| Unterschiede bei Alkoholikern... • vom Opfer zum Täter? |
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Mada neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.04.2010 Beiträge: 29
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Verfasst am: 09.09.2010, 16:51 Titel: Re: Bin wieder zurück / Verhaltensmuster wirklich nur EKA? |
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Hallo Kaja,
wie ich heute zu meinen Eltern stehe?
Zu meinem Vater habe und will ich keinen Kontakt mehr. Seine ersten Worte nach dem Tod meines Bruders zu mir waren "ich bin Dir gerne behilflich beim Verkauf von seinem Auto".... ist eine komplizierte und lange Geschichte mit vielen Winkelzügen, das würde hier den Rahmen sprengen. Ihm ging es nur darum, Geld rauszuschlagen.
Er ist gegangen - und ich habe die Tür hinter ihm abgesperrt (bildlich gesprochen). Ob ich ihn hasse? Ich denke eher, er ist mir gleichgültig. Ich trauere nur um die schlimme Zeit, die ich hatte und über die Schmerzen, die er mir zugefügt hat.
Mit meiner Mutter habe ich seitdem ein gutes Verhältnis. Zwischendurch hat sie auch eingesehen, daß sie öfters mal den Mund hätte aufmachen müssen.
Jetzt kommen wir aber zu dem Problem, das die meisten hier haben: der Mensch, der vor mir steht ist durch den Alk bzw. die Folgeerkrankungen so verändert, das ist nicht mehr meine Mutter, die ich kannte! Das ist eine fremde Person geworden!
Mich macht es wütend, daß es mit ihr soweit gekommen ist. Ich hatte die Veränderung ihres Zustandes schon vor 5 Jahren festgestellt und auf sie wie auf einen kranken Gaul eingeredet, daß sie sich bitte ärztliche Hilfe holen soll. Damals glaubte ich noch Demenz....
Sie hat alles abgelehnt, abgestritten, sich verweigert und mich angelogen. Über mindestens 2 Jahre. Sie sagte, sie sei beim Arzt gewesen, es sei alles in Ordnung.... Erst als ich wegen eines (angeblichen) Termins meiner Mutter in der Praxis anrief, sagte man mir, sie sei schon lange nicht mehr da gewesen. Diese Lügerei hat mein gesamtes Vertrauen in sie zerstört.
Ich kann ihr einfach nichts mehr glauben.
Sie hat kaum noch Kurzzeitgedächtnis. Das heißt, ich kann auch über nichts mehr mit ihr reden. Wenn ich ihr jetzt von unserem Hund erzähle, fragt sie in 3 Minuten "und wie geht es Eurem Hundchen?". Meine Anrufe gestalten sich zur Pflichtübung. Mit mir redet sie kaum noch, sie gibt mich gleich weiter an ihren Freund. Zum Glück sind wir uns in großen Dingen einig und ziehen an einem Strang.
Natürlich ist es jetzt so, daß sie für ihr Empfinden nicht lügt. Sie lebt in ihrer Welt und ihrer Wahrheit, das ist auch ein Symptom des Korsakoff-Syndroms. Aber bis zu welchem Zeitpunkt hat sie mich bewußt angelogen und ab wann wußte sie es einfach nicht besser? Eine der Fragen, die mich quälen... Aber egal, wie die Antwort ausfällt, ich habe kein Vertrauen mehr, wenn sie mir etwas zusagt. Erstens ist es 3 min später vergessen und zweitens hat sie mich ja schon öfters belogen.
Auf der einen Seite weiß ich, daß ich ihr nichts vorwerfen darf, was in Zusammenhang mit ihrer Erkrankung steht, auf der anderen Seite komme ich aber von meinen Emotionen nicht los.
Puh, jetzt ist es doch wieder lang und ausführlich geworden.
Gruß
Mada |
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| Mada hat zum Thema: Re: Bin wieder zurück / Verhaltensmuster wirklich nur EKA? geschrieben
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Mada neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.04.2010 Beiträge: 29
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Verfasst am: 29.03.2011, 11:37 Titel: Re: Bin wieder zurück / Verhaltensmuster wirklich nur EKA? |
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Hallo,
und wieder ist viel Zeit vergangen mit seelischer Aufräumarbeit. Ich glaube, in diesem Forum habe ich den Hinweis auf das Buch "Vergiftete Kindheit" von Susan Forward gefunden. Dieses Buch ist eine Offenbarung! Ich kann es jedem nur empfehlen, zu lesen!
