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Ich denke mein Freund hat ein Problem. Wie herangehen?

 
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Mayado
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.09.2010
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 05.09.2010, 18:32    Titel: Ich denke mein Freund hat ein Problem. Wie herangehen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen,

ich habe mich heute hier angemeldet, weil ich im Internet nicht wirklich befriedigende Informationen gefunden habe. Ich dachte, hier unter Betroffenen finde ich sicher Rat.

Ich bin 23 Jahre alt und seit ca eineinhalb Jahren mit meinem Freund zusammen. wir studieren beide.

Nun möchte ich mein eigentliches Anliegen schildern:

Ich bin mir nicht sicher, ob ich einfach zu empfindlich bin oder ob mein Freund tatsächlich ein Problem hat. Nun ja, dass er ein Problem hat, da bin ich mir eigentloch sicher, ich weiß nur nicht wie gravierend es ist und wie schnell es noch schlimmer werden kann...
Ich habe im Netz nach Informationen gesucht, die ich ihm zeigen könnte, damit er vielleicht beginnt mal ernsthaft über sich nachzudenken.

Entschuldigung, vielleicht sollte ich erst mal die Lage beschreiben.
Wie gesagt sind wir beide Studenten und haben deshalb keine geregelten Tagesabläufe, geschweige denn dass wir jeden Tag früh raus müssten. Aber nicht dass jetzt alle denken, "die faulen Studenten", Arbeit haben wir mehr als genug, nur eben nicht geregelt. Winken
Daher ist für uns im Prinzip jeden Tag ein Wochenendetag, und daher kann auch jeden Abend getrunken werden... Mein Freund trinkt wirklich jeden Abend, (fast) ausnahmlos. Ist dass allein schon Grund genug zur Sorge?

Dazu kommt, dass ich das Gefühl habe er kann nicht anders, gestern zum Beispiel habe ich ihn morgens gefragt, ob er abends wieder trinken wird, und er antwortete mit einem klaren "Nein". Allerdings mit dem Zusatz "gestern war es dann doch ein bisschen viel". Es waren nämlcih Leute da und das ein oder andere Bier ist geflossen sowie ein guter Schluck Rotwein. Gestern Abend jedoch saßen wir nach dem Essen noch zusammen (zu viert, wir wohnen in einer WG), und plötzlich meinten die beiden Jungs, jetzt wäre es Zeit für einen Mojito. Ich habe ihn angesehen und gefragt was mit der Aussage von morgens wäre, worauf er antwortete, "ja ich dachte ja auch ich wäre heute Abend in XXX" (Bei seinen Eltern).

Mich macht das so traurig. Und das geht jeden Abend so, seit Wochen. Fast immer findet er jemanden zum Trinken (unser Mitbewohner mag auch Bier), wenn nicht, hat er auch nichts dagegen, eine Flasche Wein selbst zu leeren. Er hat davon nicht mal einen Kater, wenn ich soviel trinken würde, würde ich unterm Tisch einschlafen...

Ich weiß nicht wie lange es schon so krass ist, so richtig bewusst geworden ist es mir im Urlaub vor einigen Wochen, als er Abends vor dem Zelt noch 1-2 Liter Bier trank, wenn ich schon schlafen war. (Ich gehe oft vor ihm Schlafen, da ich einfach einen anderen Rhytmus habe). In einer Diskussion darüber ist er gleich persönlich und fies geworden, hat angefangen auf mir herumzuhacken und mir meine "Fehler" um die Ohren geschmissen, weil er sich angegriffen gefühlt hat. Ich bin aufgestanden und wortlos gegangen. Später kam er nach und hat sich entschuldigt, mit den Worten: "Ich weiß dass ich ein Problem habe, es tut mir leid dass ich dann so garstig reagiere wenn man mich drauf anspricht." Ich war aber so sauer dass ich bis zum nächsten Morgen nicht mit ihm gesprochen habe, am nächsten Tag konnten wir kurz drüber reden, ohne dass er gleich abgeblockt hat. Da haben wir auch darüber diskutiert, warum das sein muss. Seine Begründung war, dass es dann nicht so langweilig ist, dass der Alkohol für ihn wie eine Beschäftigung ist und er sich irgendwie besser fühlt. Nebenbei mag er auch gutes Bier und Wein.
Einen Abend lang hat er es dann gelassen, er hat sich bei mir bedankt dass ich ihm mal den Kopf gewaschen habe, aber dann ging es kommentarlos weiter mit dem Bier.

