| Es fängt gerade an, aber wie kann ich mir sicher sein? • Der Alkohol ist ihm mittlerweile wichtiger als seine Familie |
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BabyBlue neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 02.09.2010 Beiträge: 2 Wohnort: Thüringen
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Verfasst am: 02.09.2010, 11:11 Titel: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt |
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Hallo zusammen.
Ich habe schon länger immer mal still mitgelesen und mich heute dazu entschlossen, mich anzumelden. Ich würde mich sehr über einen Erfahrungsaustausch freuen, vor allem, da "unsere" Situation als EKA ja doch irgendwie eine besondere ist.
EDIT: Ich habe wirklich viel geschrieben, obwohl ich versucht hatte, alles so kurz wie möglich zu halten. Ich würde mich trotzdem freuen, wenn jemand die Zeit findet, es zu lesen und mir zu antworten...
Mein Vater und mein Opa waren beide Alkoholiker - Problemtrinker. Keine schlechten Menschen, es wurde nicht geschlagen, sie waren selten aggressiv und wenn, dann wurde nur mal kurz laut rumgemotzt. Im Herzen waren beide gute Menschen, die gerne das Richtige getan hätten aber nie wirklich wussten und gelernt haben, wie das geht.
Mein Opa ist bereits vor 10 Jahren verstorben - er hatte Wasser in der Lunge, welches wohl von einer nie diagnostizieren, weil nie in ärztlicher Behandlung, Leberzirrhose kam. Für uns alle starb er sehr plötzlich, keiner hat damit gerechnet.
Mein Vater hat weiterhin getrunken - klar: Probleme=Alkohol. Und vor 8 Jahren hat er die Diagnose Leberzirrhose bekommen.
Dann begann das Auf und Ab. Eine Weile an alles gehalten, trocken und "gesund". Das war eine tolle Zeit! Ich hab es so genossen, mit meinem Vater richtig reden zu können! Und dann wieder Ab - Neue Probleme, die Trinkerei fing wieder an, die Medikamente wurden abgesetzt, das Wasser hat sich wieder gesammelt und und und... Immer mal wieder ins Krankenhaus. Und auch das immer viel zu spät, weil er Ärzte und Krankenhäuser verabscheut hat.
Seit Mitte letzten Jahres war es dann eine dauerhafte Tortur:
Durch einen Arbeitsunfall ins Krankenhaus gekommen mit unendlich viel Wasser im Körper. Da hat er sich nach ein paar Tagen selbst entlassen und ist ca. 1 Woche später wieder in ein anderes Krankenhaus gegangen. Dort wurde festgestellt, dass er eine Bypass-OP benötigt, da sein Herz nicht mehr richtig gearbeitet hat. Und auch, dass die Nieren bereits angeschlagen sind. Er hat sich dann ungefähr 1 Woche vor seinem Entlassungstermin dort wieder selber entlassen. Im Oktober war der dann in der Uniklinik in Kiel und hatte die Bypass-OP. Ich war über eine Woche mit ihm dort, damit er nicht alleine sein muss. Wir wohnten über 700km weit auseinander, so dass dies alles nie richtig einfach war.
Die OP hat er gut überstanden und - mal wieder - alle Ärzte überrascht. Danach ging's zur Rhea. Und weil zu Hause bei und mit meiner Mutter schon wieder die Probleme gewartet haben, hat er bereits während der Rhea wieder angefangen zu trinken (1 Glas Rotwein am Abend... kann ja nicht schaden.....). An Weihnachten waren wir bei meinen Eltern und es war das erste Mal, dass er sich auch vor mir nicht zusammengerissen hat. Viel Alkohol, große Enttäuschung meinerseits...
Und so ging es dann das gesamte Jahr weiter. Bis er im Juli in's Krankenhaus musste, weil er keine Luft mehr bekommen hat. Dort ist ihm dann eine Krampfader in der Speiseröhre geplatzt und für ein paar Tage war nicht klar, ob er dies überhaupt überlebt. Er hat! Und er hat sich wieder hochgekämpft, hatte Pläne und Ziele und jede Menge gute Vorsätze. Mitte August sollte er aus dem Krankenhaus entlassen werden und wir wollten ihn erstmal zu uns holen, damit er nicht alleine ist. Meine Mutter hatte in dieser Zeit einen seelischen Zusammenbruch und ist seitdem ebenfalls in der Klinik in psychatrischer Behandlung.
