| was kann ich noch tun, für mich? • Meine Mutter eine Alkoholikerin? |
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rieka neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.11.2010 Beiträge: 8 Alter: 48
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Verfasst am: 18.11.2010, 13:41 Titel: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater |
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Liebe Julia,
wenn Du in der nächsten Woche zu einem Treffen des Blauen Kreuzes gehst, finde ich das als Erstes mal ganz, ganz toll von Dir!
So ein Schritt hat etwas damit zu tun, mit seinem Problem auf gewisse Weise in die Öffentlichkeit zu gehen, und ich finde, dazu gehört eine große Menge Mut!
Was Deine Intention "Vielleicht gibt es noch schlimmer Betroffene als mich" angeht, so möchte ich Dir aber sagen, dass Du darüber vielleicht doch nochmal nachdenken solltest....
Was bedeutet denn eigentlich "schlimmer Betroffene" ? Das ist doch ganz klar etwas, das nur Du allein entscheiden kannst - was nämlich nur DU selbst als "schlimmer betroffen" empfindest.
Und wozu kann die Klärung der Frage, ob es noch schlimmer Betroffene gibt, für Dich selbst gut sein ?
Soll der Rückschluss, den Du dann ziehst der sein, dass Du Dir sagst: "Naja, dann kann ich das doch auch irgendwie aushalten..." oder welche Hilfe sollte Dir diese Erfahrung dann sein ?
Die bessere, weil für Dich ganz sicher hilfreichere, Intention, an einem solchen Treffen teilzunehmen, wäre meiner Meinung nach die Frage, was könnt Ihr mir sagen, wie ICH selbst aus diesem Teufelskreis herauskomme ? Welche Hilfen kann ich mir holen, damit ich nicht so furchtbar allein bin ?
Ist mir dieser Kreis, der sich zu einem Treffen einfindet, selbst vielleicht schon eine große Hilfe ? Usw., usw....
Die Fragen eben: Was kann ich tun, damit es mir besser geht ?
Was den Psychologen angeht, so möchte ich Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass Du Dich bitte nicht von Deinem ersten, so schlechten Erlebnis, entmutigen lassen sollst.
Es ist absolut normal, dass es passiert, dass Du beim ersten Termin nicht die richtige Person gefunden hast.
Und das hast Du auch nicht. Die Diskussion über Antidepressiva hin oder her - erste und vor allen Dingen einzige Wahl können die jawohl nicht sein.
Versuch es aber nochmal woanders, und wenn es noch nicht der richtige ist, dann auch noch ein drittes Mal - ganz ehrlich.
Zu so einer Person musst Du absolutes Vertrauen empfinden können, und das merkt man doch seeehr schnell, ob es passt oder nicht.
Versuch es nochmal - ich drück' Dir ganz fest die Daumen, dass Du jemand passenden für Dich findest.
Was nun den Alkoholkonsum in Deinem Freundeskreis und den Deines Freundes im speziellen angeht, so finde ich es ganz, ganz schwierig, Dir dazu einen Rat zu geben.
Eines ist klar: Deine Reaktion ist Deine Reaktion und aus meiner Sicht aaabsolut in Ordnung und mehr als verständlich!
Allerdings bin auch ich extrem besorgt und mache mir viele Gedanken über die Tatsache, dass aus meiner Sicht heutzutage allgemein viel zu viel getrunken wird - es wird gefeiert nicht um der Feier sondern um des Trinkens willen - so habe ich oft den Eindruck.
Wochenende nicht betrunken gewesen ? Oh Gott, geht ja gar nicht.
Was bist Du denn für eine lahme Tröte....? Mit Dir ist ja gar nix los.....
So in etwa - in mehr oder weniger starkem Ausmaß - oder ?
Tja, was Deinen Freund angeht, so muss ich Dich fragen: Dürftest Du nicht insbesondere von seiner Seite, da er doch sicher sagt, dass er Dich liebt, ein bisschen mehr Verständnis erwarten ?
