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Alkoholiker

einen Tag nach dem anderen...

 
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Autor Nachricht
talula
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 17.12.2010
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 06.01.2011, 17:19    Titel: einen Tag nach dem anderen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Mein Name ist Talula.
Ich bin 35 und weiblich, ledig, beruflich erfolgreich selbständig und in einer Partnerschaft.
Ich bin Alkoholikerin, seit gut 3 Jahren trocken.
Ich bin co-abhängig und - zumindest äußerlich - die erwachsene eines alkohol- und psychisch kranken Vaters, der bereits verstorben ist.
Ich zäume das Pferd von hinten auf, wenn das ok ist.
Denn meine gesamte Geschichte von anfang an zu schreiben, das schaffe ich momentan nicht.

Mir geht es um den Erfahrungsaustausch, das Leben trocken erfolgreich zu bewältigen.
Obwohl ich in den anderen Sparten auch schreiben könnte, habe ich mich jetzt doch für das Alkoholiker-Forum entschieden, weil da glaube ich mehr Aktivität herrscht.

Ich erzähle einfach mal wie es mir momentan geht (die Rückblenden kommen dann so nach und nach), nach fast 3,5 Jahren Trockenheit und hoffe, dass ich mit diesen Gefühlen nicht alleine bin.
Ich bin momentan so dermassen dünnhäutig, dass ich mich am liebsten vor der Welt und allen Menschen verstecken möchte, mich zurückziehen möchte aus allem. Das kann ich nicht.
Ich bin finanziell von meinem Job abhängig und habe sehr viel und sehr engt mit Menschen zu tun. Ich versuche jeden Tag für sich zu bewältigen, trotzdem fühlt es sich an, als wäre jeder Tag ein riesiger Berg. Ich weiß dann oft nicht, wie ich es ertragen soll, mich auf die Menschen einzustellen (ich bin im Dienstleistungssektor unterwegs.) Ich habe Ängste, Todesängste. Ich versuche es positiv zu sehen, dass jetzt der wahre Grund für meine Sucht langsam ans Licht kommt. Die Traumata, die ich im Kopf schon so oft verarbeitet habe, aber emotional eben immer noch nicht.
Wird das besser? Ich weiß momentan auch gar nict mehr was ich noch tun soll. Habe Angst, arbeitsunfähig zu werden. Meine Partnerschaft zu riskieren weil ich selbst erfüllende Prophezeiungen provoziere.

Ich bin in therapeutischer Behandlung, versuche liebevoll mit mir umzugehen, gönne mir viel Ruhe, ernähre mich gut, versuche Sport zu machen und viel an die frische Luft zu gehen.

Trotzdem quälen mich diese Ängste und Depressionen täglich und sind natürlich ohne Alkohol-Dämpfung noch viel klarer und brutaler. Ich möchte niemals wieder trinken, das ist in meinem Kopf keine Alternative. Aber manchmal frage ich mich, wie lange ich diesen Druck und diesen Horror in mir selbst aushalte.

Wie geht ihr mit diesen Gefühlen um? Wer kann mich verstehen?

Liebe Grüße
Talula
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talula hat zum Thema: einen Tag nach dem anderen... geschrieben
Maria
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.10.2007
Beiträge: 5582

BeitragVerfasst am: 06.01.2011, 18:24    Titel: Re: einen Tag nach dem anderen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Talula,

herzlich willkommen im Forum.

Die Gefühle, die du beschreibst, kenn ich im Ansatz auch... jedoch nicht so extrem wie du sie beschreibst.

Mein Ansatz bei allem was ich tue ist der gleiche wie bei dir:
Zitat:
versuche liebevoll mit mir umzugehen, gönne mir viel Ruhe, ernähre mich gut, versuche Sport zu machen und viel an die frische Luft zu gehen


Und eben auch wenn ich es selbst oft vergesse: einen Tag nach dem anderen oder eben Schritt für Schritt.

Mir hilft dabei der Austausch im erweiterten Bereich. Dort führe ich ein Tagebuch und mit den Wegbegleitern dort - ist es meine SHG.

Wie bist du bisher deinen Weg gegangen? Hast du einen regelmäßigen Austausch mit Betroffenen gehabt?

3 Jahre Trockenheit ist ja eigentlich ein gutes Fundament, von daher wundert es mich ein wenig, dass dir dein Leben so schwer fällt. Wie sieht denn die Unterstützung in deinem Umfeld aus?

Lieben Gruß
Maria
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Maria hat zum Thema: Re: einen Tag nach dem anderen... geschrieben
talula
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 17.12.2010
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 06.01.2011, 18:34    Titel: Re: einen Tag nach dem anderen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Danke, Maria, für Deine Antwort.

Unterstützung im Umfeld.
Hm.
ich habe einen sehr guten Freundeskreis, enge Freundinnen, die mich sehr stützen, alles von mir wissen.
Meine Familie, da besteht kaum Kontakt.
Je mehr ich versuche aus den Suchtstrukturen auszusteigen, desto weniger kommen wir klar. Rückhalt gab es da nie. Und ich komme mit der Ignoranz überhaupt nicht zurecht (war alles nicht so schlimm, Probleme hben alle FAmilien blablabla).

