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Recht auf Therapie?

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Kaleu
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 08.02.2010
Beiträge: 1024
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 18.10.2010, 15:17    Titel: Re: Recht auf Therapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Xenica hat Folgendes geschrieben:
ich glaube nicht, daß Du weißt, daß es wirklich so ist und rückfällige Alkoholiker Hilfe ausnützen.


Ganz wie Du meinst.
Belassen wir's dabei, daß ich die Beiden von mir genannten Herren doch nicht kenne. Winken
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Kaleu hat zum Thema: Re: Recht auf Therapie? geschrieben
Xenica
Gast






BeitragVerfasst am: 18.10.2010, 15:18    Titel: Re: Recht auf Therapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

das ist so nicht richtig.

Nur weil jemand Alkohol im Blut hat, ist er nicht gleich Alkoholiker. Um als Alkoholkranker diagnostiziert werden zu können, müßen auch Punkte erfüllt werden.

Und natürlich muß man auch als Traumatisierte um seine Therapien kämpfen. Das geht nur mit Unterstützung eines Neurologen und/Psychotherapeuten

Anstatt dieser Frau zu sagen, sie soll lieber saufen, damit sie eine Therapie bekommt, soll sie sich an den Sozialdienst wenden, an die Krankenkasse selbst oder an eine Institutsambulanz
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Xenica hat zum Thema: Re: Recht auf Therapie? geschrieben
MrHardcore
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 15.12.2009
Beiträge: 149
Wohnort: Nähe München

BeitragVerfasst am: 18.10.2010, 17:02    Titel: Re: Recht auf Therapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo karsten,

sicher ist es erschreckend zu sehen, dass hilfsangebote, die rar und teuer sind, missbraeuchlich in anspruch genommen werden, teilweise sogar das "recht" darauf mit allen mitteln eingefordert wird, die dazu gehoerige eigenverantwortung des patienten jedoch stark zu wuenschen uebrig laesst.

was waere denn die alternative? den zugang zu therapien zu erschweren (durch welche massnahmen auch immer)? nun, ich kann mir vorstellen, dass dies auf jeden fall zu lasten derjenigen gehen wuerde, die ein eher schwach ausgepraegtes selbstwertgefuehl haben. dieser personenkreis wird sich nun nicht gerade "auf die hinterbeine stellen" und "terz" machen, um doch noch eine (erstmalige?) therapie bewilligt zu bekommen. massnahmenziel also eher verfehlt.

die zahl an hilfsangeboten auf x pro person zu begrenzen? nun, auch du hast sehr lange zeit gebraucht, um fuer dich zu entscheiden, jetzt muss schluss sein. auch andere widrige umstaende haben dich nicht zur frueheren entscheidung der trockenheit bewegen koennen. was dann, wenn der zeitpunkt fuer eine trockenheit bei x+1 liegt? ziel erneut verfehlt.

diese liste laesst sich beliebig erweitern. aus meiner eigenen erfahrung kann ich dir nur sagen, dass deutschland eines der wenigen laender dieser welt ist, in denen eine derart fundierte und vom patienten "bezahlbare" (auch wenn der kostentraeger jemand anders ist) therapielandschaft besteht. wo das credo immer noch heisst "erst leben retten, dann die kostenfrage klaeren".

dieses vorgehen hat schon viele leben gerettet.

ich finde, jedes einzelne gerettete leben ist es wert, diesen -sicherlich aergerlichen und unnuetzen- missbrauch dann eben im unvermeidlichen mindestmass hinzunehmen, anstatt auch nur eines dieser leben nicht zu retten.

das leben ist mir einfach viel zu wertvoll, als bestimmte personen-/patientenkreise von der hilfe auszuschliessen.

cu
MrHardcore
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MrHardcore hat zum Thema: Re: Recht auf Therapie? geschrieben
Karsten
Administrator
Administrator


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BeitragVerfasst am: 18.10.2010, 17:27    Titel: Re: Recht auf Therapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo MrHardcore,

ich weiß es ja auch nicht.
Gerade weil ich selbst oft die Schulmedizin in Form von Entgiftungen ( Therapie habe ich ja nie gemacht ) in Anspruch genommen habe, kenne ich beide Seiten.

Ich war ja so ein Drehtürpatient, der immer wieder in irgendein Krankenhaus musste. Auf der anderen Seite war das die letzte Zeit auch nötig, weil es schon massive Herz-Kreislaufprobleme gab und ich oft ins Delir gefallen bin, trotz saufen.

Als ich das Thema hier eröffnet habe, hatte ich mir diese Fragen gestellt, aber eine Antwort wird es wohl nicht geben.

Trotz allem bin ich heute dankbar, dass ich diese Klinikaufenthalte bekam, trotz meiner fehlenden Einsicht.