MUSS er sich auf jeder Feier betrinken ? Ausgerechnet er ?
Ist das nicht eine Art zu zeigen, dass er nicht wirklich zu Dir steht ?
Da wäre ich auch sauer mit ihm - ganz ehrlich.
Über das Bier oder das Glas Wein zum Essen - gut, darüber ließe ich noch mit mir streiten.
Aber betrunken auf jeder Fete....? Ich weiß ja nicht....
Lass Dir sagen, dass Deine Reaktion, dass Du sauer wirst, ganz sicher in Ordnungl ist.
So hätte ich früher ebenfalls reagiert, und da war ich nicht im Ansatz in dem Ausmaß negativ mit dem Thema Alkohol konfrontiert wie ich es heute bin - ganz ehrlich.
Das hat meiner Meinung nach absolut nicht allein etwas damit zu tun, dass Du durch Deine Familie extrem vorbelastet bist mit diesem Thema!
Liebe Julia, lass Dir da also bitte nichts einreden von anderen, was richtig ist oder was falsch.
Richtig oder falsch für Dich ist nur das, was Du so empfindest und schon lange bei einem so hochkritischen Thema wie es der Umgang mit Alkohol darstellt.
Lass Dich nicht entmutigen, den für Dich richtigen und guten Weg zu suchen und dafür zu kämpfen!
Schicke ganz liebe Grüße und wünsche Dir von ganzem Herzen alle gute Unterstützung, die Du nur bekommen kannst! |
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| rieka hat zum Thema: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater geschrieben
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00Julia00 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 16.11.2010 Beiträge: 9 Alter: 23
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Verfasst am: 18.11.2010, 14:14 Titel: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater |
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Puh, jetzt muss ich erstmal schlucken, denn genau das was du geschriegen hast trifft zu! Danke für die ehrliche Meinung!
Da hast du vollkommen Recht, auf jeder Party wird gesoffen bis zum umfallen, und die finden das auch noch toll! Selbst die Mädchen oder Frauen in meinem Alter finden sich damit auch noch schön...
Leider, leider kann ich mit meinem Freund darüber kaum sprechen, da er das alles nicht richtig ernst nimmt und eben sagt, ich soll nicht so übertreiben...
Naja, dass was ich gesehen hab damals, das kann er ja auch nicht verstehen.
Er kommt aus einem Elternhaus, in dem ,,halt mal,, was getrunken wird, da ist das normal.
Deshalb glaube ich das er das nicht versteht, oder verstehen will.
Ich werde jetzt ein bisschen mehr auf mich achten. Vielleicht komm ich dadurch weiter. Nicht immer nachgeben, und sagen es tut mir Leid das ich so laut geworden bin oder ich sauer war....
Vielen Dank rieka! danke danke danke!!! |
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| 00Julia00 hat zum Thema: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater geschrieben
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rieka neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.11.2010 Beiträge: 8 Alter: 48
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Verfasst am: 18.11.2010, 14:44 Titel: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater |
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Hallo, liebe Julia,
es freut mich sehr, dass ich Dir wohl sehr aus dem Herzen gesprochen zu haben scheine....
Und sehr, dass Du Dich dafür so bedankt hast!
Ich habe eine Tochter, nur ein kleines bisschen älter als Du, und auch im Bekannten- und Freundeskreis eine Menge Jugendlicher/junger Erwachsener, so bekomme ich natürlich eine Menge mit, und Du bestätigst mir, dass meine Gedanken nicht in die falsche Richtung gehen.
Ich laufe schon Gefahr, meine Arbeit ein bisschen zu vernachlässigen... , weil ich hier an vielen Stellen, auch aufgrund meiner eigenen Situation, so gefesselt bin....
Deshalb entschuldige, wenn ich Dir also nur kurz dieses Feedback gebe.