Soweit ist es allerdings gar nicht gekommen. Donnerstag hab ich ihn abgeholt, Sonntag wollten wir nach Thüringen fahren und Samstag Abend hatte er so starke Krämpfe, dass ich den Notarzt rufen musste. Er kam wieder ins Krankenhaus, diesmal Intensivstation. Die Nieren hatten versagt und es wurde über die Dialyse erstmal Wasser (und ein wenig auch die Giftstoffe) aus dem Körper geholt. 2 Wochen hat er gekämpft, zwischendrin sah es so aus, als wäre er über den Berg. Dann gab es einen schlimmen Rückfall, von dem er sich nicht mehr erholt hat. Donnerstag Morgens wurde mir gesagt, er kommt auf Station weil man in der Intensiv nichts mehr für ihn tun könne. Donnerstag Mittags kam er auf die Privatstation (damit er ein Einzelzimmer erhalten konnte), die Medikamente wurden abgesetzt und er bekam lediglich Morphin um die Schmerzen zu lindern. Freitag Abend ist er verstorben, nachdem meine Mutter zumindest an diesem Tag es geschafft hatte, noch bei ihm zu sein.
Nachdem er auf der Intensiv war, musste ich wieder zurück nach Thüringen. Ich habe 700km und 8 Stunden auf der Autobahn geschrien und geheult, wie selten in meinem Leben. 2 Wochen lang habe ich täglich mindestens 2x im Krankenhaus angerufen um mich zu erkundigen, wie es ihm geht. Ab und an konnte ich kurz mit ihm telefonieren. Das letzte Mal Mittwoch, wo ich ihm gesagt hab, dass ich bald wieder da bin. Er hat noch gesagt "Das wär ja schonmal was", dann hatte ich plötzlich die Krankenschwester am Telefon weil die Geräte meines Vater Alarm geschlagen hatten. Und ab dem Tag ging es nur noch bergab. Meine Mutter hatte ihm Freitag gegen 18 Uhr noch gesagt "Jetzt schlaf ein bisschen und ruh Dich aus. Morgen kommt Deine Tochter", um 21 Uhr wurde der Tod festgestellt.
Ich hab es erst Samstag früh erfahren, weil wir den Freitag Abend auf der Autobahn waren. Ein paar Minuten, bevor ich ihn besuchen wollte, hat meine Mutter mich informiert. Ich konnte ihn nochmal im Krankenhaus sehen und ich konnte auch sehen, dass es für ihn endlich vorbei war. Keine Schmerzen, keine Luftnot, keine Sorgen mehr.
Und die ersten Stunden waren schlimm. Aber seitdem... geht's irgendwie. Ich muss kaum weinen - was ich von mir nicht kenne, ich bin seeehr nah am Wasser gebaut - und ich bekomme auch die Organisation von der Beerdigung gut hin. Ich bin nicht wirklich gelähmt, nur etwas verlangsamt. Ich komme noch aus dem Bett und durch den Tag, obwohl ich natürlich tief traurig bin. Arbeiten fällt mir schwer, ist aber nicht unmöglich. Mir ist oft schwindelig, aber ich falle nicht um.
Ist das normal? Fehlt einfach bei so einer Geschichte ein großer Teil der Trauer, weil man das Ende seit Jahren hat kommen sehen? Oder trauert man quasi schon bevor der Tod eingetroffen ist? Oder kommt dass dicke Ende noch?
Ich kann im Moment einfach nicht damit umgehen, dass ich so gut damit umgehen kann...
Hat schon jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?? |
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| BabyBlue hat zum Thema: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt geschrieben
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DanielG neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.01.2010 Beiträge: 94
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Verfasst am: 02.09.2010, 12:00 Titel: Re: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt |
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Hallo Baby Blue,
mach Dir jetzt nicht auch noch Selbstvorwürfe. Erstens sind sie nicht angebracht, weil jeder Mensch anders trauert. Und zweitens wird es noch kommen, das Gefühl der Leere und Trauer, wenn die Beerdigung usw.alles vorbei ist.
Es ist jetzt wichtig, dass Du deiner Muter beistehst, die braucht Hilfe.
Wenn es denn ein Trost sein kann: dein Vater ist sehenden Auges in den Tod gegangen, und immerhin noch mit klarem Verstand. Es gibt Fälle, wo das Korsakow-Syndrom den Tod zur Erlösung werden lässt.
idS Daniel |
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| DanielG hat zum Thema: Re: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt geschrieben
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KB sehr aktiver Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 03.04.2007 Beiträge: 2245 Alter: 45 Wohnort: Halle
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Verfasst am: 04.09.2010, 18:06 Titel: Re: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt |
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Hallo Babyblue,
zuerst einmal mein Beileid zum Verlust Deines Vaters!
Ich denk mal die Trauer kommt noch. Du hast momentan einfach zu viel um die Ohren. Und nur weil nicht dauernd die Tränen fließen heißt das nicht, dass Du nicht trauerst.
Hab meinen Pa im vorigen Sommer verloren. Er hatte einen Unterkiefertumor und nur auf mein zutun hin ist er in ärztliche Behandlung gekommen. Er wär von allein auch nie zum Arzt gegangen! Der Arzt hat ihn sofort ins Krankenaus geschickt und wir haben uns ca. 6 Wochen intensiv um ihn gekümmert, seine Wäsche gemacht usw... Aber die Bestrahlung hat er dann wohl nicht so gut vertragen...sein Körper war durch den vielen Alk-genuss all die Jahre viel zu geschwächt. Zum Schluss hin kam er in ein Pflegeheim mit Palliativstation, wo er nur noch zwei Tage gelebt hat und den letzten Tag hab ich an seinem Bett seine Hand haltend verbracht.
