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Ein Rückfall kommt nicht von alleine

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Karsten
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BeitragVerfasst am: 11.10.2010, 09:32    Titel: Ein Rückfall kommt nicht von alleine Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

eigentlich bräuchte man dieses Thema gar nicht aufgreifen, aber da die Realität ja anders aussieht, möchte ich mal meine Gedanken dazu aufschreiben, die mir durch den Kopf gehen, wenn ich hier von Rückfällen lese.

Oft ist es ja irgendwie vorauszusehen und bei riskanten Wegen schreiben ja auch immer wieder viele andere Forenteilnehmer ihre Erfahrungen dazu.

Meist kommen dann Gegenargumente, warum es bei ihm oder ihr gerade anders ist, als bei den meisten Langzeittrockenen und man ja unbedingt diese Situation so meistern möchte, obwohl viele Erfahrungen dagegen sprechen.

Sicherlich kann man niemanden von etwas überzeugen, was er oder sie nicht einsehen kann und manchmal auch nicht einsehen will.

Mehr als unsere eigenen Erfahrungen aufschreiben und auf Risiken hinweisen, kann man ja nicht.

Druck erzeugt Gegendruck und das kann man hier sehr oft lesen.
Bei Hinweisen werden dann Beispiele angeführt, die man über drei Ecken irgendwo mal gehört hat, also die Suche nach den doch so gut gehenden Ausnahmen oder man zieht sich zurück.

Das viele wieder trinken, zeigt die Realität, vor der wir uns auch nicht verschließen können, aber jeden sollte klar sein, jeder kann es schaffen, dauerhaft nüchtern zu bleiben.

Ein Rückfall baut sich oft über einen längeren Zeitraum auf. Deshalb ist es so wichtig, die Warnhinweise, die ja auf Erfahrungen beruhen ( immer darauf achten, wie lange jemand trocken ist, der schreibt ) immer ernst zu nehmen. Die innere Abwehrhaltung steht vielen Neuen vielleicht entgegen. Deshalb einfach mal drüber nachdenken, ob an diesen Erfahrungen nicht doch etwas dran sein kann.

Ist der Rückfall erst mal in den Gedanken verankert, ist es sehr schwer, wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Dann fehlen eigentlich nur noch die Selbstlügen, die Argumente vor sich selbst, bis das erste Glas wieder getrunken wird.

Wichtig ist ein Aufbau der Nüchternheit, der nicht von heute auf morgen zu erreichen ist, aber wie viele trockene Alkoholiker hier zeigen, es ist für jeden möglich, egal wo er oder sie momentan steht.

Allen eine glückliche Zukunft.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Ein Rückfall kommt nicht von alleine geschrieben
Paul P.
Gast






BeitragVerfasst am: 12.10.2010, 15:30    Titel: Meine Rückfälle Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich hatte glaub ich 3 Rückfälle Frage nach längeren Trinkpausen.

Ein ganz wichtiger Aspekt bei allen war das die "Hintertür" stets offenstand und meine innere Einstellung war " Wenn es mir gut geht kann ich ja wieder ein paar Bier...."

Erst in diesem Jahr habe ich Dinge erlebt die ich so nicht nocheinmal erleben will, die in keinem Verhältnis standen zu dem was sonst Trinkpausen eingeleitet haben.

Ich habe lange mit dem Feuer gespielt und mich nun kräftig Verbrannt. Der oft zitierte Schalter liegt nun um, der oft zitierte Tiefpunkt (der bei jedem sicher anders tief iegt) wurde erreicht.

Ich glaube auch das solche Erfahrungen und das daraus resultierende neue Bewusstsein eine dauerhafte Trockenheit ermöglichen.
Ich kenne noch sehr viele nasse Alkis denen ich mich oft mitteile aber die scheinbar noch nicht soweit sind...ich glaube manche Erfahrungen müssen Leute wirklich auch selber machen.

Mir sagte man früher schon seitens der SHG "Du kannst 1000 Therapien machen, wenn es aus eigenem Antrieb nicht klappt ist man zum Scheitern verdammt" Hilfestellung seitens Erfahrener ist absolut wichtig jedoch unütz wenn man diese Hilfe nicht will

Gruss
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Paul P. hat zum Thema: Meine Rückfälle geschrieben
HansHa
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
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Beiträge: 476
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Wohnort: Berlin - Trocken seit 2005

BeitragVerfasst am: 12.10.2010, 17:10    Titel: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

mikelc hat Folgendes geschrieben:
wobei die Therapeuten die kurz hintereinander folgenden Rückfälle als einen einzigen ansehen, der durch Trinkpausen unterbrochen war.

Hallo,

die von Karsten genannten Selbstlügen findet man überall. Oder fängt es damit nicht an, wenn jetzt aus mehreren Rückfällen plötzlich nur noch einer wird - dann war es doch eigentlich nicht so schlimm Frage und das Suchtgedächtnis hat schon wieder einen Ansatzpunkt, den wir gerne annehmen und damit die Rückfallmaschinerie in Gang zu setzen.
Aber das ist wie mit allem im Leben - die Dosis macht das Gift. Das sich selbst belügen sehe ich als Schutzfunktion des Gehirns. Das "benutzen" auch Nichtsüchtige. Aber bei uns ist diese Funktion fehlerhaft und wird vom Suchtgedächtnis benutzt. Also müssen wir uns ständig selbst überprüfen und beobachten. Warnzeichen frühzeitig zu erkennen ist unsere einzige Überlebenschance.

Ohne jemandem persönlich zu meinen, bin ich nicht der Meinung wie Karsten, dass jeder trocken werden kann - die Statistik beweist es. Nur wenn ich die genannte Fähigkeit habe oder annehmen kann, wird es mir möglicherweise gelingen, dauerhaft trocken zu bleiben. Natürlich spielen andere Aspekte auch eine Rolle.

