| Vom Antrag bis zur Langzeittherapie • 6 Wochen |
|
|
| Autor |
Nachricht |
|
|
Karsten Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 04.11.2004 Beiträge: 32810 Alter: 49 Wohnort: Eberswalde
|
Verfasst am: 23.04.2006, 17:53 Titel: Re: Gründe fürs Nichttrinken... |
|
|
Hallo Sophia,
ich sehe die Sache mal von einer anderen Seite.
Ich mache mir ja auch keine Gedanken darüber, warum ich nicht aus dem Fenster springe oder mich vor ein fahrendes Auto werfe.
Genauso weiß ich auch, dass mir Alkohol nicht gut tut und ich ihn für mein Leben nicht brauche.
Darum sind Gedanken oder Überlegungen, warum ich nicht trinken möchte, am Anfang noch sehr häufig da.
Das verliert sich aber mit der Zeit, weil das Nichttrinken genauso zur Gewohnheit geworden ist, wie damals das Trinken.
Gründe zu suchen hat auch in meinen Gedanken einen faden Beigeschmack. Wenn ich mich entschieden habe, dass ein Leben ohne Alkohol für mich besser ist und ich eingesehen habe, dass der Alkohol für mich mein Tod bedeutet, brauche ich für mich keine Gründe weiter. Gründe suchen könnte man auch mit Zweifel gleichsetzen, oder? |
|
| Nach oben |
|
| Karsten hat zum Thema: Re: Gründe fürs Nichttrinken... geschrieben
|
|
 |
sophia Gast
|
Verfasst am: 23.04.2006, 18:08 Titel: Re: Gründe fürs Nichttrinken... |
|
|
...Karsten,
ja sicher...
| Zitat: | | Darum sind Gedanken oder Überlegungen, warum ich nicht trinken möchte, am Anfang noch sehr häufig da |
und ich bin noch am Anfang... so glaube ich und erfahre es gerade auch wieder.
Aber Du hast auch sicher Recht in dem Du sagst:
| Zitat: | | Gründe suchen könnte man auch mit Zweifel gleichsetzen, oder? |
vergiß bitte nicht, daß hier auch Menschen sind, die nie ganz unten gewesen sind und deshalb alles ausloten, und genau das macht es so schwierig...
also, ich möchte lernen und frage deshalb immer wieder nach!
Sophia |
|
| Nach oben |
|
| sophia hat zum Thema: Re: Gründe fürs Nichttrinken... geschrieben
|
|
 |
Tabaluga aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 11.11.2005 Beiträge: 947
|
Verfasst am: 23.04.2006, 18:09 Titel: Re: Gründe fürs Nichttrinken... |
|
|
Hallo Sophia,
habe noch einmal darüber nachgedacht.
Gründe für das "Nichttrinken":
Ich fühle mich frei!
Ich kann hin gehen wohin ich möchte, wann ich möchte und womit ich möchte, ich kann klar denken, kann meine Probleme lösen, bin ruhiger geworden, gesünder an Körper, Geist und Seele, habe Achtung vor mir und fühle mich wertvoll (war ich auch vorher, habe ich aber nicht gesehen), bin selbstbewusster, mag mich leiden, sehe besser aus, fühle mich jünger und fit, kann mit Wut und Aggressionen besser umgehen, bin nicht mehr so emotional impulsiv, Lebenslust ist eingekehrt, Lachen und Fröhlichsein, depressive Stimmungen sind nicht mehr dauerhaft angesagt, Scham- und Schulgefühle weichen, ich traue mir etwas zu und kann neue Dinge anfangen, mein Mut kehrt zurück, es gibt so viele Gründe für mich, nicht zu trinken, aber ich denke ein ganz wichtiger Grund ist, dass ich erkannt habe, dass ich Alkoholikerin bin, somit gibt es keine wenns und abers, es gibt nur eins, wenn ich leben möchte: Die völlige Abstinenz!
Und wenn ich abstinent lebe, brauche ich mir keine großen Gedanken um Gründe zu machen, ich möchte das erste Glas stehen lassen, jetzt, in der nächsten Stunde, Heute, Morgen, Dienstag............
Es geht mir viele besser mit der Abstinenz, das ist der Grund, warum ich nicht mehr dahin zurück möchte, wo ich vor über vier Monaten war...ich möchte es nicht aufs Spiel setzten und werde es nicht aufs Spiel setzten.
Für mich ist mein Trinkverhalten zur Sucht geworden, mein Grund für das Nichttrinken ist demnach, meine Freiheit wieder gewonnen zu haben.
Und aufmerksam und wach zu sein und zu bleiben, diese Freiheit zu behalten und nicht aufs Spiel zu setzten!
In dem Sinne, das erste Glas stehen lassen....
Dir gute 24 Stunden
Liebe Grüße
Tabaluga |
|
| Nach oben |
|
| Tabaluga hat zum Thema: Re: Gründe fürs Nichttrinken... geschrieben
|
|
 |
henri sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 08.03.2005 Beiträge: 1618
|
Verfasst am: 23.04.2006, 19:08 Titel: Re: Gründe fürs Nichttrinken... |
|
|
Hallo Sophia
Da bringst du mich tatsächlich richtig ans Nachdenken. Wie soll ich das erklären? Karsten hat es ziemlich genau beschrieben mit „ich springe auch nicht aus dem Fenster“. Es hängt auch damit zusammen, dass ich anfangs gesagt habe „ich darf nicht trinken“, dann „ich will nicht“ und heute „ich brauche nicht“. Diese Entwicklung wird jeder mitmachen. Dabei nützt es nichts, wenn ich mir das immer wieder vorsage. Vom Verstand her kann ich das auch anfangs verstehen und begreifen, aber das Gefühl, das Selbstverständliche keinen Alkohol zu trinken, kommt erst mit der Zeit. Dann bin ich auch so weit, dass ich mir keine Gedanken mehr darüber mache, aus welchen Gründen ich nicht trinke, es ist einfach so und dann auch der Spruch „zufrieden trocken“.
