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Sarana
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 02.08.2010
Beiträge: 20
Alter: 34

BeitragVerfasst am: 30.11.2010, 00:14    Titel: Re: Constellations Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Bergchen85

Bei mir war es so, meine Mutter fing an zu trinken als ich ca 10 oder so war, oder zumindest hab ich dann realisiert dass sie ein Problem hat.... ich denke, sie war nicht glücklich in der Ehe und dass das vermutlich auch ein Grund fürs trinken war... mein Vater ist einer, der wollte sich von ihr von vorn bis hinten bedienen lassen, und rührte selbst keinen Finger, es musste alles nach seinem Willen geschehen... als es darum ging, dass Mutter trocken wurde hat er sie gedrängt was zu tun und hat den Hausarzt informiert etc.. und mir gesagt, wenn ich bloss hilfsbereiter etc. wäre, würde sie aufhören zu trinken (super!). Auf alle Fälle habe ich mit den Jahren gemerkt, dass er das alles nicht ihretwegen tut, damit sie aufhört zu trinken, sondern nur darum dass sie ihn weiterhin bekocht und seine Wäsche gewaschen und gebügelt ist, damit er keinen Finger rühren musste. Meine Mutter war sowas wie man nennt es glaube ich eine funktionierende Alkoholikerin... Mittlerweile hat sie dank einer Therapie den Entzug geschafft und ist 4 Jahre trocken.... sie bedient Vater nach wie vor von vorne bis hinten (für ihn ist das selbstverständlich...) und er gönnt sich auch pro Tag gerne seine 2,3, oder wie viele auch immer Gläschen Weine. Er sagt, er dürfe das, er sei ja schliesslich kein Alki (was ich schwer bezweifle, weil er ja doch auch nicht ohne sein kann, und wenn er getrunken hat immer so provozierend aggressiv wird....). Er nimmt null Rücksicht auf meine Mutter, dass sie trocken ist, und nicht ständig eine Weinflasche vor den Augen sehen möchte.. Aber sie macht nichts und toleriert das weiter... ich hab mir gesagt was solls, die sollen selber schauen, jeder ist sich seines Glückes Schmid, ich will nicht so enden... Meine Wut ist fast grösser auf meine Vater, der so ein emotionaler Missbraucher war und ist, als auf meine Mutter, da ich immer das Gefühl habe, sie wäre nicht zum Alki geworden, wenn er nicht gewesen wäre. Ich habe mir als Kind oft gewünscht, er wäre tot und Mutter würde einen andren Mann treffen, der sie schätzt und auch mich annimmt und lieb und nett ist.....

Heute ist er einfach mein Erzeuger, Vater kann ich ihn nicht recht nennen.... ich bin oft traurig darüber, aber ändern kann ichs nicht.....
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Sarana hat zum Thema: Re: Constellations geschrieben
bergchen85
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 08.10.2010
Beiträge: 15
Alter: 35

BeitragVerfasst am: 30.11.2010, 21:39    Titel: Re: Constellations Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Liebe Sarana, genau so war es bei meinen Eltern auch. Mein Vater hat sich die ganze Zeit bedienen lassen. Ich finde es aber trotzdem toll, dass deine Mutter den Entzug geschafft hat. Ich denke, dass ein Partner auch zum Problem beitragen kann. Leider denke ich auch, dass unsere Mütter aus einer Generation stammen, wo das "Zusammenhalten" der Familie großgeschrieben wurde, deshalb hatten/haben sie wahrscheinlich auch keinen Mut, keine Kraft etc. sich zu trennen. Das meine Mutter auch zur "funktionierenden Alkoholikerin" geworden ist, denke ich, geht auf ihre Geschichte zurück, schlimme Kindheit, emotionale Missbraucher etc. Ich kann mich noch an eine Szene erinnern: meine Mutter und ich sind einmal früher aus dem Urlaub zurückgekommen und mein Vater ist total ausfällig geworden, weil er noch seine Ruhe haben wollte und sich geärgert hat, dass wir schon wieder zuhause waren, da habe ich zum ersten gespürt, was emotionale Kälte bedeutet, die respektlose Umgangsweise der Partner miteinander ist glaube ich das Schlimmste. Trotzdem hoffe ich, dass deine Mutter durchhält und vielleicht wird es für sie ja irgendwann einen anderen Partner geben, der sie liebevoll und respektvoll behandelt...
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bergchen85 hat zum Thema: Re: Constellations geschrieben
Kaleu
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 08.02.2010
Beiträge: 1024
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 01.12.2010, 12:19    Titel: Re: Constellations Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Bergchen,

als ich das alles gelesen habe, kam mir unweigerliche ein Gedanke.

Liegt es im Bereich des Möglichen, daß Du auf so etwas wie Schuldsuche bist und jetzt da Deine Mum nicht mehr da ist um die irgendwie annehmen zu können, bleibt halt nur noch Dein Dad übrig um irgendwo mit dieser Schuld hinzukönnen?

Hilft Dir das irgendwie weiter Dich damit auseinanderzusetzen wie Dein Vater hätte sein können, sollen, müssen? Wie Deine Mutter hätte sein können, sollen, müssen?

Gerde gestern bin ich über'n Gullideckel gestolpert und seitdem ärger ich mich ohne Ende, daß diese Idioten da einen Gullideckel hingebaut haben. Die hätten doch ahnen könne, daß ich da irgendwann mal langlaufe.