Aber eines würde mich noch sehr interessieren von Dir (falls Du es denn hier schreiben magst):
Ich habe Deine Beiträge noch einmal durchgesehen und festgestellt, dass Du über den Tag hinweg zu sehr unterschiedlichen Uhrzeiten geschrieben hast, auch am Vormittag oder Mittag.
Würdest Du sagen, was Du so tust in Deinem Leben ?
Gehst Du noch zur Schule, bist Du in irgendeiner beruflichen Ausbildung ?
Ich fände das interessant zu wissen - aber, SELBSTVERSTÄNDLICH, nur, wenn Du das für in Ordnung hältst.
Ansonsten wünsche ich Dir einen schönen Tag heute und schicke liebe Grüße! |
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| rieka hat zum Thema: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater geschrieben
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00Julia00 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 16.11.2010 Beiträge: 9 Alter: 23
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Verfasst am: 18.11.2010, 15:20 Titel: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater |
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Das klingt jetzt vielleicht lustig aber ich bin Arzthelferin, seit 3 Jahren ausgelernt. Aber selbst ich brauch mal Hilfe
Ich bin bei einem Allgemeinarzt tätig, und sehe viele verschiedene Formen der Alkoholsucht....
Mit meinem Chef will ich darüber nicht sprechen, bei dem bin ich aber sonst auch in Behandlung...
Ich bin deshalb so unregelmäßig hier, weil sobald ich Zeit finde mich hier rumtreibe um ein bisschen zu lesen und zu ,,lernen,,.
Ich hoffe nur, dass ich das mit meinem Freund soweit in Ordnung bringe, dass ich mit ihm zusammenbleiben kann, denn nun ist man in einem Alter in dem das Zusammenleben eine Rolle spielt, zumindest bei mir!
Hast du mittlerweile alles unter Kontrolle? Das heißt, kannst du mit Alkohol umgehen?
Ganz liebe Grüße  |
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| 00Julia00 hat zum Thema: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater geschrieben
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rieka neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.11.2010 Beiträge: 8 Alter: 48
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Verfasst am: 18.11.2010, 15:46 Titel: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater |
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Nö, das ist doch nicht lustig.... Naja, ein bisschen zum Schmunzeln, wenn man Hintergedanken hat oder so...
Nein, leider alles unter Kontrolle habe ich nicht...
Allerdings nicht in dem Sinne, in dem du fragst. Ich würde über mich sagen, ich kann sehr gut mit Alkohol umgehen.
Ich trinke nämlich fast gar keinen.
Wenn ich mal Alkohol geschenkt bekomme oder tatsächlich mal im Sommer zum Grillen einen Träger Biermixis geholt habe und also überhaupt Alkohol im Schrank habe, sage ich manchmal zum Spaß: "Bei mir wird Bier und Schnaps schimmelig..."
Ich trinke dann tatsächlich zum Grillen oder im Sommer am Abend auf Terrasse alle Jubeljahre mal ein Mixi-Bier (kaltes Weizen-Grape z. B. mag ich unheimlich gern mal eins), und der Rest steht sich im Keller oder im Schrank tot....
Nein, was ich nicht unter Kontrolle habe, ist mein ziemlich sicher vorhandenes Co-Verhalten....
So ist das bei mir.
Ja, super, dass Du einen Job hast - das ist ja in der heutigen Zeit leider nicht mehr selbstverständlich und schon sooooo viel wert.
Nein, dass Du mit Deinem Chef nicht darüber sprechen möchtest, kann ich ganz gut verstehen.
Zwar kenne ich ihn nicht, denke aber, dass das ein Zwiespalt für Dich ist, oder ?
Da könnte leicht der Gedanke oder die Frage bei ihm hochkommen, ob sich das dann nicht auch auf Deine Arbeit auswirkt - schätze ich mal so.
Vielleicht hättest Du selbst dann auch das Gefühl, dass er Dich dann ab und an mal kritischer beäugt, oder, oder, oder....
Das ist schon etwas schwierig.... Wie weit man beruflich und privat miteinander vermischt, sollte man sich auch gut überlegen.