Was ich damit sagen möchte, ich glaube man schließt schon viel eher mit der Möglichkeit des Todes ab. In all den Jahren des Hoffens und doch wieder enttäuscht werdens ist es doch ein ganz schönes auf und ab. Direkt nach dem Tod kamen bei mir auch keine Tränen. Man hatte einfach so viel zu organisieren...
Als dann wieder mehr Ruhe eintrat war es anders. Und auch heute, ein Jahr später kann ich schlecht über den Tod reden - die Augen füllen sich automatisch!
Ich wünsch Dir jedenfalls für die komende Zeit viel Kraft und lass alles so zu wie es kommen sollte!
Liebe Grüße von Katrin |
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| KB hat zum Thema: Re: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt geschrieben
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Mada neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 01.04.2010 Beiträge: 29
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Verfasst am: 06.09.2010, 14:53 Titel: Re: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt |
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Hallo,
mach Dir keine Selbstvorwürfe! Solange noch getan, organisiert, geschafft werden muß, funktioniert man!
Ich habe vor Jahren die Beisetzung meines Bruders organisiert, sogar selbst noch eine Abschiedsrede für ihn gehalten. Und jeder gratulierte mir zu meiner Stärke und wie toll ich das alles gemacht hätte und wie stark ich bin!
Ich lebte wie unter einer Käseglocke, nur Funktion, keine Emotion! Das kam dann alles später! Und in teilweise völlig unerwarteten Situationen.
Und wie schon gesagt: jeder Mensch trauert anders.
Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst.
Gruß
Mada |
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| Mada hat zum Thema: Re: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt geschrieben
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Vivian1 neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 03.12.2009 Beiträge: 32 Alter: 33
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Verfasst am: 10.09.2010, 19:45 Titel: Re: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt |
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Es tut mir leid um den Verlust deiner Mum.
Meine Mum ist nach vielen, vielen ach soooo vielen Krankenhausaufenthalten vor 4 Jahren an Krebs gestorben. Wir haben Sie ein halbes Jahr zuhause gepflegt.
Als sie gestorben war, hatte ich tierische Weinkrämpfe, danach habe ich wie immer funktioniert und dann kam der grosse Zusammenbruch.... danach die grosse Leere.
Ich habe meine Mum über alles geliebt und gleichzeitig gehasst. Irgendwann ist mir allerdings bewusst geworden, dass ich nicht nur meine Mum verloren hatte sondern auch meine Lebensinhalt. Ich wusste gar nichts mit mir anzufangen. Ich habe ihr Leben gelebt. Hat mich jemand nach meine Bedüftnissen gefragt, habe ich sie unterbewusst auf meine Mum abgestimmt. Ich wusste gar nicht - wer oder was ich bin. Selbst nach so vielen Jahren - versuche ich immer noch rauszufinden, wer ich bin und was ich fühle. Aber es wird langsam.
Zudem kam mit ihrem Tod auch eine grosse Erleichterung über mich. Für viele die keine EKAs sind, muss es sich fürchterlich anhören. Aber mir ist die Last der Verantwortung von den Schultern gefallen. Endlich musste ich mich nicht mehr um meine kranke Mum kümmern. Endlich hatte ich Zeit für mich - auch wenn ich am Anfang nicht wusste wie ich diese für mich nutzen konnte.
Lass dir nicht vorschreiben wie du zu trauen hast. Wie bereits gesagt, trauert jeder anders. Setzte dich nicht unter Druck. Lass dir Zeit.
Ich wünsche dir alle Kraft dieser Welt.
Alles Liebe
Vivian |
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| Vivian1 hat zum Thema: Re: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt geschrieben
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krapfen neuer Teilnehmer
Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 10.09.2010 Beiträge: 20
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Verfasst am: 13.09.2010, 18:10 Titel: Re: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt |
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Hey Baby Blue,
mein Opa war 2 Jahre vor seinem Tod ein 100 % er Pflegefall, wenn er mit den ganzen Tabletten noch einen klaren Augenblick hatte und uns erkannte sagte er immer bitte lasst mich endlich sterben.
Das hat mich die Jahre immer so traurig gemacht, das ich halt im Inneren nen Teil der Trauer vielleicht schon hinter mir hatte. Ich meine wär er plötzlich ohne Vorwarnung gestorben, wär ich ned so gefasst gewesen und so wars in gewisser Weise eine Erlösung für ihn.
Ich kann dir nicht sagen ob es bei dir auch so ist, oder ob in ner freien Minute erst wieder alles hochkommt.
Ganz lg krapfen |
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| krapfen hat zum Thema: Re: Vater an Leberzirrhose gestorben - Trauer fehlt geschrieben
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