Liebe Grüße

Kaleu
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Kaleu hat zum Thema: Re: Constellations geschrieben
Nadinsche
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 23.04.2006
Beiträge: 28

BeitragVerfasst am: 04.12.2010, 18:16    Titel: Re: Constellations Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Interessant und zugleich erschreckend, dass sich solche Geschichten soviel wiederholen....

Meine Mutter war auch funktionierende Alkoholikerin, mein Vater ein Choleriker, der sich auch gerne bedienen liess. Ob sich meine Eltern liebten, weiss ich nicht so genau. Er unterdrückte sie immer, und sie liess sich das gefallen. Als er lange im Krankenhaus war, stellten wir fest, wieviel Geld er eigentlich ausgab, meine Mutter leistete sich gar nichts, obwohl sie voll arbeitete. Was andereres als arbeiten und trinken kannte ich aber nicht. Ich habe als einzige der Familie versucht, meine Mutter vom Alkohol abzubringen. Ich kann aber jede Situation verstehen. Bei meinem Bruder war es ein z. B. ein Trauma, das ihn verdrängen liess, er erlebte als Grösserer noch mehr und mein Vater war selbst einer, der gerne trank, aber Kontrollierter. Meine Mutter hätte nicht bei ihm bleiben brauchen. Ich kann eigentlich gar nix Neues erzählen, denn ich wúnschte mir auch einen, den sie neu kennen lernte, der mich mochte. Winken.
Ich war sogar mal mit 9 Jahren früher von der Schule gekommen, meine Mutter hatte wohl was mit jemanden. Ich ärgerte mich überhaupt nicht darüber, ich war zwar etwas kindlich verwirrt, aber ich hatte gar nichts dagegen und hoffe, es würde sich evtl. was ändern. Aber die oft angekündigte Scheidung kam nicht.

Das Einzige, was mich heute noch ärgert, dass mir so viele Jahre die Wahrnehmung abgesprochen wurde. Heute noch zweifle ich so oft an ihr. Ich sei ja sooo empflindlich und ich würde übertreiben...Evtl. hätten wir etwas zusammen bewirken können, keine Ahung, aber ich habe auch genug getan, um meine Mutter zu retten. Ich hatte eine absolute Gleichgültigkeit entwickelt, die natürlich Selbstschutz war.
Als sie dann starb war es total fuchtbar für mich. Ich hätte nicht gedacht, dass es so weh tut. Sie war trotz allem die einzige Person, bei der ich wusste, sie liebt mich und wúrde mich nie hintergehen (wenn man mal das krankhafte Verhalten beim Alkohol weglässt).
Und jetzt, es ist über drei Jahre her, habe ich wieder etwas eine Gleichgúltigkeit. Ja, lieber ein Schrecken mit Ende, als ein Ende ohne Schrecken, also immer die Angst, dass was passieren könnte.

Der letzte Tag, bevor meine Mutter betrunken die Treppe runterfiel und starb war aber sehr schön. Ich hatte sie als Letzte und nicht betrunken gesehen. Wir hatten ausnahmsweise einen schönen Moment (mein Vater war lange im Krankenhaus, und ich lernte wieder ihre gute Seite kennen).
Der Abschied herzlich. Von meinem Vater verabschiedete sie sich im Streit. Er hatte sie mal wieder mies sogar vom Krankenbett behandelt. Ehrlich gesagt denke ich, dass es ihm Recht geschieht. Ob er drüber nachgedacht hat weiss ich nicht. Jedenfalls die paar Male, die ich ihn dann noch gesehen habe, war er recht melancholisch und sortierte Fotos, was ich gar nicht von ihm kannte. Wenigstens muss mit ihm meiner Mutter zuliebe keinen Kontakt mehr halten.

Böse bin ich auf niemanden. Nur eben dieses Absprechen der Wahrnehmung ärgert mich heute noch.

Weihnachten war immer furchtbar bei uns. Meine Mutter meistens mittags betrunken und lallte immer so was wie. Oh, wie schön ist es eine Familie zu haben und gesund zu sein. Dann wollte sie es klassisch iyllisch, und weil sich nie jemand mit doofen Bemerkungen zurückhalten konnte, brach sie in Tränen aus und das Theater ging los....Ich feierte somal mit meinen Geschwistern alleine in einem unserer Zimmer, ich war da 10 oder so.

Es hilft mir generell, dass ich alles Positive von meiner Mutter weiterleben lasse. Ich habe eine paar Dinge von ihr, die mir sehr wichtig sind (Tasche, Ohrringe), ich versuche Rezepte nachzukochen, als ich zumindest klein war, blieb sie bei Stress immer supercool, das bin ich eigentlich auch usw. Ab und zu schaue ich hier noch rein, ja, warum weiss ich nicht. Manchmal noch habe ich nachdenkliche Momente, will ihr nahe sein, zurück wúrde ich sie aber so krank nicht haben wollen.

Ich denke, du brauchst noch so Momente, um dich damit abzufinden. Ich finde es normal, dass du noch nach Gründen suchst. Irgendwann wirst du es akzeptieren, und dann ist das Beste, sich um sich selbst zu kûmmern, dass es seinem gut geht. Ich verstehe dich aber auf jeden Fall!

War jetzt etwas lang, aber ich habe bei dem Thema halt so viele Erfahrungen. Geschockt
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Nadinsche hat zum Thema: Re: Constellations geschrieben

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