Wie sieht es denn ansonsten mit einer z. B. allerbesten Freundin aus, die Dich unterstützen könnte ?
Müsste natürlich sehr vertrauenswürdig sein und nichts, was Ihr beide miteinander redet oder tut, herumerzählen.
Muss jetzt auch erstmal hier weitermachen, würde mich aber sehr freuen, weiter von Dir zu hören. |
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| rieka hat zum Thema: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater geschrieben
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00Julia00 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 16.11.2010 Beiträge: 9 Alter: 23
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Verfasst am: 18.11.2010, 15:55 Titel: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater |
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hmm, allerbeste Freunde gibt es glaub ich nicht....
Ich habe Freunde die ich mir an den HÄnden abzählen kann, aber dafür sehr Gute, den ich aber sowas nicht erzähle.
Bis auf eine einzigste weiß es keine... Die eine, hat auch eine Mutter die trinkt,oder getrunken hat... wir reden darüber und erzählen unsere Sorgen, sie hat die gleichen wie ich .
Sie will auch nicht ausziehen weil sie Angst hat, das sich ihre Eltern noch mehr streiten, genau wie bei mir.
Ich fahre sehr gerne in den Urlaub, aber immer mit schlechtem Gewissen, weil ich wei´ß, dass ich sie alleine lasse, obwohl sie ja alt genug sind .
Tja so ist das bei mir, alles etwas durcheinander und ichhoffe dass ich vielleicht etwas klarer werde!
Ja, meinem Chef erzähle ich das nicht, weil ich weiß´wie er von solchen Mensch redet.... ziemlich traurig eigentlich...
Ich will versuchen es ohne Psychotherapie hinzubekommen, ich hab mir ein Buch gekauft: Versöhung mit dem inneren Kind....
Vielleicht komme ich damit klar.
Hast du damit schon erfahrung gemacht? was hat dir geholfen? |
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| 00Julia00 hat zum Thema: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater geschrieben
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rieka neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 17.11.2010 Beiträge: 8 Alter: 48
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Verfasst am: 19.11.2010, 10:18 Titel: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater |
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Einen schönen guten Morgen, liebe Julia,
ja, dann kannst Du das mit Deinem Chef tatsächlich knicken...
Das lässt allerdings auch tief blicken, wenn ich Dich richtig verstanden habe und er sich tatsächlich mehr oder weniger abfällig über diese Patienten äußert.
Ja, ja, es verurteilt sich leicht, wenn man selbst nicht betroffen ist - das gilt für viele Bereiche des Lebens - leider.
Wenn dieses ganze Thema nicht so traurig wäre, liebe Julia, hätte ich ja fast ein bisschen schmunzeln müssen gestern....
Du hast mich gefragt, was mir geholfen hat, und ich weiß gar nicht so recht, was ich Dir spontan darauf antworten soll....
In Zusammenhang aber mit Deiner Frage kam mir in den Kopf, was Du vorher geschrieben hattest: Du wollest zum Blauen Kreuz gehen und mal hören, ob es nicht noch "schlimmer Betroffene" gibt als Dich....
Wenn ich diesen Gedanken aufnehme (ansonsten habe ich Dir schon geschrieben, wie ich darüber denke und tue es auch immer noch - das ist klar) und also uns beide und unserer beider Situation vergleiche, bist Du in meinen Augen die "schlimmer Betroffene"....
Ich hatte keine Alkoholiker-Eltern. Während meiner ganzen Kinderzeit kann ich mich konkret erinnern, sowohl meine Mutter als auch meinen Vater je ein einziges Mal betrunken gesehen zu haben.
Ausrutscher also - würde ich mal so sagen.
Trotzdem kann ich mich bis heute exakt an diese beiden Situationen erinnern, obwohl sie weit, weit zurückliegen.
Erinnern auch nur deshalb, weil ich mich so erschrocken habe, meine Eltern plötzlich so ganz anders zu sehen.