Ich habe das Gefühl, dass jetzt vielleicht erst viele alte Dinge hochkommen und bearbeitet werden wollen. Aber manchmal fühle ich mich von meiner SEelenwelt so überfordert.

ich bin seit vielen Jahren auch schon in Therapie. Früher wegen meiner Eßstörungen, aber auch wegen der Ängste und Depressionen. Ich war ohnehin ein sehr zartes, sensibles Kind. DIe Zustände bei uns haben mich einfach überfordert und mein Nervenkostüm wohl überlastet, was ich durch den Konsum von Alk natürlich nicht besser gemacht habe.
Aber gut, die Sucht hat ihren Platz gehabt, ohne ALk wäre ich heute wohl auch nicht mehr am Leben, so skurril das klingt.

Ich merke einfach, dass ich nie Selbstvertrauen, SElbstwertgefühl gelernt habe, nur Selbstzerstörung. Jedes bißchen Selbstachtung ist für mich harte Arbeit. Es ist als wäre da ein schwarzes Loch, das ich nicht zu füllen vermag. Ich leiste und leiste und bin trotzdem nie mit mir zufrieden (typisches EKA-Problem.., ich weiß).

ich bin auch in einer realen SHG, habe die auch schon gechairt. Aber ich muß sagen, dass ich mich dort oft fehl am Platz fühle, weil da viele nur über trinken und nicht trinken reden und auch nicht weiter hinschauen möchten. Wenn jemand in der Gruppe mal etwas mehr ausschweift, was sein Gefühlsleben angeht, heißt es schnell: das gehört hier nicht hin.
Depressionen sind sowieso alle nur verkapptes Selbstmitleid.

Und dann mache ich was ich immer gemacht habe: mich zurück ziehen und es mit mir ausmachen.

LG
talula
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talula hat zum Thema: Re: einen Tag nach dem anderen... geschrieben
Maria
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 21.10.2007
Beiträge: 5582

BeitragVerfasst am: 06.01.2011, 18:56    Titel: Re: einen Tag nach dem anderen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Talula,

Zitat:
Ich habe das Gefühl, dass jetzt vielleicht erst viele alte Dinge hochkommen und bearbeitet werden wollen. Aber manchmal fühle ich mich von meiner SEelenwelt so überfordert.



Das mag sein - ja. Wir können uns selbst schwer aus dem Weg gehen, lediglich einen suchen mit dem wir mit uns klarkommen. Da kann ich dich sehr gut verstehen.

Ich habe festgestellt, dass es für mich selbst immens wichtig war, einen Wohlfühlrhytmus zu finden. Das heißt, wenn ich mich gut und stabil fühle, dann schaue ich in die Tiefe. Sonst nicht. Dann stelle ich das erstmal zur Seite. Die Seele sendet eindeutige Zeichen. Und wenn du Angst hast und dich in die Ecke gedrängt fühlst - ist das wohl eindeutig so, dass du es für den Moment beruhen lassen solltest?

Ähnlich als wolle ich in einen Keller gehen. Jeden Tag möchte ich nicht dahin, nur wenn ich keine Angst habe, gehe ich dahin.

Ich habe meinen Blick darauf gerichtet mich zu allererst zu stärken und dann taste ich mich langsam vor und wage mich erst dann vor Winken

Ich wünsche dir, dass das Forum mit dem großen Angebot in allen Bereichen hilft. Vielleicht magst du es dir ja überlegen mit dem erweiterten Bereich. Dort liest nicht das ganze www mit und mir für meinen Teil ist es eine gute Hilfe, da ich mich dort öffnen kann und neue Impulse erhalte, die ich auf den ersten Blick so gar nicht beachtet hätte.

Maria
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Maria hat zum Thema: Re: einen Tag nach dem anderen... geschrieben
Checkbe
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 06.03.2011
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 08.03.2011, 09:15    Titel: Re: einen Tag nach dem anderen... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

"Ich bin momentan so dermassen dünnhäutig, dass ich mich am liebsten vor der Welt und allen Menschen verstecken möchte, mich zurückziehen möchte aus allem"

Hallo Talula, da gehts dir wie mir. Und ich bin finanziell auch von meinem Beruf abhängig. Auch bei mir gehts nicht mehr um Trinken oder Nichtrinken. Es gibt keine alternative zum Nichtrinken. Dünnhäutig heisstbei mir "nah am Wasser". Noch bin ich krank geschrieben aber in 2 Wochen soll ich wieder arbeiten. Ich arbeite mch von Tag zu Tag und denke nicht weit in die Zukunft. Ich versuche aus jedem neuen Tag etwas positives zu nehmen. Und ich kämpfe. Die Depressionen, besonders morgens, sind heftig und die Medis wirken nicht so recht. Aber es gibt ein morgen nach dem Morgen und das hält mich etwas, obwohl ich manchmal verzweifeln könnte. Denn in meinem Leben war eigentlich alles in Ordnung. Ich war auch nicht der Vieltrinker. Ich habe abends Bier benutzt, um mein System herunter zu fahren. Ich habe mir einen Spruch verinnerlicht: Hoffe für den Augenblick. In Zeiten, in denen wir nicht mutig sind, ist es schwer an die Zukunft zu glauben. Widme dich dem kleinen Glück. Freue dich auf die Schönheit des nächsten Augenblicks, ein gutes Buch, einen Film, ein gutes Essen. Treibe deine Wurzeln ins heute, bis die Kraft wächst, an Morgen zu glauben.
Ich wünsche dir die Kraft, jeden Morgen das Beste aus dem Tag zu machen und gib nicht auf. Ich drück dir die Daumen und melde dich mal.lg
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Checkbe hat zum Thema: Re: einen Tag nach dem anderen... geschrieben

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