| EKA, Depressionen, ADS ... • Bleibt mein Leben jetzt so? |
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kiwipresse neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 18.01.2011 Beiträge: 3
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Verfasst am: 18.01.2011, 11:08 Titel: Geht ihr mit der Sucht offen um? |
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Hallo an alle!
Hab da mal ne Frage, die mich schon lange beschäftigt: Geht ihr mit der Sucht eures Vaters/ eurer Mutter offen um oder wird alles geheim gehalten und die heile Welt vorgespielt?
Bei mir war es so, dass meine Mama und ich 23 Jahre lang Friede-Freude-Eierkuchen gespielt und die Sucht meines Vaters versteckt haben. Aber mittlerweile denke ich, dass es für mich besser ist, offen damit umzugehen. Ich kann einfach nicht mehr Lügen und behaupten, dass es mir gut geht und ich einen super Vater habe, der immer für mich da ist und alles für seine Familie tut. Das ist doch totaler Blödsinn, wenn morgens direkt nach dem Frühstück schon die erste Flasche Wein geöffnet wird und er nachmittags so hinüber ist, dass er nur noch schläft, aber abends wieder an der Flasche hängt.
Wie gehen die Menschen damit um, denen ihr euer Problem anvertraut habt? Und wie habt ihr euch in der Situation gefühlt? Ich habe ehrlich gesagt Angst vor der Reaktion anderer. Ich weiß, dass es falsch ist, mich für das Verhalten meines Vaters zu schämen, aber in meinem Bekanntenkreis gibt es kein Verständnis für Suchtprobleme. Wenn zufälligerweise das Thema Sucht auf den Tisch kommt, wird nur gesagt, dass die Leute selber an ihrer Situation Schuld sind (das möchte ich auch gar nicht abstreiten) und sie ja auch einfach ne Therapie machen können und alles ist wieder gut. Aber leider ist das nicht so…
Ich habe keine Kraft mehr, eine Scheinwelt aufrecht zu erhalten, nur damit das Ansehen unserer Familie nicht zerstört wird.
Ich freue mich auf eure Antworten,
Kiwi |
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| kiwipresse hat zum Thema: Geht ihr mit der Sucht offen um? geschrieben
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katrin78 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.01.2011 Beiträge: 27
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Verfasst am: 18.01.2011, 14:29 Titel: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? |
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Darüber habe ich nie nachgedacht. Zu Hause wurde immer heile Welt gespielt und meine Mutter lebt irgendwie damit, ohne das Problem meines Vaters nach außen zu treten. Ich glaube, sogar mit ihren Freundinnen spricht sie nicht darüber. Früher als kleines Kind dachte ich immer, es wäre normal und in allen Familien so, dass die Papas nach der Arbeit oder am Wochenende auf ihrer Couch sitzen, dort Bier trinken, rauchen, sich von Frau und Kinder bedienen lassen und Fernseh gucken. Erst als wir in der Schule (etwa 6. oder 7. Klasse) einen Infotag über Alkoholsucht hatten, bei dem trockene Alkoholiker ihre Gescichte erzählt haben und wir ein Informationsblatt bekommen haben, auf dem einige Punkte standen, die man mit "Ja" oder "Nein" beantworten musste, ist mir klar geworden, dass mein Vater Alkoholiker ist. Das muss jetzt etwa 18 Jahre her sein. Ich war ziemlich geschockt. Einen Tag später kam mein jüngerer Bruder zu mir, genauso geschockt, da auch an seiner Schule dieser Infotag stattfand. Ihm ging es genauso wie mir. Wir wurden durch unsere gleichen Gedanken und Eindrücke bestärkt, dass wir Recht hatten mit unserer Vermutung. Meine Mutter habe ich daraufhin angesprochen, sie wollte aber von dem Thema nie was wissen und hat (bis vor 3 Wochen) nie mit mir darüber geredet. Mein Bruder hat in den ganzen Jahren nie was dazu gesagt. Ich war diejenige, die als Jugendliche Kontra gegeben hat. Wenn er mal wieder von mir bedient werde wollte, habe ich ihm dann z.B. gesagt, dass ich seine Sucht nicht noch unterstütze und dass er sich sein Bier gefälligst selber holen soll. Das ist mir dann allerdings zum Verhängnis geworden, denn mein Vater hat mir seit dieser Zeit das Leben richtig schwer gemacht. Ich bin damals kurz nach dem Abi ausgezogen, da ich seine Psychospielchen nicht mehr aushalten konnte. Meine Mutter sagt damals immer nur zu mir, ich soll mich von ihm einfach fern halten und nichts sagen, dann wäre es für mich nicht mehr so schlimm. Mein Bruder sagte mir damals mal, ich solle es so machen wie er, einfach das machen, was Papa verlangt, dann wäre das Leben angenehmer...
