| Was schenkt ihr denn zu Weihnachten? • Ratlosigkeit |
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Tanja45 neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 04.12.2010 Beiträge: 3
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Verfasst am: 15.12.2010, 19:38 Titel: Aufgewacht nach 45 Jahren |
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Hallo zusammen,
ich bin neu hier, hatte mich letzte Woche angemeldet, da mich das Thema Eltern und Alkohol nicht loslässt. Mein Vater ist bereits vor 8 Jahren an Krebs verstorben, wie mir erst jetzt wirklich klar wird, war er Alkoholiker. Jetzt erst komme ich zu der Erkenntnis, dass auch meine Mutter wirklich Alkoholikerin ist. Immer hatte ich bisher Zweifel, ob meine Einschätzung richtig ist, obwohl ich seit meiner frühen Kindheit wusste, sobald meine Mutter auch nur einen einzigen Schluck Alkohol getrunken hatte, auch wenn sie dies vor mir zu verheimlichen versuchte. Irgendwie habe ich es dann geschafft, bis heute, diese Erkenntnis zu verdrängen. Ich wollte nicht ungerecht sein. Ich war ja schliesslich nicht dabei (seit ich erwachsen war), wenn getrunken wurde und wusste ja auch nie wie viel das war. Obwohl das Verhältnis zwischen meiner Mutter und mir seit jeher sehr sehr schlecht war, versuchte ich immer mehr, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, in der Hoffnung alles wäre vielleicht gar nicht so schlimm. Seit einigen Monaten verschlechtert sich der Zustand meiner Mutter weiter. Sie ist seit langem nach einer Gehirnblutung gehbehindert. Trotzdem trinkt sie (wie mir das Krankenhaus, aus dem ich sie nach einem Sturz abholen musste) erhebliche Mengen Alkohol. Ihre Launen werden mittlerweile unerträglich. Sie schwankt nur noch zwischen Euphorie, Aggression, Depression und Weinerlichkeit. Es ist zur Zeit für mich nicht möglich, den Kontakt zu ihr wie bisher unter "Ausblendung der Tatsachen", die ich mittlerweile als solche dabei bin zu akzeptieren, zu halten. Mir wird zunehmend klar, was ich mein Leben lang vermisst habe, warum ich nie loslassen kann, warum ich so kontrolliert bin usw. und ich glaube das ist erst der Anfang. Wie schön stelle ich mir eine unbeschwerte Kindheit vor (die ich meinen Kindern wie ich hoffe, geben konnte)! Auf meine Cousine, mit der ich aufwuchs, war ich immer neidisch, weil sie eine "richtige" Mutter hatte. Na ja, jedenfalls wächst in mir die Erkenntnis, dass ich den jahrzehntelangen emotionalen Dauer-Druck nicht länger so auf mich wirken lassen will. Ein sachliches Gespräch ist mit meiner Mutter leider nicht möglich. Sie bewegt sich ausschliesslich auf der emotionalen Ebene, sogar in den seltenen nüchternen Momenten. Wie seid ihr an dieser Stelle weitergekommen? Ich hoffe, das alles war jetzt nicht allzu durcheinander...
Liebe Grüsse
Tanja |
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| Tanja45 hat zum Thema: Aufgewacht nach 45 Jahren geschrieben
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Mikesch neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 19.04.2010 Beiträge: 90 Alter: 44
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Verfasst am: 16.12.2010, 07:26 Titel: Re: Aufgewacht nach 45 Jahren |
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Hallo Tanja,
| Tanja45 hat Folgendes geschrieben: | | Irgendwie habe ich es dann geschafft, bis heute, diese Erkenntnis zu verdrängen. Ich wollte nicht ungerecht sein. |
... dieses 'Verdrängen' ist als Kind ganz wichtig und normal. Irgendwann später bewertet man dann die Situation neu, als Erwachsener. Allerdings ist das auch nicht bei jedem so, manche werden nicht 'wach', wie du sagst.
| Tanja45 hat Folgendes geschrieben: | | Na ja, jedenfalls wächst in mir die Erkenntnis, dass ich den jahrzehntelangen emotionalen Dauer-Druck nicht länger so auf mich wirken lassen will. |
Das klingt sehr gesund!
Das musst du auch nicht. Du hast dein eigenes Leben zu leben und darfst / musst dich von deiner Mutter abgrenzen. |
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| Mikesch hat zum Thema: Re: Aufgewacht nach 45 Jahren geschrieben
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Tanja45 neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 04.12.2010 Beiträge: 3
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Verfasst am: 16.12.2010, 10:30 Titel: Re: Aufgewacht nach 45 Jahren |
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Danke Mikesch! Ich glaub es ist höchste Zeit dafür. Ich weiss nicht warum, aber endlich habe ich das Gefühl, dass sich der "Knoten" in meinem Bauch langsam auflöst. Man trägt das ja so mit sich rum und erzählt niemandem davon und muss irgendwie selbst damit fertig werden und wird es aber nie. Ich dachte immer, ich muss es schaffen, bevor meine Mutter irgendwann stirbt, mit ihr ins Reine zu kommen. Diesen Gedanken kann ich jetzt aufgeben und wieder freier durchatmen. Bin aber noch ganz am Anfang. Es tut wirklich unheimlich gut zu lesen, dass es so vielen anderen ähnlich geht und gibt viele Denkanstösse, die dabei weiterhelfen.
LG, Tanja |
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| Tanja45 hat zum Thema: Re: Aufgewacht nach 45 Jahren geschrieben
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fatima neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 14.12.2010 Beiträge: 54 Alter: 32 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 16.12.2010, 18:47 Titel: Re: Aufgewacht nach 45 Jahren |
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liebe tanja
dem kann ich nur zustimmen.
ich dachte ewig, ich hätte eine falsche wahrnehmung meiner
familie. erst mit mitte 20 wurde mir igendwie bewusst, es
gibt auch eine andere, objektivere sichtweise...
es ist in der tat sehr erleichternd, zu wissen, dass man
nicht schuld ist und dass man auch nicht immer nur in der
pflicht ist!
seit ich weiß, mein schlechtes bauchgefühl, dass ich als
jugendliche oft hatte, war vollkommen berechtigt--
seitdem fühle ich mich echt ein gutes stück erlöst! von
einer last!
meine mutter wurde von meinem vater immer beschrieben
als: himmelhochjauchzend- zu tode betrübt.
dazwischen geht nicht.
dazwischen geht natürlich noch: total aggressiv, oder aber
voll gut drauf aber fast hyperaktiv, selbstmitleidig...
jedenfalls immer über-emotional. und der anwesende muss
das dann ertragen- oder abhauen!
letzteres scheint mir erträglicher.
oder, wenn ich sehr gut drauf bin, prallt vieles ab.
lg fatima |
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| fatima hat zum Thema: Re: Aufgewacht nach 45 Jahren geschrieben
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