definiert und welches Ziel habt ihr daraus abgeleitet?“
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Praktisch war ich damals nicht in der Lage den Istzustand zu erfassen, ein Ziel zu definieren und zu ändern. Natürlich steht alles hier, das steht ja schon lange da. Das dauerte Wochen und Monate bis ich etwas von dem wirklich wahrnahm, was die heute geforderte Grundlage ist: bei sich bleiben und ändern.
Sie säuft, da kann man was tun, ich bin co, ich saufe auch, Trennung, neues Leben, alles ist schön- das ist mir für bald 5 Jahre Entwicklung zu knapp.
Der Istzustand und die daraus abgeleiteten Ziele haben sich immer weiter geändert.
- Alles drehte sich in meinem Kopf um meine Exfrau und führte zur Selbstspaltung, zum ununterbrochenen Kampf zwischen nicht mehr zu können, nicht mehr zu wollen, zu müssen und aufgegebenem Leben.
- Gegen ihre Sauferei musste ich doch was tun können
- Später, als ich ihr nicht helfen konnte, konnte ich doch zumindest etwas für die Allgemeinheit tun.
- Noch später für mich und erst ganz spät, nur noch für mich
Erkenntnisse waren:
- Frau ist Alkoholiker, ich kann und darf nichts mehr ändern wollen
- Ich bin coabhängig und der einzige Weg da raus ist ändern
- Ich bin Alkoholiker und der einzige Weg da raus ist trocken werden und ändern
- Ich bin vollbeladen mit Süchten und eins nach dem anderen kann genauso abgeladen werden
- Ich lebe mit ungesunden Einstellungen, das kann ich richten
Meine Blindheit übertrug sich reibungslos auf andere Krankheiten meiner Exfrau oder andere Lebenssituationen.
Zielsetzung wurde es „mein Leben“ zu leben, unabhängig von anderen, unabhängig vom Außen.
Dabei half mir hier viel zu lesen, der Austausch im offenen und geschützten Bereich, eine reale SHG mit lokalen Aktivitäten, darüber zu reden, viel nachzudenken und zu schreiben, mehrere Jahre therapeutische Gespräche und weitergehende Änderungsmaßnahmen.
Mir geht es anders als vor bald 5 Jahren, als ich hier lebensunfähig und rotzend eintraf. Das was nicht so richtig funktioniert wie ich es mir vorstelle wird immer griffiger und löst sich auf. Damit gehen auch Ängste und Widerstände. Bis zum Ziel, unabhängig von anderen, unabhängig vom Außen frei zu leben ist noch ein weiter weg. Ich bin nicht mehr hier, weil ich Alkoholiker, coabhängig oder Depp bin, denn das waren nur die verwelkten Blüten an der Spitze, sondern wegen der Gewohnheiten die an der Wurzel kleben.
Ich lese hier oft Extreme, die in ihrer Essenz nichts anderes sind als verirrtes krankes Gedankengut und da bin ich mit meiner emotionalen geistigen Behinderung keine Ausnahme, auch nicht nach einigen Jahren des versuchten Verstehens.
Mein Leben ist ruhiger, ausgeglichener und geordneter geworden, das ist gesünder für mich.
- im Heute sein, nicht im Gestern, nicht im Morgen, das klappt immer besser.
- nicht bewerten, mal war es zu viel, mal zu wenig, das geht auch immer besser.
- Empathie war hier das Zauberwort, Alkoholiker haben keine Gefühle und Coabhängige laufen über. Was bin ich bin froh über solche Müllgedanken nicht mehr nachdenken zu müssen, aber sie kamen mir mal wie gerufen, einer nach dem anderen.
- Selbstbewusstsein, also mich kennen, da durfte ich viel lernen.
- Konsequent sein, ja, hab ich gelernt, direkt in den Absturz, zu viel ist Müll, zu wenig ist Müll
- Authentisch sein, wieder so was, wenn ich bei mir bin, bin ich so authentisch wie es nur geht
- Ordnung halten, der ganze geistige Müll verbunden mit all dem was neu war und was ich nicht verstand brachte noch mehr Geistesornanie in meinen Kopf.
- Lassen, sein lassen, weg lassen, aufhören brachte Ordnung in den Müll und Entsorgung.