Ich habe in meinem Freundeskreis immer offen darüber gesprochen. Klar ist es einerseits unangenehm, aber es ist meine Art, über Dinge, die mich beschäftigen, im Freundeskreis darüber zu sprechen. |
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| katrin78 hat zum Thema: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? geschrieben
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kiwipresse neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 18.01.2011 Beiträge: 3
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Verfasst am: 18.01.2011, 15:59 Titel: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? |
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@katrin78: Danke für deine Antwort
Mein enger Freundeskreis weiß auch darüber Bescheid, aber nicht meine Freunde aus dem Studium.
Da die Klausurenphase kurz bevorsteht, ist der Lernstress gerade riesig. Ich komme kaum zum lernen und wenn, dann kann ich mich nur schlecht konzentrieren und niemand kann dies nachvollziehen. Am WE fahre ich regelmäßig nach Hause um meine Mutter zu unterstützen, weil sie vor kurzem operiert wurde. Ich gehe einkaufen, putze und mache das, was sonst noch anfällt. Und dann werden natürlich Fragen gestellt: Warum kann dein Papa denn nicht Wasserkästen einkaufen, warum hat dein Papa deine Mama nicht vom Krankenhaus abgeholt? Wenn dein Papa im Haushalt mithelfen würde, dann hast du doch genug Zeit zum lernen usw. Aber ich erfinde halt immer irgendwelche Geschichten, warum mein Papa keine Zeit hat und nicht mithelfen kann. In anderen Familien ist halt der Vater da, der die Mutter unterstützt und im Haushalt hilft.
Mir ist es unangenehm, den Leuten aus dem Studium von meinen Familienverhältnissen zu erzählen- zu sagen, dass mein Papa von morgens bis abends am trinken ist und sich nen Scheiß um seine Familie kümmert. Und außerdem habe ich Angst davor, abgewiesen zu werden, dass hinter meinem Rücken getratscht wird und dass mir vllt nicht geglaubt wird, denn nach außen hin scheint ja alles perfekt zu sein. Aber ich denke, dass kein Weg daran vorbei führt, die Wahrheit zu sagen. Dann werde ich mich hoffentlich auch besser und erleichtert fühlen… |
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| kiwipresse hat zum Thema: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? geschrieben
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Kopfmensch neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.07.2008 Beiträge: 78 Alter: 41 Wohnort: Ostsee
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Verfasst am: 18.01.2011, 16:42 Titel: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? |
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Hallo Kiwipresse,
ich differenziere hinsichtlich Offenheit in puncto Alkoholkrankheit meines Vaters. Ich habe die Beziehung zu meinem alkoholkranken Vater mit Mitte Zwanzig beendet und keinen Kontakt mehr. Je weiter ich mich von ihm entfernt habe, umso mehr bin ich zu mir selbst gekommen und meinen Weg gegangen. Auf diesem Weg komme ich hin und wieder in Situationen, wo nach dem Elternhaus gefragt wird. Ich differenziere und wäge vorher ab, was es mir bringt, offen mit dem Thema umzugehen. Ich will nicht auf meine Vergangenheit reduziert, sondern als Mensch gesehen werden, der ich hier und heute bin - erwachsen und ohne Eltern.
Gruß Kopfmensch |
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| Kopfmensch hat zum Thema: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? geschrieben
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katrin78 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.01.2011 Beiträge: 27
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Verfasst am: 18.01.2011, 17:46 Titel: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? |
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Also, bevor ich irgendwelche Lügengeschichten erzähle, sage ich entweder die Wahrheit oder gar nichts dazu. Meine Eltern wollten früher einmal, dass ich lüge und erzähle, dass mein Arm verbunden ist, weil ich die Treppe runtergefallen bin. Ich habe aber meinen Freundinnen erzählt, dass mein Vater mir im Zorn beinahe den Arm (völlig ohne Grund) gebrochen hätte (da ich nicht eingesehen habe, weshalb ich etwas anderes erzählen sollte)...