Und jetzt mal ganz egoistisch und sehr böse: Natürlich hilft es auch weiter, etwas Besonderes zu sein - nämlich nicht zu den 98% Rückfällen nach 5 Jahren zu gehören und was richtig gemacht zu haben. Wenn es einfach wäre, müssten wir uns nicht darüber unterhalten.

Schönen Tag

H.
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HansHa hat zum Thema: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine geschrieben
Penta
sehr aktiver Teilnehmer


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Beiträge: 3106
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BeitragVerfasst am: 12.10.2010, 19:04    Titel: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Paul,

ich hab da mal was aus einem anderen Thread, was hier vielleicht ganz gut herpasst. Da ging es darum, ob es eine Richtung bei dem Zeug gibt, das Suchtdruck auslösen könnte.
Paul P. hat Folgendes geschrieben:

Es gibt ja auch die die alles trinken von Schnapps über Bier bis hin zu wer weiss was.
Da stell ich mir das dann schon schwerer vor, aber bei war (ist) es eben das Bier.

Das verstehe ich nicht. Dann ist es leichter, wenn jemand "nur" (im Sinne von ausschließlich) Bier getrunken hat?

Das bedeutet ja, dass du zu einer Weinprobe gehen kannst. Da gibt es ja kein Bier. Oder was?

Mag ja etwas provokant sein gerade, aber für mich ist es für die Risikominimierung vollkommen belanglos, was es ist, wenn Alkohol im Spiel ist.

Und für mich ist die wichtigste Vorsorge die Risikominimierung.

LG Penta
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Penta hat zum Thema: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine geschrieben
Ghiuirgean
neuer Teilnehmer


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Wohnort: Seit 14.5.2003 trocken. Hamburg, schon immer

BeitragVerfasst am: 12.10.2010, 20:25    Titel: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Allo

Penta hat Folgendes geschrieben:
Das verstehe ich nicht. Dann ist es leichter, wenn jemand "nur" (im Sinne von ausschließlich) Bier getrunken hat?

Nein, ist es nicht! Ich bin ein "ausschließlicher" Biertrinker gewesen. Ganz
am Anfang meines Wege in die Abstinenz hab' ich das Wort "nur" benutzt.
Aber erstens stimmt das nicht ganz und zweitens verharmlost das Wort
"nur". Und sowas wie: "Ich bin nur ..." geht sowieso gar nicht. Ich bin und
war niemals "nur" wasauchimmer. Cool

Solange jemand noch irgendeine Hoffnung hegt, doch irgendwann wieder
(kontrolliert) Alkohol trinken zu können, ist der Rückfall gefährlich nah'.
Diese Frage für sich ein für alle mal zu klären, ist sicher ein große Hürde.
Ich bin Alkoholiker, ich kann meinen Alkoholkonsum nicht kontrollieren.
Blöd ist nur, daß für viele dieses "nie wieder trinken dürfen" mehr Angst
macht, als die Aussicht wieder da unten zu landen, wo sie herkommen.
Viele, die ich kenn', haben den Schritt zu "nie wieder trinken zu müssen"
geschafft, und sind damit deutlich stabiler und länger trocken, da ihnen
niemand (auch sie selbst nicht) mehr etwas wegnimmt. Das hat auch mir
geholfen, da ich mit Verboten (die ich nicht vollständig durchschau') nicht
gut umgehen kann. Das reicht natürlich auch noch nicht, ist aber 'ne gute
Basis für: "Ich will abstinent leben." So geht's mir heut'; es geht mir gut.

HansHa hat Folgendes geschrieben:
Ohne jemandem persönlich zu meinen, bin ich nicht der Meinung wie Karsten, dass jeder trocken werden kann - die Statistik beweist es

Nö, tut sie nicht. Die Statistik beweist bloß (wenn sie überhaupt irgendwas
beweist), daß nicht jeder trocken bleibt. Das ist was ganz anderes. Mit den Augen rollen

Slán
Jürgen
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Ghiuirgean hat zum Thema: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
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Beiträge: 32808
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Wohnort: Eberswalde

BeitragVerfasst am: 12.10.2010, 20:34    Titel: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo HansHa,

nun jeder kann es schaffen, wie sehr viele hier zeigen.
Viele sind hier hergekommen, wurden nüchtern und sind es immer noch.

Die Statistik sagt eben nur, dass die Meisten wieder trinken. Sie sagt aber nicht, ob alle diese Menschen wirklich aufhören wollten.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine geschrieben
Penta
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 19.06.2010
Beiträge: 3106
Alter: 41

BeitragVerfasst am: 13.10.2010, 04:38    Titel: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo ihr,

nur mal am Rande finde ich gerade diese Statistik mit den 98% für mich nicht so sehr hilfreich.
Für mich stehen die Chancen rein statistisch gesehen bei 50:50.
Da sieht die Quote dann ganz anders aus, aber das ist meine Tatsache. Trinken oder Nichttrinken.

LG Penta
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Penta hat zum Thema: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 04.12.2009
Beiträge: 4502
Alter: 60
Wohnort: Wilkau-Haßlau

BeitragVerfasst am: 13.10.2010, 06:28    Titel: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf penta

Penta hat Folgendes geschrieben:
Für mich stehen die Chancen rein statistisch gesehen bei 50:50. Da sieht die Quote dann ganz anders aus, aber das ist meine Tatsache. Trinken oder Nichttrinken.
du hast recht befass dich weniger mit der statistik - befass dich mit deiner befindlichkeit
übrigens stand (rein statistisch gesehen) meine chance trocken zu bleiben seit 23jahren bei 100%

schönen mittwoch

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: Re: Ein Rückfall kommt nicht von alleine geschrieben

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