Gruß
Karsten
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Karsten hat zum Thema: Re: Recht auf Therapie? geschrieben
silberkralle
sehr aktiver Teilnehmer


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BeitragVerfasst am: 18.10.2010, 17:56    Titel: Re: Recht auf Therapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

glück auf karsten

Karsten hat Folgendes geschrieben:
Trotz allem bin ich heute dankbar, dass ich diese Klinikaufenthalte bekam, trotz meiner fehlenden Einsicht.
irgenwas scheint hängengeblieben zu sei (gegenalle besserwisserei)
+ da bin ich denen auch gleich dankbar (+ deiner WG) dafür das wir heute hier schreiben dürfen

Sehr glücklich
matthias
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silberkralle hat zum Thema: Re: Recht auf Therapie? geschrieben
Kaleu
sehr aktiver Teilnehmer


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Beiträge: 1024
Alter: 38

BeitragVerfasst am: 18.10.2010, 18:54    Titel: Re: Recht auf Therapie? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo,

ich kann jedenfalls gut nachvollziehen wie Karsten, gerade weil er es erlebt hat, auf diese Frage kommt. Hätte er das alles ernster genommen, bereits früher ernster genommen, wenn es ihm eben nicht so leicht gemacht worden wäre?
Schwer darauf eine Antwort zu finden. Vielleicht wird es die nie geben und es ist müsig sich über das Hätte Gedanken zu machen, denn wie mit allem ist es hier das Gleiche, das Hätte ändert gar nichts.

Ich bin übrigens weit davon entfernt, Hilfe zu versagen oder das System unnötig zu verkomplizieren zu wollen, denn Fälle wie Karstens zeigen, daß es vielleicht beim 20sten mal tatsächlich Wirkung zeigt und wo wäre Karsten geblieben wäre er dann abgewiesen worden? Vielleicht wäre er dann heute nicht mehr hier. Auch das steht im Raum.
Auch wir haben in der SHG welche, die haben die ersten 2 LZTs nicht im Ansatz ernst genommen und es war völlig klar, daß die rückfällig werden. Beim dritten Mal aber hieß es, ach, wenn ich schon mal da bin, dann kann ich auch mitmachen und mich darauf einlassen. Und diese Kandiaten sind heute Langzeittrockene. Wo will man also die Grenze ziehen? Ich denke es ist viel zu komplziert und ließe sich nur im Einzelfall entscheiden, aber wer will das denn entscheiden?

Wir haben aus der SHG einen rausgeschmissen, weil der ein halbes Jahr lang angetrunken kam. Große Sprüche, aber nie was dahinter. Irgendwann war es nur noch lästig, besonders für Neuankömmlinge die den Mut hatten etwas zu unternehmen, aber in der SHG durch einen halbtrunkenen Typen angepöbelt wurden. Haben wir den jetzt aufgegebn? Hätte es nach einem Jahr vielleicht bei ihm Klick gemacht? Durch den Rausschmiss aus der SHG hat sich auch nichts verändert, er säuft nach wie vor.

Wer soll das schon entscheiden, wer kann das wissen, es bleibt letzten Endes dabei, wer nicht aufhören will, wird nicht aufhören.

Wenn ich sage, daß ich in manchen Fällen Brechreiz bekomme, dann sind das die, die wissentlich das System ausnutzen um genauso weitermachen zu können wie bisher. Mir geht es dabei nicht um Kosten oder das schmarotzen sondern um das Blockieren von wertvollen Therpieplätzen. Niemand weiß wie viele es gibt, die es nicht schaffen weil sie nur einmal den Mut haben aufzuhören aber auf einen Therapieplatz oder eine Entgiftung warten müssen und in dieser Zeit wieder resignieren und weitersaufen oder sich suizidieren oder, oder, oder. Denn diese Menschen stehen in keiner Statistik.

Wenn zeitgleich Jemand 20 Mal bei der Entgiftung ist, 20 Mal, immer in dem Wissen, wenn ich raus bin, sauf ich sofort wieder, dann ist das etwas was mich einfach ankotzt. Natürlich soll er auch das 21ste Mal aufgenommen werden, aber mich kotzen solche Menschen an die das wissentlich und mit voller Absicht tun. Das hat nichtmal soviel nur mit den Therapieplätzen zu tun. Das bezieht sich auf alle Menschen die soziale Sicherungssystem bewusst zu ihrem eigenen Vorteil ausbeuten. Meißtens sind es genau diese Menschen die dann auf ihr Recht bestehen und kein bisschen Dankbarkeit zeigen. Sicher sind diese Menschen die Ausnahme und nicht das Gros. Dennoch gibt es sie und ich bekomm Plaque wenn ich so jemanden sehe!

Allem, jedem Menschen und jeder Institution die mir auf meinem Weg in die Trockenheit geholfen habe bin ich jedenfalls unendlich dankbar, allein schon für deren Existenz. Ob das nun Karstens Forum ist, meine SHG oder die Suchtberatung oder meine Therapeutin die ich übrigens aus eigener Tasche bezahle. Denn ohne die hätte ich's wahrscheinlich nicht geschafft. Da zu argumentieren, daß es mein gutes Recht gewesen wäre halte ich nicht nur für armselig sondern auch für sehr vermessen.

Grüße

Kaleu
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Kaleu hat zum Thema: Re: Recht auf Therapie? geschrieben

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