Meinst du nicht, dass in Wirklichkeit die nähere Umgebung deiner Eltern (Verwandtschaft, Freunde, Nachbarn) von der Alkoholsucht weiß, auch wenn deine Eltern es nicht nach außen tragen? Ich bin mir absolut sicher, dass die Nachbarn meiner Eltern, Papas Arbeitskollegen und alle anderen näher Bekannten davon wissen, ohne dass man je mit denen darüber gesprochen hat.
Ich bin ja damals nach dem Abi ausgezogen und habe mich sehr schwer in der Schule getan, habe so gerade mein Abi geschafft. Als ich dann während meiner Ausbildung in meiner eigenen Wohnung war und Abstand von dem Ganzen hatte, habe ich meine Gesellenprüfung mit einer super EINS bestanden, ein Stipendium erhalten... Ich denke, es liegt auch ein bisschen mit an der Situation, dass ich mich in der Zeit aus meiner Familie rausgezogen habe. Mit meiner Mutter hatte ich regelmäßigen Kontakt, meinen Vater habe ich im Jahr höchstens 3mal gesehen, obwohl meine Wohnung nicht einmal 2km entfernt war. |
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| katrin78 hat zum Thema: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? geschrieben
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sternchen24 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 20.01.2011 Beiträge: 5
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Verfasst am: 21.01.2011, 13:54 Titel: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? |
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hallo kiwipresse...
als ich deinen beitrag gelesen habe, habe ich mich wiedererkannt...auch ich kenne diese gedanken, denn es ist nicht leicht jemand anderem mitzuteilen, dass der eigene vater alkoholiker ist....ich habe in den ersten jahren als ich verstanden habe was los ist, mit gar niemandem darüber gesprochen. etwas, was die situation sehr viel schlimmer macht. mit der zeit habe ich verstanden, wie viel es hilft mit vertrauten personen darüber zu sprechen, auch weil sie einen dann oft besser verstehen...schließlich hatte meine laune oft unter der situation gelitten und macht es auch immer noch. allerdings habe und überlege ich immer noch genau, wem ich alles mitteile, denn (leider,leider) reden die leute oft blöd rum....und oft hört man dann aussagen, wie "ihr müsst euch halt mehr um ihn kümmern" oder "die schuld liegt an der familie"... solche aussagen kann ich nicht hören, denn niemand, der nicht selbst die situation erlebt kann oder weiß wie es sich anfühlt, und dass es nichts mit dem umsichkümmern zu tun hat.
also ich kann dir deshalb nur raten: red darüber, mit deinen lieben freunden, hier im forum,.... schlucken bringt gar nichts außer magenschmerzen und auf "heile welt" spielen erst recht nicht. es ist nicht leicht sich einzugestehen, dass es nun mal nicht so läuft wie es sollte, denn schließlich wünschen wir uns alle etwas anderes....aber, so traurig es nun mal klingt: jeder ist für sein leben selbst verantwortlich, und auch wenn man jemandem helfen will, aber er es nicht annimmt, so sollte man zumindest darauf achten, dass dieses problem einen selbst nicht auffrisst...(funktioniert leider nicht so leicht wie man es sagen kann)
alles liebe |
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| sternchen24 hat zum Thema: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? geschrieben
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Welia aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 30.04.2010 Beiträge: 541 Alter: 61
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Verfasst am: 21.01.2011, 17:35 Titel: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? |
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Mein Vater war früher auch Alkoholiker und ich habe viele Schamgefühle und Schuldgefühle entwickelt, die ich dann jahrelang mühsam austreiben musste.
Wenn man es offen bekennt und die Leuten, mit wem man redet, nichts davon verstehen, zwingen sie einem fast dazu sich für den "falschen" Verhalten zu rechtfertigen.
Ich glaube, am besten ist, wenn man wirklich nur davon erzählt, wo man voller Vertrauen hat, dass man auch verstanden und abgefangen wird. |
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| Welia hat zum Thema: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? geschrieben
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heidi13 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 07.11.2010 Beiträge: 138 Alter: 39 Wohnort: Schweiz
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Verfasst am: 21.01.2011, 17:48 Titel: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? |
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Ich gehe damit inzwischen sehr offen um und erzähle es auch am Arbeitsplatz.
Anders konnte ich nicht erklären, warum ich frei brauchte, um meine Mama zu pflegen, obwohl es doch einen Rentner im Haushalt gibt, der das auch übernehmen könnte ....
Warum sollte ich mich dafür schämen? Es ist seine Sucht, nicht meine. |
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| heidi13 hat zum Thema: Re: Geht ihr mit der Sucht offen um? geschrieben
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