Nein, nicht aggressiv oder irgendetwas Böses - einfach nur, für diesen Moment nicht mehr Herr irgendeiner Lage....
Was für ein Gefühl - und nur ein einziges Mal.....
Wie muss es also für Kinder sein, für die das der tägliche Anblick ist....?
Ich stelle es mir uuuunerträglich vor.....
Ja, was hat mir geholfen ?
Also, ich selbst bin in der Situation, dass mein Partner trinkt. Er trinkt in der Weise, dass er grundsätzlich, wenn er trinkt, das solange tut bis er betrunken ist - und zwar bis zum absoluten Verlust der Muttersprache....
So sagen wir hier immer....
Derzeitiger Durchschnitt liegt bei einmal pro Woche, war aber schon zu anderen Zeiten bedeutend höher der Durchschnitt und kann auch von jetzt auf gleich wieder höher werden - das kann niiieemand beeinflussen.
Und dann möchte ich auch dazugerechnet wissen, dass jeweils nicht nur der Tag des Trinkens im Eimer ist, sondern auch der folgende, weil er sich durch den natürlich nur so mehr schlecht als recht hindurchschleppt....
Was für mich am meisten erschreckend dabei ist, ist die Tatsache, dass er 2 Kinder hat, die er, das kann ich absolut sagen, abgöttisch liebt.
Er würde sein Leben für seine Kinder geben, dessen bin ich mir sicher.
Und troootzdem nimmt er nicht einmal auf sie Rücksicht.
Ich weiß, dass die Kinder (eins lebt bei ihm, eins kommt alle 2 Wochen zum WE) beide darunter leiden, wenn ihr Papa trinkt.
Sie haben es mir selbst gesagt.
Dann kommt hinzu, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass, wenn er trinkt, er unter keinen Umständen wach zu bekommen ist.
Heißt also, sollte eins seiner Kinder während der Nacht krank werden, könnten es ihn überhaupt nicht erreichen und stünde also allein da.....
Im nüchternen Zustand ist ihm das alles sonnenklar, aber.....
Tja.....
Was erzähle ich also hier ? Das, was schon soooo viele andere genauso geschrieben haben....
Was mir geholfen hat ?
Liebe Julia, dass ich erstmal auf Distanz gegangen bin - das war einer der wichtigsten Schritte, die ich gegangen bin.
Mein Freund und ich haben vorher rd. 2 Jahre zusammen gewohnt.
Aus verschiedenen Gründen haben wir uns dann entschieden, getrennte Wohnungen zu nehmen (seine Kinder, die zu der Zeit weit von ihm entfernt wohnten, haben hier u. a. eine Rolle gespielt).
Für mich war und ist der Hauptgrund, dass mein Freund, trotz unzähliger Versprechen schon, mit dem Trinken nicht aufhört.
Wie ich in meinem Kopf auch weiß: Es gar nicht kann, da er es auch gar nicht wirklich will.....
Du schreibst, dass Du (und auch Deine Freundin verhält sich so) nicht ausziehen möchtest, weil Du dann Angst hast, dass Deine Eltern sich noch mehr streiten als sie es sowieso schon tun.
Siehe mein obiges Beispiel: Trinken, trotzdem die Kinder darunter leiden....
Denkst Du wirklich, dass insbesondere der trinkende Elternteil, sich ernsthaft solche Gedanken macht wie Du ?
Eins ist sicher: Der Alkohol, solange er eine solche Rolle spielt, ist immer, immer an allererster Stelle!
Der steht wirklich ÜBER dem (im nüchternen Zustand) Gefühl der Liebe....
Das größte Gefühl, das man im Herzen tragen kann, wenn es ehrlich ist.
Liebe Julia, ich schreibe Dir auch als eine Mama, das habe ich schon vorher mal gesagt - sei mir bitte nicht böse deswegen.
Jetzt mal ganz ehrlich: Wenn es keine Alhoholproblematik gäbe in Deiner Familie - würdest Du dann, einfach so, gern eine eigene Wohnung haben wollen ?