Hinzu kommt noch, dass er manchmal sagt, er mag eigentlich keinen Alkohol trinken, und erzählt immer wieder, dass er bis er 18 war keinen Tropfen getrunken hat, bis ihn "eine Frau dazu verführt hat...".
Außerdem findet er es gut, dass ich so gut wie nichts trinke.

Es sind noch so viele Kleinigkeiten... In unserem Haushalt gibt es immer einen Vorrat, wenn nicht, sind beide Männer sehr darauf bedacht noch vor 10 in ein Geschäft zu kommen und noch wenigstens 4 Bier zu kaufen. Kleine Biere gibt es erst gar nicht, "ein Bier ist ein Liter" heißt es immer. Unser Mitbewohner mag manchmal nicht wirklich mit trinken, wird dann aber kategorisch überredet.

Dann kommt noch dazu, dass es bei uns beiden nicht so gut läuft, wir habe irgendwie den Draht zueinander verloren. Wir sagen immer wieder, wir wollen dran arbeiten, naja es geht auf und ab.

Einmal sagte er ich soll ihm helfen von dem Zeug loszukommen (mit Zeug meinte er in dem Fall allerdings Gras, aber das ist ein ganz anderes Thema), indem ich ihn ablenke und ihn bestärke. Ich soll dafür sorgen dass er nicht dran denken muss. Er tut mir dann so Leid, aber was soll ich tun, ich bin doch kein Kindermädchen und Bespaßerin. Ich habe selbst die Hände voll mit meinem Studium, dazu kommt, dass ich Abends immer früher im Bett liege und wir uns wie gesagt nicht mehr so nahe sind wie wir es mal waren.

Ich habe schon mit einer Feundin geredet, ob ich mir da was einbilde. Sie hat bestätigt dass beide schon ziemlich viel Trinken, aber dass sie sich da kein Urteil erlauben will weil sie selbst raucht und davon nicht los kommt.

Wie schätzt ihr die Lage ein? Gibt es eingeutige Anzeichen, die ich im Prinzip auflisten kann und ihm zeigen damit er mal sieht was eigentlich los ist? Ich denke unterbewusst weiß er dass er das nicht will, aber es ist so zur (ungestraßten) Gewohnheit geworden, und niemand bisher hat ihn drauf angesprochen, dass er es anscheinend von sich selbst weg schiebt.

Entschuligt bitte, dass dieser Beitrag so lang geworden ist und vielleicht etwas wirr. Ich hoffe, dass ich etwas tun kann...

Liebe Grüße, Mayado
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Mayado hat zum Thema: Ich denke mein Freund hat ein Problem. Wie herangehen? geschrieben
Ette
sehr aktiver Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 25.01.2007
Beiträge: 1660
Alter: 55

BeitragVerfasst am: 05.09.2010, 18:44    Titel: Re: Ich denke mein Freund hat ein Problem. Wie herangehen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Mayado,

herzlich willkommen hier im Forum. Hier findest du sicherlich jede Menge Informationen, wie du für dich selbst dein Leben ordnen kannst.

Für deinen Freund, so er denn will, finden sich im Internet Tests, mit denen ein Betroffener einschätzen kann, wie weit sein Trinkverhalten schon bedenklich oder gar abhängig ist. Allerdings ist es vorrangig seine Aufgabe, sich damit auseinander zu setzen.