- Dann gab es noch viel 2. Wahl, mein Anspruch stimmte nicht, zu viel schlechtes Second Hand hat mir mehr Ärger und Arbeit aufgebrummt, als ich durch die Vergünstigungen eingesparte. Es muss nicht das Kompletteste, Neueste, Modernste, Beste und Teuerste sein, es darf nur nicht an meinem Lebensfluss nagen.
- Genauigkeit war mir nicht angeboren. Zu ungenau und zu pingelig sind nicht gut.
- Reaktionen meines Körpers sind heute klar zu bestimmen, das war vorher nicht möglich. Ich darf heute agieren, wenn das was in mich hinein wandert nicht gut tut, ob das nun Menschen, Nahrung oder Gedankengut sind und reagiere nicht mehr blind und gelähmt.
- Raus lassen, hier zu schreiben, zu lesen, zu lernen haben mich frei gemacht, ab da konnte ich anfangen weniger zu tun. Ich lese heute am meisten bei mir, da weiß ich wo ich stehe.
- Heute darf ich ändern, nur, wie sollte ich etwas ändern, was ich nicht sehen und nicht tun konnte?
Jede Extreme führte bei mir ins Chaos, da zählt heute Mittelmäßigkeit. Weder die Intensität, noch die konsequente Umsetzung entscheiden wirklich darüber was in mir passiert, sondern nur wie ich es annehme und damit lebe. Damit wurde für mich verständlich, warum der eine strauchelt und strampelt, der andere sich rum dreht und gut ist es. Das eine vom anderen zu unterscheiden ist eine der wertvollsten Aufgaben in meinem Leben.
Die Änderung begann mit einem „ich trage deine Tüten nicht mehr“. Was heute nicht mehr für Suchtmittel von saufen, über rauchen, fressen und sinnlos vergeuden ausgegeben wird ermöglicht mir jetzt ein abgesichertes Leben und hält mir den Kopf frei um das Richtige für mich zu tun.
Ich lebe glücklich in einer neuen und festen Beziehung, in der wir beide bei uns bleiben können, frei und unabhängig unser Ding machen.
Da meine scheinbare Lebenserwartung seit ich hier bin erheblich gestiegen ist, bleibe ich gerne am Ball.
Ich sehe die Anwesenheit hier im Forum oder auch sonst etwas für mein Hirn zu tun so wie bei den Duschwänden in meinem Bad. Wir haben hier sehr kalkhaltiges Wasser, das kannte ich bisher so nicht, immer sind die Wände verkalkt und das sieht blöde aus. Also muss ich regelmäßig mit dem Schwamm und Essig drüber, dann läuft das Wasser wieder schön runter. Genauso darf ich mir heute regelmäßig durchs Hirn bürsten und die verdrehten Stränge gerade leben.
LG Karl |
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desperateS neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 24.03.2009 Beiträge: 403
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Verfasst am: 20.02.2011, 22:58 Titel: Re: Istzustand und Ziel |
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Hallo zusammen!
Mein Ziel, als ich dieses Forum fand:
- IHM helfen, vom Alkohol loszukommen.
Ist-Zustand: Sein Konsum fing an, mein Leben zu beeinflussen.
Ziel nach einem Jahr Forumspause:
- die gelernte Theorie (das "Loslassenkönnen", die wirkliche Kapitulation, erreichen) zu 100% in die Praxis umsetzen lernen
Ist-Zustand damals:
Ich wusste, so geht es nicht weiter. Ich wusste, ich musste mich trennen, damit ich eine Chance hatte, glücklich zu werden. Aber mein "Verantwortungsgefühl" ihm gegenüber war noch zu groß, um den letzten Schritt zu gehen.
Ist-Zustand heute:
Trennung erfolgt, nur noch sporadischer Kontakt, zufriedenstellender Abstand zum Alkohol und zum Ex.
Ich bestimme mein Leben selbst und bin glücklich damit.
Ziele:
Weiter verarbeiten, was geschehen ist, endlich komplett abschließen können und vor allem:
Nie wieder sowas erleben. Und das ist es, wovor ich am meisten Angst habe:
Dass ich in der nächsten Beziehung wieder so bin wie in der letzten. |
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