Darin werden genau die Mechanismen beschrieben, unter denen wir alle hier zu leiden hatten. Sei es, daß die Alkoholsucht der Eltern vertuscht werden mußte, daß man als Kind geschlagen wurde, daß man dauern beschimpft oder im schlimmsten Fall mißbraucht wurde.
Alles sind Mißhandlungen der Kinderseele! Und sie wirken bis ins Erwachsenenalter, werden oft sogar an die eigenen Kinder weitergegeben, wenn die Opfer nicht bewußt dagegen ankämpfen.
Susan Forward erklärt, daß die Kinderseele gar keine Chance hat, sich gegen die Eltern zu wehren. Also werden diese Mechanismen einfach "einprogrammiert".
Eine Spur härter ist "Masken der Niedertracht" von Marie-Francois Hirigoyen. Sie nennt die Täter Perverse und beschreibt auch deutlich den Unterschied zwischen der normalen "Bösartigkeit", die jeder Mensch besitzt, die aber immer gefolgt ist von Reue und dem Empfinden, etwas falsch gemacht zu haben und der Perversion. Denn genau dieses Reuegefühl und die Empathie ist bei den Perversen nicht gegeben. Im Gegenteil, sie erfreuen sich an der Lähmung des Opfers. Ein hammerhartes Buch, das mir aber zusammen mit dem zuvor genannten sehr geholfen hat, die Unterdrückungsmechanismen meiner Kindheit zu erkennen und zu akzeptieren.
Die ganz große Botschaft in beiden Büchern: DAS OPFER IST NICHT SCHULD !!!
Das Opfer wurde Opfer, weil der Täter es dazu gemacht hat. Nicht, weil es "darum gebeten" oder "es zugelassen" hat.
Ich kann jedem EKA diese Bücher nur empfehlen. Sie sprechen das deutlich aus, was wir unbewußt fühlen. Unsere Wut ist berechtigt! Unsere Schuldgefühle sind unberechtigt! Wir haben das Recht auf ein eigenes Leben! Wir brauchen die Verantwortung für die Taten und Entscheidungen unserer Eltern nicht übernehmen!
Es ist normal, daß wir uns nach dieser Erkenntnis voller Zweifel wiederfinden. Es ist normal, daß wir uns Sorgen machen, was das Umfeld von uns denkt.
Aber, hey, uns wurden Schmerzen zugefügt (seelisch und/oder körperlich) und wir haben das Recht AUA zu sagen und uns von unseren Peinigern abzuwenden!
Gruß
Mada |
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| Mada hat zum Thema: Re: Bin wieder zurück / Verhaltensmuster wirklich nur EKA? geschrieben
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Wolfsfrau neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 27.01.2011 Beiträge: 56 Alter: 44
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Verfasst am: 30.03.2011, 14:38 Titel: Re: Bin wieder zurück / Verhaltensmuster wirklich nur EKA? |
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Hallo Mada,
ich habe Deinen ganzen Faden gelesen, und diese drei Sätze treffen einfach so genau,
was auch ich an innerer Berechtigung brauche, um mich vom kranken System zu lösen.
Vielen Dank, dass Du Dich durch die Bücher gekämpft hast und das hier jetzt so zusammenfasst:
| Mada hat Folgendes geschrieben: |
Unsere Wut ist berechtigt! Unsere Schuldgefühle sind unberechtigt! Wir haben das Recht auf ein eigenes Leben!
Wir brauchen die Verantwortung für die Taten und Entscheidungen unserer Eltern nicht übernehmen!
Es ist normal, daß wir uns nach dieser Erkenntnis voller Zweifel wiederfinden.
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Ich bin auch EKA (beide Eltern haben getrunken, jetzt nur noch meine Mutter).
Mein Vater hat sehr zwanghafte Züge und keinen Umgang mit seinen Gefühlen gelernt.
Als Einzelkind erlebte ich seine Starre und Leblosigkeit (bei totaler Forderung
von Perfektion und schnellem "Verstehen"), die schon ohne ausgeübte Gewalt
sehr angst-einflößend und unberechenbar war. Ich habe gelernt, zu funktionieren.