Wenn in der letzten Zeit von einigen geschrieben wurde, ich zähle die Tage nicht mehr, dann sehe ich das als ein Schritt in dieser Entwicklung. Denn der/diejenige macht sich nicht mehr die Gedanken, wie das „Heute“ zu überstehen ist, macht sich also auch schon nicht mehr in dem Maße die Gedanken über das „warum trinke ich heute nicht“ sondern sieht es auch schon mehr als selbstverständlich an.
Es ist nicht alles logisch zu erklären, sondern das Gefühl spielt dabei auch eine Rolle. Deshalb ist es auch so schwer, diese Gedanken mit Worten rüberzubringen.
Lieben Gruß
Henri |
|
| Nach oben |
|
| henri hat zum Thema: Re: Gründe fürs Nichttrinken... geschrieben
|
|
 |
sophia Gast
|
Verfasst am: 23.04.2006, 19:56 Titel: Re: Gründe fürs Nichttrinken... |
|
|
...Henri,
ich danke Dir für Deine Ausführungen!
Ist auch schwer rüber zu bringen... doch es hat mir zu mindest geholfen!
Danke.
Sophia |
|
| Nach oben |
|
| sophia hat zum Thema: Re: Gründe fürs Nichttrinken... geschrieben
|
|
 |
Freeforevernow Gast
|
Verfasst am: 24.04.2006, 11:34 Titel: Ich entbehre nichts |
|
|
Solange man (frau) ein Verlangen nach Alkohol verspürt, solange man das Gefühl hat, den Alkohol entbehren, gar auf etwas verzichten zu müssen (weil die Sucht ruft !!!), wird man ständig Gründe suchen, die das Saufen wieder rechtfertigen.
Ist erst dein Kopf und Körper frei sind solche Gedanken dir fern.
Warum trinken nur andere soviel Alkohol ? ... könntest du dir dann gelegentlich einmal die Frage stellen. |
|
| Nach oben |
|
| Freeforevernow hat zum Thema: Ich entbehre nichts geschrieben
|
|
 |
Annika sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 05.12.2005 Beiträge: 3847 Wohnort: NRW
|
Verfasst am: 24.04.2006, 15:17 Titel: Gründe |
|
|
Hallo alle,
Gründe am Anfang : Alkohol macht krank, süchtig, unberechenbar, depressiv.....
dagegen habe ich wochenlang gekämpft
plötzlich vor kurzem, gab es einen Klick in meinem Kopf ich fühlte mich frei,
endlich habe ich keinen Neid mehr in mir, auf die, die EIN Glas Wein trinken können
Endlich ist es für mich kein Verzicht mehr.
Ich trinke nicht mehr weil ich keinen Verzicht mehr darin sehe.
So ungefähr als würden die gelben Gummibärchen plötzlich abgeschafft.
Anders kann ich es nicht erklären, aber so ist es mir ergangen.
LG Annika |
|
| Nach oben |
|
| Annika hat zum Thema: Gründe geschrieben
|
|
 |
Freund Gast
|
Verfasst am: 14.05.2006, 06:26 Titel: Re: Gründe fürs Nichttrinken... |
|
|
Eine kleine Geschichte aus meinem Leben, die ich euch mitteilen möchte.
Ich bin seit über 5 Jahren weg vom Alkohol, und das ist gut so !
Zum 1. Mai hatte man mich zu einer Gartenparty eingeladen, auf der mein Bekanntenkreis von damals, eine Gruppierung von 30 Leuten, ihrer
"Feierlaune" nachgingen.
Viele sind dabei, die ihre Alkoholsucht dabei sättigen.
Es gab Zeiten, da wär ich dort trotz Einladung nicht erschienen, weil es mir zu gefährlich gewesen wäre, in Versuchung zu geraten.
Heute stehe ich generell über der Sache, genieße mein Leben intensiver und nutze solche Events höchstens für "Fallstudien" und zur Intensivierung meiner Einsicht, dass es mir besser geht als anderen.
Wir saßen also in einem Garten mit vielen Sitzbänken und -tischen, Grill an der Ecke, Zapfanlage und sonstiges an der anderen Ecke.
Es wurde gefeiert, geredet, gegessen und "hoch die Tassen".
Ich holte mir mein 3. Stück Fleisch vom Grill und setzte mich wieder an
meinen Tisch, umgeben von netten Leuten.
Mein Nachbar klopfte mir auf die Schulter und sagte freundlich in die Runde: "Seitdem du trocken bist, ißt du ja wie ein Scheunendrescher".
Alle lachten, aber wohlwollend. "Mein lieber Klaus", sagte ich, "hier sitzen soviele Frauen, die froh wären, wenn ihre Männer mehr essen und weniger saufen, wie du sagst trockener oder trocken wären, und auch Männer, die glücklicher wären, wenn ihre Frauen das gleiche täten."
Viele lachten, viele schwiegen. -
Die mit dem Glas in der Hand, mit Alkoholproblemen, aber nicht der Einsicht, dass sie diese haben, lachten. Vielleicht auch mit Neid und Achtung mir gegenüber.
Die Ehepartner, die das Leid zu ertragen haben, schwiegen.
Ich beobachtete sie auch, während ich das sagte.
Sie nickten mir alle zu, wenn auch manche nur innerlich.
Ich hatte einen Riesen-Gaudi ... und aß weiter. |
|
| Nach oben |
|
| Freund hat zum Thema: Re: Gründe fürs Nichttrinken... geschrieben
|
|
 |