Bei Dir stimmen doch alle Gegebenheiten: Du bist in dem Alter, in dem man sich gern selbständig machen möchte, Du hast einen festen Job - sogar schon 3 Jahre Berufserfahrung (was ja in einem so frühen Alter heutzutage durchaus nicht der Standard ist) - könntest es Dir also auch finanziell leisten, eine kleine eigene Wohnung zu nehmen, usw., usw.
Kurz gesagt: Gäbe es dieses Problem nicht, würde doch alles wirklich gut passen....
Nimm es nicht als besserwisserisch auf, das soll es nicht sein, aber Du kannst Dir dessen sicher sein:
1. Es ist IN KEINER WEISE Deine Aufgabe (es ist KEINES! Kindes Aufgabe), vermittelnd oder sonstwie lenkend zwischen Deinen Eltern zu bleiben. Das ist, klipp und klar, ganz allein ihre Sache, die SIE zu bewältigen haben!
Tut mir Leid, wenn das so hart klingt - aber so sehe ich das.
2. Die Einzige, die ihre Nerven dabei lässt und dabei ist, die Zeit ihres Lebens, die noch zur schönsten und unbeschwertesten zählt, zu verlieren.
DU bist nicht an der Situation Deiner Eltern Schuld und schon lange nicht an der Situation des trinkenden Elternteils!!
Grundsätzlich kann ich Dir zum Thema Wohnung noch sagen, dass ich, z. B., in etwa in Deinem Alter direkt von meiner Mutter mit meinem damaligen Freund zusammengezogen bin.
Natürlich war das eine wunderschöne Zeit, trotzdem bedauere ich im Rückblick, nicht wenigstens für eine Zeit eine ganz eigene Wohnung gehabt zu haben......
Das Buch, das Du Dir gekauft hast, kenne ich nicht, habe mir aber mal die Inhaltsangabe durchgelesen.
Wenn das Buch einen Teil dazu beiträgt, dass Du Dich von Deinem (falschen) Verantwortungs- und Schuldgefühl Deinen Eltern gegenüber entfernen und lösen kannst, dann ist es doch auf jeden Fall schon mal das Richtige.
Außerdem (wirst Du wahrscheinlich auch schon getan haben) kannst Du hier Erfahrungsberichte zuhauf lesen.
Darin die Bestätigung zu finden, dass nicht ICH diejenige bin, die mit ihren Gedanken und Gefühlen falsch liegt, hilft zumindest mir, mein inneres Chaos zu sortieren.
Entschuldige bitte, jetzt habe ich Dich schon wieder so "zugetextet" - aber ich weiß einfach nicht, wie man zu so einem Thema kürzer schreiben soll....
Die damit zusammenhängenden Problematiken mit allen schlechten Gefühlen, Gedanken und, und, und kriege ich einfach nicht mit 3 Sätzen auf die Reihe (....natürlich auch in mir selbst nicht).
Wünsche Dir einen schönen und hoffentlich nicht zu anstrengenden Arbeitstag! |
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| rieka hat zum Thema: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater geschrieben
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Nadinsche neuer Teilnehmer
Anmeldungsdatum: 23.04.2006 Beiträge: 28
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Verfasst am: 21.11.2010, 19:26 Titel: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater |
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Ich habe auch diese "Verhaltensstörung", wobei diese kein Thema für mich ist im Moment. Meine Geschwister haben sie auch, ist wohl also normal .
Es geht bei mir soweit, dass ich generell kein Alkohol im Hause mag, zumindest keine offenen Flaschen. Ich hatte mal ne offene Schnapsflasche. Und einen Partner, der ab und zu bei mir war, auch wenn ich nicht da war. Ich habe diese Flasche immer beobachtet, und einmal fiel mir auf, dass was daraus genommen wurde : Ich war also so gut im Kontrollieren, dass mir das schon auffiel. Ich flippte aus, weil sich mein Ex wohl einen Absacker nach dem Essen gönnte. Er war generell ein sehr ruhiger und lieber Mensch, aber bei dieser Sache hatte er kein Verständnis. Er verstand auch nicht, dass ich zum Abend essen zu Hause keinen Wein aufmachen wollte. Nie. Das ging nicht. Er dachte, ich bevormunde ihn bzw. ich wäre sauer, weil er sich was genommen hätte, ohne zu fragen. Was für ein Quatsch. Mir war dann klar, dass er gar nicht wusste, was ich meinte. Selbst als meine Mutter verstorben war nicht!