Ebenso ist es nicht deine Aufgabe, ihn abzulenken damit er nicht nicht kifft oder trinkt. Wenn er etwas verändern möchte, gibt es jede Menge professioneller Unterstützung, so er denn wirklich will.

Ich habe es als sehr viel schwieriger empfunden, für mich selbst Unterstützung zu finden, um aus dem Hamsterrad des Helfens heraus zu kommen.

Auf jeden Fall entnehme ich deinem Posting die Tatsache, dass dich sein Alkoholkonsum stört. Dabei ist die einzige Situation, die du ändern kannst, deine eigene.

Wie du dir selbst helfen kannst, dazu findest du hier im Bereich der Co-Abhängigen sicherlich genug "Denkfutter". Manchmal nicht einfach zu verdauen, aber hilfreich.

LG
Ette
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Ette hat zum Thema: Re: Ich denke mein Freund hat ein Problem. Wie herangehen? geschrieben
Mayado
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 05.09.2010
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 05.09.2010, 19:04    Titel: Re: Ich denke mein Freund hat ein Problem. Wie herangehen? Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ette,

vielen Dank für deine schnelle Antwort!

Ich habe heute schon den einen oder anderen von diesen Fragebögen gesehen, und oft stand dabei, wenn sie wenigstens 3 dieser Fragen mit ja beantworten können... aber als ich die Fragen gesehen habe, ging es eher um körperliche Abhängigkeit und Entzugserscheinungen, die er ja nun nicht hat...

Könnt ihr mir einen Tipp geben, wie ich an solche Tests oder Listen herankommen, die sich auch auf psychische Abhängigkeit beziehen? Wenn ich ihm ankomme mit "zittern Sie schon morgens...?" guckt er mich wohl nur schräg an.

Ich denke ich bin nicht mehr in der Gefahr, mich selbst aufzugeben. Wir haben in unseren 1,5 Jahren viel durchgemacht, im Schnellverfahren quasi, und ich habe gelernt, mich nicht abhängig zu machen. Dass mir seine Launen egal sein können und ich mir (wieder) mein eigenes Leben aufbaue. Das habe ich geschafft, ich denke mittlerweile nicht mehr "ich kann nicht ohne ihn", denn ich weiß dass ich sehr wohl könnte und dass es mir dabei auch gut gehen würde. Aber im Moment will ich diesen Schritt nicht gehen.

Ich habe schon einige Beiträge gelesen, und mir ist auch hier wieder bewusst geworden, dass mein Denken richtig war, dass ich nicht verantwortlich für ihn bin und ihn selbst machen lassen muss. Aber manches geht mir zu weit.

Er hat ein Problem, und ich möchte ihn wenigstens auf den richtigen Weg bringen. Ich kann mich für ihn einsetzen, ohne mich selbst zu vergessen. Nur wie, das möchte ich hier herausfinden.

Wenn es mir selbst schlecht geht, bin ich dankbar für Hilfe. Ich möchte selbst helfen.

Ich kann mir einfach nicht sagen "das geht mich nichts an".
Dass sein Wunsch, ihn abzulenken etc zu weit geht, ist mir klar. Einen Abend mag das ja gehen, aber ich kann und will nicht Tag und Nacht um ihn herumschwänzeln und ihn bespaßen!

Ich würde ihn gerne überzeugen, zu einem Therapeuten zu gehen. Das Problem ist nur, dass er generell von Ärzten nichts hält. Er ist ein lieber, aber auch sehr radikaler Mensch. Soll das wirklich eine Lösung sein? Ihn fallen lassen? Er ist mir wichtig!

Ich gehe jetzt jedenfalls ein Eis essen. Ich kann das wieder Smilie

Viele liebe Grüße!
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Mayado hat zum Thema: Re: Ich denke mein Freund hat ein Problem. Wie herangehen? geschrieben

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