Meine Mutter ist eher warm und fließend in ihrem Wesen, wurde von meinem
Vater aber für seine eigenen Zwecke (sollte ihm Fürsorge schenken) eingespannt.
Ich war Konkurrentin um ihre Liebe, habe ihre Gefühle nur als "verhindert" erlebt,
obwohl sie für mich existierten. Sie liebt mich, und das kann ich heute noch fühlen.
Zu meinem Vater habe ich hingegen keine von innen lebende Beziehung, da ist nichts.
Außer der "familiär" bedingten Kiste: Wir gehören zusammen. Aus der bin ich aber
emotional raus gefallen, seit ich mich um meine vollständigen Gefühle bemühe.
Seither ringe ich um eine halbwegs normale Art von Kontakt mit meinen Eltern,
merke aber, dass selbst der mir nicht gut tut, weil die Gefühle zwischen uns fehlen.
Zu Deiner Ausgangsfrage vielleicht dies:
Mein Therapeut (ehemals Suchtarbeit) erklärte mir mal, dass die "Droge" egal ist,
selbst übertriebenes Umsorgen (Co-Abhängigkeit als Form von Zwanghaftem Verhalten)
sei eine, und sie dienten alle einem selben Zweck: Die schwierigen eigenen Gefühle
zu umschiffen, wie ein Bypass. Nur dass damit die innere Verbindung blutleer wird,
auch die unter den Familienmitgliedern selbst. Ist ja keiner mehr emotional "am Platz".
Darum ist es für uns "Kinder" fast egal, aus welchem Grund unsere Eltern
emotional abwesend waren. Ob durch Substanz oder besessenes Verhalten.
Wir haben alle keinen offenen, aufrichtigen, wertschätzenden Umgang mit unseren
Gefühlen gelernt. Und dass wir immer, egal mit welchem, völlig "in Ordnung" sind.
Für mich ist ein gesundes Selbstwertgefühl heute noch ein echtes Stück harte Arbeit.
Soviele Unwahrheiten habe ich dazu "gelernt", wie die Dinge "sind", und wie man zu
sein hat.
Gar nicht so leicht, mit den Trümmern fertig zu werden, die sich offenbaren,
wenn mir dann erstmals klar wird, wo ich völlig unnötig "Verantwortung" akzeptiert
habe, innerhalb und für ein System, das zutiefst lebensfeindlich ist, und das sich
vermutlich nicht einmal meine Eltern freiwillig ausgesucht haben. Es war ihr
Bypass für wiederum abwesende Vorbilder. Das macht es für mich so tragisch.
Dass niemand dem Nächsten wirklich gern und aus der Fülle der inneren Wahl heraus
Leid weiter geben würde. Dass vielmehr die eigenen inneren Abläufe schon so verstört
und pervertiert
wurden, dass sie jetzt tatsächlich fahrlässig bis gezielt bösartig (wie Du aus den Büchern
zusammenfasst) ausfallen.
Langsam komme ich dahin, mir eine Loslösung von ihren Problemen erlauben zu können.
Indem ich anerkenne(n muss), dass sie ihre Wahl getroffen haben, wie sie jetzt ist.
Dass sie es also für sich so wollen und meiner "Hilfe" gar nicht bedürfen. Das ist ein Relikt,
mein Glaube, dass ich "machen kann, dass" (auch) sie glücklicher wären. Im Irrtum,
dass sie dann auch für mich anders da wären, und ich dann "echte" Eltern hätte.
Das war mir bislang gar nicht so klar, dass ICH da was VON ihnen will, nicht "für" sie,
wie ich immer dachte, wegen meiner Traurigkeit und meinem Erlösungs-Trip.
Ich finde es toll, dass Du Dich auf den Weg gemacht hast, Dir Dein Leben und Deine
Gefühle zurück zu holen. Ich habe auch so eine mehrwöchige Therapie hinter mir,
vor 2 Jahren gemacht, "verliere" aber vieles davon leicht wieder im Alltag,
oder in Nahkontakt mit meinem Elternhaus.
Dein Beitrag hat mich aber wieder in Kontakt mit dieser kraftvollen Energie von damals
in Kontakt gebracht.
Danke dafür!
Liebe Grüße
von der Wolfsfrau |
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| Wolfsfrau hat zum Thema: Re: Bin wieder zurück / Verhaltensmuster wirklich nur EKA? geschrieben
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