Mein jetziger Freund war da ganz anders. Anfangs als es ums Abend essen zu Hause ging, erzählte ich ihm in einen kurzen Satz, warum ich generell kein Alkohol zu Hause mag und seitdem ist es kein Thema mehr. Er hat auch noch nie viel getrunken oder so. Einmal war es wohl, als er mit Kumpels unterwegs war. Ehrlich gesagt bin ich heilfroh. Ich hätte keine Lust, mein Leben lang Schnapsflaschen zu kontrollieren.
Das kann man einfach nicht abstellen. Ich habe so für mich erfahren können, ob das was da meine Mutter so von sich liess, glaubwürdig war. Also kurz kontrollieren und dann das Geschwafel über sich ergehen lassen. Auch kann ich mich erinnern, wie in einer Schnapsgaraffe Schimmel ansetzte. Werde das nie vergessen. Ich roch dran. Meine Mutter hatte den Inhalt doch tatsächlich gegen Apfelsaft ausgetauscht. Oder ich bekam mal eine Weinflasche geschenkt - mit 18 - der Wein hiess wie mein Spitzname. Irgendwann stand da ne ähnliche Flasche. Madame hatte das nicht gepeilt, hatte ihren schwachen Moment und meinte durch Ersetzen, dass es keiner merkt . Da muss man doch paranoid werden .
Hier wurde sich auch gefragt, wie man das aushält. Ich hatte das auch, dass ich meine Mutter auf dem Boden liegen sah. Ich hatte schon fast Routine, den Atem zu checken, ob sie noch am Leben war. Da war ich teilweise noch in der Grundschule. Ich entwickelte eine unglaubliche Gleichgültigkeit und Routine, ein Überlebensmechanismus. Ihr Lieblingsthema war such gerne der Selbstmord. Auch da sagte ich schon mit 12: Ja, dann mach doch, dann habe ich endlich meine Ruh´.
Irgendwann viel später in meiner eignenen Wohnung, ich wohnte schon im Ausland, kam sie mich besuchen. Ich hatte ja schon eine grosse Distanz, sowohl räumlich als auch emotional. Ich schwórche, ich hatte einen Nervenzusammenbruch am 1. Tag. Ich hatte das Gefühl, ein kleines trotziges Kind bei mir zu haben. Ich traute mich nicht aus dem Haus, weil ich Angst hatte, sie springe vom Balkon. Sie war auch vollkommen überfordert, sich alleine zurecht zu finden. Ich heulte und heulte, weil ich damit nicht zurecht kam. Ich hatte das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Es war grauenhaft, und ich fragte mich, wie ich das als Kind jahrelang aushielt! Klar, man musste als Kind irgendwie überleben und so legte man sich gewisse Strategien. Nur hinterlässt das eben Spuren. Was ich sagen wollte, man sollte das nicht unterschätzen und nicht zuviel anzweifeln. Ich denke, dass einen das Gefühl meistens nicht täuscht.
Auch finde ich es völlig unwichtig, "schlimmere" Fälle zu sehen. Das nützt dir nix, wenn es dir nicht gut geht. Wie konsequent du da mit deinem Partner sein musst. Ich weiss es selbst nicht, aber lass dich nicht so von Verharmlosungen einlullen.....
Ui, jetzt habe ich aber viel geschrieben. Sorry, wollte eigentlich nur kurz antworten . |
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| Nadinsche hat zum Thema: Re: Verhaltensgestört durch meinen Vater geschrieben
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